Bitte aktivieren Sie JavaScript und laden die Seite neu. Paramente Marienkirche

logoneu

Willkommen Ostdeutsche Museen - Aktuelles Aktueller Bericht § 96 BVFG  -Neue § 96-KonzeptionOstpreußisches Landesmuseum Westpreußisches Landesmuseum - Kulturreferat Paramente Marienkirche - Regionalmuseum Krockow Donauschwäbisches Zentralmuseum  Schlesisches Museum Pommersches Landesmuseum Ostdeutsche Galerie Links Impressum

Mit einer Petition auf dem Internetportal https://www.openpetition.de- betitelt Verbleib des 1944 geretteten Danziger Paramentenschatzes im Lübecker St. Annen-Museum - soll verhindert werden, daß die EKD treuhänderisch in ihrem Eigentum befindliches deutsches Kulturgut aus den untergegangenen evangelischen Gemeinden der historischen deutschen Ostprovinzen an Polen ohne Gegenleistung verschenkt. Die Forderung lautet: Die Paramente sollen im Lübecker St. Annen- Museum dauerhaft verbleiben.

 Um Unterstützung dieser Petition wird herzlich gebeten.

Ihre Unterschrift auf der Petition können Sie ganz einfach auf folgenden Link leisten:

http://www.ostdeutsche-museen.de/html/paramente__marienkirche.html

Parament_020_1000

DANZIGER PARAMENTENSCHATZ - ZUSAMMENFASSUNG
(Stand: 1. Februar 2024)

Die Leitung der evangelischen Kirche (UEK/EKD) hat sich mit dem Erzbistum Danzig darauf verständigt, den 1944 vor der Zerstörung durch die Rote Armee geretteten Paramentenschatz aus der Danziger Marienkirche dorthin zu verschenken. Bei dem Paramentenschatz handelt es sich um geistliche Textilien von unermeßlichem ideellen und materiellen Wert, die im mittelalterlichen Danzig von deutschen Kaufleuten, Handwerkern und Bürgern geschaffen wurden.
Gegen dieses Verschenken von deutschem Kulturgut regt sich seit Anfang 2023 erheblicher Widerstand, und zwar in Form einer offenen Petitionskampagne, die noch bis zum 31. März 2024 gezeichnet werden kann.

Die Petition ist abrufbar unter

Einen vergleichbaren Standpunkt wie das CHRISTLICHE FORUM vertritt Martina Meckelein in der Jungen Freiheit  vom 20. Januar 2024 in ihrem Beitrag

Danziger Paramentenschatz – umsonst gerettet

Eigentlich ruhte der Paramentenschatz, eine Sammlung wertvoller Seide aus dem 14. Jahrhundert, jahrzehntelang in Lübeck. Mittlerweile ist jedoch Danzig die neue Heimatstadt. Verantwortlich dafür ist die evangelische Kirche.
Arabische Clans sind so schrecklich roh und einfältig. Wenn die es mal wieder auf deutsche Kunstschätze abgesehen haben, zersägen sie Gitterstäbe, zerschlagen Vitrinen, plündern die Auslagen und versuchen unerkannt zu entkommen. Sie sollten sich mal ein Beispiel an der protestantischen Kirche nehmen. Die macht das viel eleganter. Die bricht nirgendwo ein. Die formuliert eine Absichtserklärung, einen „Letter of Intent“, und verschenkt einfach deutsches Kulturerbe. Das ist kein Witz.
Konkret: Die Union Evangelischer Kirchen in der Evangelischen Kirche in Deutschland (UEK) – das ist der Rechtsnachfolger der deutschen evangelischen Gemeinden östlich der Oder und Neiße – plant, Polen mit dem aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten unter Lebensgefahr geretteten Danziger Paramentenschatz zu beglücken. Im Verschenken deutschen Kulturgutes und im Verhöhnen der Flüchtlinge und Vertriebenen aus den Ostgebieten und im Tilgen der Erinnerungen an deutsche Kultur sind die Lutheraner übrigens schon echte Profis. Denn der Paramentenschatz ist nicht das erste „Geschenk“ der evangelischen Kirche an die Polen. Und er wird sicherlich nicht das letzte bleiben. Außer, es gäbe eine Gesetzesänderung.
„Nur 289 Teile konnten gerettet werden“
„Paramente sind geistliche Textilien, wie Altardecken, Klingelbeutel und Gewänder, Kappen, Stolen“, erklärt der Historiker Jürgen Martens (84). Nun, diese Stoffe gibt es in jeder Kirche. „Der Danziger Paramentenschatz ist allerdings einmalig“, sagt Martens. „Die Stoffe stammen zum größten Teil aus dem 14. Jahrhundert. Sie sind aus orientalischer und chinesischer Seide mit filigranen Motiven, wie beispielsweise seltsamen Vögeln, und sie sind mit reinem Gold eingestickt.“ Die reichen Danziger Patrizierfamilien ließen sie über Venedig importieren.
„Und dann wurden sie in Danzig vor Ort vernäht“, sagt Martens. Es müssen zu Hochzeiten Danzigs Unmengen an diesen Paramenten alleine in der Marienkirche gelagert worden sein. Immerhin galt es 53 Altäre und 130 Diakone und Meßdiener auszustaffieren. Die Marienkirche wurde 1525 zur evangelischen Hauptkirche in der Hansestadt.
Die Paramente wurden unbrauchbar. In vielen Kirchen wurden sie zerstört. Nicht so in Danzig. „Vor den Bilderstürmern wurden sie versteckt, eingemauert und dann zum Glück vergessen“, sagt Martens. „Erst im 19. Jahrhundert entdeckte sie ein Küster namens Hinz wieder. Ursprünglich waren es an die 1.000 Teile. Doch weit über 700 Stücke wurden verkauft, nur 289 Teile konnten gerettet werden.“
Irgendwann nach 2010 verschwand der Schatz
Und diese knapp 300 Stücke mußten 1944 wieder gerettet werden. Gerhard Gülzow hieß der letzte evangelische Pastor der Marienkirche. Gemeinsam mit einigen Gemeindemitgliedern ging er 1944 mit den Gewändern auf die Flucht vor den anrückenden Russen und Polen, im Gepäck die Paramente. Sein Weg führte über Thüringen. Dort verblieben 183 Textilteile. 106 Stücke schafften es bis nach Bayern und dann Richtung Norden nach Lübeck, in Gülzows Pfarrhaus in der Luther-Kirche. „Der Teil, der in Thüringen verblieben war, wurde 1961 von der DDR-Regierung an die Polen übergeben“, so Martens. „Der Schatz ist heute im Nationalmuseum in Danzig.“
Die Stücke in Lübeck gingen ins Eigentum der Union Evangelischer Kirchen in der Evangelischen Kirche in Deutschland über. 1964 wurden die Paramente in der Marienkirche in Lübeck ausgestellt. Doch die 700 Jahre alten Textilien litten unter den schlechten konservatorischen Bedingungen in dem Gebäude. Die Hansestadt und die Kirche schlossen einen Vertrag und kamen überein, den Danziger Schatz im St. Annen-Museum zu zeigen. Seit 1990 wird er in einer Klimakammer präsentiert.
Martens ist geborener Lübecker. Auch wenn er heute in Königswinter wohnt, besucht er immer wieder seine Heimatstadt. „Irgendwann nach 2010 bemerkte ich dann bei einem Besuch des Museums, daß die Gewänder nicht mehr ausgestellt waren“, sagt er gegenüber der JUNGEN FREIHEIT. Auf dem im Oktober 2018 stattgefundenen „Forum Gedanum“ fragte Martens, wo sich denn nun der Schatz befinden würde.
EKD-Ratsvorsitzender spricht von „Marienkirche Gdańsk“ – nicht Danzig
„Ich bekam aber keine eindeutige Antwort. Deshalb schrieb ich am 15. Oktober 2018 dem damaligen Ratsvorsitzenden der EKD, Heinrich Bedford-Strohm.“ Am 6. November 2018 gab es eine bischöfliche Antwort. „Unter anderem wurde mir zugesichert, daß eine Rückführung des Paramentenschatzes nach Polen nicht vorgesehen sei.“ 2019 waren dann die Paramente wieder im St. Annen-Museum zu sehen. „Um so unbegreiflicher war für mich, als ich im Dezember 2022 einen Artikel in den Lübecker Nachrichten las“, erzählt der Historiker, „dort stand, daß die Danziger Paramente nach Polen überstellt werden sollten.“
Unter der Überschrift „Ausdruck deutsch- polnischer Freundschaft: Spätmittelalterliche Textilien sollen von Lübeck zurück zur Marienkirche Gdansk gebracht werden“ erklärte die UEK am 9. Dezember 2022 in einer Pressemitteilung, daß sie sich mit der Marienkirche Gdańsk darauf geeinigt hätten, „in den kommenden Jahren das Eigentum an dem sogenannten ‘Danziger Paramentenschatz’ auf die Marienkirche Gdańsk zu übertragen und die Paramente an ihren Herkunftsort zurückkehren zu lassen.“ Diese Absichtserklärung hatten sie einen Tag zuvor, am 8. Dezember 2022, im Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover unterzeichnet.
Als Generalkonsulin der Bundesrepublik Deutschland in Danzig lobte Cornelia Pieper die Vereinbarung mit den Worten: „Das ist ein großartiges Beispiel für zivilgesellschaftliche Initiativen, die die deutsch-polnische Freundschaft voranbringen und vertiefen.“ Eine doch wohl eher einseitige Freundschaftsbekundung. Immerhin erinnerte der polnische Erzbischof Tadeusz Wojda daran, daß es sich nicht um die erste derartige Schenkung handelt: „Stadt und Erzbistum Gdańsk freuen sich sehr, daß nach dem Dreifaltigkeitsaltar, der seit 2020 nach über siebzig Berliner Jahren wieder in der Marienkirche Gdańsk steht, demnächst auch der Paramentenschatz nach Hause kommt.“
„Ich will betonen, daß nicht Polen die treibende Kraft ist, sondern die evangelische Kirche“
Martens vermutet, daß die damalige Ratsvorsitzende der EKD, Annette Kurschus, und Auslandsbischöfin Petra Bosse-Huber, die treibenden Kräfte hinter der aktuellen Paramenten-Schenkung wie auch der Altarschenkung sind. „Vielleicht ist es reine Eitelkeit der beiden Damen gewesen.“
Wann der Schatz allerdings nach Danzig überstellt wird, ist überhaupt noch nicht klar. Martens: „Die EKD hat den Schatz nicht dem Staat Polen, sondern der Danziger Marienkirche geschenkt. Er könnte also nur in der Kirche ausgestellt werden. Dort sind die klimatischen Unterbringungsmöglichkeiten allerdings sehr problematisch. Es fehlt ebenfalls an Personal.“
Darf der Danziger Paramentenschatz denn überhaupt ins Ausland ausgeführt werden? Unter dem Zeichen 29/9972 hat die AfD unter anderem auch diese Frage am 3. Januar 2024 in einer Kleinen Anfrage an die Bundesregierung gestellt. Zuständig ist das Haus der Kulturstaatsministerin Claudia Roth. Die JUNGE FREIHEIT fragte schon mal vorab nach: „Die Stellung von Kirchen und Religionsgemeinschaften ist verfassungsrechtlich besonders geschützt“, so ein Sprecher der Ministerin. „Der Schutz umfaßt sowohl den Schutz vor staatlicher Einflußnahme als auch die selbstständige Ordnung und Verwaltung von Kirchen-Angelegenheiten, insbesondere ihrer Vermögensverwaltung.“
Das bedeutet, daß eine Ausfuhr ins Ausland der Staat nur verbieten könnte, wenn die Kirche als Eigentümerin ihre Kunstwerke ins Verzeichnis national wertvollen Kulturgutes eintragen lassen würde. Das hat sie nicht getan, also hat der Staat hier keine Handhabe, will sie vielleicht auch gar nicht haben. Martens gibt allerdings nicht auf. Er will verhindern, daß der Danziger Paramentenschatz an Polen verschenkt wird. „Ich will betonen, daß nicht Polen die treibende Kraft ist, sondern die evangelische Kirche.“ Martens startete eine Petition. Er fordert die Änderung des Paragraphen 9, Abs 1 und 3 des Gesetzes zum Schutz von Kulturgut (KGSG). Es ist genau der Paragraph, auf den das Roth-Ministerium verweist, um nicht einzuschreiten.

Als letztes ist auf den Beitrag von Henriette Piper im Rundbrief der Gemeinschaft evangelischer Ostpreußen (GeO - Rundbrief 2/2023) hinzuweisen, in dem sie sich für den Verbleib der Danziger Paramente in Deutschland vehement einsetzt:

danziger_paramentenschatz_1
danziger_paramentenschatz_2
danziger_paramentenschatz_3

Die AfD richtete am 3. Januar 2024 eine Kleine Anfrage  an die Bundesregierung  zur Absicht der EKD, den in Lübeck bewahrten Danziger Paramentenschatz an die Marienkirche in Danzig zu verschenken. Sie griff damit die Thematik “Rettung und Bewahrung ostdeutschen Kulturgutes” auf. Die anderen Bundestagsparteien - insbesondere die CDU - bringen diesem Thema gegenwärtig wenig
Interesse entgegen.

Nachstehend wird der Text der Kleinen Anfrage wiedergegeben. Sobald die Antwort der Bundesregierung vorliegt,  wird der Text an dieser Stelle veröffentlicht.

Antwort der Bundesregierung - Bundestagsdrucksache 20/10126 vom 18. Januar 2024 auf die Kleine Anfrage der AfD- Fraktion vom 03.01.2024
Zum Text bitte nachstehenden Link anklicken: Bt-Drs. 2010126

Deutscher Bundestag                                                                                               Drucksache 20/9972
20. Wahlperiode                                                                                                                                                    03.01.2024

Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Marc Jongen, Martin Erwin Renner, Dr. Götz Frömming, Beatrix von Storch und der Fraktion der AfD

Haltung der Bundesregierung zur Verschenkung des Danziger Paramentenschatzes an die Danziger Marienkirche in Polen

Am 8. Dezember 2022 hat sich die Union Evangelischer Kirchen in der Evangelischen Kirche in Deutschland (UEK) mit dem römisch-katholischen Bistum Danzig-Oliva und der ihr zugehörigen Gemeinde der Marienkirche in einer Absichtserklärung darauf geeinigt, in den kommenden Jahren den sich in Deutschland befindlichen Teil des „Danziger Paramentenschatzes" an seinen Herkunftsort im heutigen Polen „zurückzuführen" (www.ekd.de/ruckkehr-danziger-paramentenschatz-76569.htm; letzter Zugriff: 4. Dezember 2023). Der kunsthistorisch und kulturgeschichtlich einzigartige Schatz wird damit in polnisches Eigentum übergehen. Geplant ist, dass ein Museum bei der Marienkirche errichtet wird, das „für die Erhaltung, weitere Erforschung und Präsentation der Paramente optimale Bedingungen bietet" (www.uek-online.de/3-5-artikel-content-1054-erklaerung-danziger-paramentenschatz-1054.php; letzter Zugriff: 4. Dezember 2023).
Zur Bewahrung „der Erinnerung an die Rettung der Paramente und als dauerhafte kulturelle Brücke zwischen Polen und Deutschland", so teilte die UEK weiter mit, sollen im St. Annen-Museum in Lübeck und im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg weiterhin einzelne Danziger Paramente", dann allerdings als „Leihgaben" der Marienkirche Danzig, ausgestellt werden. „Die exemplarische Präsentation Danziger Paramente in Deutschland" bleibe also „gewahrt" (www.ekd.de/ruckkehr-danziger-paramentenschatz-76569.htm; letzter Zugriff: 4. Dezember 2023). Diese Auskunft muss vor dem Hintergrund, dass künftig nur mehr wenige „Leihgaben" dieses einzigartigen Schatzes zu sehen sein werden, aus Sicht der Fragesteller als irritierend eingestuft werden.
Der „Paramentenschatz“ soll offenbar dem Beispiel des Dreifaltigkeitsaltars der Danziger St. Georgsbruderschaft folgen, der den Zweiten Weltkrieg in Berlin unversehrt überstanden hatte. Dieser Altar (Altartafel [Retabel] und der Altarsockel [Predella] aus dem 15. Jahrhundert) (www.ekd.de/dreifaltigkeitsaltar-von-berlin-nach-danzig-zurueckgekehrt-73724.htm; letzter Zugriff: 4. Dezember 2023) wurde im März 2020, wiederum auf Initiative der UEK, an die Marienkirche Danzig verschenkt. Die Verschenkung dieser beiden Danziger Kunstwerke war die bis dahin „bedeutendste von insgesamt vier Schenkungen, die die UEK in den letzten 13 Jahren tätigte". Vorher waren bereits, so Henning Pahl, Leiter des Evangelischen Zentralarchivs in Berlin, zwei Abendmahlskelche, ein silbernes Kreuz, eine Oblatendose und ein Oblatenteller als „Geschenk an die Friedenskirche in Jauer/Niederschlesien überbracht" worden (Henning Pahl: Das Kulturgut aus ehemaligen deutschen evangelischen Gemeinden östlich von Oder und Neiße zwischen Eigentumsfragen und Versöhnungshoffnung. Aus evangelischen Archiven. Neue Folge der „Allgemeinen Mitteilungen", Nummer 61/2021, S. 9-26, hier: S. 11 f.).
Vor der Verschenkung des Dreifaltigkeitsaltars in die Marienkirche Danzig wurde seitens der UEK ,,die Zustimmung zuständiger Stelle der deutschen Bundesregierung eingeholt“ (Erklärung der UEK zur beabsichtigten Rückkehr des Danziger Paramentenschatzes zur Marienkirche Danzig, www.uek-online.de/3-5-artikel-content-1054-erklaerung-danziger-paramentenschatz-1054.php; letzter Zugriff: 4. Dezember 2023). Es muss nach Auffassung der Fragesteller deshalb davon ausgegangen werden, dass die Bundesregierung die Verschenkung wertvollen deutschen Kulturgutes gutheißt und unterstützt. Das wird durch eine Äußerung der Generalkonsulin der Bundesrepublik Deutschland in Danzig, Cornelia Pieper, unterstrichen, die in der Verschenkung des „Paramentenschatzes“ „ein großartiges Beispiel für zivilgesellschaftliche Initiativen“ sieht, „die diese Freundschaft (gemeint ist deutsch-polnische) voranbringen und vertiefen“ (www.hl-live.de/text.php?id=155618; letzter Zugriff: 4. Dezember 2023).
Der „Paramentenschatz“ konnte Ende des Zweiten Weltkriegs von Mitgliedern der evangelischen Danziger Marienkirchengemeinde gerettet werden; maßgeblichen Anteil daran hatte der letzte evangelische Pastor an St Marien, Dr. Gerhard Gülzow, der die unersetzlichen liturgischen Gewänder vor der anrückenden Roten Armee in den Westen retten konnte. Ein Teil gelangte nach Thüringen. Die dort verbliebenen knapp 200 Teile des „Paramentenschatzes“ wurden 1961 von der DDR-Regierung beschlagnahmt und dem polnischen Staat übergeben; sie befinden sich heute im Danziger Nationalmuseum (www.openpetition.de/petition/online/verbleib-des-1944-geretteten-danziger-paramentenschatzes-im-luebecker-st-annen-museum; www.ln-online.de/kultur/regional/danziger-paramente-in-luebeck-streit-um-rueckgabe-kostbarer-kirchengewaender-geht-weiter-DXGDDPOOFVAQHNANQW6BJMNJIU.html; letzter Zugriff: 6. Dezember 2023).
Über hundert Paramententeile gelangten nach Lübeck. Hier wurden sie zunächst in der Marienkirche Lübeck zusammengeführt und von der Evangelischen Kirche der Union (EKU; heute: UEK) als Rechtsnachfolgerin der untergegangenen Evangelischen Marienkirchengemeinde Danzig dauerhaft an das St. Annen-Museum Lübeck ausgeliehen (vgl. www.st-annen-museum.de/das-grosse-fest/; letzter Zugriff: 6. Dezember 2023). Ein kleiner Bestand kam in das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg (www.gnm.de/sammlungen/sammlungen-a-z/textilien-kleidung-und-schmuck; letzter Zugriff: 6. Dezember 2023).
Der „Danziger Paramentenschatz” gehört nach Umfang und Qualität zu den bedeutendsten textilen Beständen, die sich aus dem Mittelalter erhalten haben. Die ältesten überlieferten Objekte - es handelt sich um „Gewänder aus zentralasiatischen Seiden mit reichem Golddekor“ - stammen aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts (vgl. z. B. www.didymos-verlag.de/produkt/der-schatz-der-marienkirche-zu-danzig/; letzter Zugriff: 4. Dezember 2023). Ein Großteil der für die Ausstattung der Altäre verwendeten Stoffe wurden in den Seidenzentren Italiens gewebt.
Anfang der 1990er Jahre kam schon einmal die Diskussion auf, die Paramente wieder nach Danzig zu geben, weil sie in der Lübecker Marienkirche keinen Raum mehr fanden. Diesen Überlegungen wurde damals nach Ansicht der Fragesteller mit guten Gründen entschieden widersprochen. So schrieb Prof. Dr. Pieper, ein Freund des verstorbenen Pastors Gülzow, unter anderem an den Vorstand der Lübecker St. Marien-Gemeinde: „Wenn man die Paramente heute von polnischer Seite reklamiert, dann bedeutet diese Forderung, daß die Flüchtlinge nicht nur ihre Heimat und ihren Besitz aufgeben mußten, sondern auch noch das mühsam bewahrte Fluchtgepäck abgeben sollen. Dafür kann man keine Zustimmung erwarten (www.der-westpreusse.de/de/02-2018-3.html; letzter Zugriff: 4. Dezember 2023).
Die Abgabe des „mühsam bewahrten Fluchtgepäcks” (s. o.) und damit wertvollsten nationalen Kulturgutes droht nun nach Auffassung der Fragesteller Realität zu werden. Aufgrund des hohen nationalen Wertes, den die Paramente kultur- und kunsthistorisch darstellen, darf das aus Sicht der Fragesteller nicht das letzte Wort in dieser Angelegenheit sein. Ziel muss es nach Auffassung der Fragesteller sein, diese unersetzlichen nationalen Kulturgüter im Land zu behalten.
Wir fragen die Bundesregierung:

1. Teilt die Bundesregierung die Auffassung der Generalkonsulin der Bundesrepublik Deutschland in Danzig, Cornelia Pieper, nach der die Verschenkung des deutschen „Paramentenschatzes“ „ein großartiges Beispiel für zivilgesellschaftliche Initiativen“ sei, „die diese Freundschaft (gemeint ist deutsch-polnische) voranbringe und vertiefe“ (siehe Vorbemerkung)?
Wenn ja, kann hieraus abgeleitet werden, dass die Bundesregierung der Verschenkung des „Paramentenschatzes“ ohne Gegenleistung zustimmt (bitte ggf. die Gründe für diese Zustimmung aufführen)?
Wenn nein, warum teilt die Bundesregierung die Auffassung der Generalkonsulin nicht?
2. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, wann genau die sich in Lübeck bzw. Nürnberg befindlichen Teile des „Danziger Paramentenschatzes“ nach Danzig an die dortige Marienkirche zurückkehren sollen (wenn ja, bitte die Rahmenbedingungen der Rückkehr näher ausführen)?
3. Hat sich die Bundesregierung vor dem Hintergrund der Verschenkung des „Danziger Paramentenschatzes" ohne Gegenleistung an die Danziger Marienkirche eine Auffassung zum nationalen kunst- und kulturhistorischen Rang des „Danziger Paramentenschatzes“ gebildet?
Wenn ja, zu welchem Ergebnis ist die Bundesregierung hierbei gekommen (bitte auch darlegen, ob die Bundesregierung die Verschenkung dieses Schatzes von nationaler kulturgeschichtlicher Bedeutung zur Förderung der deutsch-polnischen Freundschaft für opportun hält)?
Wenn nein, kann die Bundesregierung darlegen, warum sie sich zu dem kunst- und kulturhistorischen Rang des „Danziger Paramentenschatzes“ vor dem Hintergrund der beabsichtigten Verschenkung dieses Schatzes bisher keine Auffassung gebildet hat?
4. Kann die Bundesregierung Argumente dafür angeben, warum der „Danziger Paramentenschatz“ nach Recherche der Fragesteller nicht als „national wertvolles Kulturgut“ gelistet ist, obwohl hier nach Einschätzung der Fragesteller der § 7 Absatz 1 des Kulturgutschutzgesetzes (KGSG) Anwendung finden müsste, gemäß dem es sich hier um Kulturgut handelt, das „besonders bedeutsam für das kulturelle Erbe Deutschlands“ „und damit identitätsstiftend für die Kultur Deutschlands ist und seine Abwanderung einen wesentlichen Verlust für den deutschen Kulturbesitz bedeuten würde und deshalb sein Verbleib im Bundesgebiet im herausragenden kulturellen öffentlichen Interesse liegt" (www.kulturgutschutz-deutschland.de/DE/AllesZumKulturgutschutz/Kulturgutschutzgesetz/Kernpunkte/Nationalwertvo llesKulturgut/nationalwertvollesKulturgut_node.html)?

a) Wenn ja, welche Schlussfolgerungen hat die Bundesregierung hieraus gezogen und welche Maßnahmen     hat sie ggf. bisher ergriffen, um diese „Abwanderung“ (s. o.) national bedeutsamen Kulturgutes  abzuwenden?
b) Wenn ja, wie ist vor diesem Hintergrund der Beschluss, die Paramente über einen „Schenkungsvertrag“  zwischen der UEK und der Danziger Marienkirche „zurückzugeben“, von der Bundesregierung  einzuordnen (www.ln-online.de/kultur/regional/danziger-paramente-in-luebeck-streit-um-rueckgabe-kostbarer-kirchengewaender-geht-weiter-XGDDP OOFVAQHNANQW6BJMNJIU.html, bitte erläutern,  ob die UEK vor dem Hintergrund, dass es sich hier um national bedeutsames Kulturgut handelt,  legitimiert ist, einen „Schenkungsvertrag“ einzugehen)?
 c) Wenn nein, kann die Bundesregierung darlegen, warum es sich beim „Danziger Paramentenschatz“ aus  ihrer Sicht nicht um Kulturgut handelt, das „besonders bedeutsam für das kulturelle Erbe Deutschlands“  ist.(bitte ggf. ausführen)?
5. Hat sich die Bundesregierung zu der polnischen Rechtsauffassung eine eigene Positionierung erarbeitet, dass mit der Verschiebung der Staatsgrenzen „nicht nur die ehemals deutschen Gebiete mit den darauf vorge-fundenen Kulturgütern, Denkmälern und Bauwerken unter die Souveränität Polens gekommen sind, sondern auch die auf diesen vormals deutschen, nun polnischen Gebieten hergestellten Kulturgüter (,Territorialprinzip')“ (vgl. Henning Pahl: Das Kulturgut aus ehemaligen deutschen evangelischen Gemeinden, S. 17 f.) und wenn ja, wie lautet diese Positionierung?
6. Ist vor dem Hintergrund dieses von Polen vertretenen „Territorialprinzips“ nach Kenntnis der Bundesregierung auch der Anspruch zu sehen, den Polen laut Auskunft der Bundesregierung auf den „Danziger Paramentenschatz“ in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre erhoben hat, der sich im St. Annen-Museum in Lübeck befindet (vgl. Bundestagsdrucksache 13/8111, S. 8)?
7. Hat die polnische Seite diesen Anspruch auf Übergabe bis heute nach Kenntnis der Bundesregierung aufrechterhalten, und wenn ja, welche Haltung hat die Bundesregierung dazu eingenommen und wenn nein, kann die Bundesregierung angeben, aufgrund welcher Argumente die polnische Seite von ihrem „Anspruch“ auf „Übergabe“ des „Danziger Paramentenschatzes" abgerückt ist (bitte ausführen)?
8. Kann die Bundesregierung die Gründe dafür angeben, warum sie auf Anfrage der UEK der Verschenkung des Dreifaltigkeitsaltars an die Marienkirche Danzig zugestimmt hat (siehe Vorbemerkung)?
9. Ist der Bundesregierung bekannt, ob die Formel der Union Evangelischer Kirchen in der Evangelischen Kirche in Deutschland (UEK) von der „Rückkehr des Danziger Paramentenschatzes zur Marienkirche Danzig“ (www.uek-online.de/3-5-artikel-content-1054-erklaerung-danziger-paramentenschaftz-1054.php) als Anerkennung der polnischen Rechtsauffassung zu deuten ist, nach der die „Verlagerung“ des Dreifaltigkeitsaltars aus der Danziger Marienkirche und nun auch des „Danziger Paramentenschatzes“ als „Kulturgutraub anzusehen“ ist (vgl. Henning Pahl: Das Kulturgut aus ehemaligen deutschen evangelischen Gemeinden, S, 18), weil beides als Inventar der Marienkirche zu Polen gehöre?

a)  Wenn ja, gab es in dieser Frage Kontakte mit Vertretern der UEK und wenn ja, mit welchem Ergebnis?
b) Wenn ja, kann die Bundesregierung bestätigen, dass das polnische Ministerium für Kultur und nationales Erbe unter der Überschrift „Kriegsverlustkatalog“ ein Online- Register aller Kulturgüter führt, die während des Zweiten Weltkriegs aus dem Hoheitsgebiet Polens in den Grenzen „nach 1945“ „gestohlen oder illegal ins Ausland ausgeführt wurden“ (vgl. Henning Pahl: Das Kulturgut aus ehemaligen deutschen evangelischen Gemeinden, S. 18, Fußnote 16) und wenn ja, hat sich die Bundesregierung hierin mit Blick auf deutsche Kulturgüter, die in dieser Zeit vor der heranrückenden Roten Armee nach Westdeutschland gerettet werden konnten und von der polnischen Seite als „gestohlen oder illegal ins Ausland ausgeführt“ klassifiziert werden, eine eigene Auffassung gebildet (bitte ggf. ausführen)?
Wenn nein, warum gab es in dieser Frage keine Kontakte mit Vertretern der UEK?
10. Gab es im Fall der Verschenkung des „Danziger Paramentenschatzes“ wie im Fall des Dreifaltigkeitsaltars eine Anfrage der UEK an die Bundesregierung, ob sie einer derartigen Verschenkung zustimmt?
Wenn ja, kann die Bundesregierung darlegen, ob sie auch in diesem Fall zugestimmt hat (bitte die Gründe für diese Zustimmung darlegen und auch darauf eingehen, ob die Bestimmungen des Kulturgutschutzgesetzes einer derartigen Rückgabe nicht entgegenstehen und wenn nein, warum nicht)?
Wenn nein, warum gab es im Fall des „Danziger, Paramentenschatzes“ keine Anfrage der UEK an die Bundesregierung?
11.   Plant die Bundesregierung, sich am Bau eines Museums bei der Marienkirche zu beteiligen, das „für die Erhaltung, weitere Erforschung und Präsentation der Paramente optimale Bedingungen“ bieten soll (siehe Vorbemerkung)?
Wenn ja, mit welcher Summe wird sich die Bundesregierung am Bau dieses Museums beteiligen (bitte auch die Gründe dafür darlegen, warum sich die Bundesregierung am Bau dieses Museums mit Bundesmitteln beteiligen wird)?
Wenn nein, kann die Bundesregierung die Gründe dafür darlegen, warum sich die Bundesregierung am Bau dieses Museums nicht mit Bundesmitteln beteiligen wird (bitte ausführen)?

Berlin, den 13. Dezember

Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion

Zum Einladungsschreiben der EKD bitte diesen Link anklicken!

Informationsveranstaltung zum Danziger Paramentenschatz

Rückblickend war die Lübecker Informationsveranstaltung zum Danziger Paramentenschatz im Haus Danzig, zu der die EKD für den 8. Dezember eingeladen hatte, enttäuschend. Befremdlich war der Auftritt des Schatzmeisters der Stiftung Haus Danzig, Professor Jörg Linowitzki; er unterstützte das Vorhaben der UEK/EKD im Sinne ihres Vertreters und unterbrach die Ausführungen des Unterzeichners zum Erhalt des Danziger Paramentenschatzes in Lübeck, weil er offensichtlich kritische Stimmen unterbinden wollte.
Von den rd. 25-30 Besuchern der Veranstaltung sprachen sich die Herren Klingbeutel, Kämpfert ‚ Gruch und Pauls im Sinne der noch bis zum 31. Januar 2024 laufende Petition aus; Herr Pauls brachte zusätzlich die europäische Komponente in seinem Beitrag ein.
Das Eintreten Tilmann Asmus Fischers in seinem Debattenbeitrag für die EKD-Position ist unverständlich. Er hätte sich im Sinne von Herrn Kämpfert artikulieren müssen, wenn er für die Westpreußen und damit auch für die Danziger auftrat. Das Gegenteil war der Fall.
Kritisch bleibt anzumerken: Ziel der Lübecker Begegnung sollte ein Austausch der gegensätzlichen Positionen sein. Dies wurde jedoch nicht erreicht. Denn dazu hätte das Podium paritätisch besetzt sein müssen mit Vertretern der Kirchenposition und Vertretern der gegensätzlichen Ansicht.
Äußerungen des kirchlichen Vertreters zum praktischen Timing des beabsichtigten Geschenks der UEK/EKD an die Marienkirche Danzig könnten darauf hindeuten, daß sich die EKD-Pläne wohl nicht kurzfristig werden realisieren lassen. Denn es sind offensichtlich noch zahlreiche Hürden zu überwinden. Dazu zählt insbesondere die Abstimmung des Erzbistums Danzig mit dem Nationalmuseum Danzig (dieses verfügt über den weitaus größeren Teil - insgesamt 186 Stücke – des von Dr. Gerhard Gülzow geretteten deutschen Kulturgutes „Danziger Paramentenschatz“). Nach den bisherigen Erfahrungen dürfte eine Übereinkunft wohl unwahrscheinlich sein. Hinzu kommen ungeklärte Fragen zur Finanzierung, der konservatorischen Betreuung der Paramente, ein zwischenstaatlicher Austausch von Paramententeilen etc.
Vielleicht ist die Hoffnung realistisch, daß der Paramentenschatz noch lange in Lübeck verbleibt und die Amtszeiten der gegenwärtig agierenden Verantwortlichen überdauert.

Paramente aus der Marienkirche zu Danzig

Oberkonsistorialrat Dr. Gerhard Gülzow, der letzte evangelische Pfarrer an St. Marien zu Danzig, rettete Ende 1944 mit einigen getreuen Gemeindemitgliedern die unermeßlich wertvollen mittelalterlichen liturgischen Textilien seiner Kirche vor der drohenden Vernichtung durch die herannahende Rote Armee.
289 Teile wursubstratoriumden auf dem Weg nach Bayern zunächst in Thüringen bewahrt. Dort verblieben 183 Paramententeile, die 1961 von der DDR- Regierung an die Volksrepublik Polen überstellt wurden. Seitdem werden sie im Nationalmuseum Danzig gezeigt.
106 Teile der Paramente aus Danzig konnte Dr. Gülzow auf abenteuerlichem Wege nach Lübeck holen und  zunächst in seinem Pfarrhaus in der Lübecker Luther-Kirche zusammenführen. Eigentümerin der Paramente war nach dem Untergang der evangelischen Gemeinden in den historischen deutschen Regionen östlich von Oder und Neiße die UEK in der Evangelischen Kirche Deutschlands.
Ab 1964 fanden die Paramente im Westwerk der Marienkirche zu Lübeck Platz und konnten hier von etwa 7.000 Besuchern jährlich bestaunt werden. Der Präsentationort gefährdete den textilen Bestand zunehmend. Er war nicht sachgerecht. Über einen Vertrag zwischen der Evangelischen Kirche und der Hansestadt Lübeck gelangten die Paramente in das Lübecker St. Annen-Museum und wurden ab 1990 in einer stiftungsseits finanzierten Klimakammer den ICOM-Vorgaben entsprechend präsentiert.
Bei nach 2010 erfolgten Lübeckbesuchen konnte ich irritiert feststellen, daß die Paramente sich nicht mehr im Ausstellungsbereich des Museums  befanden.
Zwischen dem 5. bis 7. Oktober 2018 veranstalteten das Kulturwerk Danzig und die Danziger Naturforschende Gesellschaft ihr XXXIX. Forum Gedanum in Lübeck. Ein wichtiger Themenkomplex waren die Paramente aus der Danziger Marienkirche. Meine Fragen, wo sich die Danziger Paramentenschätze nunmehr befänden, wurden nicht eindeutig beantwortet. Dies veranlaßte mich am 15. Oktober 2018 zu einer Anfrage bei dem damaligen Ratsvorsitzenden der EKD, Herrn Bischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm. Unter dem Datum 6. November 2018 erteilte mir OKR Dr. Philipps im Auftrag des Bischofs eine Antwort, in der es u. a. hieß, eine Rückführung des Lübecker Teils der Paramente nach Polen sei nicht vorgesehen. Diese Formulierung schloß allerdings eine spätere Rückführung nicht konsequent aus. Das habe ich Herrn Dr.  Philipps in meiner Replik vom 12.11.2018 zu verstehen gegeben.
In einer sehenswerten Exposition zeigte das St. Annen-Museum ab 19. Januar 2019 seine einmaligen Paramentenschätze, darunter jene, die Pastor Gülzow aus Danzig retten konnte.
Unbegreiflich waren im Dezember 2022 Informationen, die mich aus Lübeck erreichten. In den Lübecker Nachrichten war am 14. Dezember zu lesen,  daß die Danziger Paramente nach Polen überstellt werden sollten. Konkreter wurde dann die Pressemitteilung der EKD vom 9. Dezember 2022. Dort hieß es: Ausdruck deutsch- polnischer Freundschaft: Spätmittelalterliche Textilien sollen von Lübeck zurück zur Marienkirche Gdansk gebracht werden. Ob die Lübecker Paramente tatsächlich in die Danziger Marienkirche zurückkehren werden - wie die Pressemitteilung betont - oder ob nicht das Danziger Nationalmuseum als Bewahrungsort dienen wird, wie es bereits für die 1961 aus der DDR nach Polen gelangten Teile geschehen ist, sei dahingestellt.

Präses Dr. h. c. Annette Kurschus gibt ihre Kirchenämter auf

Die Tätigkeit von Dr. h. c. Annette Kurschus als Präses der Evangelischen Kirche Deutschlands ist nach zweijähriger Amtszeit Geschichte.
Mit einer persönlichen Erklärung trat sie am 20. November 2023 von ihren kirchlichen Leitungsämtern zurück.
Der Grund ihres Rücktritts ist nicht in der unter ihrem maßgeblichen Einfluß verfaßten Absichtserklärung vom 8. Dezember 2022 (dem sog. Letter of Intent) zu sehen, mit der die restlichen Teile des 1944 geretteten Danziger Paramentenschatzes – unermeßlich wertvolles deutsches Kulturgut aus der evangelischen Marienkirche zu Danzig – an das  heutige Erzbistum Gdańsk überstellt werden sollen.
Der Anlaß ist vielmehr ein Fall von sexualisierter Gewalt, der sich zugetragen hat, als Frau Kurschus alsPfarrerin und Superintendentin im Kirchenkreis Siegen tätig war. Den Rücktritt von ihren Ämtern schließt Frau Kurschus in ihrer Erklärung ab mit den Worten: Mit Gott und mir selbst bin ich im Reinen, und so gehe ich sehr traurig, aber getrost und aufrecht.
Der abrupte Rücktritt von Präses Annette Kurschus offenbart – wie auch der überregionalen Presse zu entnehmen war – riesige Kommunikationsprobleme führender Protestanten. Das bezieht sich nicht nur auf die Thematik Mißbrauch, sondern g

Einladungstext
Zum Original der Einladung, bitte Link anklicken!

Informationsveranstaltung zum Danziger Paramentenschatz

Sehr geehrte Damen und Herren,
am 7.-8. Dezember 2023 trifft sich in Lübeck zum zweiten Mal der „Fachbeirat Danziger Paramentenschatz". Dieses Gremium bereitet die Umsetzung des von der Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK), der Marienkirche und dem Erzbistum Danzig am 8. Dezember 2022 unterzeichneten „Letter of Intent" zur Eigentumsübertragung der in Deutschland aufbewahrten Danziger Paramente an die Marienkirche Danzig und ihre Rückkehr nach Danzig vor.
Im zeitlichen Zusammenhang mit dieser Sitzung plant die UEK eine Veranstaltung, bei der sie die interessierte Öffentlichkeit über das Vorhaben informieren will und bei der auch ein Austausch darüber stattfinden soll.
Dankenswerterweise hat sich die Stiftung Haus Hansestadt Danzig in Lübeck bereit erklärt, diese Veranstaltung in ihren Räumen stattfinden zu lassen:
Freitag, 8. Dezember 2023, 16.30 bis 18.00 Uhr
Haus Hansestadt Danzig, Engelsgrube 66, 23552 Lübeck
Interessierte sind herzlich eingeladen.

ilt auch für andere, wesentliche Themenbereiche der Kirche wie dem Danziger Paramentenschatz. Auch hier hat die Leitungsebene der EKD von oben herab dekretiert, ohne mit den betroffenen Menschen vorab zu kommunizieren.
Obwohl Frau Kurschus als Hauptverantwortliche für den Deal der UEK/EKD mit dem Erzbistum Gdańsk/Danzig das Amt der Ratsvorsitzenden der EKD nicht mehr bekleidet, hält die Evangelische Kirche an ihrer Einladung für den 8. Dezember 2023 fest. Bei der geplanten Veranstaltung im Lübecker Haus Danzig will die Evangelische Kirche die interessierte Öffentlichkeit über das Vorhaben [d. h. die Eigentumsübertragung der Danziger Paramente an die Danziger Marienkirche] informieren.Außerdem soll auch ein Austausch darüber stattfinden. Möglicherweise werden dann auch die Kritiker des Vorhabens ihre Sicht der Dinge vortragen können. 
In der Sache angemessener wäre es allerdings, die UEK/EKD würde von ihrer im sog. Letter of Intent dargelegten Absicht Abstand nehmen und einer Bitte von Kritikern entsprechen, sie erst nach einer Neukonstituierung der EKD-Leitung weiterzuverfolgen und damit auch die Veranstaltung am 8. Dezember auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.

AUFLISTUNG DES INHALTS UND DER STELLUNGNAHMEN

  • Pressemitteilung der EKD vom 09.12.2022
  • Pressemitteilung der LM Westpreußen Berlin vom 27.02.2023
  • Pressemitteilung der LM Westpreußen Berlin vom 28.03.2023
  • Pressemitteilung der LM Westpreußen Berlin vom 14.06.2023
  • Bericht in der Süddeutschen Zeitung vom 23.06.2023 angeblich geraubten Kirchenglocken und deren Rückgabe durch Bischof Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart)
  • Markus Patzke im DOD - Deutscher Ostdienst 1/2023: Tatsächlich Ausdruck deutsch-polnischer Freundschaft?
  • Schreiben an Bischof Heinrich Bedford-Strohm, EKD, vom 18.10.2022 (Martens)
  • Schreiben an Dr. Philipps, EKD, vom 12.11.2022 (Martens)
  • 1. Schreiben an Frau Präses Kurschus,EKD, vom 27.12.2022 /Martens)
  • Emailschreiben an EKD vom 12.01.2023 (Prof. Dr. Gornig)
  • Schreiben OKR Dr. Evang, EKD, vom 24.01.2023
  • Emailschreiben an Dr. Evang, EKD, vom 25.01.2923 (M. Lietzow)
  • Schreiben an Dr. Evang, EKD, vom 02.02.2023 (H.-J. Kämpfert mit Anhang)
  • 2. Schreiben an Frau Präses Kurschus, EKD, vom 02.02.2023 (Martens)
  • Schreiben an BK Olaf Scholz vom 13.02.2023 (Hanke/Kämpfert/Martens)
  • Die Antwort auf das Schrieben an BK Scholz erfolgte am 03.05. durch das BKM
  • Schreiben des Vorsitzenden der Historischen Kommission für o. - w. Landesforschung vom 18.02.2023
  • Schreiben an Präses Kurschus, EKD,  vom 03.03.2023 (R. Benl)
  • Antwort der EKD vom 23.03 2023 auf das Schreiben von Dr. Benl vom 03.03.2023
  • Bericht in Lübecker Nachrichten vom 5./6.02.2023 (Autor Peter Intelmann)
  • Bericht in Preußische Allgemeine vom 17.03.2023 (Autor Fedor M. Mrozek)
  • Mail-Anschreiben an Bürgermeister Jan Lindenau (Martens) vom 01.04.2023
  • Offener Brief an Bürgermeister Jan Lindenau vom 11.04.2023
  • Antwort von Bürgermeister Jan Lindenau vom 27.06.2023
  • Zweites Schreiben an BM Lindenau vom 17.07.2023
  • Antwort von BM Lindenau vom 25.08.2023 auf mein Schreiben vom 17.07.2023
  • Erstes Schreiben vom 05.04.2023 an den Leiter der Lübecker Museen Dr. Tilmann v. Stockhausen (Martens)
  • Zweites Schreiben vom 17.07.2023 an den Leiter der Lübecker Museen Dr. Tilmann v. Stockhausen (Martens)
  • Antwort des Lübecker Leiters der Museen, Dr. T.  v. Stockhausen, v. 02.08.2023
  • Korrespondenz mit Dr. Dagmar Täube und Dr. Martin Evang ab 29.03.2023 bis 19.05.2023
  • Mail-Korrespondenz  OKR Dr. Evang und Gabriele Schwarze zwischen dem 25.05. - 31.05.2023
  • GeO-Rundbrief 2/2023, pp. 21-23: H. Piper, Danziger Paramentenschatz kehrt zurück
  • Schreiben an Bischöfin Kirsten Fehrs vom 22.05.2023 (Martens)
  • Antwort von Dr. Martin Evang vom 16.09.2023 auf das Schreiben an Frau Bischöfin Fehrs vom 22.06.2023
  • Schreiben von Bischöfin Bosse-Huber an BdV-Präsidium vom 16.05.2023
  • Begrüßungsansprache von Bischöfin Bosse-Huber in Oliva am 2. Juni 2023 und meine darauf erfolgte Reaktion, gerichtet an OKR Dr. Martin Evang am 11. Juni 2023
  • Predigt von Bischöfin Bosse-Huber in der Marienkirche, Danzig, am 3. Juni 2023
  • Presseerklärung der UEK/EKD vom 5. Juni anläßlich eines Besuches in Danzig
  • Aufruf der Landsmannschaft Westpreußen/Berlin zum Unterzeichen der Petition vom 14.06.2023
  • Schreiben an Frau Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt vom 05.07.2023 (Martens) - bisher ohne Antwort
  • Kleine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion an die Bundesregierung - Bt-Drs. 20/9976 v. 03.01.2024
  • Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage Bt-Drs. 20/10126 v. 18.01.2024
  • Leserbrief von Thomas Kinzel vom 18.07.2023 zur Situation von Kultur in denOstdeutschen Landesmuseen
  • Kritikloser Beitrag in Der Westpreuße/Unser Danzig 2/2023 zum vorgesehenen Verschenken der Danziger Paramente an die Danziger Marienkirche durch die UEK/EKD
  • Kritik an dem vorgesehenen Verschenken seitens des Vorsitzenden des Kuturwerks Danzig Jochen Gruch im Beiheft zu Der Westpreuße/Unser Danzig 2/2023
  • Kommentar zum Beitrag in Der Westpreuße/Unser Danzig (Martens)
  • Email-Stellungnahmen engagierter Freunde des Danziger Paramentenschatzes

Aufforderung zum Unterzeichnen der Petition zum Erhalt des Danziger Paramentenschatzes im St. Annen-Museum in Lübeck

Hanke, Berlin:  Mitteilungsblatt Nr. 132 vom 01.07.2023
Berlin, am 15. Juni 2023 Hk

Guten Tag,
Landsleute, Freunde, Bekannte und Interessenten,
mit diesem Schreiben weisen wir Sie auf das Erscheinen unseres „Mitteilungsblattes Nr. 132 (03-2023) Juli- September 2023 hin, den Sie mit folgender Verknüpfung auf unseren Leitseiten aufrufen können:
Hanke, Berlin:  Mitteilungsblatt Nr. 132 vom 01.07.2023
Berlin, am 15. Juni 2023 Hk

Guten Tag,
Landsleute, Freunde, Bekannte und Interessenten,
mit diesem Schreiben weisen wir Sie auf das Erscheinen unseres „Mitteilungsblattes Nr. 132 (03-2023) Juli- September 2023 hin, den Sie mit folgender Verknüpfung auf unseren Leitseiten aufrufen können:
https://www.westpreussen-berlin.de/westpreussen/Mitteilungen/132/LW_MB_132_1-6_Juli-September_2023.pdf

Unser aktuell wichtigstes Anliegen ist zurzeit die Petition gegen  den Beschluss der EKD vom  08.12.2022,  die Danziger Paramente  aus dem Sankt-Annen-Museum in Lübeck, ostdeutsches  Kulturgut  also,  ins  Ausland zu geben. Die EKD spricht wider besseres Wissen von „zurückgeben“. Sie finden unsere neueste Pressemitteilung hierzu auf der Seite 4 unseres Mitteilungsblattes Nr. 132 (03-2023).

Das Sammelziel von 500 Unterschriften haben wir mit zurzeit 583 Unterschriften = 116 % erreicht. Es ist zahlenmäßig ein bescheidenes Ziel, wenn man bedenkt, wieviel Einwohner die BR Deutschland und ihre kulturell nahestehenden Landschaften haben. 

Wer hat unterschrieben? Leute wie Du und Ich:  Keine Vertreter von Regierungsstellen, Keiner von Parteien (halt: 1 Landtagsabgeordneter der AfD, selbst Vertriebener), keine der für Kultur zuständigen Einrichtungen, ja, nur wenige „namhafte“ Vertreter der Verbände, die die Heimatvertriebenen vertreten sollen. Verbände, Parteien usw., die die in ihren Satzungen niedergelegten Ziele der Mitglieder unterlaufen, wie der Bund der Vertriebenen (BdV) und die im BdV versammelten Landsmannschaften, auch unsere eigene… Subventionsängste? 

Aber auch die CDU/CSU unterschreibt nicht: Begründung des Vorsitzenden der Vertriebenengruppe der Bundestagsfraktion: Solange die zuständigen (?) Vertriebenenverbände nicht unterschreiben, unterschreibt auch die CDU/CSU-Bundestagsfraktion nicht.  Einsatz für unser Kulturgut im Lande? Null!

Und die anderen Parteien? Die Zustimmung für die AfD lebt von der Ablehnung der BRD als Einwanderungsland.  Recht so, aber die Vertriebenen haben auch hier keine Stimme!

Ein ausgewachsener Skandal unserer „Volksvertreter“!

Die Kirchen? Austreten!?

Auch die regionale Verteilung der Unterschriften spricht Bände: wenig Zustimmung im Süden (Sudetendeutsche? Südtirol?), keine Zustimmung von den Gruppen der deutschen Bevölkerung in Polen und anderen Vertreibungsgebieten – trotz mündlicher Zusage! Hier gibt es Ängste, die in gewisser Weise nachvollziehbar sind.

Es geht in diesem Falle um Danziger Paramente, in der Grundsatzfrage geht es aber um die Sicherung von deutschem Kulturgut allgemein vor der unkontrollierten Weggabe ins Ausland. Es geht letztendlich um eine Gesetzesvorlage, die derartige Aktionen persönlicher Profilierung verhindern. Auf den § 96 Bundesvertriebenen- und Flüchtlingsgesetzt ist hier nachdrücklich zu verweisen, wenn auch die für diese Aufgabe zur Verfügung stehenden finanziellen und personellen Ressourcen lächerlich gering sind!

Sie glauben uns nicht? Vergleichen Sie ’mal ein Ostdeutsches Landesmuseum in seiner Ausstattung mit dem von der Bundesregierung finanzierten Institut für Menschenrechte! Mein lieber Himmel! Da sind ganze Bataillone von Mitarbeitern am Werk!

Und wer hat der EKD geraten, ihre verdammenswerte Aktion als „Rückgabe“ zu bezeichnen?

Liebe Empfänger unserer Mitteilung, unterschreiben Sie. Zeigen Sie den unverantwortlich beiseitestehenden Verantwortlichen in Politik, Institutionen und Verbänden – und nicht zuletzt in ihrem persönlichen Umfeld - die rote Laterne: https://www.openpetition.de/petition/unterzeichner/verbleib-des-1944-geretteten-danziger-paramentenschatzes-im-luebecker-st-annen-museum/unterschreiben 

Eine Dokumentation unserer bisherigen Bemühungen (Pressemitteilungen, Korrespondenz usw.) finden Sie gesammelt unter: https://www.ostdeutsche-museen.de

Besuchen Sie unsere Leitseiten im weltweiten Netz mit aktuellen Mitteilungen und Archiv
www.westpreussen-berlin.de    u n d    www.ostmitteleuropa.de

Auch die katholische Kirche handelt vergleichbar wie die evangelische Kirche. Historische Kenntnisse sind  wie bei der EKG Mangelware, wie nachstehender Text nach der Süddeutschen Zeitung vom 23.06.2023 verdeutlicht:

Kirche – Elblag (!)) (aus: Süddeutsche Zeitung)

Bischof Fürst gibt mit Kretschmann geraubte Glocken zurück

23. Juni 2023, 13:32 Uhr
Direkt aus dem dpa-Newskanal

Elblag (dpa/lsw) - Der katholische Bischof Gebhard Fürst hat in Polen mehrere von den Nationalsozialisten gestohlene Kirchenglocken an ihre früheren Besitzer zurückgeben. Dabei wurde er von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) begleitet. Insgesamt seien drei Glocken an Vertreter von Gemeinden in Straszewo (Dietrichsdorf), Frombork (Frauenburg) und Zegoty (Siegfriedswalde) übergeben worden, sagte ein Sprecher der Diözese Rottenburg-Stuttgart am Sonntag. Zwei stammen demnach aus einer Kirche in Esslingen, eine aus Aichtal.
Nach einem Gottesdienst in Elblag (Elbing), bei der am Samstag eine etwa 300 Kilogramm schwere Glocke aus dem Jahr 1719 übergeben wurde, sagte Bischof Fürst: "Die Glocke hat die gemeinsame Geschichte beider Nationen erfahren und mitgeprägt". Nun stifte sie Gemeinschaft.
Die Glocke gehörte den Angaben nach zu rund 100.000 Glocken, die ab 1940 auf Befehl der Nationalsozialisten aus dem gesamten damaligen Deutschen Reich der Rüstungsindustrie zur Verfügung gestellt werden mussten. Rund 1300 aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten konnten nach Kriegsende aus politischen Gründen nicht zurückgegeben werden. Ab 1950 landeten diese als Leihgabe in den Gemeinden der jungen Bundesrepublik - so auch in der Diözese Rottenburg-Stuttgart.
Die Rückgabe fand im Rahmen des Projekts "Friedensglocken für Europa" statt. In den kommenden Jahren sollen weitere Glocken nach Polen und Tschechien zurückgebracht werden, insgesamt rund 60 Stück. Als Ersatz finanziert die Diözese den betroffenen Kirchengemeinden neue Glocken.
Die Reise hatte für Kretschmann auch eine persönliche Dimension: Die Delegation aus Baden-Württemberg war nämlich hauptsächlich im Ermland unterwegs, der Heimat seiner Eltern. Dort kamen auch zwei ältere Geschwister Kretschmanns zur Welt, ein drittes Geschwisterkind starb 1945 an den Folgen der Flucht aus Ostpreußen. Kretschmann wurde 1948 in Spaichingen (Kreis Tuttlingen) geboren.

Anmerkung: Die Aussage, daß rd. 100.000 Kirchenglocken ab 1940 aus dem gesamten Deutschen Reich - dazu zählen die genannten Dörfer Dietrichsdorf und Siegfriedswalde sowie die ermländische Stadt Frauenburg - für die deutsche Rüstungsindustrie eingezogen wurden, ist zutreffend. Es ist historisch unzutrefend, die Einziehung von Glocken aus den drei genannten Orten so zu interpretieren als seien sie  von den Nationalsozialisten “gestohlen” worden und müßten deshalb an die früheren Besitzer zurückgegeben werden. Denn in diesen Orten lebten bis zu ihrer Flucht und Vertreibung ab 1944/1945 ausschließlich Deutsche. Die heutigen polnischen Bewohner haben mit der deutschen Vergangenheit von Dietrichsdorf und Siegfriedswalde sowie der ermländischen Stadt Frauenburg nichts zu tun. Sie sind nichct die früheren Eigentümer, an die die Kirchenglocken zurückgegeben werden müssen.

 Presseerklärungen,  Schriftwechsel mit der EKD, Kommentare und Stellungnahmen
engagierter Freunde des Danziger Paramentenschatzes:

Pressemitteilung der EKD vom 9. Dezember 2022

"Danziger Paramentenschatz" kehrt zurück

Ausdruck deutsch-polnischer Freundschaft: Spätmittelalterliche Textilien sollen von Lübeck zurück zur Marienkirche Gdansk gebracht werden

Die Union Evangelischer Kirchen in der Evangelischen Kirche in Deutschland (UEK) und die Marienkirche Gdansk haben sich darauf verständigt, in den kommenden Jahren das Eigentum an dem sogenannten "Danziger Paramentenschatz" von der UEK auf die Marienkirche Gdansk zu übertragen und die Paramente an ihren Herkunftsort zurückkehren zu lassen. Eine entsprechende Absichtserklärung haben beide Seiten am Donnerstagabend (8.12.2022) im Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover unterzeichnet. Die aus der Marienkirche Gdansk stammenden spätmittelalterlichen liturgischen Textilien waren am Ende des Zweiten Weltkriegs von Mitgliedern der damals evangelischen Marienkirchengemeinde zum Schutz vor Kriegsschäden auf die Flucht mitgenommen worden und zu großen Teilen nach Westdeutschland gelangt. Hier wurden sie zunächst in der Marienkirche Lübeck zusammengeführt und von der Evangelischen Kirche der Union (EKU; heute: UEK), als Rechtsnachfolgerin der untergegangenen Evangelischen Marienkirchengemeinde Danzig dauerhaft an das St. Annen-Museum Lübeck ausgeliehen. Ein kleiner Bestand wird im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg aufbewahrt. Einzelne Paramente sollen als Leihgaben der Marienkirche Gdansk auch künftig in Lübeck und Nürnberg ausgestellt werden.
"Stadt und Erzbistum Gdansk freuen sich sehr, dass nach dem Dreifaltigkeitsaltar, der seit 2020 nach über siebzig Berliner Jahren wieder in der Marienkirche Gdansk steht, demnächst auch der Paramentenschatz nach Hause kommt", sagte der Erzbischof Tadeusz Wojda bei der Unterzeichnung des Letter of Intent im Kirchenamt der EKD. Der UEK-Vorsitzende Kirchenpräsident Volker Jung hob den Geist der ökumenischen und der polnisch-deutschen Freundschaft hervor, in dem die Danziger Partner die Initiativen der UEK schon beim Dreifaltigkeitsaltar und nun bei den Paramenten aufgenommen hätten. Als Pfarrer der Marienkirche Gdansk erinnerte Prälat Ireneusz Bradtke an die katholisch-evangelische Vergangenheit der Marienkirche Gdansk und an die daraus folgende gemeinsame Verantwortung. Die Ratsvorsitzende der EKD, Präses Annette Kurschus, die in der EKD für die deutsch-polnischen Beziehungen zuständig ist, und Auslandsbischöfin Petra Bosse-Huber, die als Vizepäsidentin des Kirchenamtes der EKD den Amtsbereich der UEK leitet, erhoffen sich positive Wirkungen des Vorhabens auf die zwischenkirchlichen und zwischenstaatlichen Beziehungen. Als Generalkonsulin der Bundesrepublik Deutschland in Gdansk lobte Cornelia Pieper die Vereinbarung: "Das ist ein großartiges Beispiel für zivilgesellschaftliche Initiativen, die die deutsch-polnische Freundschaft voranbringen und vertiefen."

Hannover, 9. Dezember 2022
Pressestelle der EKD
Carsten Splitt

Nachstehende Erklärung der EKD (UEK) soll die Kritiker der von der evangelischen Kirchenleitung beabsichtigten Schenkung der in Lübeck bewahrten Danziger Paramente  beschwichtigen, ohne daß in irgendeiner Weise auf ihre der Kirche übermittelten Stellungnahmen eingegangen wird. Ein beschämendes Beispiel dafür, wie eine öffentlich-rechtliche Körperschaft mit ihr treuhänderisch übertragenes - aus den historischen Ostgebieten stammendes - deutsches Kulturgut verfährt. Die noch lebenden evangelischen Gemeindemitglieder der Danziger Marienkirche und ihre Nachfahren wurden nicht um Zustimmung zu dieser Geschenkaktion ersucht. Wo sie sich mutig gegen die Absicht der Kirche stellten, wurde ihr Votum ignoriert.

Erklärung zur beabsichtigten Rückkehr des Danziger Paramentenschatzes zur Marienkirche Danzig

Die Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK), das Erzbistum Danzig und die Marienkirchengemeinde Danzig haben am 8. Dezember 2022 einen „Letter of Intent“ unterzeichnet. Er sieht vor, dass die Teile des sog. Danziger Paramentenschatzes, die sich im Eigentum der UEK befinden und in Lübeck und Nürnberg aufbewahrt werden, (1) in absehbarer Zeit in das Eigentum der Marienkirche Danzig übergehen und (2) zur Marienkirche Danzig zurückkehren, dass (3) einzelne Paramente weiterhin in Lübeck und Nürnberg ausgestellt werden und (4) ein gemeinsamer Fachbeirat berufen wird, der die Umsetzung des „Letter of Intent“ begleiten soll. 
Seither sind bei der UEK und bei der EKD eine Reihe kritischer Stellungnahmen zu diesem Projekt eingegangen. Mit der folgenden Erklärung möchte die UEK das Vorhaben noch eingehender erläutern, die Beweggründe verdeutlichen, Missverständnisse ausräumen und um Zustimmung werben.
 
1.  Die Initiative zu dem Projekt ging nicht von polnischer Seite, sondern allein von der UEK aus. Wie im Fall des Dreifaltigkeitsaltars der Georgsbruderschaft, der im März 2020 auf Initiative der UEK im Wege einer Schenkung aus Berlin in die Marienkirche Danzig zurückgekehrt ist, kommt auch jetzt für die UEK nur die Kirche, namentlich die Marienkirche und das Erzbistum Danzig, als Gegenüber auf polnischer Seite in Betracht.
Gleichwohl ist vor der Rückkehr des Dreifaltigkeitsaltars in die Marienkirche Danzig die Zustimmung zuständiger Stellen der deutschen Bundesregierung eingeholt worden und haben an den aus diesem Anlass stattfindenden Feierlichkeiten auch Vertreterinnen und Vertreter der deutschen und der polnischen Politik teilgenommen. Zudem wurde im „Letter of Intent“ zum Danziger Paramentenschatz festgelegt, dass zu den Aufgaben des gemeinsamen Fachbeirats auch die Klärung politischer Fragen gehört, die sich bei diesem Vorhaben stellen.
 
2.  Wie es beim Dreifaltigkeitsaltar der Fall war, sollen die Paramente in das Eigentum der Marienkirche Danzig übergehen, und zwar durch den Abschluss eines Schenkungsvertrages. Der entscheidende Punkt ist hier, dass durch die Annahme der Schenkung die derzeitige Eigentümerstellung der UEK anerkannt wird. Eine Schenkung
bedarf ihrer Natur nach keiner Gegenleistung. Allerdings wird die Rückkehr der Paramente an die Bedingung geknüpft sein, dass sie in Danzig konservatorisch adäquat aufbewahrt und der Öffentlichkeit kontinuierlich präsentiert werden.
 
3.  Wie beim Dreifaltigkeitsaltar ist bei den Paramenten nicht von einer Rückgabe, Rückführung oder Restitution die Rede, sondern von ihrer Rückkehr oder auch Heimkehr zur Marienkirche Danzig. Diese Sprachregelung beugt der Spekulation vor, als seien die Paramente unrechtmäßig nach Lübeck bzw. Nürnberg und ins Eigentum der UEK, der Rechtsnachfolgerin der untergegangenen evangelischen Marienkirchengemeinde Danzig, gelangt oder als würden sie auf eine Forderung hin zurückerstattet. Sie stellt den Gedanken in den Mittelpunkt, dass die Paramente als historische Objekte und als kulturelles Erbe untrennbar mit der Marienkirche Danzig verbunden sind und dorthin zurückkommen.
 
4.  Der Dreifaltigkeitsaltar ist in die Marienkirche Danzig zurückgekehrt, die Paramente sollen zu ihr zurückkehren. Für ihre konservatorisch optimale dauerhafte Aufbewahrung und Ausstellung kommt die Marienkirche selbst als Gebäude nicht in Betracht. Vielmehr soll ein Museum bei der Marienkirche errichtet werden, das für die Erhaltung, weitere Erforschung und Präsentation der Paramente optimale Bedingungen bietet.
 
5.  Die Rückkehr der derzeit in Deutschland aufbewahrten Danziger Paramente erfolgt in der Erwartung, dass der gesamte Danziger Paramentenschatz, der 1944 auf Initiative von Oberkonsistorialrat Pfarrer Dr. Gerhard Gülzow durch Mitglieder der deutschen evangelischen Marienkirchengemeinde Danzig vor Verlust und Zerstörung gerettet wurde und nur deshalb überhaupt noch existiert, wieder bei der Marienkirche Danzig zusammengeführt wird – einschließlich der derzeit im Nationalmuseum Danzig aufbewahrten Teile. Hierfür kann die UEK Impulse geben und Unterstützung anbieten; die Konkretisierung dieser Perspektive liegt bei den Danziger Partnerinnen und Partnern.
 
6.  Zur Bewahrung der Erinnerung an die Rettung der Paramente und als dauerhafte kulturelle Brücke zwischen Polen und Deutschland sollen im St. Annen-Museum in Lübeck und im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg weiterhin einzelne Danziger Paramente, dann als Leihgaben der Marienkirche Danzig, ausgestellt werden. Die
exemplarische Präsentation Danziger Paramente in Deutschland bleibt also gewahrt.
 
7.  Die Begegnungen zwischen der UEK und des Erzbistums und der Marienkirche Danzig haben sowohl auf der Leitungs- als auch auf der Arbeitsebene wie auch in der Feier von Gottesdiensten die Einsicht reifen lassen, dass die Marienkirche Danzig auf herausragende Weise die geschichtliche Verbundenheit von Deutschen und Polen sowie zwischen römisch-katholischer und evangelischer Kirche symbolisiert. Diese Einsicht hat zu dem beiderseitigen Entschluss geführt, eine Narration der Versöhnung zu entwickeln, die geschichtliche Verbundenheit und gemeinsame Zukunftsverantwortung verknüpft und darin den Prinzipien sowohl der Europäischen Union als auch der christlichen Ökumene folgt, denen sich die UEK verpflichtet weiß.
 
8.  Den Partnern ist bewusst, dass eine solche neue Erzählung und die sie begleitenden Zeichen der Versöhnung sowohl in Deutschland als auch in Polen ernsten Vorbehalten begegnen, die aus den geschichtlichen Belastungen zwischen beiden Ländern und Konfessionen herrühren. Sie fühlen sich verpflichtet, diesen Vorbehalten verständnisvoll zu begegnen und gleichwohl für die gemeinsam gewonnene Einsicht zu werben.

Hannover, im Mai 2023

Petra Bosse-Huber 
Bischöfin
Vizepräsidentin des Kirchenamtes der EKD
Leiterin des Amtsbereichs der UEK

Die Absicht der EKD, den Lübecker Paramentenschatz nach Danzig abzugeben, kritisiert die Landsmannschaft Westpreußen e.V. Berlin in nachstehender Presseerklärung:

LW

Pressemitteilung    27. Februar 2023

Evangelische Kirche Deutschlands vergibt deutsches Kulturgut

Unter größter Lebensgefahr rettete der letzte evangelische Pastor an St. Marien in Danzig, Oberkonsistorialrat Dr. Gerhard Gülzow, mit einigen Getreuen rund 286 unermesslich wertvolle liturgische Textilien (bekannt als Danziger Paramentenschatz) Ende 1944 vor der anstürmenden Roten Armee. Auf verschlungenen Pfaden gelangten sie teils nach Bayern und teils nach Thüringen.
1961 übergab die DDR-Regierung den Thüringer Teil der Paramente – 183 Stücke – an Polen. Sie werden heute im Danziger Nationalmuseum verwahrt.
Der Danziger Pastor Gülzow konnte nach dem Zweiten Weltkrieg insgesamt 103 Paramententeile in Lübeck zusammenführen. Zunächst bewahrt in seinem Pfarrhaus an der Lübecker Lutherkirche – hier war er nach Flucht und Vertreibung Pfarrer –, waren die Paramente von 1964 bis 1990 für die Öffentlichkeit in St. Marien zu Lübeck zugänglich. Da die Mariengemeinde in Danzig als Eigentümerin der Sammlung nicht mehr existierte, ging sie in den Besitz der Evangelischen Kirche der Union (EKU) mit Sitz in Berlin über. Es zeigte sich bald, dass St. Marien zu Lübeck nicht der geeignete Ort zur Bewahrung der Danziger Paramente war. Deshalb schloss die EKU als Eigentümerin der Sammlung einen Vertrag mit der Stadt Lübeck, die eine Überführung in das St. Annen-Museum ermöglichte. In einer eigens gefertigten Paramentenkammer wurden die liturgischen Gewänder ab 1990 dort gezeigt. Spätestens ab diesem Zeitpunkt erhob Polen Ansprüche auf Überführung der Paramente nach Danzig. Ob ein Zusammenhang mit diesen sog. „Rückforderungsansprüchen“ und der Schließung der Paramentenkammer nach wenigen Jahren der öffentlichen Zugänglichkeit im St. Annen-Museum besteht, kann hier nicht nachgegangen werden. Jedenfalls wurden die Paramente im Museumsmagazin eingelagert und fachmännisch betreut.
Auf einer Tagung des Kulturwerks Danzig und der Danziger Naturforschenden Gesellschaft im Oktober 2018 wurde intensiv die Frage diskutiert, was künftig angesichts der polnischen Ansprüche mit den Danziger Paramenten geschehe. Die EKD, Rechtsnachfolgerin der EKU, hatte in einem Schreiben erklärt, dass eine Rückführung des Lübecker Teils der Paramente nach Polen nicht vorgesehen sei. Fast zeitgleich wurden in der am 18.01.2019 eröffneten großartigen Präsentation Teile der Danziger Paramente im St. Annen-Museum wiederum gezeigt.
Dann überraschte die Leitung der EKD mit ihrer Presseerklärung vom 9. Dezember 2022 die interessierte Öffentlichkeit mit folgender Ankündigung: "Stadt und Erzbistum Gdańsk freuen sich sehr, dass […] demnächst auch der Paramentenschatz [aus Lübeck, Zusatz] nach Hause kommt", sagte der Erzbischof Tadeusz Wojda bei der Unterzeichnung des Letter of Intent im Kirchenamt der EKD. […] Die Unterzeichnung der Vereinbarung fand am 8. Dezember 2022 statt.
Der Baubeginn der Danziger Marienkirche geht auf das Jahr 1343 zurück, die Fertigstellung erfolgte 1503. Mit der Reformation 1525 wurde die Marienkirche evangelisch, und diente den deutschen evangelischen Christen in Danzig bis zur Flucht und Vertreibung 1944/45 als Gotteshaus.
Unverständlich ist, dass die EKD ohne polnische Gegenleistung die Danziger Paramenten-Sammlung aus der Obhut des St. Annen-Museums – dort wurden die liturgischen Textilien mit öffentlichen Steuergeldern über Jahrzehnte konservatorisch betreut und somit bewahrt – entfernen will und als Geschenk an das katholische Erzbistum Gdańsk abgibt.
Bisher haben nur wenige Privatpersonen sich mit kritischen Eingaben an die Leitung der EKD gegen deren Absicht gewandt, dieses unschätzbar wertvolle deutsche Kulturgut aus Danzig, über Jahrhunderte von der evangelischen Danziger Marienkirchengemeinde getreulich bewahrt und schließlich am Ende des zweiten Weltkriegs von Pastor Gülzow in den Westen gerettet, abzugeben.
Alle Deutschen, denen die deutsche Geschichte – auch die Geschichte der historischen Reichsgebiete östlich von Oder und Neiße – etwas bedeuten, sind aufgefordert, gegen die Absicht der EKD mit Eingaben zu protestieren. Die Verbände der Vertriebenen und ihre Kultureinrichtungen müssen mit allem Nachdruck den Erhalt des deutschen Kulturguts für uns Deutsche fordern und durchsetzen.
Letztendlich muss die bundesdeutsche Politik die gesetzlichen Rahmenbedingungen schaffen, dass solche Transfers von deutschem Kulturgut ins Ausland nicht mehr möglich sind. Parteien, Bundes- und Landes-regierungen müssen hierzu alles Nötige schnellstens in die Wege leiten. 

Reinhard M. W. Hanke, Berlin / Hans-Jürgen Kämpfert, Lübeck / Dr. Jürgen Martens, Königswinter

 
Landsmannschaft Westpreußen e.V. Berlin
www.westpreussen-berlin.de, danzig.westpreussen.berlin@gmail.com
Brandenburgische Straße 24 Steglitz, 12267 Berlin, Ruf: 030-257 97 533
 

LW

 

Pressemitteilung    28. März 2023

Petition gegen EKD-Beschluß zur Fortgabe der Danziger Paramente ins Ausland

Die Presseerklärung der Landsmannschaft Westpreußen e.V. Berlin vom 27. Februar 2023 wurde von der evangelischen Kirchenleitung vollständig ignoriert. Auch die Verbände sowie die Politik reagierten bisher nicht (Stand: 28.03.2023).
Dafür haben zahlreiche Privatpersonen, auch im Namen von Gruppierungen, in denen sie tätig sind, ihr vollständiges Unverständnis zum Letter of Intend (zu deutsch: Absichtserklärung) der Spitze der EKD in ihrer Presseerklärung vom 9. Dezember 2022 geäußert. Verbittert zeigten sie sich gegenüber dem schamlosen Umgang der EKD mit deutschem Kulturgut aus dem historischen deutschen Osten. Dem Erzbistum Danzig will die EKD die einmaligen geistlichen Textilien, den Danziger Paramentenschatz, übergeben. Die Paramente wurden Ende 1944 von dem letzten evangelischen Pastor an St. Marien zu Danzig, Oberkonsistorialrat Dr. Gerhard Gülzow – alten Lübeckern noch als Pastor an der Lutherkirche vertraut - unter Lebensgefahr nach Thüringen gerettet. 186 Teile dieser Paramente übergab 1961 die damalige DDR-Regierung an Polen. 103 Paramente konnte Pastor Gülzow in Lübeck zusammenführen; sie befinden sich seit vielen Jahren im Lübecker St. Annen-Museum – konservatorisch behandelt mit Mitteln des deutschen Steuerzahlers – und werden dort der Öffentlichkeit präsentiert. Die Paramente sollen nunmehr in die Danziger Marienkirche überführt werden; die EKD spricht fälschlicherweise von „Rückführung“. Bemerkenswert an dem kirchlichen Umgang mit deutschem Kulturgut ist überdies, daß ein Bewahrungsort für die Paramente in Danziger Marienkirche nicht vorhanden ist, sondern erst geschaffen werden muß.
Auch wenn die EKD Eigentümerin des Kirchengutes der 1944/45 untergegangenen evangelischen Gemeinden ist, so bewahrt sie dieses Eigentum nur treuhänderisch. Bei einer Schenkung oder Veräußerung ist das entsprechende Einverständnis der einstigen Gemeindemitglieder einzuholen. Dieses Einverständnis wurde der EKD zu keinem Zeitpunkt von den einstigen evangelischen Gläubigen der Marienkirche zu Danzig erteilt; sie handelt auch in diesem Fall verantwortungslos.
Freunde des Danziger Paramentenschatzes setzen sich für seinen Verbleib im Lübecker St. Annen-Museum ein. Sie haben eine offene Petition an die EKD unter dem Link

https://www.openpetition.de/petition/online/verbleib-des-1944-geretteten-danziger-paramentenschatzes-im- luebecker-st-annen-museum

initiiert.

Eine vollständige Dokumentation zu den Danziger Paramenten ist auf der Website

https://www.ostdeutsche-museen.de

unter Paramente Marienkirche wiedergegeben.


Unterstützen Sie diese Initiative mit Ihrer Unterschrift!

 

Reinhard M. W. Hanke, Berlin / Hans-Jürgen Kämpfert, Lübeck /
Dr. Jürgen Martens, Königswinter 

Landsmannschaft Westpreußen e.V. Berlin

www.westpreussen-berlin.de, danzig.westpreussen.berlin@gmail.com

Brandenburgische Straße 24 Steglitz, 12267 Berlin, Ruf: 030-257 97 533

Abbildung aus: B. Borkopp-Restle, Der Schatz der Marienkirche zu Danzig, S. 103

Brandenburgische Straße 24 Steglitz, 12267 Berlin, Ruf: 030-257 97 533

Abbildung aus: B. Borkopp-Restle, Der Schatz der Marienkirche zu Danzig, S. 103

 

LWPressemitteilung                               14. Juni 2023

Petition gegen EKD-Beschluß zur Fortgabe der Danziger Paramente ins Ausland

Als erste Frau predigte am 3. Juni 2023 Bischöfin Petra Bosse-Huber in der bis 1945 evangelischen Marienkirche in Danzig.
Spitzenvertreter der Union Evangelischer Kirchen/Evangelische Kirche in Deutschland (UEK/EKD) trafen sich erneut mit Vertretern des Erzbistums Danzig und der Danziger Marienkirche, um ein Expertengremium zu berufen. Dieses soll – wie die EKD betont – die sogenannte Heimkehr der Paramente nach Danzig begleiten.
Paramente ist der Sammelbegriff für Textilien, die in der Liturgie des Gottesdienstes zum Einsatz kommen. Dazu gehören die liturgischen Gewänder der Geistlichen, aber auch die Textilien, die zur Auskleidung der Altäre dienen sowie weitere Textilien zur Verwendung in der Meßfeier.
Die EKU/EKD ist nach dem Untergang der evangelischen Gemeinden östlich von Oder und Neiße treuhänderische Eigentümerin von deren einstigem Besitz geworden. Nachdem der Altar der Heiligen Dreifaltigkeit bereits im vorigen Jahr von Berlin nach Danzig von der EKD verschenkt worden ist, soll nun auch der in Lübeck bewahrte Danziger Paramentenschatz – über Jahrzehnte im Lübecker St. Annen-Museum auch öffentlich gezeigt - Lübeck Richtung Danziger Marienkirche verlassen. Eine museale Unterbringung der Textilien mit konservatorischer Betreuung an der Marienkirche ist zwar angedacht, kann aber zeitnah nicht verwirklicht werden.
Eine Kooperation des Erzbistums Danzig mit dem Danziger Nationalmuseum, das bereits 183 Teile des Paramentenschatzes sowie Hans Memlings großformatiges Triptychon aus der Danziger Marienkirche beherbergt, ist nicht bekannt. Der Memling-Altar war ebenfalls in den Westen ausgelagert worden, er wurde von der Roten Armee 1945 in Thüringen beschlagnahmt und ist dann 1951 nach Danzig überführt worden.
Der Zeitgenosse fragt verwundert, welcher weitere deutsche Kulturbesitz aus den historischen Ostgebieten als nächstes für eine Geschenkaktion der EKD zur Verfügung gestellt wird.

Die noch bis zum 31. Oktober laufende Petition hat zum Ziel, die EKD zum Umdenken zu bewegen. Zahlreiche Unterstützer der Petition haben vielfältige Anregungen gemacht, wie ein versöhnlicher Ausgleich im Sinne der Ökumene zwischen der EKD und dem Erzbistum Danzig aussehen könnte, ohne daß der noch in Lübeck bewahrte Danziger Paramentenschatz nach Danzig verschenkt wird.
Die EKD zeigt sich völlig unnachsichtig trotz vieler Eingaben betroffener Deutscher. Auch persönliche Gespräche haben zu keinem Umdenken geführt. Befremdlich stimmt zudem, daß Politik (Bundesregierung, Parteien) und einschlägige Vertriebenenorganisationen nicht vehement der Aktion der EKD widersprechen und auf Eingaben reagieren.

Daher nochmals die Bitte an alle, die sich für den Erhalt deutschen Kulturgutes einsetzen wollen: Unterzeichnen Sie die offene Petition, gerichtet an die EKD, unter dem Link
https://www.openpetition.de/petition/online/verbleib-des-1944-geretteten-danziger-paramentenschatzes-im- luebecker-st-annen-museum

Eine vollständige Dokumentation zu den Danziger Paramenten wird auf der Website https://www.ostdeutsche- museen.de unter Paramente Marienkirche wiedergegeben.

Eine Zeichnung der Petition ist bis zum 31.10.2023 möglich.

Reinhard M. W. Hanke, Berlin / Hans-Jürgen Kämpfert, Lübeck /
Dr. Jürgen Martens, Königswinter 
Landsmannschaft Westpreußen e.V. Berlin

www.westpreussen-berlin.de, danzig.westpreussen.berlin@gmail.com
Brandenburgische Straße 24 Steglitz, 12267 Berlin, Ruf: 030-257 97 533


Unterstützen Sie diese Initiative mit Ihrer Unterschrift!

Bild1

Abbildung aus: B. Borkopp-Restle, Der Schatz der Marienkirche zu Danzig, S. 103

 

Markus Patzke schreibt im DOD - Deutscher Ostdienst 1/2023 in seinem Beitrag Tatsächlich Ausdruck deutsch-polnischer Freundschaft? “Danziger Paramente” soll von Lübeck nach Danzig zurückgebracht werden u. a:.

...Die Paramente waren Geschenke deutscher Danziger Patrizierfamilien an ihre zunächst katholische, später evangelische Gemeinde. Der Rechtsnachfolger der Gemeinde hat seinen Sitz nicht in Danzig, sondern in Hannover. Niemand wird also etwa zurückgeben, es handelt sich nicht um Raub- oder Beutekunst, sondern um das Eigentum einer evangelischen Pfarrgemeinde und damit der vertriebenen Mitglieder dieser Gemeinde. Insofern handelt es sich nicht um eine Restitution. Es waren im wahrstem Sinne die Berechtigten, die diese Kulturgüter durch Mitnahme in den Westen vor der Gefahr der Zerstörung bewahrten. Die Paramente gehören zu den Menschen, die Evangelische Kirche der Union hat sie - nicht juristisch, wohl aber moralisch - “zu treuen Händen” übernommen. Wenn dieses Treueverhältnis jetzt derart mißbraucht wird, ist das für die vertriebenen Danziger und ihre Nachkommen - letztere werden nur allzu häufig vergessen - ein harter Schlag, der ihnen durch ihre Kirche versetzt wird...

Der vollständige Beitrag kann unter folgendem Link “Tatsächlich Ausdruck deutsch-polnischer Freundschaft?” eingesehen werden.

[Anschreiben vom 18. Oktober 2018 - Jürgen Martens]

Sehr geehrter Herr Bischof Bedford-Strohm,

zwischen dem 5. bis 7. Oktober 2018 veranstalteten das Kulturwerk Danzig und die Danziger Naturforschende Gesellschaft ihr XXXIX. Forum Gedanum in Lübeck. Ein wichtiger Themenkomplex waren die Paramente aus der Danziger Marienkirche.

Große Teile der Danziger Paramente rettete der letzte evangelische Pfarrer an der Marienkirche zu Danzig, Oberkonsistorialrat Dr. Gerhard M. Gülzow, nach Lübeck. Die Paramente befanden sich seit ihrer Überführung nach Lübeck im Eigentum der UEK, heute im Eigentum der EKD.
Der Öffentlichkeit waren die Paramente zunächst ab 1964 in der Lübecker Marienkirche zugänglich, allerdings ohne den für diese außerordentlich wertvollen Textilien notwendigen Schutz. Wohl über einen unbefristeten, jederzeit kündbaren Übereignungs- und Leihvertrag mit der Hansestadt Lübeck wurden die Paramente später in das Lübecker St. Annen-Museum überführt. In einer modernsten Ansprüchen genügenden Klimakammer war der Paramentenschatz aus Danzig für Museumsbesucher zugänglich. Das war bis etwa 2000 möglich; seither ist der Ort, an dem die Klimakammer sich befand, eine Baustelle, und die Paramente sind der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Das steht übrigens im Widerspruch zur Internetangabe des Museums, wonach zu den Highlights der Sammlung […] der einzigartige Passionsaltar von Hans Memling und der Danziger Paramentenschatz [Hervorhebung J. M.] gehören.
Einigen Mitgliedern des Kulturwerks Danzig wurde es vor einiger Zeit seitens des St. Annen-Museums ermöglicht, Zugang zu dem Paramentenschatz zu erhalten. Allerdings wurden ihnen nur zwei Caseln gezeigt, der restliche Teil der Sammlung bedauerlicherweise nicht.
Meine Fragen an Sie als Ratsvorsitzenden der EKD, der Eigentümerin des Danziger Paramentenschatzes, lauten:

  • Befindet sich der Paramentenschatz aus Danzig noch im Bestand des St. Annen-Museums, oder ist er – ohne die Öffentlichkeit zu informieren – inzwischen an Polen übergeben worden? (Meine entsprechenden Fragen während des XXXIX. Forum Gedanum blieben unbeantwortet.)
  • Wenn, wie ich hoffe, die Paramente sich noch in Lübeck befinden, frage ich Sie, was die EKD unternimmt, um den Kirchenschatz mit Danziger Herkunft der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen? Es ist dem Liebhaber sakraler Kunst nicht zu vermitteln, daß die Danziger Paramente seit nunmehr fast 20 Jahren nicht mehr gezeigt werden, obwohl das Museum über eine modernsten Ansprüchen genügende Präsentationsmöglichkeit (Klimakammer mit elek-tronischer Beleuchtungssteuerung) verfügt. Diese bedeutende mittelalterliche Sakralkunstsammlung aus dem Kulturraum des historischen deutschen Ostens (an dieser Stelle ist an den Staat des Deutschen Ordens in Preußen zu erinnern, aus dessen Zeit die ältesten Stücke der Sammlung stammen) nur im Museumsmagazin zu verwahren, kann und darf nicht die Lösung sein.
  • Welche vertraglichen Vereinbarungen bestehen zwischen dem Eigentümer und dem Leihnehmer, um letzteren (also Lübeck und dessen St. Annen-Museum) zu veranlassen, möglichst kurzfristig den Paramentenschatz aus Danzig wieder öffentlich zu präsentieren? Sollte das nicht möglich sein, wäre dann nicht zu überlegen, diesen Sakralschatz beispielsweise dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg leihweise zu überlassen? Wenigstens könnte dieser Ansatz ein Druckmittel gegenüber der Hansestadt Lübeck darstellen.

Für eine Beantwortung meiner Fragen wäre ich Ihnen sehr verbunden.

Mein Schreiben geht in Kopie an das Kulturwerk Danzig, die Danziger Naturforschende Gesellschaft und an die Landsmannschaft Westpreußen e. V. – Landesgruppe Berlin.

Mit freundlichen Grüßen
gez. Dr. Jürgen Martens

[Anschreiben vom 12. November 2018 - Jürgen Martens]

Sehr geehrter Herr Dr. Philipps,

haben Sie herzlichen Dank für Ihr Schreiben vom 6. November d. J. Es wurde nicht nur von mir, sondern auch von meinen Danziger Freunden mit Genugtuung aufgenommen. Das gilt vor allem für Ihre Hinweise auf eine Wiederpräsentation des Danziger Paramentenschatzes im Lübecker Sankt-Annen-Museum ab dem 18. Januar 2019 verbunden mit einem Katalog.
Ein „Wermutstropfen“ in Ihrem Schreiben bleibt, wenn Sie festhalten, daß eine
Rückführung des Lübecker Teils der Paramente nach Polen […] nicht vorgesehen sei. Eine eindeutigere Formulierung wäre wünschenswert in dem Sinne gewesen, daß die UEK als Eigentümerin der Paramente eine Rückführung vollkommen ausschließt. Ich möchte Sie sehr herzlich bitten, dieses Ansinnen Herrn Bischof Bedford-Strohm nahezubringen.
Grundsätzlich habe ich bei Rückführungsfragen deutschen Kulturgutes immer das ungute Gefühl, daß wir Deutsche zu viel des Guten tun. Erinnern möchte ich an die Rückgabe der katholischen Kirchenbücher aus Westpreußen an die polnische Kirche. Sie waren im Zentralarchiv der katholischen Kirche in Regensburg ohne Frage gut und sicher verwahrt. Zusagen, die der Vatikan gegenüber Kardinal Lehmann damals im Zusammenhang mit der Rückgabe gab, wurden überdies nicht eingehalten. Erinnern möchte ich auch an die unverständliche Rückgabe der Bibliothek der Naturforschenden Gesellschaft in Danzig seitens des Landes Bremen mit der Begründung, es handele sich ohnehin um polnische Literatur, die man hier nicht lesen könne. Diese Begründung wurde ohne Sachkenntnis gegeben, denn es handelte sich in der Tat um ältere deutschsprachige wissenschaftliche Literatur.

Nochmals Dank für Ihr Antwortschreiben und
mit freundlichen Grüßen

gez. Dr. Jürgen Martens

[Anschreiben vom 27.12.2022 - Jürgen Martens]

Sehr geehrte Frau Präses Kurschus,

am 14. Dezember 2022 erschien in den Lübecker Nachrichten eine Kurznotiz des Inhalts, die EKD beabsichtige, den im Eigentum der EKD (früher der UEK) befindlichen und im Lübecker St. Annen-Museum wohlbehüteten Paramentenschatz aus der Danziger Marienkirche dorthin zurückzugeben. Mich befiel ungläubiges Staunen, ich wollte nicht begreifen, daß die evangelische Kirche derart leichtfertig und unbesonnen handeln würde. Als ich dann in der Pressemitteilung der EKD vom 09.12.2022 las, daß in Ihrem Kirchenamt am 08.12. eine Absichtserklärung über die Rückführung von aus der Marienkirche Gdansk stammenden spätmittelalterlichen liturgischen Textilien nach Gdansk unterzeichnet wurde, machte mich die Lektüre fassungslos; ich war entsetzt und wütend über das Verhalten der Oberen meiner evangelischen Kirche, deren Mitglied ich seit 83 Jahren bin. Als Konsequenz stellt sich mir die Frage, ob ich es noch mit meinem Gewissen vereinbaren kann, dieser Kirche anzugehören.
In der Pressemitteilung findet sich kein Hinweis darauf, daß es Oberkonsistorialrat Dr. Gerhard Gülzow unter Lebensgefahr mit einigen ihm vertrauten Gemeindemitgliedern seiner evangelischen Gemeinde der Marienkirche zu Danzig Ende 1944 gelungen war, die unvorstellbar wertvollen Paramente seiner Kirche vor der drohenden Vernichtung durch die herannahende Rote Armee zu bewahren.
In absoluter Verkennung der historischen Situation spricht Ihre Pressemitteilung nur von Gdansk oder dem Paramentenschatz der Marienkirche Gdansk. Den deutschen Namen Danzig der einstigen deutschen Metropole an der Ostsee verwenden Sie geflissentlich nicht. Ist es diese Art von Anbiederung, die Sie mit Ihrem Amt als Beauftragte der EKD mit der polnischen Kirche verbinden? Was ist im übrigen damit gemeint? Schließen Sie damit auch die Obhut für die evangelischen Christen augsburgischer Konfession in Polen ein? Bei meinen zahlreichen Besuchen etwa im masurischen Lötzen habe ich nichts davon spüren können, daß die offizielle Spitze der EKD sich um diese Christenmenschen je gekümmert hätte.
Wenn ich in der Pressemitteilung zur Kenntnis nehme, die liturgischen Gewänder seien von Mitgliedern der damals evangelischen Marienkirchengemeinde […] auf die Flucht mitgenommen worden und zu großen Teilen nach Westdeutschland gelangt, bin ich wiederum fassungslos über die hier offenbar werdende Ignoranz. Darf ich den Ausdruck mitgenommen so interpretieren, als sei damit ein Unrechtsakt verbunden, den es nunmehr mit der Unterzeichnung der Absichtserklärung zu heilen gelte? Die Behauptung schließlich, der Paramentenschatz sei zu großen Teilen nach Westdeutschland gelangt, ist schlichtweg falsch. Der größte Teil des Schatzes (183 Teile) verblieben in Thüringen – die DDR-Führung hat sie seinerzeit an Polen überstellt –, 106 Teilstücke konnte Dr. Gülzow in seinem Pfarrhaus an der Lübecker Lutherkirche wieder vereinen. Zu weiteren Einzelheiten verweise ich auf meine beigefügte Eingabe an Herrn Bischof Bedford-Strom vom 18. Oktober 2018, ebenso auf den informativen Beitrag von Albrecht Philipps Zur Geschichte des Danziger Paramentenschatzes seit 1944 (in: Birgitt Borkopp-Restle, Der Schatz der Marienkirche zu Danzig. Liturgische Gewänder und textile Objekte aus dem späten Mittelalter, Affalterbach 2019, pp. 22-24).

Am 5. – 7. Oktober 2018 veranstalteten das Kulturwerk Danzig und die Danziger Naturforschende Gesellschaft in Lübeck eine Tagung, die ganz wesentlich dem Thema Paramentenschatz der Danziger Marienkirche gewidmet war. Zuvor hatte ich beobachtet, daß der Paramentenschatz aus Danzig nicht mehr im Lübecker St. Annen-Museum gezeigt wurde. Die auf der Tagung offenbleibende Frage, was mit dem Paramentenschatz geschehen sei bzw. geschehen werde, veranlaßten mich zu meiner Anfrage bei Herrn Bischof Bedford-Strom vom 18. Oktober 2018. In der Antwort, die Herr OKR Dr. Albrecht Philipps mir am 6. November 2018 erteilte, hieß es lapidar, eine Rückführung des Lübecker Teils der Paramente nach Polen sei nicht vorgesehen. Diese Formulierung schloß allerdings eine spätere Rückführung nicht konsequent aus. Das habe ich Herrn Philipps in meiner Replik vom 12.11.2018 mitgeteilt (s. beigefügte Anlage).
Das St. Annen-Museum mit seiner kenntnisreichen Direktorin Dr. Dagmar Täube organisierte ab 19. Januar 2019 eine sehenswerte Ausstellung mit ausgesuchten wunderschönen Beispielen aus dem Danziger Paramentenschatz.
Sollen nunmehr alle Mühen der Involvierten wie auch die hohen finanziellen Mittel vergeblich gewesen sein? Ich vermag das gedanklich nicht zu realisieren. Zudem empfinde ich es als Vertrauensbruch, wenn mir Ihr Vorgänger im Amt mitteilen läßt, eine Rückgabe sei nicht beabsichtigt, und fünf Jahre später ist diese Aussage nur noch Makulatur.

Nachstehend gebe ich Ihnen den Inhalt des Kulturparagraphen 96 aus dem Bundesvertriebenengesetz zur Kenntnis. In meiner gesamten beruflichen und wissenschaftlichen Tätigkeit habe ich mich ihm verpflichtet gefühlt:

Gesetz über die Angelegenheiten der Vertriebenen und Flüchtlinge (Bundesvertriebenengesetz - BVFG)

§ 96 Pflege des Kulturgutes der Vertriebenen und Flüchtlinge und Förderung der wissenschaftlichen Forschung

Bund und Länder haben entsprechend ihrer durch das Grundgesetz gegebenen Zuständigkeit das Kulturgut der Vertreibungsgebiete in dem Bewusstsein der Vertriebenen und Flüchtlinge, des gesamten deutschen Volkes und des Auslandes zu erhalten, Archive, Museen und Bibliotheken zu sichern, zu ergänzen und auszuwerten sowie Einrichtungen des Kunstschaffens und der Ausbildung sicherzustellen und zu fördern. Sie haben Wissenschaft und Forschung bei der Erfüllung der Aufgaben, die sich aus der Vertreibung und der Eingliederung der Vertriebenen und Flüchtlinge ergeben, sowie die Weiterentwicklung der Kulturleistungen der Vertriebenen und Flüchtlinge zu fördern. Die Bundesregierung berichtet jährlich dem Bundestag über das von ihr Veranlasste.

Nimmt man die Verpflichtung, die sich aus diesem Gesetz auch für die EKD ergibt, ernst, dann begeht die offizielle Kirche mit dem Plan einer Rückführung m. E. einen Verfassungsbruch, der sich aus Art. 14, 2 GG ableiten läßt. Der Wortlaut der Verfassung lautet: Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. Die Rücküberstellung der in Lübeck bewahrten Danziger Paramententeile nach Polen dient keineswegs dem Wohle der evangelischen Danziger Christen noch dem der deutschen Bevölkerung insgesamt.
Ein ganz persönliches Wort an Sie - ich möchte es auch als Neujahrswunsch an meine evangelische Kirche verstanden wissen: Bitte üben Sie als offizielle Kirche die Ihnen obliegenden seelsorgerischen Aufgaben viel ernsthafter aus, als es bisher in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, und vermeiden Sie – wo es sich umgehen läßt – ein politisches Agieren. Sonst, fürchte ich, wird es eine machtvolle evangelische Kirche in absehbarer Zeit nicht mehr geben.
Ich fordere Sie auf, die Absichtserklärung vom 8. Dezember 2022 nicht zu realisieren. Vielmehr sollten Sie nach einer einvernehmlichen Lösung mit Ihren polnischen Mitunterzeichnern suchen, die die deutsche Interessenlage und deutsche Befindlichkeiten im Auge hat.

Abdrucke dieses Briefes gehen u. a. an Herrn OStD Hans-Jürgen Kämpfert, an das Präsidium des BDV, an Museumsdirektorin Dr. Dagmar Täube und an Reinhard Hanke, Sachwalter der Westpreußen in Berlin.

Mit freundlichen Grüßen
gez. Dr. Jürgen Martens

Email-Anschreiben Prof. Dr. G. Gornig an EKD vom 12.01.2023

uek@ekd.de

Betreff: liturgische Gewänder

Sehr geehrte Damen und Herren,

aus der Presse habe ich erfahren, dass etwa 100 mit feinsten Stickereien verzierte liturgische Gewänder von Lübeck nach Danzig zurückkehren sollen. Darauf hätten sich laut der Kulturstiftung der Hansestadt Lübeck die Union Evangelischer Kirchen in der EKD und die Marienkirche Danzig geeinigt.
Es handelt sich um kostbare Paramente, die um 1945 größtenteils von Flüchtlingen unter Lebensgefahr aus Danzig in den Westen gebracht und in Lübeck gesammelt und aufbewahrt wurden.
Es werden also Kulturgüter nicht beim Volk belassen, zu dem es gehört, sondern dem Boden zurückgegeben, auf dem nun ein anderes Volk lebt. Die Bundesregierung hat eben nach Nigeria Kulturgut aus Benin zurückgegeben, da dieses zum Volk gehört (obwohl Nigeria die Statuen wohl bald wieder verkaufen wird). S i e  gehen den entgegengesetzten Weg. Wir kommen ja gerne den Forderungen nach zum Schaden unseres eigenen Staates und unseres Volkes, wenn wir nur damit Forderungen anderer nachkommen können. Das wird weiter gehen und bald wird Polen zum Land auch noch alles bewegliche Gut fordern, das sich ehemals in diesem Land befand und weiter ohne einen Anspruch zu haben, Reparationsforderungen erheben. Polen hält ferner deutsches Kulturgut zurück, das in seine Hände gefallen ist, obwohl es im Völkerrecht keine restitution in kind gibt, also Anspruch auf Ersatz durch fremdes Kulturgut als Entschädigung. Kultur gehört zum Volk und nicht zum Boden, das sagt schon der gesunde Menschenverstand!
Mir ist auch bekannt, dass in Lübeck vor etwa drei Jahren ein besonders schöner Remter des St. Annen-Museums als "Paramentenkammer" eingerichtet worden ist; er wäre nun überflüssig.
Mir ist ein solches Verhalten rätselhaft und wieder einmal Ausdruck typisch deutschen Verhaltens, über das in Polen nur gelächelt, wenn nicht gelacht wird. "Du hast die deutschen an der Gurgel oder sie küssen dir die Füße". Sie machen letzteres zum Schaden unseres Volkes.

Mit freundlichen Grüßen und Ausdruck völligen Unverständnisses
Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Gilbert Gornig

[Schreiben OKR Dr. Martin Evang vom 24.01.2023]

Das Original des Schreibens: bitte hier anklicken evang_martens_240123

 

Union Evangelischer Kirchen in der Evangelischen Kirche in Deutschland

Amtsbereich der UEK im Kirchenamt der EKD 
Postfach 21 02 20 30402 Hannover

24.01.2023 

Herrn 
Dr. Jürgen Martens 
Am Härenberg 14 
53639 Königswinter 

 

Danziger Paramentenschatz 


Sehr geehrter Herr Dr. Martens,

nach der am 8. Dezember 2022 erfolgten Unterzeichnung des Letter of  Intent zur Übertragung der Eigentumsrechte an den derzeit in Lübeck  und Nürnberg aufbewahrten Stücken des Danziger Paramentenschatzes an die Marienkirche Danzig und ihre Rückkehr dorthin haben uns in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und in der Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK) einige Schreiben erreicht, in denen dieses  Vorhaben kritisch kommentiert oder gar missbilligt wird. Ich möchte versuchen, das Vorhaben in seinen größeren Zusammenhängen verständlich zu machen. 
Die UEK ist Rechtsnachfolgerin der ehemaligen, mit Ende des 2. Weltkriegs untergegangenen, zur Evangelischen Kirche der Altpreußischen  Union gehörenden deutschen evangelischen Kirchengemeinden im heutigen Polen. Als solche ist die UEK Eigentümerin einer Vielzahl von kirchlichen Gegenständen, die bis zum Ende des 2. Weltkriegs, zumeist auf derFlucht durch Mitglieder dieser Gemeinden, nach Westen mitgenommen wurden, um sie vor Verlust oder Zerstörung zu bewahren. Diese Objekte sind schon zu Zeiten der früheren EKU – heute UEK – sorgfältig erfasst und in regulären Verfahren ausgeliehen worden. Für die Feier des Gottesdienstes bestimmte Gegenstände sind zumeist an Kirchengemeinden in ganz Deutschland ausgeliehen und dort weiter in gottesdienstlichemGebrauch. Andere Gegenstände sind an Museen ausgeliehen worden, indenen sie sachgerecht aufbewahrt und ausgestellt werden können.
Ein herausragendes Beispiel für beide Umgangsweisen ist der Dreifaltigkeitsaltar der Georgsbruderschaft aus der Marienkirche Danzig, dessen Retabel und Predella in den Kriegsjahren nach Berlin gelangt waren.
Über  Jahrzehnte  war  die  Predella  an  die  St.  Johanniskirche  Berlin-Moabit, das Retabel an die Gemäldegalerie Berlin ausgeliehen. Dieser Altar ist im Jahre 2020 in die Marienkirche Danzig, seinen angestammten Ort, zurückgekehrt. Auf Initiative der UEK und vorbereitet durch hochrangige persönlichen Begegnungen zwischen Vertretern unserer Kirchen hatten die UEK und die Marienkirche Danzig in Verbindung mit dem Bistum Danzig einen Schenkungsvertrag geschlossen.
Anlässlich der zweisprachigen ökumenischen Vesper zur Rückkehr des Altars, die pandemiebedingt erst verspätet in der Marienkirche Danzig stattfinden konnte, und eines damit zeitlich verbundenen öffentlichen Symposiums zu Fragen der Kulturgüterrückführung zwischen Polen und Deutschland im Juni 2022 in Danzig wurde – wiederum auf Initiative der UEK – in Aussicht genommen, einen Letter of Intent aufzusetzen, in dem die künftige Rückkehr der im Eigentum der UEK befindlichen Stücke des Danziger Paramentenschatzes an ihren historischen Ort, die Marienkirche Danzig, vereinbart werden sollte. Dieser Letter of Intent wurde in intensiven Gesprächen nicht nur zwischen der UEK und der Marienkirche Danzig sowie dem Bistum Danzig-Oliwa, sondern auch mit dem St. Annen-Museum Lübeck und dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg vorbereitet und ausgearbeitet.
Der Letter of Intent über die Rückkehr des Danziger Paramentenschatzes nach Gdańsk ist am 8. Dezember 2022 in Hannover unterzeichnet worden, für die UEK von dem Vorsitzenden der Vollkonferenz und des Präsidiums, Kirchenpräsident Dr. Dr. h.c. Jung, und der Leiterin des Amtsbereichs der UEK im Kirchensamt der EKD, Bischöfin Bosse-Huber, für die Marienkirche Danzig von Prälat Bradtke und für das Bistum Danzig von Bischof Wojda. Er dokumentiert die beiderseitige Absicht, (1) dass die im Eigentum der UEK befindlichen Stücke des Danziger Paramentenschatzes in absehbarerZeit durch einen Schenkungsvertrag in das Eigentum der Marienkirche Danzig übertragen werden und dorthin zurückkehren sollen, (2) dass die Marienkirche Danzig Voraussetzungen für eine konservatorisch sachgerechte Aufbewahrung und Ausstellung der Paramente schafft, (3) dass in Lübeck und ggfs. auch in Nürnberg auch künftig einzelne Paramente des Danziger Paramentenschatzes ausgestellt werden und (4) dass ein Fachbeirat, in dem beide Seiten vertreten sind, die Umsetzung des Vorhabens begleitet.
Der Letter of Intent schließt mit den Worten: „Die UEK und die Marienkirche Gdańsk betrachten die erfolgte Rückkehr des Dreifaltigkeitsaltars und die beabsichtigte Rückkehr der Paramente zur Marienkirche Gdańsk und ebenso die dauerhafte Präsenz einzelner Danziger Paramente in Lübeck (und Nürnberg) als Ausdruck ökumenischer Verbundenheit zwischen evangelischer und römisch-katholischer Kirche, als Ausdruck der Versöhnung zwischen Deutschland und Polen und als Ausdruck der besonderen Verbundenheit der Städte Lübeck und Gdańsk.“
Ich darf hinzufügen, dass wir mit der Direktorin des St. Annen-Museums, Frau Dr. Täube, sowie mit dem ehemaligen und dem jetzigen Leiter der Lübecker Museen, den Herren Professor Wisskirchen und Dr. von Stockhausen, in engem und einvernehmlichem Austausch standen und stehen. Die dauerhafte Ausstellung von einzelnen Danziger Paramenten in Lübeck wahrt den jetzigen Status. Sie soll dazu beitragen, die Erinnerung an die entsagungsvolle Rettung der Danziger Paramente durch Mitglieder der evangelischen Marienkirchengemeinde Danzig zu bewahren und die zwischen Lübeck und Danzig bestehende kulturelle Brücke zu stärken.
Ich hoffe, dass ich mit diesen Ausführungen das Vorhaben näher erläutern konnte, und bitte Sie herzlich, es verständnisvoll zu respektieren.
Dieses Schreiben ist mit der Ratsvorsitzenden der EKD, Präses Dr. h. c. Kurschus, dem Vorsitzenden von Vollkonferenz und Präsidium der UEK, Kirchenpräsident Dr. Dr. h. c. Jung, und der Leiterin des Amtsbereichs der UEK im Kirchenamt der EKD, Bischöfin Bosse-Huber, abgestimmt.

Mit freundlichen Grüßen
- im Auftrag –
[Unterschrift]
Dr. Martin Evang

[Email-Anschreiben Manfred Lietzow vom 25.01.2023]

Email von Manfred Lietzow an Dr. Martin Evang, EKD, vom 25.01.2023

Gesendet: Mittwoch, 25. Januar 2023 um 18:18 Uhr
Von: "Manfred Lietzow"
Manfred_Lietzow@gmx.de
An: "Evang, Martin" <Martin.Evang@ekd.de>

Betreff: Aw: Danziger Paramentenschatz

Sehr geehrter Herr Dr. Evang,

vielen Dank für die Zusendung der recht umfangreichen Stellungnahme der UEK zur Übergabe der "Danziger Paramente" an Polen. Es ist sicher richtig, im Rahmen christlicher Versöhnung in einem guten Verhältnis auch mit unserem stets schwierigen Nachbarn Polen zu leben, jedoch kann es nicht sein, dass Millionenwerte deutschen Kulturgutes, wie die "Danziger Paramente" ohne Gegenleistung an einen Staat zu geben, der sich bis heute weigert, seine Beutekunstan Deutschland zurückzugeben. Wenn immer von "Rückgabe" der "Danziger Paramente" bei der UEK gesprochen wird, ist dies ein falscher Begriff; denn ich kann nicht zurück-geben, was mir, in diesem Fall der Ev. Kirche in Deutschland, gehört! Ich möchte dabei an die "Berlinka" (Berliner Sammlung) erinnern, die sich immer noch in Krakau in der Jagiellonischen Bibliothek befindet. Gegen Endes des II. Weltkrieges wurden die Bestände des Preußischen Staatsarchivs zum Schutz vor Bombenschäden in das Benediktiner-Kloster Grüssau/Niederschlesien sowie Schloss Fürstenstein ausgelagert und nach der Besetzung durch die Sowjets und Polen über Breslau nach Krakau verschickt. Darunter befinden sich 300.000 Bände aus wertvollen mittelalterlichen Handschriften, Autographen von Luther und Goethe, Schillers Doktorarbeit, allein 9000 Briefe aus der Sammlung Varnhagen von Ense. Hinzu kommt eine umfangreiche Musikaliensammlung mit Originalpartituren von Bach, Beethoven und Mozart. Auch eine Handschrift des Deutschlandliedes aus dem Nachlass Hoffmann v. Fallersleben befindet sich dort! Bis heute verweigert Polen die Herausgabe dieser Beutestücke. Das ist ein eklatanter Verstoß gegen die Haager Landkriegsordnung von 1907, die noch heute als gültiges Völkerrecht ist und eine Wegnahme von Kulturgütern verbietet. Also mit welchem Recht verschenkt die UEK kirchliches deutsches Kulturgut, die "Danziger Paramente", an Polen ohne vorherige Verhandlungen über die Rückgabe der Beutekunst? Das kann nicht in unserem nationalen Interesse liegen und zeigt nur die Geschichtslosigkeit und mangelnden historischen Kenntnisse über die deutschen Ostgebiete als Ausdruck des heutigen Zeitgeistes. Die Generation der Flüchtlinge, Vertriebenen und Zeitzeugen wird leider immer weniger und die heutige Generation, besonders der von Grünen dominierten EKD, sind nur sehr einseitig von deutscher Schuld und vorauseilendem Gehorsam geprägt! Was würde wohl der letzte Marienpastor von Danzig, Pastor Dr. Gülzow, dazu sagen, würde er noch leben und hören, wie seine unter großen Mühen nach Lübeck gerettete Restsammlung von 108 Danziger Paramenten an Polen verschenkt werden. Er würde sicher weinen und seine eigene Ev. Kirche nicht mehr verstehen! Was nützt es, wenn einige Paramente im Lübecker St. Annen-Museum als "Leihgabe" verbleiben, obwohl sie deutsches Kirchengut sind. Als gebürtiger Lübecker und Sohn eines in der Danziger Niederung geborenen Vaters werden Sie sicher verstehen können, dass ich neben vielen Danziger Flüchtlingen für die Auslieferung der Danziger Paramente an Polen kein Verständnis habe und schwer enttäuscht bin von der Entscheidung der UEK/EKD! Den Landsmannschaften erweisen Sie einen Bärendienst mit der Paramenten-Verschenkung und glauben Sie mir bitte, sie werden weiter für den Verbeib in Deutschland kämpfen!

Mit christlichen preußischen u. hanseatischen Grüßen
Manfred Lietzow
Landes-OMV S-H Ehrenvors. u. Kreis-OMV OH Vorsitzende

[Schreiben von H.-J. Kämpfert an OKR Dr. Evang, UEK]

Stockelsdorf, den 2. 2.2023

An die
Union Evangelischer Kirchen
Hannover

Sehr geehrter Herr Dr. Evang!

Für Ihren ausführlichen Bericht über die Initiativen der EKD bei der Verschenkung wertvollsten ostdeutschen Kulturgutes an Polen, und zwar wertvoll in kultureller und ökonomischer Hinsicht, bedanke ich mich. Ich habe ihn aufmerksam gelesen. Doch werden Sie schon an meinem ersten Satz gemerkt haben, dass meine Einstellung damit nicht getroffen ist.

Haben Sie denn gar nicht mit den Betroffenen gesprochen?
Haben Sie denn gar nicht mit den Vertriebenen gesprochen? Auch nicht mit den Danzigern, die sich Jahrzehnte lang für den Erhalt der Paramente als herausragendes Beispiel ostdeutschen Kulturgutes eingesetzt haben? Haben Sie auch keinen Kontakt mit staatlichen Stellen gesucht?

Auf die Aufzählung von Kulturgütern, die gegenseitig nicht zurückgegeben wurden, will ich mich hier nicht einlassen, sie sind größtenteis bekannt. Aber die Anmerkung, dass die millionenschwere Verschenkung ein Ausdruck gegenseitiger ökumenischer Verbundenheit sei, ist doch wenig oder gar nicht überzeugend. Die deutschen und die polnischen Menschen brauchen ein solches Zeichen gar nicht mehr, sie leben doch diese Verbundenheit. Die polnische Politik aber werden Sie damit nicht überzeugen können, denn sie fordert eine billionenschwere Entschädigung, so als ob es eine Vertreibung mit all ihren überaus bitteren Folgen gar nicht gegeben hätte.
Und dass die dauerhafte Ausstellung in Lübeck den jetzigen Status wahrt, können Sie doch selber kaum glauben, wenn Sie die Eigentumsverhältnisse berücksichtigen.
Gewundert habe ich mich auch darüber, dass Sie mein kurzes Schreiben an Frau Dr. Täube offenbar kennen. Da mir nicht klar ist, ob Sie mein Schreiben an die UEK überhaupt haben zur Kenntnis nehmen können, erlaube ich mir, es hier noch einmal anzuhängen.
Aber all' diese Einzelfragen sind nicht mein Hauptanliegen, es geht doch um Entscheidenderes, es geht doch um eine Identitätsfrage der ostdeutchen Vertriebenen und wie mit ihren wenigen materiellen Erinnerungen umgegangen wird.
Ich hoffe, Sie und die Beteiligten an diesem "Deal" noch zu einem neuerlichen Nachdenken über diese Schenkung bewegen zu können, vielleicht sogar über ein gemeinsames Nachdenken über eine bessere Lösung. Ich fände es besser, wenn sich die evangelischen Gläubigen nicht über ihre Kirche grämen oder gar schämen müßten.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Hans-Jürgen Kämpfert

[Anlage zum Schreiben Kämpfert vom 02.02.2023]

Über die Paramente aus der St. Marienkirche zu Danzig 

 

Die Oberpfarrkirche von St. Marien zu Danzig, deren Grundstein im Jahre 1343 gelegt worden war, besaß zu Beginn des 16. Jahrhunderts einen derart reichhaltigen und kostbaren Paramentenschatz, wie kaum eine andere Kirche in Deutschland. Das mag darin begründet sein, dass Danzig damals zu den größten und reichsten Städten Europas gehörte mit Handelsbeziehungen, die über Europa hinaus reichten. An St. Marien in Danzig, 1945 die fünftgrößte Kirche der Welt, wirkten um 1500 123 Pfarrer und Kapläne am Hochaltar und an den 46 Altären der Patrizierfamilien, Bruderschaften und Zünfte. Zu deren liturgischem Altardienst gehörten die Paramente: Priestergewänder (Chormantel, Kasel, Dalmatika, Stola, Cingulum, Sudarium usw.), aber auch Altarbekleidungen und Silbergeräte. Durch die Kreuzzüge und die weitreichenden Danziger wirtschaftlichen und politischen Verbindungen gelangten wertvollste Gewebe, Brokate und Seidenstoffe, aus dem Vorderen Orient, aus Venedig und Lucca, und Stickereien aus Deutschland und England nach Danzig, wo sie – meist - von den Patriziern gestiftet, für die Verwendung im Gottesdienst hergerichtet und geweiht wurden.
Als Danzig im Jahre 1557 nach langen Bemühungen die Religionsfreiheit zur Ausübung der evangelischen Religion erreicht hatte, wurden die für die römische Messe nötigen Gewänder und Silbergeräte immer weniger verwendet und mit der Zeit überflüssig. Um sie vor Dieben und Plünderungen vor allem während der Glaubenskämpfe und kriegerischen Auseinandersetzungen zu schützen, haben weitsichtige Gemeindemitglieder sie in Altären und Schränken versteckt und in Wandnischen und Seitenkapellen eingemauert. Schon 1552 hatte der Frauenburger Domherr Martin Cromer auf 23 Folioseiten ein Inventar der damaligen Paramente und Silbergeräte angelegt, und 1569 hatte der Protonotar Melchisedek Laubendorn ausgewählte Stücke ausführlich beschrieben. Danach gerieten sie über Jahrhunderte in Vergessenheit. Die Oberpfarrkirche St. Marien zu Danzig wurde zur größten evangelischen Kirche der Welt.

Erst ab 1791 und bis 1937 wurden durch Zufall, bei Bauarbeiten und durch systematisches Suchen des Küsters  A. Hinz (zwischen 1861 und 1864) die wertvollen verborgenen Schätze wiederentdeckt.
Die Wertschätzung dieser wohl einmaligen Kunstschätze von etwa 1000 Stücken kann zu dieser Zeit nicht groß gewesen sein: Zahlreiche Stücke wurden an Privatsammler verkauft, das Berliner Kunstgewerbemuseum erhielt 1875 aus Danzig 250 Stücke und später noch einige, auch das Germanische National-Museum in Nürnberg besitzt einige Stücke in seiner Gewebesammlung, andere gingen nach Krefeld, Brandenburg, Halberstdt, Brüssel, Wien, London und Stralsund. Der rheinische Kanonikus Franz Bock hat die Danziger Bestände zwar wissenschaftlich bekannt gemacht, entnahm ihnen aber auch Gewänder und einzelne Teile von Geweben und Stickereien zur Vervollständigung seiner eigenen Sammlung. In Danzig wurde er deshalb als „Scheren-Bock“ bezeichnet, manche dieser Fragmente wurden später an das „Viktoria-and-Albert-Museum“ nach London verkauft, wo sie noch heute zu sehen sein sollen. Der „ausgeschnittene“ Chormantel aus chinesischem Seidenbrokat aus dem 14. Jahrhundert befindet sich heute noch in der Lübecker Sammlung.
Erst ein Gutachten des Generalkonservators der Kunstdenkmäler des preußischen Staates, Ferdinand von Quast, aus dem Jahre 1873 konnte den Ausverkauf der Paramente verhindern. Eine erste Beschreibung lieferte der Küster A. Hinz 1870 in zwei Bänden. Im Jahre 1929 wurde dann eine Gesamtausstellung der Paramente im Danziger Stadtmuseum in der Fleischergasse gezeigt, die aber nicht mehr alle der von Hinz erwähnten Teile enthielt. Prof. Dr. Mannowsky, Direktor des Danziger Stadtmuseums, hat 1938 in seinem unten genannten Werk 541 Einzelstücke beschrieben. Sie wurden in der Schatzkammer von St. Marien, der Barbarakapelle, der südwestlichsten Seitenkapelle im südlichen Querschiff, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ab 1937 wurden die wichtigsten Stücke im Danziger Stadtmuseum gezeigt.
Als Ende 1944 die Kriegshandlungen des Zweiten Weltkrieges näher an Danzig heranrückten, machte man sich Sorgen über den Erhalt dieser einmaligen, kostbaren Schätze. Der Pfarrer von St. Marien, Oberkonsistorialrat D. Gerhard Gülzow (*1904 in Liepgarten/Ueckermünde, +1980 in Lübeck), schreibt, dass gemeinsam mit der Gemeinde und den Kirchenältesten, die auch Denkmalpfleger waren (Prof. W. Drost und Oberbaurat E. Volmar), eine Auslagerung nach Thüringen und Bayern erfolgte. In einem Brief aus dem Jahre 1993 schreibt Prof. Dr. Pieper, der sich „als Freund des verstorbenen Pastors Gülzow“ bezeichnet: „Als diese Gemeinde vor der anrückenden russischen Armee flüchtete, hat ihr Leiter, Pastor Gülzow, den vertrauenswürdigsten Familien je eines der wertvollen alten Paramente mitgegeben und einen Rest selbst mitgenommen. Pastor Gülzow hat in der Lübecker Schwesterkirche Aufnahme gefunden, er wurde Pastor an der Luther-Kirche. Von dort aus hat er Verbindung zu seinen verstreuten Gemeindemitgliedern aufgenommen und die Paramente wieder eingesammelt. Erstaunlicher Weise sind auf dem langen Fluchtweg kaum Verluste entstanden.“
Man kann wohl davon ausgehen, dass beide Wege für die Erhaltung der Paramente in dieser von größter Unsicherheit gekennzeichneten Zeit eingeschlagen worden sind.
Die Paramente aus Thüringen konnten nach 1945 nicht alle nach Lübeck, dem „Zufluchtsort der Danziger Kirchenleitung“, überführt werden. Ein großer Teil wurde von Ostberlin im Oktober 1961 dem inzwischen polnisch gewordenen Danzig übergeben, so dass dort heute 183 Stücke aufbewahrt werden. Im Jahre 1958 gab es aus Anlass der Eröffnung des Theodor-Heuss-Baues im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg eine Ausstellung der Paramente, in deren Katalog alle 103 Stücke der Lübecker Sammlung aufgeführt und beschrieben werden. Zusätzlich befinden sich einige Stücke in Nürnberg.

Die Paramente wurden seit April 1964 in mit erheblichem Aufwand besonders hergerichteten, übereinander liegenden Räumen im Westwerk der Lübecker Marienkirche zwischen den beiden Türmen zur Besichtigung ausgestellt. Ebenfalls gezeigt wurden Altargeräte aus Silber, wie z. B. Kelche als Trinkgefäße, die aus den beiden evangelischen Kirchen in Thorn
gerettet wurden. Pastor H. Brauer, Lübeck, berichtet aus den Rechnungsbüchern, dass etwa 7000 Besucher im Jahr von den wunderbaren Exponaten angezogen wurden. Frau Erika Sellin (Sekretärin der Gemeinschaft Evangelischer aus Danzig- Westpreußen) war für die Beaufsichtigung und die Kasse zuständig. Da die Mariengemeinde in Danzig als Eigentümerin der Sammlung nicht mehr existierte, ging sie in den Besitz der Evangelischen Kirche der Union (EKU) mit Sitz in Berlin über. Der Örtliche Beauftragte der EKU in Lübeck war seitdem 1. 4. 1979 als Nachfolger von Oberkonsistorialrat Gülzow der Lübecker Pastor Martin Hesekiel (*1912 in Posen, +2003 in Lübeck), der vor dem Kriege in Danzig und Neuenburg a. d. Weichsel tätig war.
Pastor Gülzow berichtet über die Paramente: „Außer dem chinesischen Chormantel aus dem 14. Jahrhundert befinden sich in der gezeigten Ausstellung als Prachtstücke der Sammlung einige Chormäntel und Dalmatiken, die aus Mesopotamien oder Ägypten stammen. Wahrscheinlich sind diese Stoffe als Beutegut aus einem der Kreuzzüge nach dem Westen gekommen und hier zu Meßgewändern verarbeitet worden. Auf den prunkvollen Stücken, die reich mit Tiermotiven, Lotosblüten und Blattornamenten gearbeitet sind, befinden sich breite Schriftborten mit Votivinschriften in runder Naskhi-Schrift1 .
Vielleicht handelt es sich um Stücke aus Teppichen für die Krönung eines Mamelucken-Sultans….
Am stärksten sind italienische Brokate, namentlich aus Lucca, aber auch aus Florenz und Venedig, vertreten. Oft lustig anzusehen sind die Motive der kunstvollen Darstellungen. Adler und Falken, Elefanten und Affen, Gazellen, Leoparden und Antilopen, Löwen Schwäne und Fische, Jagd- und Liebesszenen, Schiffe und Bäume, Blüten, Blätter und Ranken sind in immer wechselnder Stellung und Reichhaltigkeit kunstvoll zu herrlichen Mustern zusammengefügt. Unverkennbar beweisen die Motive den starken Einfluß, den die Kunst Chinas und Vorderasiens auf die italienische Brokatweberei in ihrer Blütezeit ausgeübt hat. Das geht soweit, daß man in Lucca pseudoislamische Schriftzeichen einweben und Panther, Khilin2    und Fonghoang3 
abbilden konnte….
Herrliche Kostbarkeiten unserer Sammlung sind schließlich die feinen, bunten Stickereien (…mit überwiegend christlichen Motiven…) auf Antependien und Altartüchern, die dem norddeutschen Raum von Lübeck bis Danzig und auch Schweden entstammen….Ergänzt wird die Sammlung durch eine größere Anzahl von Reliquienkästchen, Kelchtüchern, prunkreichen Sargdecken und Altarbehängen, Sudarien, Manipeln und Humerales sowie anderen gottesdienstlichen Utensilien.“
Vier verschiedene Farbpostkarten ausgewählter Stücke sind 1983 entstanden, von denen noch heute eine im St. Annen-Museum erworben werden kann.
Im Jahre 1990 mussten die Paramente die Lübecker Marienkirche verlassen. In diesem Zusammenhang wurde von Polen wieder das Verlangen laut, die Gewänder nach Danzig zu geben und dieses auch von einigen Personen unterstützt (z .B. von dem gebürtigen Danziger Hans Lothar Fauth, CDU-Mitglied der Lübecker Bürgerschaft).
Pastor Hesekiel wandte sich in einem Brief vom 27. Sept. 1990 an die Lübecker Nachrichten gegen Berichte, der Lübecker Bürgermeister Bouteiller habe die Übergabe der Paramente nach Danzig in Aussicht gestellt.
Auch Prof. Dr. Pieper schrieb am 10. 9. 93: „Wenn man die Paramente heute von polnischer Seite reklamiert, dann bedeutet diese Forderung, dass die Flüchtlinge nicht nur ihre Heimat und ihren Besitz aufgeben mussten, sondern nun auch noch das mühsam bewahrte Fluchtgepäck abgeben sollen. Dafür kann man keine Zustimmung erwarten,“
Zum 75. Geburtstag, am Sonntag, dem 23. September 1990, des besonders für seine mittelalterlichen und frühneuzeitlichen  Kunstschätze bekannten Lübecker St.-Annen-Museums wurde unter wohlwollender Begleitung der Presse eine Schatzkammer eingerichtet, in der Licht, Temperatur und Luftfeuchtigkeit den wertvollen Ausstellungsstücken in den Vitrinen entsprechend geregelt werden konnten. Hier wurden nun auch „die besterhaltensten und prunkvollsten Kostbarkeiten des aus Danzig stammenden Paramentenschatzes“ gezeigt gemeinsam mit weiteren kirchlichen Geräten aus Gold oder Silber aus dem Lübecker Bestand und „machen diesen Teil des St.-Annen-Museums zum Höhepunkt der mittelalterlichen Abteilung.“ In dem Zeitungsartikel vom 22. 9. 1990 heißt es auch: „Denn obgleich die Paramente im St.-Annen-Museum verbleiben sollen, fordert die polnische Kirche auch heute immer noch die Rückgabe dieser im Krieg nach Lübeck gebrachten Kirchenschätze.“ Die Sammlungen wurden als eine der wertvollsten Paramentensammlungen Europas bezeichnet.
Dementsprechend groß war auch die Freude und die Anerkennung der Museumsleitung und der Mitarbeiter, zumal aus dem ehemals auch reichen Schatz der Lübecker Kirchen nur wenige Paramente erhalten geblieben sind. Die Evangelische Kirche der Union als Eigentümerin der Danziger Paramente hatte zuvor einen entsprechenden Vertrag mit der Hansestadt Lübeck als Eigentümerin des St. Annen-Museums geschlossen.
Als die EKU im Jahre 2003  aufgelöst und in die Evangelische Kirche Deutschlands überführt wurde, gingen auch die Paramente in das Eigentum der EKD über, der sie heute noch gehören. Die Paramentenkammer im St. Annen-Museum wurde vor einigen Jahren wegen Bauarbeiten aufgelöst und die Paramente wurden im Magazin eingelagert. Sie sind bis heute der Öffentlichkeit nicht zugänglich. In der Schweiz soll von zwei Wissenschaftlerinnen eine Publikation über die Danziger Paramente in Vorbereitung sein. [Ergänzung: Die Publikation ist inzwischen erschienen unter dem Titel Birgitt Borkopp-Restle, Der Schatz der Marienkirche zu Danzig. Liturgische Gewänder und textile Objekte aus dem späten Mittelalter. Affalterbach 2019 - hinzugefügt: J. M.]
Diese Sammlung kostbarer Danziger Paramente ist nicht nur ein heute noch sichtbares Beispiel für die Pracht und Feierlichkeit der gottesdienstlichen Handlungen der damaligen Zeit und die Lebenswelt unserer Vorfahren, sondern ebenso ein Beleg für die erstaunlich hohe Kunst im Bereich der Weberei und der Stickerei vergangener Jahrhunderte. Vor allem aber steht sie für das reiche kulturelle Erbe, das Danzig und der damalige deutsche Nordosten hinterlassen haben und das als Teil der gesamten deutschen Geschichte und Kultur zu bewahren, Pflicht sein sollte.

Nachtrag 2019

Nach Schließung der Paramentenkammer und jahrelanger Einlagerung der kostbaren Paramente in ein Magazin im Museum, so dass sie praktisch unzugänglich waren, erfolgte am 18. Januar 2019 in einem würdigen Festakt, dem auch vertriebene Danziger beiwohnten, die Wiedereröffnung einer „Paramentenkammer“. In einem der schönsten Remter des St. Annen-Museums befinden sich jetzt fünf vorschriftsmäßig temperierte und belüftete Vitrinen, in denen wechselweise ausgewählte Danziger Paramente präsentiert werden. In einer weiteren gleichartigen Vitrine wird die Dalmatica des Lübecker Bischofs Hinrich II. Bocholt aus dem einst umfangreichen Lübecker Paramentenschatz gezeigt. Der Raum gewinnt durch zwei große, farbig strahlende Glasmalereien, die ähnlich wie Fenster wirken, und zwei kostbare alte Altäre, die dem Raum eine besondere Atmosphäre verleihen.. Dieses außergewöhnlich wertvolle, eindrucksvolle mittelalterliche Ensemble ist nun in die Dauerausstellung des St. Annen-Museums integriert.

Benutzte Literatur aus meiner Sammlung

Gerhard Gülzow: Aus dem mittelalterlichen Paramentenschatz von St. Marien-Danzig jetzt in St.Marien-Lübeck. O. J., o. O.
Kirchenbrief der Gemeinschaft Evangelischer aus Danzig-Westpreußen Nr. 39.
März 1957, S. 2
Gerhard Gülzow: Die Danziger Marienkirche und ihre Kunstschätze. Text zu einer Diaserie mit 69 Bildern von Renate Kückbusch. O. Jahr.
Aus dem Danziger Paramentenschatz und dem Schatz der Schwarzhäupter zu Riga. Ausstellungskatalog des Germanischen National-Museums, Nürnberg 1958.
Willi Drost:
Die Marienkirche in Danzig und ihre Kunstschätze. W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1963

Maria Zelewska: Messgewand aus der Danziger Werkstatt der Brigittinnen. Nationalmuseum in Gdansk. Gdansk 1989.
Lübecker Nachrichten vom 1.6.1990,  20.9.1990, 22.9,1990, 4. September 1993
Martin Hesekiel: Brief vom 27. Sept. 1990 an die Lübecker Nachrichten
Der Danziger Paramentenschatz im St. Annen-Museum. Museum für Kunst und
Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck. O. Jahr, o. Autor.

Brigitte Heise und Hildegard Vogeler: Form und Funktion liturgischer Gewänder und Kirchengeräte. Museum für Kunst und Kulturgesch. der Hansestadt Lübeck, 1990.
Prof. em. Dr. Ing. Dr. Ing. E. h. Klaus Pieper:
Brief vom 10.9.93 an den Vorstand der St.Marien-Gemeinde Lübeck, das St. Annen-Museum Lübeck, und das Germanische
Nationalmuseum Nürnberg.
Birgitt Borkopp-Restle und Barbara Schellewald: Ein Ornat für den Lübecker Dom. Hinrich II. Bocholt – Inszenierung im Leben und nach dem Tode. In: Zeitschrift für Lübeckische Geschichte, Band 91 (2011), S. 9 – 27.

Ferner:

Aus dem Danziger Paramentenschatz und dem Schatz der Schwarzhäupter zu Riga. Ausstellungskatalog des Germanischen National-Museums. Nürnberg 1958.
Der Danziger Paramentenschatz im St. Annen-Museum. Museum für Kunst und   Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck. O. Jahr, o. Autor.
Kirchenbrief der Gemeinschaft Evangelischer aus Danzig-Westpreußen.
Nr. 39, März 1957, S. 2
Lübecker Nachrichten vom 1. 6. 1990, 20.9. 1990, 4. 9. 1993.

Weitere Literatur

Martin Cromer: Ratio proventum et suppellectilis ecclesasticae in civitate et suburbiis Gedanense. 1552, Stadtarchiv Danzig.
Franz Bock: Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters. Band 1 – 3. Bonn 1859 – 1871.
A. Hinz: Die Schatzkammer der Marienkirche. 2 Bände, Danzig 1870.
Walter Mannowsky:
Der Danziger Paramentenschatz. Kirchliche Gewänder und Stickereien aus der Marienkirche. Band 1 – 5,
Berlin 1931 – 1938
Karen Stolleis: Messgewänder aus deutschen Kirchenschätzen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. 140 Text- und 56 Farbseiten. Schnell & Steiner, Regensburg 2001. 

Auch ist inzwischen erschienen:

Birgitt Borkopp-Restle: Der Schatz der Marienkirche zu Danzig. Liturhgische Gewänder und textile Objekte aus dem späten Mittelalter. Didymos-Verlag, 2021. 384 Seiten mit 190 farbigen Abbildungen und 144 Graphiken. Gebunden EUR 48,--.

H.-J. Kämpfert, 10. Juli 2017
Ergänzt: 2. 10. 1

Anmerkungen:
 1Anmerkung Kämpfert: Auch Naschi = Nas-chi: Hauptschrift für das Schreiben des Korans, ab etwa 1000 dominierende arabische Schriftart.
 2Anm. Kä.: Auch Qilin: Mythisches, einhornähnliches Tier aus Ostasien)
 3Anm.: Kä.: mythischer, einem Phönix ähnlicher Vogel aus China

[Anschreiben vom 2. Februar 2023 - Jürgen Martens]

Vorsitzende des Rates der EKD
Frau Präses Dr. h.c. Annette Kurschus
Herrenhäuser Straße 12
30419 Hannover

Danziger Paramentenschatz in Lübeck
Bezüge:
Mein Schreiben vom 27.12.2022
Schreiben OKR Dr. Evang vom 24.01.2023

Sehr geehrte Frau Präses Dr. Kurschus,

Sie hatten Herrn OKR Dr. Evang beauftragt, mein an Sie gerichtetes kritisches Schreiben vom 27. Dezember 2022 zu beantworten. Für die mit der Antwort verknüpften Mühen danke ich verbindlich. Allerdings können mich die inhaltlichen Aussagen nicht zufriedenstellen. Befremdlich ist für mich u. a., daß Ihre Pressemitteilung vom 9. Dezember 2022 über die Unterzeichnung des Deals mit dem Erzbistum Danzig elfmal den polnischen Namen Gdańsk benutzt statt den deutschen Namen Danzig. Befremdlich deswegen, weil das Auswärtige Amt empfiehlt, in offiziellen Verlautbarungen neben der jetzigen Namensgebung auch den deutschen Ortsnamen zu verwenden – das gilt uneingeschränkt auch für die EKD.
Ihr sog. Letter of Intent (Absichtserklärung) vom 8. Dezember 2022 betont die Freude von Stadt und Erzbistum Gdańsk, daß demnächst auch der Paramentenschatz nach Hause kommt, und verweist auf die Initiative der UEK bei der Rückgabe des Dreifaltigkeitsaltars der Georgsbruderschaft aus der Danziger Marienkirche im Geist der ökumenischen und der polnisch-deutschen Freundschaft. In der Tat: eine lobenswerte Aussage, zu der ich mich uneingeschränkt bekenne.
Doch müssen deshalb die Lübecker Paramente nach Danzig verschenkt werden, ohne daß das katholische Erzbistum Danzig eine Gegenleistung erbringt? Und dies zu einem Zeitpunkt, zu dem der polnische Staat Reparationsforderung an den Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches, an die Bundesrepublik Deutschland, in Höhe von 1,3 Billionen Euro stellt? Dabei wird polnischer-, aber auch deutscherseits außer acht gelassen, daß Deutschland mit den Annexionen von Pommern, Westpreußen mit Danzig, Ostbrandenburg, Schlesien und südliches Ostpreußen durch Polen bereits Kompensationsleistungen einschließlich der damit verbundenen privaten und staatlichen Infrastrruktur- und Vermögensverluste erbracht hat, die die polnischen Forderungen um weit mehr als das Doppelte übertreffen.
Meine Frage nach der Vereinbarkeit des in der Absichtserklärung angekündigten grundlosen Verschenkens von deutschem Kulturgut erfährt keine Antwort auf die in § 96 Bundesvertriebenengesetz (BVFG) formulierte Verpflichtung von Bund, Ländern und Gemeinden – sie gilt auch für das Eigentum, das die UEK als Rechtsnachfolgerin von den untergegangenen evangelischen Gemeinden in den historischen deutschen Ostprovinzen einschließlich Westpreußens mit Danzig übernommen hat - entsprechend ihrer durch das Grundgesetz gegebenen Zuständigkeit das Kulturgut der Vertreibungsgebiete in dem Bewußtsein der Vertriebenen und Flüchtlinge, des gesamten deutschen Volkes und des Auslandes zu erhalten. Auch meine Frage nach der Vereinbarkeit von Artikel 14, 2 GG mit Ihrer Schenkungsabsicht bleibt unbeantwortet. § 96 BVFG fordert von staatlichen Stellen – die beiden Kirchen sind eingeschlossen – den Erhalt des deutschen Kulturgutes. Das betrifft auch Danzig.
Gestatten Sie mir an dieser Stelle einen knappen historischen Rückblick: Spätestens seit der Inbesitznahme Pommerellens und seiner Hauptstadt Danzig durch den Deutschen Orden 1308/09 entwickelte sich die Stadt endgültig zu einem Kernpunkt deutscher Siedlung und Tätigkeit an der Ostsee. Unabhängig von der jeweiligen politischen Zugehörigkeit Danzigs war diese Stadt bis 1945 zu etwa 97 Prozent von Deutschen bewohnt und somit deutsch geprägt. Erst das Kriegsende 1945 brachte mit Flucht und Vertreibung einen vollständigen Bevölkerungsaustausch. Wenn Sie nunmehr beabsichtigen, die unermeßlich wertvollen Paramente nach Danzig zu verschenken, so ist dies ein Unrechtsakt, denn Sie geben deutsches Kulturgut aus der Hand, das zu schützen und zu bewahren unser gemeinsames Anliegen ist. Sie und die UEK in der EKD sind m. E. zu dem Schenkungsakt nicht berechtigt. Nicht unerwähnt bleiben darf, daß die Danziger Marienkirche (Baubeginn 1343) 1502 fertiggestellt wurde. 1525 begann die Reformation in Danzig, und der letzte katholische Pfarrer war bis 1525 Alexander Svenichen. Seitdem predigten in St. Marien bis zum Kriegsende 1945 nur evangelische Geistliche, als letzter Pfarrer Dr. Gerhard Gülzow; St. Marien war für mehr als 400 Jahre eine evangelische Kirche. Somit war es die evangelische St. Marien-Gemeinde, die die mittelalterlichen liturgischen Gewänder über mehr als 400 Jahr hegte und pflegte. Ob in der evangelischen Zeit der liturgische Schatz vergrößert wurde, darüber könnte die Lektüre von Walter Mannowskys fünfbändige Publikation Der Danziger Paramentenschatz. Kirchliche Gewänder und Stickereien aus der Marienkirche (Berlin 1931–1938) Auskunft geben. Auch Birgitt Borkopp-Restle ließe sich als Fachfrau zur Klärung dieser Frage heranziehen. Für mich ist das Verschenken der Paramente ein Kotau der EKD vor dem Erzbistum Danzig; rational läßt sich der gesamte Vorgang nicht begründen.Ist von Ihnen geklärt worden, wo die Paramente in Danzig sinnvollerweise konservatorisch verwahrt werden sollen? Die Danziger Marienkirche ist als Bewahrungsort mit öffentlicher Zugänglichkeit ebensowenig geeignet wie einst die Lübecker Marienkirche mit der Präsentation zunächst im Nordturm und dann im Westwerk (heute Standort der Großen Orgel). Als sinnvolle Alternative kommt nur das Danziger Nationalmuseum in Frage. Dieses beherbergt bereits 186 Teile – 1964 von der damaligen DDR-Regierung an Polen gegeben – der rd. 290 Paramentenstücke, die von Pastor Dr. Gerhard Gülzow mit einigen Getreuen seiner evangelischen Gemeinde vor der Vernichtung Ende 1944 gerettet werden konnten. Sie befinden sich demnach nicht in der Marienkirche zu Danzig, wie Ihre Absichtserklärung suggeriert! Ein Verbleib des Lübecker Teils der Paramente im St. Annen-Museum wäre somit mehr als gerechtfertigt. Gleiches gilt auch für den Teil der Paramente, die im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg bewahrt werden. In diesem Fall wäre noch abzuklären, ob dieser Part überhaupt mit der Rettungsaktion von Pastor Gülzow in Verbindung steht. Möglicherweise ist dieser Paramententeil bereits zu einem viel früheren Zeitpunkt in das Museum gelangt.
Weitere Fragen stellen sich: Wenn meine Informationen zutreffen, haben Mäzene bei der Finanzierung benötigter Ausstellungsvitrinen für das St. Annen-Museum mitgewirkt. Träfe das zu, wäre das nicht eine Brüskierung, die dazu führen würde, künftig von einem derartigen Engagement Abstand zu nehmen?
Ich bin der festen Überzeugung, daß statt der geplanten Paramentenschenkung nach Danzig auch eine andere Verfahrensweise als Ausdruck ökumenischer und polnisch-deutscher Freundschaft möglich ist. Man könnte einen regelmäßigen Austausch der in Danzig und in Lübeck vorhandenen liturgischen Objekte vereinbaren. Auf diese Weise bliebe im St. Annen-Museum der wertvolle Paramentenschatz bewahrt. Damit würde das Museum für seine jahrelangen Mühen zur Bewahrung der textilen Kleinodien honoriert und nicht gleichsam mit der Abgabe deutschen Kulturgutes in das heutige polnische Danzig „bestraft“ werden.
Der Letter of Intent der EKD vom 8. Dezember 2022 macht mich fassungslos (ich hatte das bereits in meinem Schreiben vom 27. Dezember 2022 formuliert); ich war entsetzt und wütend über das Verhalten der Leitung meiner evangelischen Kirche, deren Mitglied ich seit 83 Jahren bin.
Dieses absolute Unverständnis gegenüber Ihrem Verhalten wird gesteigert in Erinnerung an die Großtat von Pastor Dr. Gerhard Gülzow, der unter Lebensgefahr die Paramente aus seiner Danziger Marienkirche rettete, oder an den Lübecker Pfarrer Karl Friedrich Stellbrink. Er wurde am 10. November 1943 zusammen mit seinen katholischen Amtsbrüdern Johannes Prassek, Eduard Müller und Hermann Lange in Hamburg hingerichtet, weil sie öffentlich die Unrechtstaten der Nationalsozialisten kritisiert hatten. Die Hinrichtung von Karl Friedrich Stellbrink geht mir besonders deshalb nahe, weil er mich am 27. August 1939 in der Lübecker Lutherkirche, in der später Dr. Gerhard Gülzow das Pfarramt ausübte, getauft hatte.
Sowohl Pastor Gülzow als auch Pastor Stellbrink hätten als evangelische Geistliche den Maßnahmen ihrer Kirche, die in der Absichtserklärung zum Ausdruck kommt, mit Sicherheit kein Verständnis entgegengebracht.
Als Konsequenz stellt sich mir die Frage, ob ich es noch mit meinem Gewissen vereinbaren kann, dieser Kirche anzugehören.
Ich bitte Sie und fordere Sie zugleich auf, überdenken Sie Ihre kirchliche Absicht der Rückgabe und lassen Sie dies nicht Realität werden.

Mit freundlichen Grüßen
gez.
Jürgen Martens

Auf diese Eingabe an Frau  Präses Kurschus hat die Leitung der EKD bisher (Datum 10.02.2023) nicht reagiert.

Schreiben Hans-Jürgen Kämpfert/Jürgen Martens v. 13.02.2023

13. Februar 2023

An den
Bundeskanzler der
Bundesrepublik Deutschland
Herrn Olaf Scholz
Bundeskanzleramt
Willy-Brandt-Strasse 1
10557 Berlin

 


Danziger Paramente
Anlagen



Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Scholz,

in einer Presseerklärung vom 9. Dezember 2022 hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) bekanntgegeben, dass die Union Evangelischer Kirchen (UEK) in der Evangelischen Kirche in Deutschland in einer Absichtserklärung vom 8. Dezember 2022 mit der Marienkirche Gdańsk eine Vereinbarung getroffen hat, in den kommenden Jahren deutsches Kulturgut aus den Vertreibungsgebieten – es handelt sich hier um unermeßlich wertvolle liturgische Gewänder aus der bis 1945 evangelischen Danziger Marienkirche - nach Danzig zu geben. 103 Stücke dieses mittelalterlichen Paramentenschatzes, die mit weiteren Teilen Ende 1944 in den Westen gelangten, befinden sich heute im Lübecker St. Annen-Museum und werden dort präsentiert.
Die Unterzeichner des Schreibens befinden sich mit weiteren Persönlichkeiten im schriftlichen kritischen Austausch mit der Leitung der EKD. Sie handeln auf der Grundlage von § 96 des Bundesvertriebenengesetzes (BVFG), der Bund und Länder verpflichtet, entsprechend ihrer durch das Grundgesetz gegebenen Zuständigkeit das Kulturgut der Vertreibungsgebiete in dem Bewusstsein der Vertriebenen und Flüchtlinge, des gesamten deutschen Volkes und des Auslandes zu erhalten. In diesem konkreten Fall soll verhindert werden, dass diese Paramente – als Teile deutschen Kulturerbes aus dem historischen östlichen Deutschland - nach Polen gegeben werden.
Wir bitten Sie eindringlich um Unterstützung unserer Bemühungen gegenüber der EKD, die Paramente nicht aus Deutschland abzugeben - dafür fehlt zudem die Rechtsgrundlage -, sondern sie in unserem Lande zu bewahren und sie weiterhin im St. Annen-Museum zu Lübeck der Öffentlichkeit zu zeigen. Dieses Museum gewährleistet höchsten ICOMOS-Standard für die Bewahrung und Pflege wertvoller Exponate. In der Danziger Marienkirche ist das nicht der Fall.
Einzelheiten entnehmen Sie bitte den beigefügten Unterlagen.

Mit freundlichen Grüßen
gez. H-J. Kämpfert / J. Martens

Das an BK Scholz gerichtete Schreiben wurde nachstehend am 3. Mai 2023 von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien beantwortet:

hahne1
hahne2

Schreiben der Historischen Kommission vom 18.02.2023
unbeantwortet bis zum 01.04.2023

Der Vorsizende
Prof. a. D. Dr. Jürgen Sarnowsky
Universität Hamburg, Fachbereich Geschichte Mittelalter
Überseering 85#5
22297 Hamburg

 

An die
Union Evangelischer Kirchen in der
Evangelischen Kirche in Deutschland
Amtsbereich der UEK im Kirchenamt der EKD
Postfach 210220
20402 Hannover


Betr.   Danziger Paramentenschatz / Ihr Schreiben an Herrn Dr. Martens vom 24.1.2023
 

Sehr geehrter Herr OKR Dr. Evang, sehr geehrte Damen und Herren,
 
die Historische Kommission für ost- und westpreußische Landesforschung arbeitet seit vielen Jahrzehnten in enger Kooperation mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Polen sowie mit  den dortigen Institutionen zusammen, ihr gehören auch zahlreiche polnische Kolleginnen und Kollegen als Mitglieder an. Die Kommission setzt sich daher nachdrücklich für gute deutsch-polnische  Beziehungen und einen fairen Ausgleich möglicher Konfliktpunkte ein. Dennoch haben wir die geplante Übergabe der Danziger Paramente mit Überraschung aufgenommen. Sie erscheint unter den heutigen Rahmenbedingungen aus mehreren Gründen unnötig und überflüssig: 
1.  Es handelt sich bei den Paramenten keineswegs um „Beutekunst“, wie sie leider häufig noch in unseren Museen anzutreffen ist, sondern um den legitimen Besitz der UEK. 
2.  Unter den Bedingungen zunehmender Digitalisierung erscheint der räumliche Transfer von Kulturgütern (der diesen fast immer Schaden zufügt) nicht mehr zeitgemäß. Die „physische“  Zugänglichkeit ist ohnehin an beiden Standorten gewährleistet, wünschenswert und nötig ist daher nur eine virtuelle Zusammenführung der Bestände, zumal diese weder in Danzig noch  in Lübeck jemals vollständig gezeigt werden könnten. 
3.  Die Danziger Fachtagung „Der Danziger Paramentenschatz. Wiederentdeckung, Erinnerung und Erforschung“ hat im Oktober 2022 gezeigt, dass eine sinnvolle Erschließung und Erforschung der Paramente auch unter den aktuellen Bedingungen möglich ist und gerade der Zugang an zwei Standorten zur weiteren Auseinandersetzung mit diesen Kulturzeugnissen  und damit zu einem deutsch-polnischen Austausch anregt.
4.  Gerade in Deutschland gibt es ein erhebliches Defizit in Kenntnis und Interesse an der gemeinsamen deutsch- polnischen Geschichte. Danzig war über Jahrhunderte eine deutsche Kultur- und Geistesmetropole. Für ein besseres Miteinander in Europa ist es zentral, auch in Deutschland Kulturgut aus diesem früher auch deutschen Kulturraum auszustellen und zugänglich zu halten. 
Daher möchte ich Sie dringend bitten, Ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken und in Zusammenarbeit mit Ihren polnischen Partnern eine zeitgemäßere Lösung zu finden.
 

Mit freundlichen Grüßen
gez. Jürgen Sarnowsky

Zum Original dieses Schreibens bitte Link anklicken!

Schreiben StArchDir a. D.  Dr. Rudolf Benl vom 04.03.2023

An die
EKD - Evangelische Kirche in Deutschland
z. Hd. der Praeses, Frau Dr. Annette Kurschus
Herrenhäuser Straße 12
30419 Hannover

Sehr geehrte Frau Dr. Kurschus!
Mit Bestürzung und Empörung habe ich vor wenigen Tagen erfahren, daß die Spitze der EKD, in erster Linie durch Sie vertreten, beabsichtigt, den in Lübeck verwahrten Teil des Danziger Paramentenschatz in das heutige Polen auszuliefern.
Noch im Juli 2022 standen meine Frau, die über ihre Mutter Danziger Herkunft ist – meine Schwiegermutter ist 1935 von Danziger Eltern in Danzig geboren –, und ich im Lübecker Annenmuseum bewundernd vor den ausgestellten Teilen des Paramentenschatzes, nicht ahnend, daß wir nach dem Willen der Spitze der EKD zu den letzten gehören sollten, die diese liturgischen Schätze, die zum deutschen Kulturgut gehören, sähen.
Wenn Erzbischof Wojda davon spricht, daß der Paramentenschatz „nach Hause“ kommt, so spricht er die Unwahrheit. Die Paramente sind bei denen „zu Hause“, für die sie geschaffen worden sind und die sie jahrhundertelang bewahrt haben: bei den Danzigern. Die Danziger, die nach 1945 vertrieben wurden, konnten und können nicht „nach Hause“ gehen. Sie mußten einem erobernden Volk ihre Heimat, ihr gesamtes Eigentum, ihr Kulturgut, soweit sie es nicht retten konnten – und das war wenig – überlassen. Nun soll ihnen und damit dem ganzen deutschen Volk auch noch ein wichtiger Teil des wenigen, was nicht in zugreifenden fremden Händen zurückgelassen werden mußte, genommen werden.
Wenn man Erzbischof Wojda die Paramente zusammen mit der Rückgabe der 380.000 vertriebenen Danziger anböte, wäre er darüber wahrscheinlich nicht begeistert.
Ich halte das Vorhaben der EKD-Spitze für empörend und denen gegenüber, denen so viel gewaltsam genommen worden ist, geradezu zynisch, zumindest herzlos. Andererseits scheint mir dem Erzbischof Wojda und vielen seiner Landsleute, auch solchen, die im geistlichen Stande stehen, das nach christlichem Verständnis erforderliche Unrechtsbewußtsein zu fehlen.
Zu diesem traurigen Kapitel der Geschichte, auch der Kirchengeschichte verweise ich auf die Veröffentlichung von Professor Georg W. Strobel, der Professor an der Technischen Hochschule Darmstadt war und vor allem zur Geschichte der Arbeiterbewegung in Ostmitteleuropa forschte und veröffentlichte: Chauvinismus und Verstrickung. Die Haltung der katholischen Kirche Polens gegenüber Deutschen und Deutschland, insbesondere nach 1945. In seiner Haltung gegenüber allem Deutschen ging der polnische Episkopat immer mit der kommunistischen Staatsführung konform. Nach dem Ende der Marxistenherrschaft in Polen hat sich an dieser Haltung aber offensichtlich nichts geändert.
Wenn Erzbischof Wojda und sein Diözesanklerus sich nun von den seinerzeit Beraubten noch einen wertvollen Teil des diesen verbliebenen kleinen Restes „schenken“ läßt, so wirft solches zumindest ein seltsames Licht auf den hohen Prälaten. Ich schreibe dies übrigens als praktizierender Katholik.
Offenbar empfindet im heutigen Danzig und in dessen weiter Umgebung niemand das völlig Unangemessene dieser Forderung und der weiteren nicht enden wollenden Forderungen des polnischen Staates und der polnischen Öffentlichkeit einschließlich seiner „patriotischen“ (wohl eher chauvinistischen) Kirche gegenüber den einstmals davongejagten Deutschen und dem wenigen, was diese an 800 Jahre deutscher Geschichte und Kultur erinnerndem Kulturgut für sich und das ganze deutsche Volk bewahrt haben. Eine solche Fühllosigkeit ist bestürzend und gibt zu denken. Ich erinnere an die von seiten des polnischen Staates erst vor wenigen Monaten wieder erhobenen Forderungen, zu denen auch die Forderung auf deutsches Kulturgut, das bei einem ostwärts führenden Transport die Waggons zahlreicher Eisenbahnzüge füllen würde.
Als meine Schwiegermutter und ihre Mutter, katholische Danziger, 1949 das polnische Lager Potulitz bei Bromberg, wo meine Schwiegermutter, damals ein zwölfjähriges Mädchen, von 1947 bis 1949, ihre Mutter von 1945 bis 1949 hatte leben müssen, und – ebenfalls in Waggons – westwärts bis Frankfurt/Oder verfrachtet wurden, konnten sie nur das mitnehmen, was sie am Leibe trugen.
Ich bitte Sie und die Spitze der EKD, von dem geradezu zynischen, überdies gegen den § 96 des Bundesvertriebenengesetzes verstoßenden Vorhaben, den in Lübeck verwahrten Teil des Danziger Paramentenschatz in das heutige Danzig auszuliefern, abzustehen. Wenn dies geschähe, würde sich die EKD in eine Reihe stellen mit dem SED-Regime unter Ulbricht, das 1962 – vielleicht unter starkem polnischem Druck – die andere Hälfte des Paramentenschatzes ausgeliefert hat. Will die EKD heute freiwillig etwas tun, was das kommunistische Regime der DDR vielleicht nur gezwungen getan hat?
Von „deutsch-polnischer Freundschaft“ kann nur die Rede sein, wenn beide Seiten, endlich auch die polnische, auf der Grundlage von Recht und Wahrheit miteinander umgehen, auf der Grundlage von Recht von Wahrheit die Vergangenheit betrachten und werten und auf der Grundlage von Recht und Wahrheit die Gegenwart gestalten.

Solange für Polen, auch für Episkopat und Klerus der polnischen Kirche – die immer mehr polnisch als katholisch war – die Aussage des 2000 verstorbenen exilpolnischen Publizisten Jerzy Giedroyć gilt „Die moderne Geschichte Polens besteht in großem Maße aus Mythomanie oder patriotischer Verlogenheit“, ist ein Wandel im polnischen Verhalten allerdings leider recht unwahrscheinlich. Als Historiker, der jahrzehntelang auf dem Gebiet der ostdeutschen Geschichte – und zwar der Geschichte Pommerns – geforscht und veröffentlicht hat, kenne ich die polnische „Geschichtsdeutung“. Sie ist auf weite Strecken hin der Aufhellung durch das Licht der Wahrheit und der Wahrheitsliebe bedürftig. Dazu sollte endlich ein Aufbruch erfolgen. Das Verhalten der EKD-Spitze wird dazu aber nicht ermutigen.
Freundschaft kann nicht auf der Grundlage einer Konstellation entstehen, bei der der eine dem anderen Anweisungen gibt, der andere diese mit Bücklingen oder gar kriechend entgegennimmt und sie eilfertig vollzieht, bei der der eine die Hand aufhält und der andere sie füllt. Das Entstehen einer Freundschaft würde also durch Ihr Vorhaben keineswegs befördert, sondern, indem bisherige Verhaltensweisen sich für die polnische Seite wieder einmal als erfolgreich erweisen würden, verhindert.
Abschließend bitte ich Sie und die Spitze der EKD noch einmal, von dem unheilvollen, in aller Heimlichkeit und ohne Hinzuziehung der wirklich Betroffenen vorbereiteten Vorhaben abzustehen. Der Danziger Paramentenschatz ist nicht das Eigentum weniger an der Spitze der EKD stehender Personen.

Mit freundlichen Grüßen
gez. R. Benl

Antwort der EKD vom 23.03 2023
Die Antwort geht auf die Argumente von Dr. Benl nicht ein!


Zur Originalantwort bitte Link anklicken

Übertragung der Eigentumsrechte des Danziger Paramentenschatzes an die Marienkirche Danzig

Sehr geehrter Herr Dr. Benl,

Ihr Schreiben vom 04.03.2023 hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) erreicht. Gern antworten wir im Auftrag der von Ihnen angeschriebenen EKD-Ratsvorsitzenden, Präses Dr. h.c. Annette Kurschus, zugleich bitten wir um Verständnis, dass sie die vielen an sie gerichteten Schreiben sehr wohl wahrnimmt, jedoch nicht jeweils einzeln antworten kann.
Nach der am 8. Dezember 2022 erfolgten Unterzeichnung eines sog. "Letter of intent" zur Übertragung der Eigentumsrechte an den derzeit in Lübeck und Nürnberg aufbewahrten Stücken des Danziger Paramentenschatzes an die Marienkirche Danzig und ihre Rückkehr möchten wir das Vorhaben in seinen größeren Zusammenhängen gern verständlich machen.
Die UEK als Teil der EKD ist Rechtsnachfolgerin der ehemaligen, mit Ende des 2. Weltkriegs untergegangenen, zur Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union gehörenden deutschen evangelischen Kirchengemeinden im heutigen Polen. Als solche ist die UEK Eigentümerin einer Vielzahl von kirchlichen Gegenständen, die bis zum Ende des 2. Weltkriegs, zumeist auf der Flucht durch Mitglieder dieser Gemeinden, nach Westen mitgenommen wurden, um sie vor Verlust oder Zerstörung zu bewahren. Diese Objekte sind schon zu Zeiten der früheren EKU — heute UEK — sorgfältig erfasst und in regulären Verfahren ausgeliehen worden. Für die Feier des Gottesdienstes bestimmte Gegenstände sind zumeist an Kirchengemeinden in ganz Deutschland ausgeliehen und dort weiter in gottesdienstlichem Gebrauch. Andere Gegenstände sind an Museen ausgeliehen worden, in denen sie sachgerecht aufbewahrt und ausgestellt werden können.
Ein herausragendes Beispiel für beide Umgangsweisen ist der Dreifaltigkeitsaltar der Georgsbruderschaft aus der Marienkirche Danzig, dessen Retabel und Predella in den Kriegsjahren nach Berlin gelangt waren. Über Jahrzehnte war die Predella an die St. Johanniskirche Berlin-Moabit, das Retabel an die Gemäldegalerie Berlin ausgeliehen.

Anlässlich der zweisprachigen ökumenischen Vesper zur Rückkehr des Altars, die pandemiebedingt erst verspätet in der Marienkirche Danzig stattfinden konnte, und eines damit zeitlich verbundenen öffentlichen Symposiums zu Fragen der Kulturgüterrückführung zwischen Polen und Deutschland im Juni 2022 in Danzig wurde — wiederum auf Initiative der UEK — in Aussicht genommen, einen Letter of Intent aufzusetzen, in dem die künftige Rückkehr der im Eigentum der UEK befindlichen Stücke des Danziger Paramentenschatzes an ihren historischen Ort, die Marienkirche Danzig, vereinbart werden sollte. Dieser Letter of Intent wurde in intensiven Gesprächen nicht nur zwischen der UEK und der Marienkirche Danzig sowie dem Bistum Danzig-Oliwa, sondern auch mit dem St. Annen- Museum Lübeck und dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg vorbereitet und ausgearbeitet.
Der Letter of Intent über die Rückkehr des Danziger Paramentenschatzes nach Gdask ist am 8. Dezember 2022 in Hannover unterzeichnet worden, für die UEK von dem Vorsitzenden der Vollkonferenz und des Präsidiums, Kirchenpräsident Dr. Dr. h.c. Jung, und der Leiterin des Amtsbereichs der UEK im Kirchenamt der EKD, Bischöfin Bosse-Huber, für die Marienkirche Danzig von Prälat Bradtke und für das Bistum Danzig von Bischof Wojda. Er dokumentiert die beiderseitige Absicht, (1) dass die im Eigentum der UEK befindlichen Stücke des Danziger Paramentenschatzes in absehbarer Zeit durch einen Schenkungsvertrag in das Eigentum der Marienkirche Danzig übertragen werden und dorthin zurückkehren sollen, (2) dass die Marienkirche Danzig Voraussetzungen für eine konservatorisch sachgerechte Aufbewahrung und Ausstellung der Paramente schafft, (3) dass in Lübeck und ggf. auch in Nürnberg auch künftig einzelne Paramente des Danziger Paramentenschatzes ausgestellt werden und (4) dass ein Fachbeirat, in dem beide Seiten vertreten sind, die Umsetzung des Vorhabens begleitet.

Der Letter of lntent schließt mit den Worten: „Die UEK und die Marienkirche Gdask betrachten die erfolgte Rückkehr des Dreifaltigkeitsaltars und die beabsichtigte Rückkehr der Paramente zur Marienkirche Gdask und ebenso die dauerhafte Präsenz einzelner Danziger Paramente in Lübeck (und Nürnberg) als Ausdruck ökumenischer Verbundenheit zwischen evangelischer und römisch-katholischer Kirche, als Ausdruck der Versöhnung zwischen Deutschland und Polen und als Ausdruck der besonderen Verbundenheit der Städte Lübeck und Gdask."
Die UEK und die EKD standen und stehen mit der Direktorin des St. Annen-Museums, Frau Dr. Täube, sowie mit dem ehemaligen und dem jetzigen Leiter der Lübecker Museen, den Herren Professor Wisskirchen und Dr. von Stockhausen, in engem und einvernehmlichem Austausch. Die dauerhafte Ausstellung von einzelnen Danziger Paramenten in Lübeck wahrt den jetzigen Status. Sie soll dazu beitragen, die Erinnerung an die entsagungsvolle Rettung der Danziger Paramente durch Mitglieder der evangelischen Marienkirchengemeinde zu bewahren und die zwischen Lübeck und Danzig bestehende kulturelle Brücke zu stärken.

Zudem ist dies auch als wichtiger Schritt auf dem Weg einer weiterhin nötigen und mit Leben zu füllenden Versöhnung zwischen den beiden Nachbarvölkern zu sehen.

Wir danken Ihnen für Ihren Hinweis auf die Rechtslage. Selbstverständlich wurde der ganze Vorgang auch rechtlich geprüft. Wir können keinen Verstoß gegen geltendes Recht erkennen.
 

Mit freundlichen Grüßen und guten Wünschen


gez. T. Brand 

Mitarbeiter im Team Info-Service der evangelischen Kirche
Tel. 0800-5040602, E-Mail: info@ekd.de

Jürgen Martens

Mein E-Mail-Schreiben an Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau vom 01.04.2023 wurde, wie nachstehend wiedergegeben, am 05.04.2023 nicht zur Kenntnis genommen, sondern gelöscht:

Antwort vom 05.04.2023 aus Lübeck:
Ihre Nachricht
   An: BÜRGERMEISTER
   Betreff: Danziger Paramente im Lübecker St. Annen-Museum
   Gesendet: Samstag, 1. April 2023 13:26:09 (UTC+01:00) Amsterdam, Berlin, Bern, Rom, Stockholm, Wien
 wurde am Mittwoch, 5. April 2023 14:54:11 (UTC+01:00) Amsterdam, Berlin, Bern, Rom, Stockholm, Wien ungelesen gelöscht.

Am 11.04.2023 habe ich Bürgermeister Jan Lindemann mit einem Offenen Brief postalisch erneut angeschrieben. Eine Antwort erfolgte am 27.06.2023

11. April 2023

Herrn
Jan Lindenau
Bürgermeister der Hansestadt Lübeck
Breite Straße 62 / Rathaus
23552 Lübeck

OFFENER BRIEF

Geistliche Gewänder im St. Annen-Museum – Danziger Paramentenschatz

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Lindenau,
am 1. April hatte ich eine E-Mail an Sie zu obiger Thematik gerichtet. Am 5. April kam die Mail zurück mit der Bemerkung gelöscht und nicht gelesen. Um gleichwohl Ihr Interesse auf die Thematik Danziger Paramentenschatz zu richten, erlaube ich mir, mich als gebürtiger Lübecker nochmals an Sie zu wenden.
Mit zahlreichen Unterstützern setze ich mich auf dem Internetpoltal openpetition mit einer Petition an die Leitung der evangelischen Kirche dafür ein, daß sie ihre in dem sog. Letter of intent vom 8. Dezember 2022 (siehe Beitrag von Peter Intelmann Streit um edle Gewänder in den Lübecker Nachrichten vom 5./6. Dez. 2022) mitgeteilte Absicht, die im Lübecker St. Annen-Museum seit Jahrzehnten bewahrten und teilweise auch ausgestellten liturgischen Gewänder – den Danziger Paramentenschatz - nicht nach Polen abgibt. Die Paramente wurden vom letzten evangelischen Pfarrer an St. Marien in Danzig, Oberkonsistorialrat Dr. Gerhard Gülzow, Ende 1944 z. T. nach Lübeck gerettet.
Die Petenten fordern, daß die Paramente als wertvolles deutsches Kulturgut aus dem historischen deutschen Osten im Lübecker St. Annen-Museum verbleiben.
Auf der Website 
https://www.openpetition.de/petition/online/verbleib-des-1944-geretteten-danziger-paramentenschatzes-im- luebecker-st-annen-museum wird die Aktion beschrieben. Der gesamte Schriftwechsel mit der EKD ist veröffentlicht unter
http://www.ostdeutsche-museen.de/html/paramente__marienkirche.html
Bitte unterstützen Sie als Bürgermeister der Hansestadt Lübeck die Petition mit Ihrer Unterschrift. Sie können damit dazu beitragen, daß dieses einmalige deutsche Kulturgut in Lübeck verbleibt.
Mit freundlichen Grüßen
gez. Jürgen Martens

Nachstehende Antwort erfolgte am 27.06.2023

lindenau1_270623
lindenau2_270623

Zweites Schreiben Martens ./. Bürgermeister Jan Lindenau


17. Juli 2023

Herrn
Jan Lindenau
Bürgermeister der Hansestadt Lübeck
Breite Straße 62 / Rathaus
23552 Lübeck

 

Danziger Paramentenschatz im städtischen St. Annen-Museum
Ihr Schreiben vom 27.06.2023 / mho

 

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Lindenau,

Sie haben mir auf mein Schreiben vom 11.04. mit Schreiben vom 27.06.2023 eine Antwort erteilt. Ich wende mich nochmals an Sie, weil Ihre Antwort mich keineswegs befriedigt. Alles, was Sie ausführen, ist mir mehr als bekannt und zugleich der Anlaß, dem Letter of Intent der EKD vom 9.12.2022 mit seinen hier bekundeten Absichten vehement entgegenzuwirken.
Mir als gebürtigem Lübecker, der immer noch sehr mit seiner Vaterstadt verbunden ist, fällt es sehr schwer zu verstehen, warum Sie als wichtigster Repräsentant Lübecks sich nicht nachhaltig dafür einsetzen, den Paramentenschatz für das St. Annen-Museum zu erhalten. Ich zitiere aus einem Flyer des Museums, der im Zusammenhang mit der Eröffnung der Ausstellung Danziger Textilschätze II am 19. Januar 2019 erschien:

Danzig und Lübeck sind als Hansestädte bereits seit dem Mittelalter eng miteinander verbunden. Diese Verbindung besteht bis in das 20. und 21. Jahrhundert hinein, denn ein großer Teil des mittelalterlichen Danziger Textilschatzes wurde nach Lübeck gerettet: Pfarrer Gerhard Gülzow aus Danzig, den viele Lübecker heute noch kennen, fand nach der Flucht 1944 hier eine neue Heimat. Die Paramente hatte er zuvor verschiedenen vertrauenswürdigen Kaufleuten und Bürgern, die ebenfalls während des Zweiten Weltkriegs aus Danzig fliehen mussten, mit auf den Weg gegeben. Hier in Lübeck hat er die Schätze wieder versammelt und auf diese Weise gerettet. Dabei handelt es sich um kostbarste Gewänder und textile Schätze für den Gottesdienst. Sie alle waren von
deutschen (Ergänzung J. M.) Danziger Bürgern und Kaufleuten im Sinne einer guten „jenseitsvorsorge" für das eigene Seelenheil im 14. und 15. Jahrhundert für die dortige Marienkirche gestiftet worden. […] Mit seiner aussergewöhnlichen Qualität trägt der Textilschatz neben der größten norddeutschen Schnitzaltar-Sammlung und einem hochkarätigen Bestand an deutscher und niederländischer Malerei des 15. und 16. Jahrhunderts zur internationalen Bedeutung des Kunstmuseums St. Annen bei (Hervorhebung J. M.).

Der Danziger Textilschatz, von den deutschen Bürgern Danzigs geschaffen, behütet und bewahrt – Gleiches gilt für die seit 1525 evangelische Marienkirche Danzigs –, trägt nachhaltig zur internationalen Bedeutung des St. Annen-Museums bei. Er wird von der EKD nach Danzig verschenkt; ihr Eigentum an den Paramenten ist zudem nur treuhänderisch, die früheren deutsch-evangelischen Gemeindemitglieder an St. Marien zu Danzig wurden nicht um Zustimmung ersucht. Damit trägt dieser Schenkungsakt ausschließlich zur Imageaufwertung der EKD-Spitze bei. Die Weggabe dieses unermeßlich wertvollen deutschen Kulturgutes in das heute polnische und katholische Danzig ist eine nationale Schande und keineswegs ein Signal kulturell-europäischer und ökumenischer Verbundenheit, wie Sie ausführen. Es gibt nachhaltigere Möglichkeiten, diese begrüßenswerte Verbundenheit und Versöhnung zwischen beiden Nationen zu bekunden.
Deshalb nochmals der Appell an Sie: Nehmen Sie Ihren politischen Einfluß als Lübecker Stadtoberhaupt wahr und verhindern Sie die Schenkungsabsicht der EKD.
Unser bedeutendes St. Annen-Museum hat es verdient, den Danziger und zugleich deutschen Paramentenschatz in seinen Mauern ungeschmälert zu behalten.

Mit freundlichen Grüßen
gez. Jürgen Martens

Auf mein Schreiben vom 17.07.2023 erteilte BM Jan Lindenau über sein Sekretariat mit Schreiben vom 25.08.2023 nachstehende (vorläufige) Antwort:

brief_bmlindenau_250823

      Erstes Schreiben Jürgen Martens an den Leiter der Lübecker Museen, Dr. v. Stockhausen
bisher unbeantwortet

Danziger Paramentenschatz im St. Annen-Museum

Sehr geehrter Herr v. Stockhausen,
es war nicht einfach, eine Anschrift ausfindig zu machen, unter der Sie erreichbar sein könnten.
Auf Ihren Namen und Ihren Aufgabenbereich machte mich Peter Intelmanns Beitrag in den Lübecker Nachrichten vom 5./6. Febr. 2023 Streit um edle Gewänder und zuletzt dessen Artikel Ein Kemmer für St. Annen (LN vom 2./3. April 2023) aufmerksam.
Hinsichtlich der Paramente werden Sie zitiert mit „Wir sind nur Leihnehmer“ und haben juristisch gegenüber der EKD, die das deutsche Kulturgut Danziger Paramente nach Danzig überführen will - kein Mitspracherecht. Gleichwohl heißt es in dem Artikel, Sie seien „mit der Rückkehr [nach Danzig] grundsätzlich einverstanden“. In dem zweiten genannten Beitrag Intelmanns werden Sie zitiert „Was soll es [d. h. das Kemmer-Bild] in Los Angeles? Es hat doch hier [d. h. in Lübeck] seinen Platz“. In beiden Fällen handelt es sich um deutsches Kulturgut. Ich verstehe das Paradoxon nicht, warum Sie in dem einen Fall für die Rückgabe nach Danzig und in dem anderen Fall (richtig) für die Rückkehr nach Lübeck plädieren. Deutsches Kulturgut gehört ohne jede Einschränkung nach Deutschland.
Ich bin mir sicher, daß Frau Dr. Täube sicher nicht einverstanden ist, wenn sie die Danziger aus ihrem Museum hergeben muß. Aber hat sie eine Wahl, wenn ihr Vorgesetzter mit einer Rückkehr der in ihrem Hause seit vielen Jahren sorgfältig bewahrten geistlichen Textilien grundsätzlich einverstanden ist?
Zu Recht betonen Sie in dem Kemmer-Beitrag, die Lübecker Museen seien „bei Zukäufen für ihre Sammlungen auf externe Geldgeber und Gönner angewiesen. Sie selbst haben dafür seit längerem keinen eigenen Etat mehr.“ Bei den vom Bund institutionell nach § 96 des Bundesvertriebenengesetzes (BVFG) geförderten Museen, die die deutschen Siedlungsgebiete und die historischen Reichsteile östlich von Oder und Neiße repräsentieren (beispielhaft nenne ich das Ulmer Donauschwäbische Zentralmuseum oder das Westpreußische Landesmuseum in Warendorf – auf der Bundesseite war ich über viele Jahre für diese Museen zuständig), ist die Situation die gleiche, wie Sie sie für die Lübecker Museen beschreiben. Nur hier fehlen Sponsoren.
Deshalb meine Bitte und zugleich Aufforderung an Sie: Setzen auch Sie sich nachdrücklich bei der EKD (Präses Kurschus) dafür ein, daß die Danziger Paramente in Lübeck verbleiben und nicht nach Danzig abgegeben werden!
Freunde und ich engagieren uns nachhaltig für den Verbleib deutschen Kulturgutes hier im Lande. Deshalb haben wir u. a. eine Petition an die EKD initiiert. Sie können sie verfolgen auf dem Webportal www.openpetition.de; hilfreich wäre es für uns, würden Sie die Petition auch mit Ihrer Unterschrift unterstützen. Zusätzliche Informationen sind auf www.ostdeutsche-museen.de auf der Navigationsleiste Paramente Marienkirche abrufbar. Wir können nur hoffen, daß diese öffentliche Petition so erfolgreich verläuft wie die zwischenzeitlich beendetete Petition zum Erhalt des Lübecker Heiligen-Geist-Hospitals.
Mit freundlichen Grüßen
gez. Jürgen Martens

Zweites Schreiben Martens ./. Dr. v. Stockhausen

17. Juli 2023

Herrn Ltd. Museumsdirektor
Dr. Tilmann von Stockhausen
Kulturstiftung Hansestadt Lübeck
Schildstraße 12
23552 Lübeck

 

Danziger Paramentenschatz im St. Annen-Museum
Mein Schreiben vom 5. April 2023

 

Sehr geehrter Herr v. Stockhausen,

bezugnehmend auf mein Schreiben vom 5. April d. J. erinnere ich an die dort geübte Kritik an der von der EKD wohl inzwischen festgeschriebenen Verschenkungsaktion der im St. Annen-Museum nunmehr sehr mehr als 30 Jahren konservatorisch betreuten und seit dem 19. Januar 2019 mit wenigen Stücken ausgestellten Danziger Paramente. Zur Erinnerung: Den Erhalt der Paramente hat der deutsche Steuerzahler bewirkt.
Am 2. Juni hat Bischöfin Bosse-Huber mit einer Ansprache im erzbischöflichen Palais in Oliva „geglänzt“ und am 5. Juni eine seltsame Predigt in der Danziger Marienkirche – beides unter dem Aspekt der Verschenkungsaktion des Danziger Paramentenschatzes – gehalten. Gleichzeitig wurde die Installierung einer sogenannten Expertenkommission, die in Danzig den Paramentenschatz begleiten soll, bekanntgegeben. Zu den Experten gehört Frau Dr. Dagmar Täube. Was ihre Mitgliedschaft im der Expertenkommission angeht, außer daß der Steuerzahler ihre Reisekosten zu übernehmen hat – bei bekannt knappen Mitteln der Museen –, ist mir nicht verständlich.
Sie haben Ihre Schulzeit am Lübecker Katharineum absolviert und sind somit mit der ehrwürdigen Hansestadt eng verbunden. Ich habe 1959 mein Abitur an der OzD gemacht und bin zudem gebürtiger Lübecker, dem die Kultur und Geschichte seiner Vaterstadt sehr am Herzen liegt. Daß es bei Ihnen vergleichbare Beweggründe gibt, setze ich voraus.
1990 kamen die Danziger Paramente aus der Lübecker Marienkirche - dort waren vor allem die konservatorischen Verhältnisse unhaltbar – in das St. Annen-Museum. Gezeigt wurden einige Teile in einer eigens dafür geschaffenen Paramentenkammer, die nach einigen Jahren aus dem Museum verschwand. Die Paramente wurden danach nur noch im Magazin verwahrt. Ich möchte Sie fragen, warum die klimatechnisch optimale Paramentenkammer deinstalliert wurde und was aus ihr geworden ist.
Im Zusammenhang mit der (Wieder-)Eröffnung der Ausstellung Danziger Textilschätze II am 19. Januar 2019 erschien ein bemerkenswerter Ausstellungsflyer, aus dem ich nachstehend zitiere:

  • Danzig und Lübeck sind als Hansestädte bereits seit dem Mittelalter eng miteinander verbunden. Diese Verbindung besteht bis in das 20. und 21. Jahrhundert hinein, denn ein großer Teil des mittelalterlichen Danziger Textilschatzes wurde nach Lübeck gerettet: Pfarrer Gerhard Gülzow aus Danzig, den viele Lübecker heute noch kennen, fand nach der Flucht 1944 hier eine neue Heimat. Die Paramente hatte er zuvor verschiedenen vertrauenswürdigen Kaufleuten und Bürgern, die ebenfalls während des Zweiten Weltkriegs aus Danzig fliehen mussten, mit auf den Weg gegeben. Hier in Lübeck hat er die Schätze wieder versammelt und auf diese Weise gerettet. Dabei handelt es sich um kostbarste Gewänder und textile Schätze für den Gottesdienst. Sie alle waren von Danziger Bürgern und Kaufleuten im Sinne einer guten „jenseitsvorsorge" für das eigene Seelenheil im 14. und 15. Jahrhundert für die dortige Marienkirche gestiftet worden.
    Rund die Hälfte des berühmten Danziger Textilschatzes gehört heute, als Dauerleihgabe der Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK) Hannover, zu den
    Highlights des St. Annen-Museums. Feinste Stickereien mit purem Gold, italienische Seiden und Granatapfelbrokate zeigen den hohen Wert, der diesen Gewändern ehemals zugemessen wurde. In der Kirche versteckt, überdauerten sie Reformation und Kriege. Erst zwischen 1791 und 1864 hat man sie zufällig bei Bauarbeiten wiederentdeckt. Das macht sie so besonders wertvoll, wurden sie doch über Jahrhunderte weder benutzt noch verändert. 2019 wurde erstmals seit zehn Jahren wieder eine Auswahl der wertvollen Stücke gezeigt. Sie alle unterliegen strengen konservatorischen Bedingungen. So müssen sie nach etwa eineinhalb Jahren wieder eine Zeit ohne Licht verwahrt werden. jetzt stellt das St. Annen-Museum die nächsten Stücke aus diesem Konvolut von insgesamt 103 Stücken gemeinsam mit Objekten der eigenen Sammlung aus.
    Mit seiner aussergewöhnlichen Qualität trägt der Textilschatz neben der größten norddeutschen Schnitzaltar-Sammlung und einem hochkarätigen Bestand an deutscher und niederländischer Malereides 15. Und 16. Jahrhunderts zur internationalen Bedeutung des Kunstmuseums St. Annen bei.

Mit der offenen Petition (www.openpetition.de) werden die Ausführungen des Flyers inhaltlich voll und ganz unterstützt. Deshalb erstaunt um so mehr, daß nicht nur Sie als oberster Hüter der Lübecker Museumslandschaft keinen Versuch unternehmen, den textilen Schatz für Lübeck zu bewahren. Auch angeschriebene Lübecker Politiker agieren – wenn überhaupt - äußerst zurückhaltend. Die EKD mißachtet in ihrem Handeln, alle in Lübeck (sowie im Nürnberger Germanischen Nationalmuseum) vorhandenen Paramente nach Danzig zu verschenken, die historischen Tatsachen. Die Paramente wurden von den deutschen Kaufleuten, Handwerkern und Bürgern geschaffen, Gleiches gilt für die einst evangelische Danziger Marienkirche; Polen und die heute polnische Bevölkerung haben daran keinen Anteil.
Meine nachhaltige Bitte an Sie lautet, setzen Sie sich auch Kraft Ihres Amtes für einen Verbleib des deutschen Danziger Paramentenschatzes in Lübeck ein. Das Agieren der EKD, das nur der persönlichen Imagepflege der Kirchenspitze in Hannover dient, müßte Ihnen gleichgültig sein. Es geht um unwiederbringliches deutsches Kulturgut und um – unser – St. Annen-Museum!

In der Hoffnung, diese Bitte nicht vergeblich ausgesprochen zu haben, verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
gez. Jürgen Martens

Antwort des Leitenden Direktors der Lübecker Museen
Zur Einsicht in das Originalantwortschreiben bitte nachstehenden Link anklicken: antwort_stockhausen_020823

Lübeck, 2. August 2023

Sehr geehrter Herr Martens,

vielen herzlichen Dank für Ihren Brief vom 17. Juli 2023, in dem Sie Ihre Sichtweise ausführlich darstellen.

Für uns als LÜBECKER MUSEEN sind die Paramente eine Leihgabe der Evangelischen Kirche. Sie stammen ursprünglich aus der Marienkirche in Danzig, wurden für diesen Ort gefertigt und gehören nach Auffassung der Eigentümerin wieder dorthin. Nach Einschätzung der Evangelischen Kirche sollen die Paramente als Zeichen der Versöhnung und der Freundschaft zwischen Deutschland und Polen sowohl in kulturell-europäischer als auch in ökumenischer Verbundenheit zu gegebener Zeit zur Danziger Marienkirche zurückkehren, und zwar als Schenkung, d.h. im Wege einer regulären Übertragung des Eigentums von der Union Evangelischer Kirchen in Deutschland an die römisch-katholische Marienkirchengemeinde. Dazu wurde im Dezember 2022 von der UEK sowie vom Erzbistum und der Marienkirchengemeinde Danzig ein Letter of Intent unterzeichnet.

Rein rechtlich können die LÜBECKER MUSEEN als Leihnehmer der Objekte hier nur dem Wunsch der Evangelischen Kirche folgen. Tatsächlich teilen wir aber auch die Auffassungen und Gedanken der Eigentümerin und unterstützen deren Vorgehen. Dabei versuchen wir natürlich, sowohl unsere Vorstellungen als auch die aus musealer Sicht notwendigen Voraussetzungen in das Vorhaben einzubringen. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um die folgenden zwei Punkte:

  1. Der Schatz muss weiterhin professionell konservatorisch gepflegt und aufbewahrt werden.
     
  2. Es müssen weiterhin im Paramentenraum des St. Annen-Museums mindestens 3-5 Stücke in konservatorisch vertretbarem Wechsel ständig zu sehen sein. Damit wird dem Andenken an die dramatische Rettung des Textilschatzes während des Zweiten Weltkriegs Rechnung getragen.

Was den ersten Punkt anbelangt, so sind wir zuversichtlich, dass in Danzig eine adäquate, ja zukünftig sicherlich bessere Aufbewahrung als in Lübeck gewährleistet ist. In dem oben erwähnten Letter of Intent ist außerdem festgehalten, dass einige Stücke als Leihgabe in Lübeck bleiben und wir diese weiterhin ausstellen können. Auch unser zweites Anliegen findet somit Berücksichtigung bei den Plänen.

Die frühere Paramentenkammer im St. Annen-Museum entsprach in keiner Weise den heutigen Museumsstandards. Sie war nicht klimatisiert und die zur Aufbewahrung genutzten Vitrinen waren veraltet. Im Zuge der Neugestaltung des St. Annen-Museums wurde die Kammer 2010 daher aufgelöst. Der ebenfalls neu geplante Paramentenraum wurde damals wegen der schadstoffbehafteten Vitrinen nicht wiedereröffnet. Stattdessen hat Frau Dr. Täube eine attraktive Neu-Präsentation in modernen klimatisierten und optimal beleuchteten Vitrinen entwickeln lassen, in denen einige wichtige Beispiel aus dem Paramenten-Bestand gezeigt werden. Auf längere Dauer können die Textilien übrigens nicht ausgestellt werden, weil diese viel zu lichtempfindlich sind.

Ich bitte deswegen um Ihr Verständnis, dass wir mit dem Vorgehen der Evangelischen Kirche vollkommen einverstanden sind. Ich hoffe sehr, dass auch Sie sich an die Vorstellung gewöhnen können, dass die Paramente an ihrem ursprünglichen Ort wieder einen Platz finden.

Mit freundlichen Grüßen
gez. Dr. Tilmann von Stockhausen
Leitender Direktor der LÜBECKER MUSEEN

Kommentar zum Antwortschreiben Dr. v. Stockhausens:


Die Antwort ist dürftig und teilweise fehlerhaft. Der erste Absatz des Schreibens ist überflüssig, weil diese Ausführungen dem Adressenten sehr wohl bekannt waren. Die Bemerkungen zur Klimakammer, in der ab 1990 Teile der Paramente gezeigt wurden, sind sicher nicht stimmig und lassen sich kritisch hinterfragen. Diese Klimakammer meisterte die Lichtverhältnisse erheblich besser als die heute verwendeten Vitrinen. Denn die gezeigten Paramente waren stets vollkommen abgedunkelt. Nur die Teile, vor denen der Besucher direkt stand, wurden für kurze Momente angeleuchtet. Der klimatechnische Hinweis befriedigt nicht. Denn die Temperaturverhältnisse im St. Annen-Museum waren und sind optimal; von einer Gefährdung der gezeigten Paramente darf daher nicht ausgegangen werden. Ob, wie Herr von Stockhausen schreibt, zukünftig eine sicherlich bessere Aufbewahrung der Paramente als in Lübeck gewährleistet  ist, muß hinterfragt werden.
Herr v. Stockhausen erwähnt mit keinem Wort die 186 Paramentenstücke, die ebenfalls von Dr. Gülzow Ende 1944 zusammen mit den Lübecker Teilen (insgesamt 103 Stücke) aus der Danziger Marienkirche zunächst nach Thüringen gerettet und von dort 1961 seitens der DDR-Regierung nach Danzig überstellt wurden. Sie sind heute im Danziger Nationalmuseum teilweise ausgestellt.
Daß der Lübecker Museumshüter der Handlungsweise der EKD kritiklos zustimmt, ist der eigentliche Skandal. Die in Lübeck noch lebenden rd. 7.000 Danziger bzw. ihre Nachkommen blieben zudem bei der Entscheidung der EKD, die Paramente nach Danzig zu verschenken, ungehört. Es ist unverantwortlich, wie die EKD mit gerettetem, deutschem Kulturgut aus den Vertreibungsgebieten verfährt und unbegreiflich, daß Verantwortliche für die Museen dieses kirchliche Verhalten goutieren können.

Mail OKR Dr. M. Evang vom 25.05.2023

Sehr geehrte Damen und Herren,
Sie haben sich seit der Unterzeichnung des „Letter of Intent“ zum Danziger Paramentenschatz am 8. Dezember 2022 mit kritischen Eingaben an die UEK oder auch an die EKD gewandt. In Abstimmung mit dem Büro der Ratsvorsitzenden und mit dem Info-Service der EKD haben wir uns bemüht, alle Eingaben, z.T. auch in zusammenfassenden Schreiben, zu beantworten. Bitte entschuldigen Sie, falls dies bisher unterblieben ist.
Im Auftrag der Leiterin des Amtsbereichs der UEK, Frau Bischöfin Bosse-Huber, sende ich Ihnen heute eine „Erklärung zur beabsichtigten Rückkehr des Danziger Paramentenschatzes zur Marienkirche Danzig“. In ihr möchte die UEK, wie Bischöfin Bosse-Huber schreibt, „das Vorhaben noch eingehender erläutern, die Beweggründe verdeutlichen, Missverständnisse ausräumen und um Zustimmung werben“.
Ich empfehle die Erklärung, die auch auf der Homepage der UEK veröffentlicht ist (https://www.uek-online.de/3-5-artikel-content-1054-erklaerung-danziger-paramentenschaftz-1054.php), Ihrer wohlwollenden Lektüre und würde mich freuen, wenn sie dazu beiträgt, das Vorhaben und seinen weiteren Fortgang mit Verständnis und wachsender (gern auch kritischer!) Sympathie zu begleiten.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
Martin Evang

 Mail Gabriele Schwarze an Bischöfin Bosse-Huber und OKR Dr. Evang vom 27.05.2023

Sehr geehrter Herr Dr.Evang,
Sehr geehrte Frau Bischöfin Bosse-Huber,
ist Ihnen gar nicht bewusst, mit was für einer tiefsitzenden Ignoranz und mangelnden Wertschätzung Sie unserem Volk, seiner Kultur und seiner leidvollen Geschichte begegnen? Anstatt uns, den von der Politik unterdrückten Opfern, Gerechtigkeit wiederfahren zu lassen, kleiden sie ihr schändliches Tun in immer neue salbungsvolle Worte. Was soll man nur von Leuten halten, deren Wissen jahrzehntelang von verlogenen oder dümmlichen Medien und Institutionen geprägt wurde. Aus eigener Kraft über ihren kläglichen Tellerrand hinaus zu blicken, ist ihnen nicht vergönnt. Wenn ich da nur an den geschichtlich vollkommen zusammenhangslosen Quatsch denke, den meine Mutter von einem leitenden Mitarbeiter aus Ihrem Büro erhielt, wird mir ganz schlecht. Der armselige Mensch brüstete sich auch noch damit, dass seine Mutter aus Elbing in Westpreußen stamme. Was nützt es, wenn man zwar Vorfahren aus der Region hat, aber nicht eigenständig lesen und denken kann?
Wenn das so weiter geht, sehe ich mich wirklich bald gezwungen aus der Kirche auszutreten. Ich denke, andere werden meinem Beispiel folgen
Gabriele Schwarze

OKR Dr. Evang an G. Schwarze vom 27.05.2023 

Sehr geehrte Frau Schwarze,
im morgigen Pfingstgottesdienst, den ich mit einer Tagungsgemeinde im Kloster Drübeck im Harz feiere, singen wir das Lied „Zieh ein zu deinen Toren“ von Paul Gerhardt, darin auch die 8. Strophe:
Du, Herr, hast selbst in Händen
die ganze weite Welt,
kannst Menschenherzen wenden,
wie es dir wohlgefällt;
so gib doch deine Gnad
zu Fried und Liebesbanden,
verknüpf in allen Landen,
was sich getrennet hat.
 
Auch im Namen von Bischöfin Bosse-Huber wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Pfingstfest.
Ihr Martin Evang

Email von Gabriele Schwarze an OKR Dr. Evang vom 31.05.2023

Sehr geehrter Herr Dr.Evang,
vielen Dank für Ihre spontane Antwort. 
Das Problem vieler Deutscher sowie auch der EKD scheint mir folgendes zu sein:
1.) Aus Pietät gegenüber Opfern des Nationalsozialismus hinterfragen sie die polnischen Darstellungen nie
2.) Aufgrund der unterschiedlichen deutschen und polnischen Mentalität ist es außerhalb ihrer Vorstellungskraft, wie massiv von polnischer Seite aus Zahlen und geschichtliches Geschehen selektiert und "geklittert" wird. Sie wollen einfach nicht erkennen, dass selbst scheinbar versöhnlich klingende polnische Meinungsäußerungen stets durch absichtlich eingeflochtene Zahlenverhältnisse oder weggelassene Tatsachen manipulierend sind.

Die deutsche Schuldnerposition verändert sich grundlegend, wenn man erkennt, dass Ost- und Westpreußen, Pommern sowieso  Schlesien in Wirklichkeit das Kainsmal auf Polens Stirn sind.
Viele Jahrhunderte der Geschichte legen ausführlich Zeugnis über dieses polnische Wirken ab. Polen hatte als Agressor und Militärmacht der Region tatsächlich vielfach über fremde Völker und deren Gebiete geherrscht. Heutezutage wird dieser Umstand oft bewusst verschwiegen und mit der Unwissenheit der Leute gespielt, die nicht wissen, dass polnisches Herrschaftsgebiet nicht gleichbedeutend mit polnischem Bevölkerungsgebiet war. Daher auch die Mär vom angeblichen Ostpolen, das in Wahrheit litauisches und ukrainische Bevölkerungsgebiet war. 
Auch Westpreußen geriet fataler Weise unter polnische Herrschaft, als es sich Eigenständigkeit vom Deutschen Orden erkämpfte und dann den Schutz der polnischen Krone suchte. Entgegen der vertraglich vereinbarten Sonderstellung mit eigener Verwaltung und eigenem Amtssiegel wurde Polen 1569 vertragsbrüchig und versuchte Westpreußen auf dem polnischen Reichstag von Lublin trotz seines Protestes gewaltsam zu einem Bestandteil des polnischen Staates zu erklären. Das sogenannte Lubliner Dekret wurde dann letzlich nur teilweise durchgesetzt. Thorn, Elbing und Danzig verteidigten erfolgreich ihre Selbständigkeit. Auf dem Lande und in den kleineren Städten blieb das preußisch-deutsche Stammesbewusstsein ebenfalls lebendig. Die Bevölkerungsmehrheit Westpreußens blieb auch in den folgenden zwei Jahrhunderten polnischer Herrschaft eindeutig deutsch. Die Einheit des Preußenlandes wurde erst 1772 unter Friedrich dem Großen wieder hergestellt. Westpreußen erlebt daraufhin erneut eine große Blütezeit. 
Das unkluge Diktat von Versaille zerriss 1920 abermals das Preußenland und sprach den größten Teil Westpreußens - den sogenannten polnischen Korridor (zum Meer) - ohne Befragung der Bevölkerung dem polnischen Staat zu. Nur die Bewohner vier östlicher Kreise Westpreußens durften am 11. Juli 1920 unter internationaler Aufsicht über ihre staatliche Zugehörigkeit abstimmen (92,3 % stimmten für den Verbleib im Verband des Deutschen Reiches). Danzig wurde "Freie Stadt" außerhalb Polens und des Deutschen Reiches. Allerdings mit weitreichenden Zugeständnissen bzgl.Polens Ausbau eines Militärstützpunktes und auch die Weichsel wurde vollständig der Herrschaft Polens unterstellt, obwohl Flußgrenzen sich sonst in der Flußmitte befinden...
Derweil marschierten Polens Truppen in Litauen und der Ukraine entgegen den Vorgaben der Ententmächte (und der festgestellten "Curzon-Line") ein und entfesselten den polnisch-sowjetischen Krieg. Durch ihren Sieg gegen die sowjetische Armee erlangte Polen knapp 20 Jahre lang wieder Herrschaft über das angebliche "Ostpolen". Es ist mit Häme und Intrige verbunden, dass Stalin dieses Gebiet 1945 mit Polen gegen die deutschen Ostgebiete eintauschte.
Übrigens haben wir es Martin Luther und dem letzten Hochmeister in Ostpreußen zu verdanken, dass wir der protestantischen Kirche angehören. Die neu gewählten Hochmeister des Ordensstaates wurden regelmäßig gezwungen die polnische Lehnshoheit anzuerkennen, sonst drohte ein Krieg mit Polen. Der neu gewählte Hochmeister wiedersetzte sich dem und begann 1519 in Selbstüberschätzung den sogenannte Reiterkrieg. Während eines vorübergehend vermittelten Waffenstillstandes verließ er (Albrecht von Brandenburg-Ansbach) das Ordensland, um in seiner Heimat Ansbach eine Lösung für den Konflikt zu finden. In Nürnberg begegnete er dabei Andreas Osiander, der ihn mit der lutherschen Lehre vertraut machte. Um sich für seine zukünftige Haltung Gewissheit zu verschaffen, traf er am 29.11.1523 und am 12.5.1524 in Wittenberg Martin Luther, der ihm schließlich den Rat gab, "die törichten und verkehrten Ordensregeln beiseite zu werfen, sich eine Frau zu nehmen, in Preußen ein weltliches Regiment einzuführen und das Land zum Herzogtum zu erheben". So geschah es dann auch...
Die Kirche Martin Luthers möge unser Land und unser Volk bitte auch jetzt nicht in unserer größten Not preisgeben und völlig der polnischen Willkür überlassen. Dazu bedarf es jedoch unbedingt Wissen und Wahrheit.
Warum ich Ihnen das alles schreibe? Sie sollten auf der Hut sein vor all zu bequemen Lösungen, die sich aufgrund der offiziell vertretenen Politik und Meinung anbieten.
Wahrheit und Lüge kann man nicht so einfach mit einem "Mantel der Liebe" zudecken. Zwar predigt das Christentum Liebe, aber die Liebe zur Wahrheit gehört unbedingt dazu, denn ohne Wahrheit ist alles nichts! 
Ich fühle mich oft an die Geschichte von König Salomon und den beiden "Müttern" erinnert, wenn ich an Ost-/Westpreußen denke: 
Unser "Kind" ist in den Händen der falschen Mutter. Wir müssen Acht geben, dass sie ihm nicht mit ihren Lügen die Luft zum Atmen nimmt. Umsichtig im Gespräch bleiben und den Konsens suchen, aber bloß nicht gutgläubig den letzten Rest unserer verbliebenen Kulturgüter fortgeben. Wir sollten diese jederzeit verleihen, aber nicht leichtfertig übereignen, denn nur so haben wir die Möglichkeit, unsere Kultur zu bewahren und zu schützen. Polen hat sich unser Vertrauen bisher nicht verdient! Davor sollten auch Sie Ihre Augen bitte nicht verschließen. Wichtig wäre es stattdessen, wenn wir für unsere Kultur und Geschichte endlich bei den Deutschen die angebrachte Wertschätzung erfahren, denn unsere Kultur gehört zu Deutschland! Nur so und über solche Gegenstände und vielleicht auch über unsere Kirche können die Westdeutschen und Europa unsere ganze Geschichte erfahren und aus ihr lernen. Die Wahrheit wurde viel zu lange unterdrückt. Ein wahres Zeichen wäre es, wenn unsere Kirche dazu beitrüge, in unserem Land die Weichen zu stellen und unsere Kultur und Geschichte zu vermitteln, wo uns doch sonst alle im Stich gelassen haben. 
Wäre sie es uns nicht auch ein bisschen schuldig, nachdem sie uns so lange stiefmütterlich behandelt hat?
- Ich sehe direkt, wie Martin Luther uns dabei zuzwinkert ; - )
Frohe Pfingsten!
Mit freundlichem Gruß 
Gabriele Schwarze 

PRESSEBERICHTE

Am 5./6. Februar 2023 brachten die Lübecker Nachrichten in ihrer Wochenendausgabe folgenden Beitrag zum im Lübecker St. Annen-Museum bewahrten deutschen Kulturgut aus Danzig, dem Paramentenschatz aus der Danziger Marienkirche

danzigerparamente_ln_040223


Beitrag
in Preußische Allgemeine vom 17. März 2023 unter dem Titel:

Danziger Paramentenschatz

Schatz zu verschenken
Die Evangelische Kirche möchte deutsches Kulturgut in polnische Hände geben

Der vollständige Text ist einsehbar durch Anklicken des folgenden Links: (PDF-Datei)

20230317_Danzig_Paramente_PAZ_Fedor-M-MROZEK
 

Korrespondenz mit Dr. Dagmar Täube und Dr. Martin Evang ab 29.03.2023

Mail an Dr. Täube vom 29.03.2023(Martens)

Sehr geehrte, liebe Frau Täube,

um den Plan der EKD-Leitung, den Danziger Paramentenschatz nach Polen abzugeben, zu verhindern, habe ich mit anderen Unterstützern eine Petition initiiert. Unter dem Titel VERBLEIB DES 1944 GERETTETEN DANZIGER PARAMENTENSCHATZES IM LÜBECKER ST. ANNEN-MUSEUM finden Sie die Petition auf dem Webportal www.openpetition.de. Mit Ihrer Unterschrift können Sie die Petition unterstützen. Wenn die EKD zum Einlenken veranlaßt würde, wäre das auch ein großer, wertvoller Gewinn für Ihr St. Annen-Museum.
Über den Link https://www.openpetition.de/petition/online/verbleib-des-1944-geretteten-danziger-paramentenschatzes-im-luebecker-st-annen-museum ist es möglich, die Petition direkt zu unterschreiben. Bitte unterstützen Sie mit Ihrer Unterschrift die Absicht, daß wertvollstes deutsches Kulturgut aus den historischen Ostprovinzen in Deutschland verbleibt.
Ich wäre Ihnen sehr, sehr dankbar, wenn Sie Frau Dr. Hildegard Vogeler über diese Petition informieren würden. Dafür schon jetzt einen herzlichen Dank!

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Jürgen Martens

Reaktion von Frau Dr. Täube mit VOTUM vom13.04.2023

Sehr geehrter Herr Dr. Martens,
im Anhang finden Sie mein Votum zu Ihrer Petition.
Mit freundlichen Grüßen
Dr. Dagmar Täube

Stellungnahme zur Petition von Jürgen Martens [Votum von  Dr. Dagmar Täuber, hinzugefügt J. M.]

Die Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK) hat beschlossen, auf kultureller und kirchlicher Ebene ein weiteres starkes Zeichen der deutsch-polnischen Freundschaft zu setzen: Sie beabsichtigt, den Danziger Paramentenschatz, der sich seit Jahrzehnten als Dauerleihgabe der UEK im St. Annen-Museum in Lübeck befindet und dort in einer wechselnden kleinen Auswahl gezeigt wird, unter bestimmten Bedingungen an die Danziger Marienkirche zu schenken. Für diese Kirche waren die Stücke vor allem im 14. und 15. Jahrhundert von wohlhabenden Bürgern im Sinne der Jenseitsvorsorge gestiftet worden.
Diese Absicht hat nach intensiven Vorgesprächen, in die auch das St. Annen-Museum Lübeck einbezogen war, in einem Letter of Intent vom 8. Dezember 2022 ihren Niederschlag gefunden. Derzeit ist die Berufung eines gemeinsamen Fachbeirates von UEK und Marienkirche Danzig in Vorbereitung, dem Expert:innen aus Deutschland und Polen angehören werden. Der Fachbeirat wird einvernehmlich mit allen beteiligten Stellen Schritte zur Übergabe definieren und deren Einhaltung überwachen. (Für Lübecker Presse: „Auch die Leiterin des St. Annen- Museums, Dr. Dagmar Täube wurde in diesen Fachbeirat berufen.“)
Grundvoraussetzung ist dabei die Gewährleistung der konservatorisch sicheren Aufbewahrung und Präsentation, möglichst in einem bei der Marienkirche Danzig neu zu errichtenden Museum. Ein weiteres wichtiges Signal der kulturellen Freundschaft zwischen Deutschland und Polen wie zwischen der dortigen katholischen und der hiesigen evangelischen Kirche wird die Errichtung einer kulturellen Brücke sein, die es weiterhin ermöglicht, dass stets vier bis fünf Stücke im konservatorisch vertretbaren Wechsel im Paramentenraum des St. Annen-Museums in Lübeck zu sehen sein werden, so wie es seit 2019 dort bereits gehandhabt wird. Diese ungeschmälerte weitere ständige Präsenz des Danziger Paramentenschatzes im Lübecker St. Annen-Museum trägt der großen Bedeutung dieses Schatzes für die Lübecker und alle Vertriebenen Rechnung.
Der in der Petition von Jürgen Martens erweckte Eindruck, der Danziger Paramentenschatz solle ohne jegliche Auflagen verschenkt und die Textilien sollten interimsmäßig im Danziger Nationalmuseum gezeigt werden, trifft also nicht zu. Vielmehr soll diesem großen kulturellen Schatz in europäischem und ökumenischem Horizont eine erweiterte verbindende Bedeutung beigemessen werden, wozu selbstverständlich auch die Erinnerung an die Rettung des Schatzes durch Mitglieder der evangelischen Marienkirchengemeinde Danzig am Ende des Zweiten Weltkriegs gehört. Die öffentliche Präsenz von Paramenten in Lübeck wird nicht geschmälert, aber der Schatz wird zugleich an seinem Ursprungsort Danzig und für alle dortigen Besucher:innen zusätzlich gezeigt werden können. Davon wird auch ein wichtiger Anstoß für vertiefte wissenschaftliche Erforschung des Schatzes in deutsch-polnischer Kooperation ausgehen. Dies ist ganz im Sinne des St. Annen-Museums.

Kommentar zum Votum von Frau Dr. Täube (Martens v. 03.05.2023)


Kommentar zur Stellungnahme von Dr. Dagmar Täube zur Petition

Hatte man bei der Eröffnung der zweiten Paramentenausstellung am 19. Januar 2019 im Lübecker St. Annen- Museum den Eindruck, die Museumsleiterin Dr. Dagmar Täube sei engagiert und erfreut, die einmaligen geistlichen Textilien aus der Danziger Marienkirche präsentieren zu können, so verflüchtigt sich dieser Eindruck rasch beim Lesen ihrer Stellungnahme zur Petition Verbleib des 1944 geretteten Paramentenschatzes im Lübecker St. Annen-Museum. Sie treibt den Lesern ihres Textes die Zornesröte in die Stirn wegen des hier offenbar werdenden nonchalanten Umgangs mit deutschem, aus dem Osten gerettetem Kulturgut. Ihr Votum ist weitgehend nichtssagend, denn es paraphrasiert nur bekannte Antworten Dr. Evangs (EKD) auf Eingaben an die Evangelische Kirchenleitung. Einige Aspekte Dr. Täubes sind allerdings neu und überraschen: So soll ein Fachbeirat zur Überwachung der Schritte zur Übergabe und deren Einhaltung berufen werden. Grundvoraussetzung ist dabei die Gewährleistung der konservatorisch sicheren Aufbewahrung und Präsentation, möglichst in einem bei der Marienkirche Danzig neu zu errichtenden Museum [Hervorhebung J. M.]. Ständig sollen weiterhin 4 bis 5 Teile aus dem Paramentenschatz nach dessen Abgabe nach Danzig im St. Annen-Museum präsent bleiben. Unerfindlich bleibt, weshalb diese Aspekte in den zahlreichen Antwortwortbriefen der EKD nicht erwähnt wurden.
Der Danziger Paramentenschatz, der von 1964 bis 1990 im Westwerk der Lübecker Marienkirche der Öffentlichkeit zugänglich war, wurde aus konservatorischen Überlegungen in das St. Annen-Museum überführt und ab 1990 in einer eigens dafür geschaffenen Klimakammer absolut textilschonend präsentiert. Es hatte sich erwiesen, daß die klimatischen Bedingungen in der Marienkirche zur Zerstörung der wertvollen Textilien führen würden. Eine vergleichbare Situation herrscht in der Danziger Marienkirche. Eine Präsentation der einmaligen Textilien in dieser Kirche wäre genauso abwegig wie seinerzeit ihr Zeigen in der Lübecker Marienkirche. Deshalb wurde eine Unterbringung im Danziger Nationalmuseum vermutet. Erst Dr. Täube brachte die Errichtung eines neuen Museums nahe der Marienkirche zur Unterbringung des Paramentenschatzes ins Spiel. Vor diesem neuen Aspekt trifft meine Annahme, die Lübecker Paramente könnten im Danziger Nationalmuseum ihren Platz finden, nicht zu. Zur Erinnerung: In diesem Museum befinden sich bereits 186 Teile des von Pastor Dr. Gülzow in den Westen geretteten Paramentenschatzes. Festzustellen ist, daß eine Unterbringung des Lübecker Teils der Paramente im Danziger Nationalmuseum nicht präferiert wird und die Möglichkeit einer Präsentation in einem kirchlichen Museum erst geschaffen werden muß. Den Unterstützern der Petition und mir erschließt sich deshalb nicht, warum es die EKD nicht bei dem bewährten status quo beläßt und dieses einmalige deutsche Kulturerbe im St. Annen-Museum verbleibt. Erwähnt werden soll in diesem Zusammenhang, daß der damalige Ratsvorsitzende Bischof Heinrich Bedford-Strohm mit Schreiben vom 6. November 2018 mir über OKR Dr. Philipps mitteilen ließ, eine Rückführung des Lübecker Teils der Paramente nach Polen sei nicht vorgesehen.
Von einem Verschenken des Paramentenschatzes nach Danzig ohne jegliche Auflagen habe ich im Gegensatz zur Behauptung Dr. Täubes nicht gesprochen. Stattdessen habe ich die Begrifflichkeit Bedingungen verwendet. Und Bedingen, die sich aus der Vereinbarung der EKD vom 08.01.2023 sinnvoll ergeben könnten, sehe ich nach wie vor nicht.
 
Einige wichtige Fragen werden in dem Votum nicht berührt, die Verantwortlichen in der EKD müßten sie jedoch vorab klären, bevor ihr Letter of Intent in einen formalen Schenkungsvertrag einfließen sollte:

  • Ein Museumsleiter oder eine Museumsleiterin müßten vehement widersprechen, wenn ungerechtfertigt Exponate aus seinem/ihrem Museum abgegeben werden müssen, zumal auftretende Lücken im Museumsbestand wegen fehlender Ankaufsmittel nicht zu ersetzen sind.
    Im Lübecker Fall will die EKD in beschämender Weise mit dem Paramentenschatz deutsches Kulturgut aus den historischen deutschen Gebieten östlich von Oder und Neiße verschenken. Diese geistlichen Textilien wurden von deutschen Kaufleuten und Bürgern der Danziger Rechtsstadt, zu deren herausragenden Baudenkmälern neben der Marienkirche das rechtsstädtische Rathaus, der Artushof sowie das Uphagenhaus gehören, im Mittelalter erworben, genutzt, geschützt und schließlich Ende 1944 vor der nahenden Roten Armee gerettet. Wie die künftige Lücke im Bestand des St. Annen-Museums kompensiert werden kann, darüber schweigt sich das Votum von Dr. Täube aus.
  • Pastor Dr. Gülzow gelang es, zusammen mit treuen evangelischen Gemeindemitgliedern rd. 289 Teile der Paramente in den Westen zu retten. Die damalige DDR-Regierung übergab 1961 aus diesem Fundus 186 Teile an Polen. Sie befinden sich seither im Danziger Nationalmuseum und nicht in der Danziger Marienkirche – wie man vermuten könnte. Bereits heute besitzt Danzig den größeren Teil des Paramentenschatzes. Deshalb ist die Frage berechtigt, warum auch der Lübecker Teil des wertvollen deutschen Kulturgutes von der EKD nach Danzig verschenkt werden soll.
  • § 96 Bundesvertriebenengesetz (BVFG) formuliert nachstehende Verpflichtung: Bund und Länder haben entsprechend ihrer durch das Grundgesetz gegebenen Zuständigkeit das Kulturgut der Vertreibungsgebiete in dem Bewußtsein der Vertriebenen und Flüchtlinge, des gesamten deutschen Volkes und des Auslandes zu erhalten, Archive, Museen und Bibliotheken zu sichern, zu ergänzen und auszuwerten sowie Einrichtungen des Kunstschaffens und der Ausbildung sicherzustellen und zu fördern.
    Die Vereinbarkeit des in der Absichtserklärung angekündigten Verschenkens von deutschem Kulturgut mit dem zitierten Gesetzesauftrag nach § 96 BVFG – er gilt analog auch für das treuhänderische Eigentum, das der UEK als Rechtsnachfolgerin der untergegangenen evangelischen Gemeinden in den historischen deutschen Ostprovinzen einschließlich Westpreußens mit Danzig zugeflossen ist, wurde nicht geprüft. Die Weggabe der noch in Deutschland befindlichen Teile der Danziger Paramentenschatzes widerspricht der geltenden Rechtslage und darf nicht erfolgen.


Auf diesen Kommentar zum Votum von Frau Dr. Täube
reagierte Dr. Martin Evang mit Mail vom 03.05.2023

Cc an Dr. Täube, Dr. v. Stockhausen, Arndt Brückner, Monika Frank, Kämpfert, Hanke

Sehr geehrter Herr Dr. Martens,

zu Ihrem Kommentar zum Votum von Frau Dr. Täube erlaube ich mir, Passagen meines erläuternden Schreibens in Erinnerung zu rufen, das ich Ihnen und einigen anderen, die zu dem Vorhabens der UEK kritische Fragen gestellt haben, am 24.01.2023 geschickt habe:
Der „Letter of Intent“ dokumentiere „die beiderseitige Absicht,
(1) dass die im Eigentum der UEK befindlichen Stücke des Danziger Paramentenschatzes in absehbarer Zeit durch einen Schenkungsvertrag in das Eigentum der Marienkirche Danzig übertragen werden und dorthin zurückkehren sollen,
(2) dass die Marienkirche Danzig Voraussetzungen für eine konservatorisch sachgerechte Aufbewahrung und Ausstellung der Paramente schafft,
(3) dass in Lübeck und ggfs. auch in Nürnberg auch künftig einzelne Paramente des Danziger Paramentenschatzes ausgestellt werden und
(4) dass ein Fachbeirat, in dem beide Seiten vertreten sind, die Umsetzung des Vorhabens begleitet.“
Und weiter: „Der Letter of Intent schließt mit den Worten: ‚Die UEK und die Marienkirche Gdańsk betrachten die erfolgte Rückkehr des Dreifaltigkeitsaltars und die beabsichtigte Rückkehr der Paramente zur Marienkirche Gdańsk und ebenso die dauerhafte Präsenz einzelner Danziger Paramente in Lübeck (und Nürnberg) als Ausdruck ökumenischer Verbundenheit zwischen evangelischer und römisch-katholischer Kirche, als Ausdruck der Versöhnung zwischen Deutschland und Polen und als Ausdruck der besonderen Verbundenheit der Städte Lübeck und Gdańsk.‘ … Die dauerhafte Ausstellung von einzelnen Danziger Paramenten in Lübeck wahrt den jetzigen Status. Sie soll dazu beitragen, die Erinnerung an die entsagungsvolle Rettung der Danziger Paramente durch Mitglieder der evangelischen Marienkirchengemeinde zu bewahren und die zwischen Lübeck und Danzig bestehende kulturelle Brücke zu stärken.“
Ergänzend zu meinem damaligen Schreiben hebe ich hervor: Die UEK betrachtet Danzig, heute und künftig eine Stadt in Polen, einem mit Deutschland in der Europäischen Union verbundenen Staat, und die Marienkirche Danzig, heute und künftig eine römisch-katholische, mit der evangelischen Kirche ökumenisch verbundene Kirche, als historischen Ort und als kulturelle Heimat des Danziger Paramentenschatzes. Deshalb setzt sich die UEK dafür ein, dass der gesamte erhaltene Bestand des Danziger Paramentenschatzes in einer bei der Marienkirche Danzig zu errichtenden Stätte zusammengeführt, konservatorisch adäquat aufbewahrt, ausgestellt und weiter erforscht wird – als ein allen zugängliches kulturelles Erbe der christlichen Kirche im mittelalterlichen Ostseeraum und unter gebührender Erinnerung an die, die den Schatz (nicht, wie Sie schreiben, „aus dem Osten“, sondern) vor Verlust und Zerstörung gegen Ende des 2. Weltkrieges gerettet und für seine Bewahrung bis heute Sorge getragen haben.
Mit Frau Dr. Täube ist die UEK im Gespräch darüber, dass in absehbarer Zeit in Lübeck zu einer Veranstaltung eingeladen wird, bei der zum Danziger Paramentenschatz berichtet und das Vorhaben der UEK näher erläutert und kritisch diskutiert werden kann.
Ich schließe mit dem Wunsch und mit der Bitte, die ich auch schon am 24. Januar 2023 geäußert habe: „Ich hoffe, dass ich mit diesen Ausführungen das Vorhaben näher erläutern konnte, und bitte Sie herzlich, es verständnisvoll zu respektieren.“

Mit freundlichen Grüßen, auch an alle Mitlesenden,
- im Auftrag -
Martin Evang


Auf dieses Schreiben erging folgende Antwort vom 09.05.2023  (Martens)

Sehr geehrter Herr Dr. Evang,

auf meinen Kommentar zu Frau Dr. Täubes Votum haben Sie mit Ihrer Mail vom 3. Mai 2023 ausführlich geantwortet. Dafür danke ich Ihnen sehr. Detailliert erläutern Sie den Letter of Intent der EKD, ohne daß bestehende Fragen eine Klärung erfahren. Aus der bisherigen Korrespondenz mit der EKD habe ich nicht den Eindruck gewonnen, als bestünde eine vertiefte Kenntnis der mittelalterlichen deutschen Ostsiedlung. Das gilt insbesondere auch für die Gründung der deutschen Rechtsstadt Danzig mit ihren deutschen Kaufleuten, Handwerkern und Bürgern im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts neben der seit etwa dem 9. Jahrhundert bestehenden slawischen Grod- und Burgsiedlung. Daher möchte ich die Lektüre des immer noch aktuellen wissenschaftlichen Werkes Die Anfänge des Klosters Oliva und die Entstehung der deutschen Stadt Danzig, Stuttgart 1982 (Klett-Cotta), von Heinz Lingenberg empfehlen.
Ihr erneuter Hinweis auf die Abgabe des Dreifaltigkeitsaltars an die Danziger Marienkirche und die Verzahnung mit der beabsichtigte[n] Rückkehr der Paramente zur Marienkirche Gdańsk kann Freunde und einstige deutsche Bewohner und zudem evangelische Gläubige Danzigs nicht überzeugen.
Wichtig wäre, über eine Aufstellung zu erfahren, was die EKU/EKD zu verschenken beabsichtigt. Birgitt Borkopp-Restle listet in ihrem Katalogband Der Schatz der Marienkirche zu Danzig,der anläßlich der zweiten Paramentenausstellung 2019 im Lübecker St. Annen-Museum erschien, mit den Inventarnummern M 1 bis M 394 und darüber hinaus mit den Inventarnummern NF 11 (Sargdecke) und NF 13 (Gewirkte Bordüre mit Inschrift) offenbar den Gesamtbestand des in Rede stehenden Danziger Paramentenschatzes auf. 98 textile Kleinodien werden im St. Annen-Museum bewahrt und gezeigt. Drei Teile aus dem Paramentenschatz sollen sich im Germanischen Nationalmuseum befinden (M 43, M 84 und M 90). Folgt man wiederum der von Frau Borkopp- Restle vorgenommenen Numerierung, ergäbe sich ein Fehl von 274 Teilen. Nach Albrecht Philipps (Zur Geschichte des Danziger Paramentenschatzes in Birgitt Borkopp-Restles genannten Katalogband) übergab die DDR-Regierung 1961 von den gesamten durch St. Marienpastor Dr. Gerhard Gülzow geretteten Danziger Paramenten 59 Meßgewänder mit einer großen Anzahl dazugehörender Stolen und Manipeln, weitere 63 Altardecken, Antependien sowie 4 gestickte Leinentücher an Polen. Insgesamt erhielt Polen nach Albrecht Philipps 183 Paramententeile, die seither im Danziger Nationalmuseum ausgestellt und konservatorisch betreut werden. Die Probleme, die sich daraus für den Staat Polen und dem Erzbistum Danzig ergeben können, sollen hier nicht berührt werden.

Die Frage muß erlaubt sein, ob die 3 genannten Paramententeile des Germanischen Nationalmuseums dem Danziger Paramentenschatz überhaupt zuzurechnen sind oder ob sie nicht bereits zu einem früheren Zeitpunkt von dem Nürnberger Museum erworben wurden. Dann dürfen sie nicht verschenkt werden!
Mir erschließt sich nach wie vor nicht, warum die UEK/EKD auch noch den (kleineren) Teil des im St. Annen- Museum verbliebenen Paramentenschatzes weggeben will. Die Paramente wurden überwiegend im 13. und 14. Jahrhundert von den deutschen Bewohnern der Rechtsstadt Danzig für ihre Marienkirche gestiftet. Es waren dann die evangelischen Gläubigen, die nach der Reformation 1525 bis zum Untergang Danzigs 1944/45 die Paramente bewahrten, pflegten und schließlich retteten. Was hat der ökumenische Gedanke, den Sie beschwören, mit dem Verschenken dieses unermeßlich wertvollen deutschen Kulturgutes zu tun? Hans-Jürgen Kämpfert, ein intimer Kenner des Danziger Paramentenschatzes, spricht von einem millionenschweren Geschenk an die polnische Kirche. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt bei der geplanten Schenkungsaktion seitens der Oberen der EKD! Bei meinen zahlreichen Besuchen in Ost- und Westpreußen – auch Danzig zählt dazu – habe ich nie einen Kirchenoberen in Gottesdiensten und bei der Betreuung der wenigen, im heutigen Polen zurückgebliebenen deutschen evangelischen Christen erleben dürfen. Es waren immer Gemeindepfarrer aus der Bundesrepublik, die vor Ort auf eigene Kosten die seelsorgerische Betreuung vornahmen. Und diese Betreuung war für die winzig kleinen deutschen Gemeinden im heutigen Polen immer ein Gewinn.
Sie merken an, daß der gesamte erhaltene Bestand des Danziger Paramentenschatzes in einer bei der Marienkirche Danzig zu errichtenden Stätte zusammengeführt, konservatorisch adäquat aufbewahrt, ausgestellt und weiter erforscht werden solle. Wie darf man das verstehen? Wird die UEK/EKD die damit entstehenden Kosten übernehmen? Denn es ist nicht vorstellbar, daß der polnische Staat die dann entstehende Konkurrenzsituation zwischen Nationalmuseum Danzig und Erzbistum Gdańsk/Danzig goutieren wird.

Sie zitieren mich mit „aus dem Osten“. Wenn schon ein Zitat, dann bitte korrekt! Formuliert hatte ich: „Im Lübecker Fall will die EKD in beschämender Weise mit dem Paramentenschatz deutsches Kulturgut aus dem historischen deutschen Gebieten östlich von Oder und Neiße verschenken.“
Auch wenn das deutsche Kulturschutzgesetz eine Abgabevon wertvollem, deutschem Kulturgut ins Ausland verhindern kann, besteht ein staatliches Einwirken bei als Körperschaften des öffentlichen Rechts anerkannten Religionsgemeinschaften (leider) nicht. Sollte die UEK/EKD (wider Erwarten) die in ihrem treuhänderischen Eigentum befindlichen Danziger Paramente in Lübeck und möglicherweise in Nürnberg vor den immer wieder von Polen unrechtmäßig erhobenen Rückgabeforderungen schützen wollen, könnte sie auf § 9, Abs.1 Kulturschutzgesetz (KGSG) zurückgreifen und den Danziger Paramentenschatz als national wertvolles Kulturgut in ein entsprechendes Verzeichnis eintragen lassen. Das Verbringen aus Deutschland ins Ausland wäre dann ausgeschlossen.
Lassen Sie mich einen letzten Aspekt ansprechen:
Sie betonen, die UEK sei mit Frau Dr. Täube im Gespräch darüber, dass in absehbarer Zeit in Lübeck zu einer Veranstaltung eingeladen wird, bei der zum Danziger Paramentenschatz berichtet und das Vorhaben der UEK näher erläutert und kritisch diskutiert werden kann.Sind Sie davon überzeugt, daß Frau Dr. Täube nach der in ihrem Votum formulierten Haltung die richtige Ansprechpartnerin für eine derartige Veranstaltung ist? Sollten Sie nicht eher Ihrem in den Lübecker Nachrichten vom 5./6. Februar 2023 geäußerten Gedanken folgen und Marienpastor Robert Pfeiffer zu einem Treffen mit den Kritikern Ihres Letter of Intent einladen lassen? Leider blieb meine Nachfrage bei Pastor Pfeiffer bisher ergebnislos.
Ich bin sehr enttäuscht von meiner evangelischen Kirche hinsichtlich ihres unverantwortlichen Umgangs mit national wertvollem Kulturgut aus den historischen deutschen Gebieten östlich von Oder und Neiße. Eigentlich dürfte man dieser Kirche nicht mehr angehören!

Gleichwohl verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
Jürgen Martens

Mail Dr. Evang v. 19.05.2023

Sehr geehrter Herr Dr. Martens,
hiermit gebe ich Ihnen das Schreiben von Bischöfin Bosse-Huber an den Bund der Vertriebenen zur Kenntnis. Gern können wir am nächsten Dienstag telefonieren; da ist mein Kalender noch ziemlich blank. Rufen Sie mich an? – am besten gleich unter der u.a. Handy-Nr.
Herzliche Grüße
Martin Evang

Von: Jürgen Martens <dr.juergen-martens@t-online.de>
Gesendet: Mittwoch, 17. Mai 2023 14:49
An: Evang, Martin <Martin.Evang@ekd.de>
Betreff: AW: Danziger Paramentenschatz im Lübecker St. Annen-Museum

Sehr geehrter Herr Dr. Evang,
vielen Dank für Ihre freundliche Nachricht und im voraus Dank, daß Sie mir das Schreiben Frau Bischöfin Bosse- Huber  [Link anklicken zum Schreiben von Bischöfin Bosse-Huber] zur Kenntnis geben möchten. Das Ferngespräch mit Ihnen freue ich mich.
Herzlichen Gruß nach Hannover
Jürgen Martens

 

Von: Evang, Martin <Martin.Evang@ekd.de>
Gesendet: Dienstag, 16. Mai 2023 22:19
An: Jürgen Martens <dr.juergen-martens@t-online.de>
Betreff: AW: Danziger Paramentenschatz im Lübecker St. Annen-Museum

Sehr geehrter Herr Dr. Martens,
vielen Dank für Ihre Mail und Ihre Anregung zu telefonieren. Ein Telefonat möchte ich gern für die nächste Woche vorsehen. Gegen Ende dieser Woche möchte ich Ihnen zuvor das Schreiben zur Kenntnis geben, das Bischöfin Bosse-Huber an den Bund der Vertriebenen gerichtet hat. Auf ein (offenbar in gewissen Abständen stattfindendes) Gespräch zwischen Vertretern des BdV und der Leitung des Kirchenamtes der EKD hin, das Ende April stattgefunden hat, hatte der Präsident des Kirchenamtes den Amtsbereich der UEK gebeten, das Vorhaben „Danziger Paramentenschatz“ gegenüber dem BdV zu erläutern. Dies ist nun geschehen, und zu einem Zeitpunkt, zu dem das Schreiben dort eingegangen ist, möchte ich es Ihnen ebenfalls zuleiten. Das wäre dann, denke ich, eine gute Gesprächsgrundlage.
In der Hoffnung auf Ihre Zustimmung grüße ich Sie herzlich,
Ihr Martin Evang

Schreiben von Bischöfin Bosse-Huber an den Präsidenten des BdV, Dr. B. Fabritius, vom 16.05.2023

An den Bund der Vertriebenen e. V.                                   
Herrn Präsidenten Dr. Dr. h. c. Bernd Fabritius
Herrn Generalsekretär Marc-P. Halatsch
Godesberger Allee 72-74
53175 Bonn

Nachrichtlich an:
Westpreußische Gesellschaft e. V.
Herrn Vorstandsvorsitzenden Prof. Dr. Erik Fischer
Mühlendamm 1
48167 Münster-Wolbeck

Bund der Danziger e. V.
Herrn Bundesvorsitzenden Marcel Pauls
Maria-Goeppert-Straße 3
23562 Lübeck

Danziger Paramentenschatz

Sehr geehrter Herr Präsident Dr. Fabritius,
sehr geehrter Herr Generalsekretär Halatsch,
im Anschluss an das Gespräch des Bundes der Vertriebenen mit dem Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland am 28. April 2023 hat Herr Präsident Dr. Anke mich als Vizepräsidentin des Kirchenamtes und Leiterin des Amtsbereichs der UEK gebeten, Ihnen das aktuelte Vorhaben zum ,,Danziger Paramentenschatz" zu erläutern. Dieser Bitte komme ich gern nach.
Ich hole ein wenig aus. Die Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK)ist als Rechtsnachfolgerin der früheren Evangelischen Kirche der Union (EKU) bzw. der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union (ApU) Eigentümerin der (vorwiegend liturgischen) Gegenstände, die aus den am Ende des Zweiten Weltkriegs untergegangenen deutschen Evangelischen Kirchengemeinden im heutigen Polen von Mitgliedern dieser Gemeinden auf ihrer Flucht nach Westen mitgenommen und auf diese Weise häufig vor Verlust und Zerstörung gerettet worden sind. Diese Gegenstände sind von der EKU erfasst und in regulären Verfahren entweder an Evangelische Kirchengemeinden in Deutschland zu kirchlichem Gebrauch ausgeliehen worden oder werden als Dauerleihgaben der EKU/UEK in Museen in Deutschland aufbewahrt und ausgestellt. Ersuchen des polnischen Staates zur „Rückführung" solcher Gegenstände nach Polen wurden seit Jahrzehnten (und werden grundsätzlich weiterhin) von der EKU/UEK abschlägig beschieden; dies wird zum einen mit den Eigentumsrechten begründet, die durch ein Urteil des Berliner Kammergerichts aus dem Jahr 1970 der EKU zugesprochen wurden, zum anderen mit dem Hinweis auf ausstehende zwischenstaatliche Gesamtregelungen zur Rückführung von Kulturgütern.
Allerdings wurden bereits in früheren Jahren in Einzelfällen Gegenstände - so ein Abendmahlskelch aus Jauer und einige historische Kirchenbücher aus Schweidnitz - an die betreffenden Kirchen, die heute zur Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen gehören, übergeben; dies war jeweils mit persönlichen Begegnungen der Beteiligten und mit gemeinsamen Gottesdiensten verbunden.
Auf Initiative des damaligen Bischofs der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Dr. Dr. h. c. Markus-Dröge, und auf Beschluss des Präsidiums der UEK nahm die UEK im Jahr 2018 über das Erzbistum Danzig Kontakt zur Marienkirche Danzig Kontakt auf, um wegen einer möglichen Rückkehr des von dort stammenden Dreifaltigkeitsaltars zu sondieren; dessen Retabel und Predella waren seit Jahrzehnten von der EKU/UEK an die Gemäldegalerie Berlin und an die St. Johannis-Kirchengemeinde Berlin Moabit ausgeliehen. Auf der Grundlage eines zwischen der UEK und der Marienkirche Danzig abgeschlossenen Schenkungsvertrages (und damit unter Anerkennung der vormaligen Eigentümerstellung der UEK) kehrte der Altar im März 2020 in seine Heimatkirche zurück. Aus Anlass einer Ökumenischen Vesper, die zum Trinitatisfest 2022 vom Erzbistum und der Marienkirche Danzig und von der UEK vor diesem Altar gemeinsam gefeiert wurde, wurde die Erarbeitung eines Letter of Intent zum ,,Danziger Paramentenschatz" in Aussicht genommen. In ihm sollte - analog zum beim Dreifaltigkeitsaltar gewählten Verfahren - vereinbart werden: (1) die förmliche Schenkung der aus der Marienkirche Danzig stammenden, von Mitgliedern der dortigen Evangelischen Kirchengemeinde gegen Kriegsende bei der Flucht in den Westen geretteten und seit Jahrzehnten in Museen in Lübeck und Nürnberg aufbewahrten Stücke des ,,Danziger Paramentenschatzes" von der UEK an die Marienkirche Danzig ; (2) ihre Rückkehr zur Marienkirche Danzig zu einem Zeitpunkt, zu dem sie dort museologisch adäquat aufbewahrt und ausgestellt werden können. Ein solcher ,,Letter of Intent" wurde am 8. Dezember 2022 in Hannover vom U EK-Vorsitzenden, Kirchenpräsident Dr. Dr. h. c. Volker Jung, vom Danziger Erzbischof Dr. Tadeusz Wojda und vom Pfarrer der Marienkirche Danzig, Prälat lreneusz Bradtke, unterzeichnet. Die Absichtserklärung sieht außer der Eigentumsübertragung durch Schenkung und der Rückkehr der Paramente nach Danzig vor, dass, wie es schon gegenwärtig der Fall ist, auch künftig in Lübeck und Nürnberg einzelne Paramente - dann als Leihgaben der Marienkirche Danzig- ausgestellt sein werden und dass ein gemeinsamer Fachbeirat die Umsetzung des Vorhabens begleitet.
Die auch künftige, dauerhafte Präsenz von Danziger Paramenten in Lübeck und Nürnberg soll gewährleisten, dass die dankbare Erinnerung an die Rettung des Danziger Paramentenschatzes vor Kriegsverlust und              -zerstörung durch die aus Danzig geflüchteten und vertriebenen Evangelischen weiterhin in Deutschland lebendig bleibt und gepflegt wird. Diese Erinnerung gehört aber- und das erscheint uns genauso wichtig- zu der Narration, die mit der Rückkehr der Paramente an ihren Ursprungsort, die Marienkirche Danzig, auch dort erzählt werden soll und erzählt werden wird: die Narration von einer gemeinsamen deutschen und polnischen, evangelischen und katholischen Geschichte an der Marienkirche Danzig, die zur Entwicklung einer gemeinsamen europäischen und ökumenischen Zukunftsperspektive herausfordert. Für diese heute mehr als in früheren Jahrzehnten mögliche Sicht, dass auf der Grundlage geschichtlicher Verbundenheit gemeinsame Verantwortung erwächst, muss, das ist der UEK sehr bewusst, auf beiden Seiten von Oder und Neiße geworben werden. Ich werde mich bei meinem Besuch in Danzig Anfang Juni, der wieder mit einem ökumenischen Gottesdienst verbunden sein wird, bei meinen dortigen Gesprächspartnern persönlich dafür einsetzen. Bitte betrachten Sie auch dieses Schreiben als Ausdruck meines Wunsches - und des Anliegens der UEK -, auch bei denen, für die die deutsch-polnische und die evangelisch-katholische Beziehung durch schmerzliche persönliche und familiäre Erinnerungen belastet ist, um Zustimmung zu dem Vorhaben, das ich Ihnen geschildert habe, zu werben.
In Gesprächen mit der Ev. Marienkirchengemeinde Lübeck und dem St. Annen-Museum Lübeck wurde schon einmal die Möglichkeit besprochen, zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung über das geschilderte Vorhaben in Lübeck einzuladen. Würden Sie eine solche Gelegenheit zum wechselseitigen Austausch befürworten und unterstützen?
Diese Frage richte ich auch an die Westpreußische Gesellschaft und den Bund der Danziger, denen ich dieses Schreiben ebenfalls zuleite und deren Vorsitzende, Herrn Prof. Dr. Erik Fischer und Herrn Marcel Pauls, ich in meine Grüße ausdrücklich einbeziehe.

Mit freundlichen Grüßen
Petra Bosse-Huber Bischöfin
Vizepräsidentin des Kirchenamtes der EKD
Leiterin des Amtsbereichs der UEK im Kirchenamt der EKD

 

Von: Jürgen Martens <dr.juergen-martens@t-online.de>
Gesendet: Sonntag, 14. Mai 2023 18:52
An: Evang, Martin <Martin.Evang@ekd.de>
Betreff: AW: Danziger Paramentenschatz im Lübecker St. Annen-Museum

Sehr geehrter Herr Dr. Evang,
vielen Dank für Ihre Rückäußerung. Sie sind dankenswerterweise der Einzige, der auf meine kritische Haltung überhaupt eingeht. Dennoch bin ich der Auffassung, daß wir keine weiteren Schreiben austauschen sollten. Es würde wahrscheinlich nur dazu führen, daß wir Argumente wiederholen. Für vielversprechender hielte ich ein Telefonat, in dem wir uns unvoreingenommen austauschen könnten. Sollten Sie meiner Anregung folgen wollen, erwarte ich in der kommenden Woche gern Ihren Anruf.
Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Martens

Zur Vorbereitung des Telefonats übersandte Dr. Evang am 19.05.2023 nachstehende Punktation:

Sehr geehrter Herr Dr. Martens,
zur Vorbereitung unseres Telefonats am Dienstag habe ich noch einmal die wesentlichen Einschätzungen und Motive zusammengestellt und verdeutlicht, die für das Vorhaben der Union Evangelischer Kirchen maßgeblich sind. Ergibt sich die „Enttäuschung“, mit der Sie das Schreiben von Bischöfin Bosse-Huber an den BdV gelesen haben, vielleicht daraus, dass hier zwei fundamental unterschiedliche Sichtweisen vorliegen – mit der Folge, dass die Argumente, die in der einen Sichtweise Plausibilität und Gewicht haben, in der anderen ohne großen Belang sind?
Ich freue mich, wenn Sie meine Ausführungen wohlwollend lesen, und wäre froh, wenn sie dazu beitrügen, dass Sie dem Vorhaben der UEK, auch wenn Sie es weiterhin nicht gutheißen mögen, doch Ihren Respekt nicht versagen.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Evang

  1. Die Initiative zu dem Projekt ging nicht vom polnischen Staat, sondern allein von der Union Evangelischer Kirchen (UEK) aus. Für die UEK kommt wie beim Dreifaltigkeitsaltar der Georgsbruderschaft ausschließlich die Kirche, also die Marienkirche und das Erzbistum Danzig, und nicht der polnische Staat als Partner in Betracht. Gleichwohl ist vor der Rückkehr des Dreifaltigkeitsaltars in die Marienkirche Danzig die Zustimmung zuständiger Stellen der deutschen Bundesregierung eingeholt worden und haben an den aus diesem Anlass stattfindenden Feierlichkeiten auch Vertreterinnen und Vertreter der deutschen und der polnischen Politik teilgenommen. Sodann zählt der „Letter of Intent“ zum Danziger Paramentenschatz zu den Aufgaben des gemeinsamen Fachbeirats ausdrücklich die Klärung politischer Fragen, die sich zu diesem Vorhaben stellen.
  2. Wie es beim Dreifaltigkeitsaltar der Fall war, sollen die Paramente in das Eigentum der Marienkirche Danzig übertragen werden, und zwar durch den Abschluss eines Schenkungsvertrages. Der entscheidende Punkt ist hier, dass die Empfängerin durch den Empfang einer Schenkung die vormalige Eigentümerstellung der UEK vorbehaltlos anerkennt. Die Empfängerin der Schenkung kann und muss keine Gegenleistungen erbringen. Allerdings wird die Schenkung an die Voraussetzung geknüpft sein, dass die Paramente in Danzig konservatorisch adäquat aufbewahrt und präsentiert werden.
  3. Wie beim Dreifaltigkeitsaltar ist bei den Paramenten nicht von einer Rückgabe, Rückführung oder Restitution die Rede, sondern von ihrer Rückkehr oder auch Heimkehr zur Marienkirche Danzig. Diese Sprachregelung hält den Gedanken fern, als seien die Paramente irgendwie unrechtmäßig von Danzig nach Lübeck und Nürnberg und ins Eigentum der UEK gelangt oder als würden sie auf irgendeine Forderung hin zurückerstattet. Sie stellt den Gedanken in den Mittelpunkt, dass die Paramente als historische Objekte und als kulturelles Erbe untrennbar mit der Marienkirche Danzig verbunden sind und zu ihr gehören.
  4. Der Dreifaltigkeitsaltar ist in die Marienkirche Danzig zurückgekehrt, die Paramente sollen zu ihr zurückkehren. Für ihre konservatorisch optimale Aufbewahrung und Ausstellung kommt die Marienkirche selbst als Gebäude nicht in Betracht. Vielmehr soll ein Museum bei der Marienkirche errichtet werden, das für die Erhaltung, weitere Erforschung und Präsentation der Paramente optimale Bedingungen bietet.
  5. Die Rückkehr der derzeit in Deutschland aufbewahrten Danziger Paramente erfolgt in der Perspektive, dass der gesamte Danziger Paramentenschatz, der 1944 auf Initiative von Oberkonsistorialrat Pfarrer Dr. Gerhard Gülzow durch Mitglieder der deutschen evangelischen Marienkirchengemeinde Danzig vor Verlust und Zerstörung gerettet worden ist und deshalb überhaupt noch existiert, wieder bei der Marienkirche Danzig zusammengeführt wird, also einschließlich der derzeit im Nationalmuseum Danzig aufbewahrten Teile. Hierfür kann die UEK Impulse geben und Unterstützung leisten; die Konkretisierung dieser Perspektive liegt bei den Danziger Partnern.
  6. Zur Bewahrung der Erinnerung an die geschilderte Rettung der Paramente und als weitere kulturelle Brücke zwischen Polen und Deutschland sollen im St. Annen-Museum in Lübeck und im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg weiterhin und dauerhaft einzelne Danziger Paramente ausgestellt werden.
  7. Die Begegnungen zwischen Vertretern der UEK und Vertretern des Erzbistums und der Marienkirche Danzig sowohl auf der Leitungs- als auch auf der Arbeitsebene wie auch in der Feier von Gottesdiensten haben die Einsicht reifen lassen, dass die Marienkirche Danzig auf herausragende Weise die geschichtliche Verbundenheit von Deutschen und Polen sowie zwischen römisch-katholischer und evangelischer Kirche symbolisiert, und zu dem beiderseitigen Entschluss geführt, wie schon zum Dreifaltigkeitsaltar nun auch zu den Danziger Paramenten eine gemeinsame Narration geschichtlicher Verbundenheit und gemeinsamer Zukunftsverantwortung zu entwickeln, wie sie den Prinzipien sowohl der Europäischen Union als auch der christlichen Ökumene entspricht.
  8. Den Partnern ist bewusst, dass eine solche Narration der Versöhnung sowohl in Deutschland als auch in Polen ernsten, aus den geschichtlichen Belastungen zwischen beiden Ländern und Konfessionen verständlichen Vorbehalten begegnet. Sie fühlen sich verpflichtet, diesen Vorbehalten mit Respekt zu begegnen und gleichwohl für die gemeinsam gewonnene Einsicht zu werben.

Das Telefonat fand am 23.05.2023 statt. Das Gesprächsergebnis  erhielt Dr. Evang zur Kenntnis. Er sandte es mit einigen Anmerkungen versehen zurück.

Telefonat mit OKR Dr. Martin Evang am 23.05.2023 von 16.30 -17.15 Uhr

Fazit:

  1. Das Gespräch fand in freundlicher Atmosphäre statt. Grundlage bildete die Punktation mit 8 Punkten entsprechend der Mail von Dr. E. vom 21.05.2023
  2. Festzuhalten ist, daß ein Dissens zwischen den Gesprächsteilnehmern weiterhin besteht und nicht ausgeräumt werden konnte. Dr. E. formulierte nochmals, daß die Initiative zu der Schenkungsabsicht der UEK/EKD von der deutschen Seite mit dem Ziel ausging, die ökumenische Zusammenarbeit zu stärken. Ich verwies darauf, daß diese Zusammenarbeit in der seelsorgerischen Betreuung der in Polen verbliebenen deutsch-evangelischen Christen seitens der EKD-Spitze nirgends sichtbar wird und wurde (Beispiele Masuren und in der Vergangenheit Siebenbürgen). Dies wurde nicht entkräftet, verwiesen wurde jedoch auf die Tätigkeit evangelischer Hilfsorganisationen. Da die Informationen vor Ort jedoch nicht hinreichen, können Hilfen kaum in Anspruch genommen werden.
  3. Dr. E. wies auf ein Begrüßungsstatement von Frau Präses Kurschus bei einem Besuch der Leitung des Eb Danzig hin. Sie habe eindrucksvoll das Vertreibungsschicksal ihres Vaters, eines gebürtigen Königsbergers, angesprochen. Folgerungen zog sie jedoch nicht daraus.
  4. Punkt 4 der Punktation nutzt den Begriff Rückkehr oder Heimkehr der Paramente zur Marienkirche Danzig. Diese Sprachregelegung hält den Gedanken fern, als seien die Paramente irgendwie unrechtsmäßig von Danzig nach Lübeck und Nürnberg und ins Eigentum der UEK gelangt […]. Für den Fall einer Neufassung der Punktation und Weitergabe an Dritte bat ich Dr. E. dringend, auf diesen Unrechtspassus in jedem Fall zu verzichten. Denn in der Rettungsaktion der Paramente durch Pastor Dr. Gülzow ist keine Unrechtsmäßigkeit zu erkennen. Vielmehr hat seine Großtat zum Erhalt und der Bewahrung von deutschem Kulturgut geführt. Dr. E. wird dieser Bitte entsprechen und mir seine Neufassung zur Kenntnis geben, bevor sie weitergeleitet wird.
  5. Ich erläuterte nochmals die Bedeutung der Bewahrung deutschen Kulturgutes in Deutschland. Zur Sprache kamen die deutsche Rechtsstadt Danzig, dem Wirken deutscher Kaufleute, Handwerker und Bürger, losgelöst von der slawischen Grod- und Burgsiedlung. Es waren Deutsche, die u. a. die Danziger Paramente schufen; es gibt keinen Grund, auch die Lübecker (und Nürnberger) Paramente an Polen zu verschenken, zumal sich bereits 186 Paramententeile aus der Rettungsaktion von Dr. Gülzow im Danziger Nationalmuseum befinden. Dr. E. konnte dies nicht entkräften, für ihn ist der ökumenische Aspekt maßgebend. Er machte allerdings auch deutlich, daß das katholische Erzbistum bei einer künftigen Präsentation der Lübecker Paramententeile auf die deutsche Herkunft und damit Geschichte der geistlichen Textilien sowie auf die deutsche evangelische Tradition Danzigs und seiner Marienkirche verweisen wird. Ich bezweifelte die Absicht grundsätzlich und machte dabei auch auf die deutsche Außenstelle des Westpreußischen Landesmuseums in Krockow aufmerksam, die vor dem Scheitern steht. Verantwortlich dafür ist sowohl die deutsche als auch die polnische Seite.
  6. Ich sprach die in den LN vom 5./6.12.2022 vermittelte Absicht des Lübecker Marienpastors Pfeiffer an, ein Treffen mit den Kritikern der Schenkungsabsicht der UEK/EKD zu organisieren. Die Reaktion von Dr. E. war sehr zurückhaltend. Ich schloß daraus, daß eine solche Begegnung in der Verantwortlichkeit von Pastor Pfeiffer nicht erfolgen wird. Dr. E. deutete jedoch an, daß es zu einer Begegnung von Kritikern und Befürwortern auf einer anderen Ebene kommen werde.
  7. Die Stellungnahme des für die Lübecker Museen verantwortlichen Dr. Tilmann v. Stockhausen, er sei grundsätzlich mit der Schenkungsaktion einverstanden, fand nach meiner Einschätzung nicht die ungeteilte Billigung durch Dr. E.
  8. Ich sprach die Möglichkeit eines Kompromisses an. Danach sollten die in Nürnberg befindlichen Paramente dort verbleiben. Sie sind integraler Bestandteil einer textilen Sammlung; außerdem ist das Germanische Nationalmuseum ein Hort deutschen Kulturgutes aller deutschen Regionen. Das deutsche Kulturgut aus Danzig dürfe aus der musealen Präsentation nicht entfernt werden. Darüber hinaus sollte mindestens die Hälfte der Lübecker Paramente im Eigentum der UEK/EKD verbleiben und dauerhaft im St. Annen-Museum gehütet/betreut und für die Öffentlichkeit präsentiert werden. Die anderen Teile des Paramentenschatzes könnten dann aus ökumenischen Erwägungen an die Danziger Marienkirche als Ursprungsort geschenkt werden. Voraussetzung dafür ist jedoch die noch zu schaffende räumliche Unterbringungsmöglichkeit bei der Danziger Marienkirche und damit auch eine sichere konservatorische Betreuung. Solange dies nicht gewährleistet ist, verbietet sich die Schenkungsaktion. Dr. E. sagte zu, diese und andere Erwägungen in die weiteren Erörterungen der EKD-Leitung einzubringen.
  9. Mein Gesamteindruck des Gesprächs mit Dr. E. ist, daß der Paramentenschatz des Lübecker St. Annen- Museums trotz aller Bemühungen der Kritiker der Aktion im Laufe der kommenden Jahre nach Danzig verschenkt wird

    gez. Jürgen Martens

Aus dem Telefonat mit Dr. Evang und der Punktation entstand die Erklärung zur beabsichtigten Rückkehr des Danziger Paramentenschatzes zur Marienkirche Danzig vom Mai 2023

Erklärung zur beabsichtigten Rückkehr des Danziger Paramentenschatzes zur Marienkirche Danzig

Die Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK), das Erzbistum Danzig und die Marienkirchengemeinde Danzig haben am 8. Dezember 2022 einen „Letter of Intent“ unterzeichnet. Er sieht vor, dass die Teile des sog. Danziger Paramentenschatzes, die sich im Eigentum der UEK befinden und in Lübeck und Nürnberg aufbewahrt werden, (1) in absehbarer Zeit in das Eigentum der Marienkirche Danzig übergehen und (2) zur Marienkirche Danzig zurückkehren, dass (3) einzelne Paramente weiterhin in Lübeck und Nürnberg ausgestellt werden und (4) ein gemeinsamer Fachbeirat berufen wird, der die Umsetzung des „Letter of Intent“ begleiten soll. Seither sind bei der UEK und bei der EKD eine Reihe kritischer Stellungnahmen zu diesem Projekt eingegangen. Mit der folgenden Erklärung möchte die UEK das Vorhaben noch eingehender erläutern, die Beweggründe verdeutlichen, Missverständnisse ausräumen und um Zustimmung werben.

  1. Die Initiative zu dem Projekt ging nicht von polnischer Seite, sondern allein von der UEK aus. Wie im Fall des Dreifaltigkeitsaltars der Georgsbruderschaft, der im März 2020 auf Initiative der UEK im Wege einer Schenkung aus Berlin in die Marienkirche Danzig zurückgekehrt ist, kommt auch jetzt für die UEK nur die Kirche, namentlich die Marienkirche und das Erzbistum Danzig, als Gegenüber auf polnischer Seite in Betracht. Gleichwohl ist vor der Rückkehr des Dreifaltigkeitsaltars in die Marienkirche Danzig die Zustimmung zuständiger Stellen der deutschen Bundesregierung eingeholt worden und  haben an den aus diesem Anlass stattfindenden Feierlichkeiten auch Vertreterinnen und Vertreter der deutschen und der polnischen Politik teilgenommen. Zudem wurde im „Letter  of Intent“ zum Danziger Paramentenschatz festgelegt, dass zu den Aufgaben des gemeinsamen Fachbeirats auch die Klärung politischer Fragen gehört, die sich bei diesem Vorhaben stellen.
  2. Wie es beim Dreifaltigkeitsaltar der Fall war, sollen die Paramente in das Eigentum der Marienkirche Danzig übergehen, und zwar durch den Abschluss eines Schenkungsvertrages. Der entscheidende Punkt ist hier, dass durch die Annahme der Schenkung die derzeitige Eigentümerstellung der UEK anerkannt wird. Eine Schenkung  bedarf ihrer Natur nach keiner Gegenleistung. Allerdings wird die Rückkehr der Paramente an die Bedingung geknüpft sein, dass sie in Danzig konservatorisch adäquat aufbewahrt und der Öffentlichkeit kontinuierlich präsentiert werden.
  3. Wie beim Dreifaltigkeitsaltar ist bei den Paramenten nicht von einer Rückgabe, Rückführung oder Restitution die Rede, sondern von ihrer Rückkehr oder auch Heimkehr zur Marienkirche Danzig. Diese Sprachregelung beugt der Spekulation vor, als seien die Paramente unrechtmäßig nach Lübeck bzw. Nürnberg und ins Eigentum der UEK, der Rechtsnachfolgerin der untergegangenen evangelischen Marienkirchengemeinde Danzig, gelangt oder als würden sie auf eine Forderung hin zurückerstattet. Sie stellt den Gedanken in den Mittelpunkt, dass die Paramente als historische Objekte und als kulturelles Erbe untrennbar mit der Marienkirche Danzig verbunden sind und dorthin zurückkommen.
  4. Der Dreifaltigkeitsaltar ist in die Marienkirche Danzig zurückgekehrt, die Paramente sollen zu ihr zurückkehren. Für ihre konservatorisch optimale dauerhafte Aufbewahrung und Ausstellung kommt die Marienkirche selbst als Gebäude nicht in Betracht. Vielmehr soll ein Museum bei der Marienkirche errichtet werden, das für die Erhaltung, weitere Erforschung und Präsentation der Paramente optimale Bedingungen bietet.
  5. Die Rückkehr der derzeit in Deutschland aufbewahrten Danziger Paramente erfolgt in der Erwartung, dass der gesamte Danziger Paramentenschatz, der 1944 auf Initiative von Oberkonsistorialrat Pfarrer Dr. Gerhard Gülzow durch Mitglieder der deutschen evangelischen Marienkirchengemeinde Danzig vor Verlust und Zerstörung gerettet wurde und nur deshalb überhaupt noch existiert, wieder bei der Marienkirche Danzig zusammengeführt wird – einschließlich der derzeit im Nationalmuseum Danzig aufbewahrten Teile. Hierfür kann die UEK Impulse geben und Unterstützung anbieten; die Konkretisierung dieser Perspektive liegt bei den Danziger Partnerinnen und Partnern.
  6. Zur Bewahrung der Erinnerung an die Rettung der Paramente und als dauerhafte kulturelle Brücke zwischen Polen und Deutschland sollen im St. Annen-Museum in Lübeck und im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg weiterhin einzelne Danziger Paramente, dann als Leihgaben der Marienkirche Danzig, ausgestellt werden. Die exemplarische Präsentation Danziger Paramente in Deutschland bleibt also gewahrt.
  7. Die Begegnungen zwischen der UEK und des Erzbistums und der Marienkirche Danzig haben sowohl auf der Leitungs- als auch auf der Arbeitsebene wie auch in der Feier von Gottesdiensten die Einsicht reifen lassen, dass die Marienkirche Danzig auf herausragende Weise die geschichtliche Verbundenheit von Deutschen und Polen sowie zwischen römisch-katholischer und evangelischer Kirche symbolisiert. Diese Einsicht hat zu dem beiderseitigen Entschluss geführt, eine Narration der Versöhnung zu entwickeln, die geschichtliche Verbundenheit und gemeinsame Zukunftsverantwortung verknüpft und darin den Prinzipien sowohl der Europäischen Union als auch der christlichen Ökumene folgt, denen sich die UEK verpflichtet weiß.
  8. Den Partnern ist bewusst, dass eine solche neue Erzählung und die sie begleitenden Zeichen der Versöhnung sowohl in Deutschland als auch in Polen ernsten Vorbehalten begegnen, die aus den geschichtlichen Belastungen zwischen beiden Ländern und Konfessionen herrühren. Sie fühlen sich verpflichtet, diesen Vorbehalten verständnisvoll  zu begegnen und gleichwohl für die gemeinsam gewonnene Einsicht zu werben.

Hannover, im Mai 2023
Petra Bosse-Huber Bischöfin
Vizepräsidentin des Kirchenamtes der EKD
Leiterin des Amtsbereichs der UEK

Schreiben Jürgen Martens an Bischöfin Kirsten Fehrs vom 22.05.2023

Frau
Bischöfin Kirsten Fehrs
Shanghaiallee 12
20457 Hamburg

Danziger Paramentenschatz im Lübecker St. Annen-Museum
Anlagen

Sehr geehrte Frau Bischöfin Fehrs,
als Bischöfin auch für den Kirchenkreis Lübeck-Lauenburg erlaube ich mir, mich um Hilfe bittend an Sie zu wenden.
Ihnen ist sicher nicht unbekannt, daß die UEK/EKD die vom letzten evangelischen Pastor an der seit 1525 evangelischen Marienkirche in Danzig, OKD Dr. Gerhard Gülzow, vor der Vernichtung durch die Rote Armee Ende 1944 mit getreuen Gemeindemitgliedern geretteten mittelalterlichen Paramente auf der Grundlage eines Letter of Intend vom 08.12.2022 an die heute katholische Danziger Marienkirche zu verschenken beabsichtigt. Gegen diese Absicht wenden sich einstige evangelische Christen der Marienkirche zu Danzig, deren Freunde und Unterstützer.
Ich bitte Sie von Herzen, unser Anliegen, den Verbleib des Lübecker Teils der Paramente im St. Annen-Museum sicherzustellen, mit Ihrem Einfluß in der evangelischen Kirchenleitung nachhaltig zu unterstützen (186 Paramententeile der von Pastor Gülzow vor der Vernichtung bewahrten liturgischen, unschätzbar wertvollen Textilien befinden sich seit 1961 aufgrund eines Übergabeakts der damaligen DDR-Regierung bereits im Danziger Nationalmuseum). Zu Ihrer Kenntnis füge ich mein Schreiben an Frau Präses Dr. h. c. A. Kurschus vom 02.02.2023 sowie eine Presseerklärung vom 28.03.2023 bei.
Mit Herrn Dr. Martin Evang, der meine Schreiben an die EKD-Leitung jeweils beantwortet hat, stehe ich in direktem Kontakt. Für den 23.05. haben wir u. a. ein (vielleicht) klärendes Telefonat vereinbart.
In der Hoffnung, daß meine Bitte um Unterstützung nicht vergeblich ist, verbleibe ich mit freundlichen Grüßen
gez. Jürgen Martens

Im Auftrag von Bischöfin Fehrs erteilte mir Dr. Martin Evang (EKD) am 16.09.2023 nachstehende Antwort auf mein Schreiben vom 22.05.2023:

Sehr geehrter, lieber Herr Dr. Martens,
Ihr Schreiben an Bischöfin Fehrs vom 22. Mai 2023 ist dort eingegangen, von ihr persönlich und von einer Reihe weiterer dortiger Mitarbeiter abgezeichnet, dann über das Büro des Rates der EKD und über das der Leiterin des Amtsbereichs der UEK im Kirchenamt der EKD, Bischöfin Bosse-Huber, mir mit der Bitte um Beantwortung zugeleitet worden. Ich teile Ihnen das detailliert mit, sodass Sie nachvollziehen können, dass Ihr Anliegen und das Ihrer Mitstreiter wahrgenommen und dass es dann der für die Bearbeitung zuständigen Stelle – in diesem Falle mir – zur abschließenden Bearbeitung zugeleitet wird.
Es ist ja seither einige Zeit vergangen, u.a. mit der Berufung des Fachbeirats, der seine Arbeit aufgenommen hat, und mit der Ökumenischen Vesper und der Eröffnung der Ausstellung zu den Danziger Paramenten in der Marienkirche Danzig. Sodann fördern die Evangelische Kirche in Deutschland (UEK) und die Union Evangelischer Kirchen (UEK) die Publikation der Dokumentation der Tagung der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen vom Oktober 2022 zum Danziger Paramentenschatz.
Im zeitlichen Zusammenhang mit der nächsten Arbeitssitzung des Fachbeirats am 07.-08.12.2023 in Lübeck soll – voraussichtlich gemeinsam mit der dortigen Stiftung Haus Hansestadt Danzig – zu einer Veranstaltung eingeladen werden, bei der ein Austausch über die Gründe stattfinden soll, die die UEK zu ihrem Vorhaben und die Kritiker zu ihrem Widerspruch bewogen haben. Darüber erhalten Sie zu gegebener Zeit weitere Nachricht.
Ich grüße Sie herzlich ins rheinische Königswinter – mit den besten Wünschen für Ihr Wohlergehen,
Ihr Martin Evang

Henriette Piper im Rundbrief GeO 2/2023, pp. 21-23

Im Rundbrief der Gemeinschaft evangelischer Ostpreußen veröffentlichte Henriette Piper einen informativen Beitrag zu dem Danziger Paramentenschatz unter dem Titel “Der Danziger Paramentenschatz kehrt zurück” war die Pressemitteilung der ekd überschrieben, die am 9.12.2022 bekannt gab:

Bitte nachstehenden Link anklicken; den Beitrag finden Sie auf den Seiten 21-23

2903_GEO-Rundbrief_02-23_LR (2)

Bischöfin Petra Bosse-Huber

Begrüßungsworte in der Erzbischöflichen Residenz Danzig-Oliva am 02.06.2023

Exzellenz, sehr geehrter Herr Erzbischof Wojda,
sehr geehrter Herr Prälat Bradtke,
sehr geehrte Mitglieder des gemeinsamen Fachbeirats,
sehr geehrte Damen und Herren!

Haben Sie herzlichen Dank, Exzellenz; für die warmherzigen Worte der Begrüßung. Sie schaffen wieder die Atmosphäre, in der wir uns vor einem halben Jahr in Hannover erstmals begegnet sind. In dem Bewußtsein, einen historischen Schritt zu tun, haben Sie für das Erzbistum Danzig, Sie, Prälat Bradtke, für die Marienkirche Danzig und haben Kirchenpräsident Jung und ich für die UEK den „Letter of Intent" zum Danziger Paramentenschatz unterzeichnet. Von Kirchenpräsident Jung und dem ganzen Präsidium der UEK richte ich Ihnen herzliche Grüße aus. In der nächsten Sitzung des Präsidiums der UEK werde ich über diese Tage in Danzig berichten.
Wir haben uns etwas Großes vorgenommen. Die Danziger Paramente, die gegen Ende des 2. Weltkrieges vor Verlust und Zerstörung bewahrt wurden, sollen aus Lübeck und Nürnberg zur Marienkirche Danzig heimkehren. Sie sollen der heute römisch-katholischen Marienkirchengemeinde übereignet und in einem angemessenen Museum bei der Marienkirche gehütet und gezeigt werden. Dabei soll die gemeinsame evangelisch-katholische, polnisch-deutsche Geschichte der Danziger Paramente seit dem späten Mittelalter bis in die Gegenwart neu erzählt werden. Wir haben uns wirklich etwas Großes vorgenommen. Im Namen der Evangelischen Kirche in Deutschland und ihrer Ratsvorsitzenden, Präses Kurschus, die in Hannover ebenfalls zugegen war, darf ich hier erklären: Wir haben uns dazu aus vollem Herzen entschlossen, mit der Gewißheit, einen richtigen und wichtigen Weg zu gehen.
In Deutschland und auch in unseren Gemeinden gibt es Menschen, die die Rückkehr der Paramente nach Danzig kritisch sehen. Wir versuchen nach Kräften, die Beweggründe und Ziele unseres Vorhabens zu erläutern. Ich glaube, dass wir mit unserer Überzeugungsarbeit auf einem guten Weg sind. Ich bitte Sie, unsere Partner in Danzig und in ganz Polen, darauf zu vertrauen, dass die in unserem Letter of Intent dokumentierte Absicht unumstößlich gilt und wir sie umsetzen werden. Ich bitte Sie aber auch um Verständnis, dass unser gemeinsames Vorhaben seine Zeit braucht, um seine ganze geschichtliche Bedeutung entfalten zu können.

Ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie zugestimmt haben, dass auch künftig einzelne Paramente in einem konservatorisch vertretbaren Wechsel weiterhin in Lübeck und in Nürnberg ausgestellt werden sollen. Frau Dr. Täube vom St. Annen-Museum hat diesen Gedanken entwickelt und von einer „kulturellen Brücke" zwischen Lübeck und Danzig, zwischen Deutschland und Polen gesprochen. Für die Menschen, die der Verlust ihrer Danziger und westpommerschen Heimat, den ihre Familien erlitten haben, auch heute noch schmerzt, kann die exemplarische Präsenz einzelner Paramente in ihrer neuen Heimat Lübeck ein Trost sein ich wähle bewußt die seelsorgliche Kategorie „Trost“. Und als Bischöfin, die besonders für die ökumenischen Beziehungen der EKD zuständig ist, trete ich dafür ein, dass sich die freundschaftlichen und geistlichen Beziehungen zwischen den Marienkirchengemeinden Danzig und Lübeck, der Gemeinde der St. Johanniskirche Berlin und der UEK weiter vertiefen.
Ein letzter, aber wichtiger Gedanke. Der größere Teil der aus Danzig geretteten Paramente ist seinerzeit nach Thüringen gelangt und befand sich ebenfalls in der Obhut der Evangelischen Kirche.
Diese ca. 180 Stücke sind 1961 von staatlichen Behörden beschlagnahmt und an Polen übergeben worden. Sie befinden sich heute im Nationalmuseum in Danzig. Als UEK hegen wir die große Hoffnung, dass auch diese Stücke zur Marienkirche zurückfinden, so dass der ganze erhaltene Danziger Paramentenschatz wieder unter einem Dach vereinigt wird und weit über Danzig hinaus ausstrahlt.
Mit diesem Wunsch und in dieser Perspektive danke ich Ihnen, den polnischen und den deutschen Frauen und Männern, die in den Fachbeirat berufen werden, für ihre Bereitschaft, sich in diesem großen Projekt zu engagieren, und erbitte für Ihre Arbeit Gottes Segen.

Der Begrüßungstext von Bischöfin Bosse-Huber wurde mir mit weiteren Unterlagen am 8. Juni von OKR Dr. M. Evang übermittelt. Ich antwortete darauf nachstehend am 11. Juni:

Lieber Herr Dr. Evang,

haben Sie herzlichen Dank für die Zusendung der Broschüre Schätze der Marienkirche. Mittelalterliche Textilien. Daß sie anläßlich des Treffens und gemeinsamen Gebets bei der ökumenischen Vesper und der zeitgleichen Eröffnung der Fotoausstellung in der Marienkirche zu Danzig erschienen ist, unterstreicht die Bedeutung, die die UEK/EKD dem Paramentenschatz zumißt. Ich danke Ihnen auch, daß Sie mir das Grußwort von Frau Bischöfin Bosse-Huber wie auch Ihre Begrüßungsworte aus Anlaß der Eröffnung der Fotoausstellung zur Kenntnis gegeben haben.
Ich bedauere allerdings von Herzen, daß wir in der Frage des in Lübeck befindlichen Teils des Paramentenschatzes keine Übereinstimmung finden.
Die Kirchenleitung der EKD hat sich nach 78 Jahren dazu entschieden, den von den evangelischen – deutschen – Gläubigen in der Danziger Marienkirche gehüteten mittelalterlichen Paramentenschatz an die heute katholische Gemeinde und an das Erzbistum Danzig zu schenken; die EKD spricht von heimkehren, dies ist es jedoch keineswegs. Ich darf daran erinnern, daß die Danziger Marienkirche seit 1523 bis Ende 1944 - etwas 421 Jahre - den evangelischen deutschen Bürgern Danzigs als Gotteshaus diente. Die EKD ist treuhänderisch Eigentümerin des Paramentenschatzes, gleichwohl hat sie – wozu sie verpflichtet wäre - weder die geflohenen und vertriebenen Danziger bzw. ihre Nachfahren um Zustimmung zu ihrer Geschenkaktion ersucht, noch hat sie sich um die zahlreichen, ihr zugegangenen Einsprüche gesorgt.
Der gesamte Vorgang des kirchlichen Umgangs mit aus dem Osten des untergegangenen Deutschen Reiches gerettetem Kulturgut ist ein Trauerspiel!
Schauen Sie auf den Begrüßungstext, den Frau Bischöfin Bosse-Huber in Oliva am 2. Juni gesprochen hat. Sie erwähnt die Menschen in Deutschland, die einer Rückkehr der Paramente nach Danzig kritisch gegenüberstehen. Ihnen sollen nach Kräften die Beweggründe und Ziele Ihres Vorhabens erläutert werden. Das ist bisher in keiner Weise geschehen.
Eines Ihrer Ziele ist, die gemeinsame evangelische-katholische, polnisch-deutsche Geschichte der Danziger Paramente seit dem späten Mittelalter bis in die Gegenwart neu zu erzählen. Wie soll das Neuerzählen aussehen, da doch auf keine gemeinsame evangelische-katholische, polnisch-deutsche Geschichte der Danziger Paramente in dieser plakativen Formulierung zurückgegriffen werden kann? In dem nunmehr berufenen Expertengremium gibt es keinen ausgewiesen Historiker; damit dürfte die Neuerzählung der Geschichte nach dem Muster erfolgen, wie sie Bischöfin Bosse-Huber vorgibt, wenn sie von dem Verlust ihrer [i. e. geflohene und Vertriebene Danziger und auch Westpreußen] Danziger und westpommerschen Heimat spricht. Diese Darstellung ist historisch falsch! Westpommern ist die polnische Terminologie, deutscherseits wird für diese geographische Region die Terminologie Westpreußen oder in diesem Fall Pommerellen (oder nördliche Kaschubei bzw. Korridor [seit 1920]) verwendet (ich darf auf den beigefügten Kartenauszug hinweisen). Wenn in Deutschland Pommern genannt wird, ist damit die historische deutsche Reichsprovinz gemeint, die unmittelbar westlich an dem zu Westpreußen gehörenden Zarnowitzer See grenzt.
Meine nochmalige Bitte an Sie: Verschenken Sie seitens der EKD nicht den gesamten, im Lübecker St. Annen- Museum bewahrten Paramentenschatz. Finden Sie Kompromißlösungen – eine davon hat Jörg Pekrul vorgezeichnet -, die einerseits den ökumenischen Weg weiterschreiten, aber daneben unmißverständlich die deutsche Vergangenheit Danzigs und der Marienkirche sowie der deutschen Kulturgüter vor Augen haben. Sprechen Sie bitte zudem bei Ihrem Vorhaben nicht fälschlich von Heimkehr oder Rückkehr der Paramente in die heute polnische Marienkirche. Es handelt sich um eine Geschenkaktion im Verantwortungsbereich der UEK/EKD.

Einen herzlichen Gruß nach Hannover
(gez.) Ihr Jürgen Martens

Bischöfin Petra Bosse-Huber

Predigt zu Jesaja 6,1-8 in der Ökumenischen Vesper am Vorabend des 
Trinitatisfestes, 3. Juni 2023, in der Marienkirche Danzig 

1 In dem Jahr, als der König Usija starb, sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron und sein Saum füllte den Tempel. 2 Serafim standen über ihm;  ein jeder hatte sechs Flügel: Mit zweien deckten sie ihr Antlitz, mit zweien deckten  sie ihre Füße und mit zweien flogen sie. 3 Und einer rief zum andern und sprach:  Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! 4 Und die Schwellen bebten von der Stimme ihres Rufens und das Haus ward voll Rauch. 5 Da sprach ich: Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter  einem Volk von unreinen Lippen; denn ich habe den König, den HERRN Zebaoth,  gesehen mit meinen Augen. 6 Da flog einer der Serafim zu mir und hatte eine  glühende Kohle in der Hand, die er mit der Zange vom Altar nahm, 7 und rührte  meinen Mund an und sprach: Siehe, hiermit sind deine Lippen berührt, dass deine  Schuld von dir genommen werde und deine Sünde gesühnt sei. 8 Und ich hörte die
Stimme des Herrn, wie er sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich  aber sprach: Hier bin ich, sende mich!

 „… sein Saum füllte den Tempel.“
 
Verehrte Schwestern und Brüder, liebe Gemeinde!
 Die Lesung aus dem Buch des Jesaja zieht uns hinein in das Geschehen, das ihn  zum Propheten gemacht hat. Er betritt den Tempel – und sieht und hört auf einmal  mehr, als eigentlich zu sehen und zu hören ist.
 
Mit ihm betreten wir diesen Tempel, sehen seine Höhe und Weite, sein Licht und  seinen Glanz. Wir hören den grandiosen Klang, zu dem sich hier das gesprochene  Wort und der Gesang entfalten. Und sehen mehr, als zu sehen ist: „den Herrn auf  einem hohen und erhabenen Thron, und sein Saum füllte den Tempel.“ Und hören  mehr, als zu hören ist: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind  seiner Ehre voll.“ Und riechen sogar mehr, als zu riechen ist: „Das Haus war voll 
Rauch.“ 

Beißender Rauch erfüllte auch diesen Tempel, als er vor 78 Jahren mit der Stadt Danzig in Brand geschossen wurde. Dieser Altar der Heiligen Dreifaltigkeit – „Heilig,  heilig, heilig!“ – verbrannte nicht mit, Gott sei Dank! Der Schatz der Paramente – „sein Saum füllte den Tempel“ – verbrannte auch nicht mit, Gott sei Dank! Diese  kunstvollen irdischen Zeichen der göttlichen Heiligkeit blieben erhalten, und sie  kehren wohlbehalten zu diesem Tempel zurück: der Altar vor drei Jahren, die  liturgischen Gewänder demnächst.
 
Unsere fernen Mütter und Väter haben diese unermesslich kostbaren irdischen  Schätze geschaffen und gestiftet und uns hinterlassen – Zeichen, die uns noch mehr  als ihre künstlerische Pracht sehen lassen wollen. Sie geben uns, wie einst Jesaja,  die Wirklichkeit Gottes zu spüren. Vor diesem Gott werden wir klein: „Weh mir, ich  vergehe!“ Doch dieser Gott macht uns groß, indem er uns die Sünde vergibt und  einen Auftrag erteilt: „Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Herr, sende mich!“ 

Herr, sende uns! Heilige uns an Herzen und Lippen! Wir bezeugen: In den  Gewändern sehen wir mit Jesaja den Saum von Gottes Gewand: „… sein Saum füllte  den Tempel.“ Mit Jesaja von Schuld und Sünde befreit, treten wir ein in den Dienst  der Versöhnung. „Alle Lande – einschließlich Polen und Deutschland – „sind seiner  Ehre voll.“

Bemerkung zu dieser Predigt:

Sie erstaunt - gelinde gesagt. Denn es wird zwar von Versöhnung gesprochen und davon , daß der Schatz der Paramente – „sein Saum füllte den Tempel“ – verbrannte auch nicht mit, Gott sei Dank! Diese  kunstvollen irdischen Zeichen der göttlichen Heiligkeit blieben erhalten, und sie  kehren wohlbehalten zu diesem Tempel zurück.
Kein Wort zu den historischen Fakten, davon daß die Paramente bis Ende 1944 immer zu der sakralen Ausstattung der deutschen evangelischen Gemeinde ihrer deutschen Marienkirche in Danzig gehörten. Kein Wort zu der Rettungstat des letzten evangelischen Pastors an St. Marien, OKR Dr. Gerhard Gülzow. Kennt man die Fakten bei der EKD nicht, oder aber verschweigt man sie bewußt, um bei den polnischen Partnern   “gut” anzukommen?
Dem Kommentar eines Lesers der Predigt von Bischöfin Bosse-Huber darf man vorbehaltlos zustimmen:
Der selektiven Wahrnehmung und Selbstgefälligkeit von Frau Landesbischöfin Bosse-Huber möchte man das Dictum von Johannes dem Täufer entgegenschleudern: ihr Otterngezücht! (Lukas 3,7)

Presseerklärung der UEK/EKD vom 5. Juni 2023

Heimkehr der Paramente nach Danzig: Expertengremium berufen

In Danzig konstituierte sich am Wochenende der gemeinsame Beirat, der die Rückkehr des Danziger Paramentenschatzes zur Marienkirche Danzig fachlich begleiten soll. Im Dezember 2022 hatten die Spitzenvertreter der UEK sowie der Erzdiözese und der Marienkirche Danzig in einem „Letter of Intent“ die Absicht bekundet, dass in den nächsten Jahren die spätmittelalterlichen liturgischen Gewänder, die gegen Kriegsende vor Verlust und Zerstörung gerettet worden waren und seitdem in Lübeck aufbewahrt werden, ins Eigentum und in die Obhut der Marienkirche Danzig übertragen werden sollen. In einer feierlichen Zeremonie in der Bischofsresidenz Danzig-Oliva überreichten Erzbischof Wojda und Bischöfin Bosse-Huber die Ernennungsurkunden, u. a. an die Leiterin des St. Annen-Museums Lübeck, Dr. Dagmar Täube, die Krakauer Textilrestauratorin Dr. Natalia Krupa und die beiden Kunsthistoriker Prof. Dr. Tomasz Torbus (Danzig) und Prof. Dr. Gerhard Weilandt (Greifswald).
In Ihrer Ansprache ging Bischöfin Bosse-Huber darauf ein, dass in Lübeck und Nürnberg auch künftig Danziger Paramente ausgestellt werden sollen: „Für die Menschen, die der Verlust ihrer Danziger und westpommerschen Heimat, den ihre Familien erlitten haben, auch heute noch schmerzt, kann die exemplarische Präsenz einzelner Paramente in ihrer neuen Heimat Lübeck ein Trost sein – ich wähle bewusst die seelsorgliche Kategorie Trost.“

Aus Anlass der Berufung des Beirats wurde in der Marienkirche Danzig bei dem Altar der Heiligen Dreifaltigkeit, der vor drei Jahren von Berlin dorthin zurückgekehrt war, eine ökumenische Vesper gefeiert, in der Bischöfin Bosse-Huber die Predigt hielt: „Unsere fernen Mütter und Väter haben diese unermesslich kostbaren irdischen Schätze geschaffen und gestiftet und uns hinterlassen – Zeichen, die uns noch mehr als ihre künstlerische Pracht sehen lassen wollen. Sie geben uns die geheimnisvolle Wirklichkeit Gottes selbst zu spüren.“
In der Marienkirche wurde auch eine Ausstellung mit Bildtafeln der Paramente eröffnet: „Sie wecken Vorfreude, dass sämtliche erhaltenen Paramente an dem Ort, für den sie gestiftet und an dem sie gebraucht wurden, wieder unter einem Dach zusammenfinden“, sagte Pfarrer i. R. Evang (UEK), der die Ausstellung zusammen mit Prälat Bradtke von der Marienkirche Danzig eröffnete.

Hannover, 5. Juni 2023
Pressestelle der UEK

Schreiben an Frau Landesbischöfin Kühnbaum-Schmidt vom 05.07.2923 (Martens)
- Dieses Schreiben wurde bis zum 17.09. nicht beantwortet!

Frau Landesbischöfin
Kristina Kühnbaum-Schmidt
Münzstraße 8-10
19055 Schwerin

 

Danziger Paramentenschatz im Lübecker St. Annen-Museum
Anlagen:

  • Mein Schreiben an Frau Präses Dr. h. c. Kurschus vom 02.02.2023
  • Pressemitteilung der LM Westpreußen/Berlin vom 28.03.2023
  • Mein Schreiben an Frau Bischöfin K. Fehrs vom 22.05.2023
  • GeO-Rundbrief (Gemeinschaft evangelischer Ostpreußen e. V.) 2/2023

Sehr geehrte Frau Bischöfin Kühnbaum-Schmidt,
Ihnen ist die Auseinandersetzung, die Freunde und ich mit der Leitung der
EKD in Hannover wegen ihrer Absicht führen, beschrieben im sog. Letter of Intent vom 9. Dezember 2022, den in Lübeck bewahrten Danziger Paramentenschatz nach Danzig zu verschenken, sicher nicht unbekannt. Der letzte an St. Marien tätige evangelische Pastor, Oberkonsistorialrat Dr. Gerhard Gülzow, hatte Ende 1944 unschätzbar wertvolle mittelalterliche Paramente aus seiner Danziger Marienkirche vor der Roten Armee zunächst nach Thüringen retten können. Den größeren Teil des Paramentenschatzes lieferte 1961 die DDR-Regierung nach Polen aus; den Restbestand von 103 Teilen führte Dr. Gülzow 1964 in Lübeck zusammen. Seit 1990 werden die Paramente im Lübecker St. Annen-Museum konservatorisch betreut und z. T. ausgestellt. Nun soll der Paramentenschatz wieder heimkehren, wie Bischöfin Bosse-Huber am 2. Juni in einer Ansprache im erzbischöflichen Palais in Oliva ausführte. Die noch lebenden deutschen und evangelischen Danziger wie auch Westpreußen wurden nicht um Zustimmung ersucht, sie erfuhren von dem Deal ihrer evangelischen Kirche – wenn überhaupt – aus der Presse.
Der Anlaß meines Schreibens ist: Setzen Sie sich bitte als Landesbischöfin der Nordelbischen Evangelischen Kirche mit Ihrem Einfluß in der Kirchenleitung der EKD dafür ein, daß die Schenkungsabsicht von Präses Dr. h. c. Kurschus und Bischöfin Bosse-Huber sowie weiterer Persönlichkeiten mit Spitzenfunktionen in der EKD nicht realisiert wird. Der einmalige, von den deutschen Bürgern Danzigs geschaffene, über Jahrhunderte bewahrte und behütete Kirchenschatz muß in Deutschland verbleiben. Er sollte das Lübecker St. Annen-Museum nicht verlassen. Es gibt vielfältige andere Möglichkeiten der evangelischen Kirche, mit der polnischen katholischen Kirche brüderlich und harmonisch zusammenzuarbeiten.
Mit der Bitte um freundliche Kenntnisnahme verweise ich auf meine beigefügten Anlagen. Insbesondere möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf den Beitrag Danziger Paramentenschatz kehrt zurück von Henriette Piper im beigefügten GeO-Rundbrief (pp. 21-23) lenken. Sie beschreibt die Rettung von Kirchenschätzen aus der Löbenichter Kirche (Königsberg/Pr.) durch ihren Großvater Pastor Hugo Link; sie sind heute zu sehen im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg. Darüber hinaus möchte ich auf meine Website www.ostdeutsche-museen.de aufmerksam machen. Auf der Navigationsleiste Paramente Marienkirche ist der gesamte bisher mit der EKD, Verbänden und Politik geführte Schriftwechsel nachvollziehbar. Auch die Meinungen zahlreicher Privatpersonen in der bei www.openpetition.de eingerichteten Petition Verbleib des 1944 geretteten Danziger Paramentenschatzes im Lübecker St. Annen-Museum lassen sich dort nachverfolgen!
Der Frust gegenüber unserer Kirche, der zu immer mehr und folgenreichen Austritten aus der evangelisch- lutherischen Glaubensgemeinschaft führt, ist auch in diesen Meinungsäußerungen spür- und greifbar.
Die Freunde des Danziger Paramentenschatzes werden Ihnen für Ihre Unterstützung des Anliegens, diesen Kirchenschatz in Deutschland zu bewahren, sehr, sehr dankbar sein.
Mit freundlichen Grüßen
gez. Jürgen Martens

HEIMAT - nur ein Gefühl!?

Das wünscht sich wohl so manche Politikerin, mancher Politiker und Menschen, die dem oberflächlichen Zeitgeist huldigen. Wenn man Aussagen hört, wie unlängst bei einem Vortrag in Hannover1 von einem für seine Verdienste ausgezeichneten Journalisten geäußert, „. . . Heimat wird mit jedem Menschen neu geboren. Sie ist nichts, was unweigerlich vererbt wird“, dann stockt einem der Atem. Das würde alle über Jahrtausende gewachsenen (Hoch-)Kulturen, für die wir uns einsetzen, ad absurdum führen. In anderen Ländern verweisen wir ganz schnell auf Minderheitenrechte und Schutz von deren Kulturgut. Nur in unserem Lande wird gegensätzlich entschieden und gehandelt. Wie anders soll man es verstehen, wenn das historische Schlesien, Ost-/Westpreußen, (Hinter-)Pommern, das Sudetenland etc., auch über etwa neunhundert Jahre gewachsen, auf das Thema Flucht und Vertreibung reduziert werden?
Für die natürlich wir – die Deutschen – ausschließlich und generationsübergreifend verantwortlich sein sollen. Und um der moralischen Rechtfertigung gleich noch einen Gegenwartsvergleich beizufügen, wird die Integration der mehr als 12 Mio. deutschen Heimatvertriebenen nach 1945 als erfolgreiche Migrationsgeschichte dargestellt. Zur Erinnerung, Migration2 ist eine freiwillige Verlegung des Lebensmittelpunktes über größere Entfernungen und Landesgrenzen hinweg. Damit ist der Schritt nicht weit, die im Riesengebirgsmuseum Hirschberg (Jelenia Góra) auf fünf Zeilen beschränkte Flucht- und Vertreibungsdarstellung der deutschen Bevölkerung als Völkerwanderung zu deklassieren und dies mit Verweis auf eine beispielhafte Ausstellung und Zusammenarbeit mit dem SMG3 von deutscher Seite unwidersprochen zu legitimieren.
Offiziell wird gerne auf die Leistungen nach § 96 BVFG verwiesen. Nur faktisch stehen die deutschen Heimatvertriebenen auf einem Abstellgleis mit den bekannten Auswirkungen. Mit ihrem Kulturgut rühmt man sich zwar gerne, vor allem nach wissenschaftlichen Aspekten, aber die Menschen bleiben auf der Strecke. Insbesondere wenn es um die ostdeutschen Heimatstuben und deren Bestände geht. Von den aufgestockten 2,39 Milliarden Euro, die der diesjährige Gesamtetat der Bundesregierung für Kultur und Medien (Claudia Roth MdB) beträgt, flossen 2020 lediglich 1,3% in die Verwendung für § 96 BVFG. Die Fördermittel für die ostdeutschen Landesmuseen stagnieren seit Jahren. Im Gegenteil, u. a. beim SMG wurden sie massiv gekürzt4, wodurch ein Ankauf von Exponaten nicht mehr möglich ist. Der verfügbare Etat des Kulturreferates für Schlesien5 weist für 2022 und 2023 jeweils etwa 20.000 Euro aus.
Demzufolge kann nachvollzogen werden, dass die Förderung von nach 1945 entstandenen Heimatvereinigungen in der politischen Landschaft nahezu jedwede Bedeutung verloren hat. Gerne argumentiert man mit fehlendem Interesse der Nachgeborenen. Nur wie soll Interesse entstehen, wenn die ostdeutsche Kulturgeschichte in den Schulen nicht mehr oder nur noch rudimentär6 vermittelt wird? Und das Erinnern zum rückwärtsgewandten, oft rechts verorteten Gedankengut stigmatisiert wird!
Veranschaulicht man sich die in Berlin im Juni 2021 eröffnete Dauerausstellung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“, wird deutlich, dass die deutschen Vertriebenen nur noch zur Legitimierung derzeitiger Migrationsbewegungen genügen.
Es muss in aller Deutlichkeit gesagt werden, die Vertreibung als Folge des zweiten Weltkrieges war ein Kriegsverbrechen u .a. an den ostdeutschen Volksstämmen. Keinesfalls war es eine Migration und weniger noch eine Völkerwanderung. Eine Grundforderung von § 96 BVFG ist, deren Kultur(gut) umfassend zu schützen, zu fördern und in Deutschland zu erhalten. Einer dauerhaften Verbringung ins Ausland – wie aktuell im Fall der „Danziger Paramente“7 vorgesehen – gilt es entgegenzuwirken. Dabei noch von einer Rückführung zu sprechen, ist Hohn, denn es waren deutsche Danziger, die die wertvollen Paramente aus der von ihnen vor Jahrhunderten gebauten Marienkirche vor der Zerstörung durch Russen gerettet haben. „Aus dem Auge, aus dem Sinn und es kostet nichts mehr“, so ließe sich dieses leidige Kapitel des Umgangs mit deutschem Kulturgut überschreiben.
Der Verfasser dieser Zeilen weiß, wovon er spricht, der jahrelange Versuch, die museale Sammlung einschließlich der Archivalien einer schlesischen Heimatstube8 mit 70-jähriger Historie und 770-jähriger Stadtgeschichte in eine deutsche Museumsinstitution mit entsprechender Präsentation zu überführen, kann als gescheitert betrachtet werden.
Heimat – nur ein Gefühl. Das kann heute so, morgen anders und plötzlich auch gänzlich weg sein. Welche Aussage in einer pluralistischen Gesellschaft, die sich in der Welt Beispielhaftigkeit anmaßt. Hut ab vor dem gelebten Nationalbewusstsein unserer osteuropäischen EU-Nachbarn.

Thomas Kinzel, Werder (Havel)

1 Zeitschrift Heimatland (Heimatbund Niedersachsen), Heft 3/Juli 2023
2
http://www.bpb.de/themen/migration-integration/dossier-migration/504450/was-ist-migration
3 Schlesisches Museum zu Görlitz
4 Minus 14,2% 2022 gegenüber 2021
5 Lt. Auskunft Bundesministerium für Kultur und Medien
6
http://deutsches-schulportal.de/kolumnen/kreidestaub-geschichtsunterricht-die-welt-retten-in-nur-45-minuten
7 http://www.openpetition.de/petition/online/verbleib-des-1944-geretteten-danziger-paramentenschatzes-im-luebecker-st-annen-museum
8 Glogauer Heimatbund e.V., Hannover

Nachstehend der Beitrag zum Danziger Paramentenschatz im Bundesorgan der Westpreußischen Gesellschaft Der Westpreuße/Unser Danzig 2/2023, pp 42-44

»RÜCKKEHR« - NICHT: »RÜCKGABE«
Zur DISKUSSION um den Danziger Paramentenschatz

Von Tilman Asmus Fischer

Am 8.Dezember 2022 hatten die Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK), das Erzbistum Danzig und die Gemeinde der Danziger Marienkirche in Hannover einen Letter of Intent unterzeichnet, dessen Inhalt nach Bekanntwerden durch eine offizielle Pressemitteilung zu anhaltenden kontroversen Diskussionen geführt hat: Die im Besitz der UEK befindlichen Stücke des Danziger Paramentenschatzes sollen durch Schenkung in den Besitz der Marienkirche übergehen. Parallel zur - teils mit verbitterten Stellungnahmen geführten - öffentlichen Debatte kam es inzwischen zu konstruktiven Gesprächen zwischen der UEK bzw. EKD und Vertretern aus dem Bereich der Vertriebenenpolitik. - Der in diesem Zusammenhang gewonnene Kenntnisstand, der die Gesamtlage in einem deutlich veränderten, klareren Licht erscheinen lässt, soll hier dokumentiert und zudem auf die hiermit verbundenen kulturpolitischen Perspektiven hin befragt werden.

Nachdem es am 28. April 2023 in Hannover zu einem Gespräch zwischen dem Präsidenten des BdV, Dr. Dr. h. c. Bernd Fabritius, und dem Präsideten des EKD-Kirchenamtes, Dr. Hans Ulrich Ulrich Anke, über grundsätzliche Fragen der Beziehung zwischen beiden Institutionen gekommen und dabei auch die Problematik des Paramentenschatzes angesprochen worden war, wandte sich am 16. Mai Bischöfin Petra Bosse-Huber in einem Brief an den BdV - und bezog die Westpreußische Gesellschaft wie den Bund der Danziger in die Korrespondenz mit ein. In ihrem Schreiben erläutert die Vizepräsidentin des Kirchenamtes und Leiterin des Amtsbereichs der UEK das Vorhaben zum Danziger Paramentenschatz. Diese bisher umfassendste offizielle kirchliche Stellungnahme sei hier mit Erlaubnis der Verfasserin dokumentiert:

Die Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK)ist als Rechtsnachfolgerin der früheren Evangelischen Kirche der Union (EKU) bzw. der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union (ApU) Eigentümerin der (vorwiegend liturgischen) Gegenstände, die aus den am Ende des Zweiten Weltkriegs untergegangenen deutschen Evangelischen Kirchengemeinden im heutigen Polen von Mitgliedern dieser Gemeinden auf ihrer Flucht nach Westen mitgenommen und auf diese Weise häufig vor Verlust und Zerstörung gerettet worden sind. Diese Gegenstände sind von der EKU erfasst und in regulären Verfahren entweder an Evangelische Kirchengemeinden in Deutschland zu kirchlichem Gebrauch ausgeliehen worden oder werden als Dauerleihgaben der EKU/EKD in Museen in Deutschland aufbewahrt und ausgestellt. Ersuchen des polnischen Staates zur »Rückführung« solcher Gegenstände nach Polen wurden seit Jahrzehnten (und werden grundsätzlich weiterhin) von der EKU/EKD abschlägig beschieden; dies wird zum einen mit den Eigentumsrechten begründet, die durch ein Urteil des Berliner Kammergerichts aus dem Jahr 1970 der EKU zugesprochen wurden, zum anderen mit dem Hinweis auf ausstehende zwischenstaatliche Gesamtregelungen zur Rückführung von Kulturgütern.
Allerdings wurden bereits in früheren Jahren in Einzelfällen Gegenstände - so ein Abendmahlskelch aus Jauer und einige historische Kirchenbücher  aus Schweidnitz - an die betreffenden Kirchen, die heute zur Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen gehören, übergeben; dies war jeweils mit persönlichen Begegnungen der Betroffenen und mit gemeinsamen Gottesdiensten verbunden.
Auf Initiative des damaligen Bischofs der Evangelischen Kirche Berlin -Brandenburg - schlesische Oberlausitz, Dr. Dr. h. c. Markus Dröge, und auf Beschluss des Präsidiums der UEK nahm die UEK im Jahr 2018 über das Erzbistum Danzig Kontakt zur Marienkirche Danzig auf, um wegen einer möglichen Rückkehr des von dort stammenden Dreifaltigkeitsaltars zu sondieren; dessen Retabel und Predella waren seit Jahrzehnten von der EKU/UEK an die Gemäldegalerie Berlin und an die St. Johannis-Kirchenge- meinde Berlin Moabit ausgeliehen. Auf der Grundlage eines zwischen der UEK und der Marienkirche Danzig abgeschlossenen Schenkungsvertrages (und damit unter Anerkennung der vormaligen Eigentümerstellung der UEK) kehrte der Altar im März 2020 in seine Heimatkirche zurück. Aus Anlass einer Ökumenischen Vesper, die zum Trinitatisfest 2022 vom Erzbistum und der Marienkirche Danzig und von der UEK vor diesem Altar gemeinsam gefeiert wurde, wurde die Erarbeitung eines Letter of Intent zum »Danziger Paramentenschatz« in Aussicht genommen. In ihm sollte - analog zum beim Dreifaltigkeitsaltar gewählten Verfahren - vereinbart werden: (1) die förmliche Schenkung der aus der Marienkirche Danzig stammenden, von Mitgliedern der dortigen Evangelischen Kirchengemeinde gegen Kriegsende bei der Flucht in den Westen geretteten und seit Jahrzehnten in Museen in Lübeck und Nürnberg aufbewahrten Stücke des »Danziger Paramentenschatzes« von der UEK an die Marienkirche Danzig; (2) ihre Rückkehr zur Marienkirche Danzig zu einem Zeitpunkt, zu dem sie dort museologisch adäquat aufbewahrt und ausgestellt werden können. Ein solcher Letter of Intent wurde am 8. Dezember 2022 in Hannover vom UEK-Vorsitzenden, Kirchenpräsident Dr. Dr. h. c. Volker Jung, vom Danziger Erzbischof Dr. Tadeusz Wojda und vom Pfarrer der Marienkirche Danzig, Prälat Ireneusz Bradtke, unterzeichnet. Die Absichtserklärung sieht außer der Eigentumsübertragung durch Schenkung und der Rückkehr der Paramente nach Danzig vor, dass, wie es schon gegenwärtig der Fall ist, auch künftig in Lübeck und Nürnberg einzelne Paramente - dann als Leihgaben der Marienkirche Danzig - ausgestellt sein werden und dass ein gemeinsamer Fachbeirat die Umsetzung des Vorhabens begleitet.
Die auch künftige, dauerhafte Präsenz von Danziger Paramenten in Lübeck und Nürnberg soll gewährleisten, dass die dankbare Erinnerung an die Rettung des Danziger Paramentenschatzes vor Kriegsverlust und -zer- störung durch die aus Danzig geflüchteten und vertriebenen Evangelischen weiterhin in Deutschland lebendig bleibt und gepflegt wird. Diese Erinnerung gehört aber - und das erscheint uns genauso wichtig - zu der Narration, die mit der Rückkehr der Paramente an ihren Ursprungsort, die Marienkirche Danzig, auch dort erzählt werden soll und erzählt werden wird: die Narration von einer gemeinsamen deutschen und polnischen, evangelischen und katholischen Geschichte an der Marienkirche Danzig, die zur Entwicklung einer gemeinsamen europäischen und ökumenischen Zukunftsperspektive herausfordert. Für diese heute mehr als in früheren Jahrzehnten mögliche Sicht, dass auf der Grundlage geschichtlicher Verbundenheit gemeinsame Verantwortung erwächst, muss, das ist der UEK sehr bewusst, auf beiden Seiten von Oder und Neiße geworben werden. Ich werde mich bei meinem Besuch in Danzig Anfang Juni, der wieder mit einem ökumenischen Gottesdienst verbunden sein wird, bei meinen dortigen Gesprächspartnern persönlich dafür einsetzen. Bitte betrachten Sie auch dieses Schreiben als Ausdruck meines Wunsches - und des Anliegens der UEK -, auch bei denen, für die die deutsch-polnische und die evangelisch-katholische Beziehung durch schmerzliche persönliche und familiäre Erinnerungen belastet ist, um Zustimmung zu dem Vorhaben, das ich Ihnen geschildert habe, zu werben.

Einige Tage später, am 25. Mai, nahm die UEK zudem in einer öffentlichen Erklärung zu Vorwürfen Stellung, die das Kirchenamt seit Publik-Werden des Letter of intent erreichten.* Dieses Dokument ist auch deshalb bedeutsam, weil es - zugespitzter als der Brief von Bischöfin Bosse-Huber - Befürchtungen zu zerstreuen vermag, welche die Pressemitteilung im Dezember des Vorjahres hatte wecken können.**
So wird zum einen der politische Kontext des Vorhabens erhellt und betont, dass die »Initiative zu dem Projekt […] nicht von polnischer Seite, sondern allein von der UEK« ausgegangen sei und bei ihrer Umsetzung - wie bereits im Falle des Dreifaltigkeitsaltars - »für die UEK nur die Kirche, namentlich die Marienkirche und das Erzbistum Danzig, als Gegenüber auf polnischer Seite in Betracht« komme. Dabei zieht sich die UEK nicht darauf zurück, dass es sich bei diesen Vorgängen um eine rein »kirchliche« Angelegenheit ohne politische Implikationen handelt, sondern zeigt sich gerade dafür sensibel: So sei »vor der Rückkehr des Dreifaltigkeitsaltars in die Marienkirche Danzig die Zustimmung zuständiger Stellen der deutschen Bundesregierung eingeholt worden« und es hätten »an den aus diesem Anlass stattfindenden Feierlichkeiten auch Vertreterinnen und Vertreter der deutschen und der polnischen Politik teilgenommen. Zudem wurde im Letter of Intent zum Danziger Paramentenschatz festgelegt, dass zu den Aufgaben des gemeinsamen Fachbeirats auch die Klärung politischer Fragen gehört, die sich bei diesem Vorhaben stellen.« Dabei wäre es - so ließe sich anschließen - wünschenswert, dass die Klärung politischer Fragen über den Kreis eines Beirates hinaus auch in die deutschen und polnischen Öffentlichkeiten hineinwirken möge; denn zwischen beiden Staaten und Zivilgesellschaften sind bei allen Fortschritten der letzten Jahrzehnte weiterhin gewichtige Fragen offen. Sie betreffen sowohl die in beiden Ländern betriebenen Erinnerungspolitiken als auch die von Bosse-Huber benannten »aussehende[n] zwischenstaatliche[n] Gesamtregelungen zur Rückführung von Kulturgütern«. Vielleicht - so eine leise Hoffnung - können die Bemühungen um die Zukunft des Paramentenschatzes den Ausgangspunkt für eine grundsätzliche Diskussion um Perspektiven des deutsch-polnischen Umgangs mit dem gemeinsamen Kulturerbe sein. Dabei - und das muss deutlich gesagt werden - besteht Klärungsbedarf hinsichtlich der (bewusst in den Plural gesetzten) Erinnerungspolitiken – nicht nur zwischen Deutschland und Polen, sondern auch innerhalb Deutschlands. Denn mit den Regelungen zum Verbleib »nur« einiger Stücke der Paramente in der Bundesrepublik stellt sich – ganz unabhängig von Fragen der Besitzstandswahrung – die Frage, welche Bedetung und Aufmerksamkeit dem ostdeutschen Kulturerbe in bundesrepublikanischen »Kulturbetrieb« zukommt. Die UEK mit ihrer jetzigen Entscheidung für hier ganz offensichtlich bestehende gesamtgesellschaftliche Defizite in Geiselhaft nehmen zu wollen, geht am Ziel vorbei. Wenn wir jedoch anlässlich der Paramente darüber ins Gespräch kommen können, welchen Platz ostdeutsches Kulturgut in deutschen Museen und Kultureinrichtungen hat und haben soll, wäre das nur zu begrüßen.

Zum anderen wendet sich die EKU gegen Spekulationen, »als seien die Paramente unrechtmäßig nach Lübeck bzw. Nürnberg und ins Eigentum der UEK, der Rechtsnachfolgerin der untergegangenen evangelischen Marienkirchengemeinde Danzig, gelangt oder als würden sie auf eine Forderung hin zurückerstattet«. Dementsprechend sei »nicht von einer Rückgabe, Rückführung oder Restitution die Rede, sondern von ihrer Rückkehr oder auch Heimkehr zur Marienkirche Danzig«. Die UEK stelle »den Gedanken in den Mittelpunkt, dass die Paramente als historische Objekte und als kulturelles Erbe untrennbar mit der Marienkirche Danzig verbunden sind und dorthin zurückkommen«. Dass dies seitens der UEK so deutlich benannt wird, ist in doppelter Hinsicht zu begrüßen. Erstens steuert eine solche Klarstellung der Gefahr, das Vorhaben in den derzeit in Deutschland populären postkolonialen Restitutionsdiskurs einzulesen - und damit die Geschichte der vertriebenen Danziger Evangelischen in einer Weise zu beschädigen, die nicht nur erinnerungspolitisch fatal, sondern vor allem auch unter pastoralen Gesichtspunkten unverantwortlich wäre. Zweitens tragen die klaren Worte der UEK dazu bei, das Vorhaben auch davor abzusichern, wiederum in Polen von politischen Akteuren (jenseits der unmittelbaren Kooperationspartner) in die dort geführten Restitutionsdiskurse eingelesen zu werden, deren Forderungen fortwährend an Deutschland adressiert werden. Das Problembewusstsein hierfür scheint bei der UEK in jedem Fall vorhanden zu sein. So schließt die Erklärung mit den Worten: »Den Partnern ist bewusst, dass eine solche neue Erzählung und die sie begleitenden Zeichen der Versöhnung sowohl in Deutschland als auch in Polen ernsten Vorbehalten begegnen, die aus den geschichtlichen Belastungen zwischen beiden Ländern und Konfessionen herrühren. Sie fühlen sich verpflichtet, diesen Vorbehalten verständnisvoll zu begegnen und gleichwohl für die gemeinsam gewonnene Einsicht zu werben.« Eine aktive Einbeziehung der vertriebenen Danziger (und dabei im Sinne der Ökumene nicht nur der Protestanten) bzw. ihrer Nachfahren und deren Organisationen und Institutionen - wie der Westpreußischen Gesellschaft oder der Kulturstiftung Westpreußen - kann zum Gewinnen von Verständnis gewiss nur beitragen. In jedem Fall ist dem gesamten Fachbeirat, der sich am 2. und 3. Juni in Danzig konstituiert hat, zu wünschen, dass es ihm gelingt, an der von den lnitiatoren angestrebte »Narration« festzuhalten, sie zu stärken und gegen politische Angriffe wie Instrumentalisierungsversuche zu verteidigen, die es gewiss diesseits wie jenseits der Oder geben wird.

* Erklärung zur beabsichtigten Rückkehr des Danziger Paramentenschatzes zur Marienkirche Danzig: https://www.uek-online.de/3-5-artikel-content-1054-erklaerung-danziger-paramentenschatz-1054.php
** »Danziger Paramentenschatz« kehrt zurück. EKD, 9. Dezember 2022: https://www.ekd.de/rueckkehr-danziger-paramentenschatz-76569.htm

Kritische Stellungnahme zum Beitrag»Rückkehr« - nicht: »Rückgabe« in Der Westpreuße/Unser Danzig vom Vorsitzenden des KULTURWERKS DANZIG Jochen Gruch. Seine Kritik wurde bemerkenswerterweise im Beiheft von Der Westpreuße/Unser Danzig veröffentlicht, so als wollten die Herausgeber des Der Westpreuße/Unser Danzig diese Kritik nicht an “die große Glocke hängen”.

Die Entscheidung der UEK, den Danziger Paramentenschatz an die Marienkirche in Danzig „zurückzugeben", geschieht nicht im luftleeren Raum, sie bewegt sich in mehreren Zusammenhängen: kulturellen, politischen, moralischen und innerkirchlichen. Aber egal unter welchem Aspekt ich sie betrachte, ich halte diese Entscheidung für völlig falsch und kann nicht anders, als ihre Revision bzw. Nicht-Umsetzung zu fordern.
Wir haben gerade eine öffentliche Diskussion darüber, wem Kulturgüter eigentlich gehören. Und zumindest die kulturpolitischen Entscheidungsträger kamen zum Ergebnis, sie gehören dahin, wo sie herkommen. Es wird aber nicht unterschieden, ob damit die Menschen, die diese Kunstwerke schufen (bzw. ihre heutigen Nachkommen) gemeint sind, oder die Gegend, wo diese Kunstwerke mal entstanden sind. In den bisher diskutierten Fällen war dies auch kein Problem, die Ägypter leben z. B. noch immer überwiegend in Ägypten oder die Papua noch immer auf ihren Inseln. Aber die Nachkommen der Danziger des 15. Jahrhunderts leben heute weit überwiegend auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland, nicht mehr in der geographischen Stadt Danzig. Hier muss diese Entscheidung gefällt werden: Gehört Kultur den Menschen, die sie schufen, oder dem Boden, auf dem sie entstand?
Die UEK ist offensichtlich der Meinung, Kultur gehöre dem Boden, ich sehe das anders: Kultur gehört den Menschen. Ein Bild der Ostsee von Caspar David Friedrich sieht einem Bild des gleichen Malers mit einem Motiv aus den Mittelgebirgen ähnlicher als einem Ostseebild etwa von Emil Nolde. Menschen schaffen Kultur, nicht der Boden. Nehmen wir zur Entschärfung des Problems ein anderes Beispiel: Im 19. Jahrhundert wurden die Indianer Nordamerikas aus ihren Siedlungsgebieten vertrieben. Unter großen Schwierigkeiten gelang es ihnen, auch einen Teil ihrer Kulturgüter in die Reservate mitzunehmen. Wenn Kultur zum Boden gehurt, dann sollte die UEK konsequent sein und auch die „Rückgabe" dieser Kulturgüter in Museen der ursprünglichen Siedlungsgebiete fordern. Wurde darüber bereits mit der Partnerkirche United Church of Christ gesprochen? (Nur so am Rande: wie passt es eigentlich zur Diskussion über kulturelle Aneignung, wenn Polen so tun können, als sei der Danziger Paramentenschatz ihre Kultur?). 
Die Union Evangelischer Kirchen ist Nachfolgerin der Evangelischen Kirche der Union, die ihrerseits Nachfolgerin der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union war. Auf diesem Wege kam die UEK in den Besitz u. a. der Danziger Paramente. Die Preußische Landeskirche übernahm das verfügbare Eigentum der Kirchengemeinden aus ihren Vertreibungsgebieten treuhänderisch, um es diesen Gemeinden, sobald es möglich ist, zurückzugeben. Es ist nicht frei verfügbares Eigentum der UEK. Die katholische Marienkirchengemeinde in Danzig ist nicht die evangelische Marienkirchengemeinde Danzig. Wenn die UEK jetzt die Paramente an die katholische Gemeinde übergibt, verliert sie jeglichen Einfluss auf das weitere Schicksal. Egal was in Verträgen steht.
Die römisch-katholische Kirche ist anders aufgebaut als unsere Kirche. Vor einigen fahren konnte ich, wie viele andere daran Interessierte, das Jüngste Gericht von Hans Memling im Kölner Diözesanmuseum bewundern. Das Bild befindet sich normalerweise als Leihgabe der Marienkirche in einem staatlichen Museum in Danzig. Der Papst hatte dem Kölner Erzbischof versprochen, das Bild In Köln ausstellen zu lassen (als Dank für finanzielle Unterstützung bei der Restaurierung, wenn ich mich recht erinnere). Die Konservatoren des Museums waren aus fachlichen Gründen dagegen. Aber der Papst wollte es so, also geschah es. Was ist, wenn künftig der Papst zu der Überlegung kommt, ein 300-teiliger Paramentenschatz sei mehr als genug, die Marienkirchengemeinde solle einige der Teile zur Finanzierung ihrer Aufgaben verkaufen? Weder die katholischen Institutionen in Danzig noch staatliche polnische Stellen werden dies verhindern können oder wollen.
Die UEK sieht die Schenkung als Teil der Wiedergutmachung am polnischen Volk für durch Deutschland erlittene Schäden. Dabei übersieht sie jedoch, dass während des deutschen Angriffs auf Polen Danzig gar nicht zum Deutschen Reich gehörte. Danzig wurde von Deutschland ebenfalls angegriffen (und dann annektiert). Darf man so einfach Danziger Kulturgut zur Begleichung einer deutschen Schuld heranziehen?
Auch unsere Kirche ist finanziell nicht mehr auf Rosen gebettet. Ich bin seit 2004 Presbyter einer rheinischen Kirchengemeinde (in anderen Landeskirchen heißt das Kirchenvorstand o. ä). Wir mussten schon viele Sparmaßnahmen umsetzen, auch sehr schmerzhafte. Unsere Landeskirchen haben hier von uns Ehrenamtlichen viel verlangt, wir mussten gegenüber unseren Gemeindegliedern Entscheidungen durchsetzen und verteidigen, die wir gar nicht treffen wollten. Und das, wie gesagt, ehrenamtlich, in unserer Freizeit, mit unserem Geld, denn die wenigsten Ehrenamtlichen lassen sich alle Kosten erstatten. Wir drehen also bereits seit Jahren jeden Euro dreimal um, bevor wir ihn ausgeben. Und dann will die UEK mal so eben Millionenwerte an eine katholische Gemeinde verschenken? Ich bin nicht der einzige Ehrenamtliche, der sich da verhöhnt fühlt.
Was meine ich mit „mal so eben“? Es wurde im Vorfeld der Entscheidung nicht mit den Betroffenen gesprochen, weder mit dem BUND DER DANZIGER noch mit dein KULTURWERK DANZIG, also den beiden Vereinen, die für Belange der vertriebenen Danziger und ihrer Kultur „zuständig“ sind. Vor zwei oder drei Jahren fand ich in der Personalakte eines rheinischen Pfarrers einen aufschlussreichen Vorgang. Leider habe ich mir den Namen nicht notiert, ich muss also aus dem Gedächtnis zitieren. Das Presbyterium reichte beim Landeskirchenamt die Dienstanweisung des gerade gewählten Pfarrers zur Genehmigung ein. Darin sollte es u. a. heißen: Änderungen dieser Dienstanweisung werden Pfarrer und Presbyterium miteinander vereinbaren. Dies strich der zuständige Jurist im Landeskirchenamt durch und schrieb an den Rand: Die Dienstanweisung beschließt das Presbyterium, der Pfarrer hat sich gefälligst daran zu halten. Daraufhin bemerkte ein anderer Mitarbeiter: dies ist zwar juristisch korrekt, aber in der Kirche sollten wir doch miteinander sprechen. Das sehe ich genauso, wir sollten miteinander sprechen. Warum geschah dies nicht? Auf meinen Brief an die UEK erhielt ich die Antwort, man wolle nicht über diese Entscheidung diskutieren, sondern bitte mich vielmehr um meinen Respekt für die Entscheidung. Ich empfand diesen Satz als Ohrfeige. Hannover locuta, causa finita?
Normalerweise neige ich bei Konflikten zu Kompromissen, diese Äußerung hat dies aber vereitelt. In der Kirche sollten wir anders miteinander umgehen.

Kommentar zum Beitrag Rückkehr - nicht: Rückgabe im Bundesorgan Der Westpreuße/Unser Danzig 2/2023

»Rückkehr« - nicht: »Rückgabe«

So lautet der Titel eines Beitrags von Tilman Asmus Fischer im Organ der Westpreußischen-Gesellschaft Der Westpreuße / Unser Danzig 2/2023 zur Thematik des Danziger Paramentenschatzes.
Es ist nicht ersichtlich, worauf der Beitrag eigentlich abzielt. Ist er als Sprachrohr der UEK/EKD zu interpretieren, oder aber will sich das Bundesorgan der einstigen Landsmannschaft Westpreußen für Polen als Partner interessant machen?
Der Leser des Beitrags dürfte kaum den Eindruck gewinnen, als würden deutsche Interessen vertreten.
Noch am 6. November 2018 ließ der damalige Präses der EKD, Bischof Heinrich Bedford-Strohm auf Nachfrage mitteilen, es sei nicht beabsichtigt, die Danziger Paramente nach Danzig zurückzugeben, zugleich ließ die Kirchenleitung wissen, daß am 18. Januar 2019 im Lübecker St. Annen-Museum Teile des Danziger Paramentenschatzes wieder präsentiert werden.
Etwa dreieinhalb Jahre später war es die Nachfolgerin von Bischof Bedford-Strohm, Präses Dr. h. c. Anette Kurschus, die in einer Presseerklärung vom 9. Dezember 2022 mitteilen ließ, es sei die Absicht der UEK in der EKD, ihr Eigentum an den Danziger Paramenten auf die Marienkirche Gdańsk zu übertragen und die Paramente an ihren Herkunftsort zurückkehren zu lassen. Eine frustrierende Aussage! Mit keinem Wort wird darauf hingewiesen, daß die EKD nur treuhänderisches Eigentum an den Paramenten besitzt – das gilt im übrigen für ihr „gesamtes Eigentum“, das sie von den untergegangenen evangelischen Gemeinden des historischen deutschen Ostens übernommen hat -; sie hätte demnach die Zustimmung der früheren deutschen Gemeindemitglieder und deren Nachkommen einholen müssen. Dies unterließ die evangelische Kirche.
Die Danziger Marienkirche war die Hauptkirche aller deutschen und zugleich evangelischen Christen seit der Reformation (1525) in Danzig. Diese Tatsache erwähnen die Pressemitteilung und der Beitrag im Der Westpreuße / Unser Danzig nicht, ebenso wird verschwiegen, daß die heutige Stadt Danzig eine deutsche Gründung im frühen 13. Jahrhundert war und auch nach der Inkorporierung in die Krone Polens (1466) zu keinem Zeitpunkt ihren deutschen Charakter verlor. Erst mit der Vertreibung der deutschen Bevölkerung 1945 und der Ansiedlung von Polen wird aus dem deutschen Danzig das polnische Gdańsk. Was ergibt sich daraus für den Danziger Paramentenschatz? Es handelt sich um einmaliges deutsches Kulturgut, auf das die heutige Danziger Marienkirche und das Erzbistum Danzig keinen wie auch immer gearteten Rechtsanspruch besitzen.
Dieses deutsche Kulturgut muß in Deutschland verbleiben. Zu erinnern ist daran, daß von den ursprünglich 289 Paramententeilen, die der letzte evangelische Pfarrer an St. Marien, Pastor Dr. Gerhard Gülzow, mit treuen Gemeindemitgliedern vor der Vernichtung durch die Rote Armee Ende 1944 letztlich nach Lübeck über Thüringen retten konnte, bereits 186 Teile von der DDR-Regierung 1961 nach Polen überstellt wurden. Sie befinden sich im Danziger Nationalmuseum, ebenso wie ein einst der Marienkirche gehörender Memling-Altar. Es ist keineswegs zu erwarten, daß das Danziger Nationalmuseum diese wertvollen mittelalterlichen Relikte der Marienkirche übergibt, wenn diese mit den in Lübeck bewahrten Paramenten in einem eigens dafür zu schaffenden Museumsgebäude bei der Kirche zusammengeführt werden sollen. Das erhofft sich zumindest das Erzbistum Danzig. Bis das Museumsgebäude geplant und fertiggestellt ist, verbleibt der Paramentenschatz ohnehin in Lübeck.
Auf die deutsche Vergangenheit Danzigs sowie die der Marienkirche geht auch der Beitrag in
Der Westpreuße / Unser Danzig nicht ein. Ob bewußt oder unbewußt, muß offenbleiben; es liegt jedoch eine Mißachtung geschichtlicher Tatsachen vor. Von einem offiziellen Organ der Westpreußen muß man eine andere Verhaltensweise erwarten. Und so verwundert es nicht, daß in dem Beitrag »Rückkehr« - nicht: »Rückgabe« die Unterstützung der Petition (https://www.openpetition.de/petition/online/verbleib-des-1944-geretteten-danziger-paramentenschatzes-im-luebecker-st-annen-museum) Verbleib des 1944 geretteten Danziger Paramentenschatzes im Lübecker St. Annen-Museum nicht erfolgt. Die notwendige Unterstützung der Petition durch den Bundesvorstand der Westpreußischen Gesellschaft/Landsmannschaft Westpreußen erfolgt bedauerlicherweise nicht.

Jürgen Martens

Schriftwechsel zwischen Margarete Ziegler-Raschdorf, Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler im Hessisches Ministerium des Innern und für Sport, Reinhard Hanke und Jürgen Martens:

Am 8. Oktober schrieb Frau Ziegler-Raschdorf an R. Hanke:

  • Sehr geehrter Herr Hanke, 
    in erster Linie geht es hier doch darum, mit der EKD in Kontakt und Verhandlungen zu treten, vonseiten der EKD die Paramente zurück zu geben, die von der EKD unberechtigterweise ins Ausland gegeben wurden. Dabei geht es auch um die Eigentumsrechte an den Paramenten. Wer hat die Eigentumsrechte daran? Sind die Rechte an den Paramenten irgendwo schriftlich oder vertraglich fixiert?  Sollten die Verhandlungen mit der EKD von berufener Seite dazu bereits geführt worden sein – wie sind diese verlaufen bzw. ausgegangen?
    Es hat doch keinen Zweck, Leute zu Unterschriften unter eine Petition zu bewegen, die all diese Dinge nicht wissen und den Vorgang in seiner Tiefe nicht überblicken können. Die Frage muss juristisch geklärt werden. Hat man der EKD in ausreichender Weise die Tragweite des eigenen Handelns klargemacht? Möglicherweise ist auch „im Guten“ etwas zu erreichen. Wer zu scharfe Geschütze auffährt, gefährdet eine einvernehmliche Lösung, die schließlich auch möglich wäre, wenn man es ernsthaft versucht.
    Freundliche Grüße
    Margarete Ziegler-Raschdorf

Herr Hanke antwortete am gleichen Tage mit dem Hinweis, er würde mir das Schreiben von Frau Raschdorf- Ziegler zur Beantwortung zuleiten:

  • Sehr  geehrte  Frau Ziegler-Raschdorf
    Vielen  Dank für  Ihre  Zeilen. Ich leite sie zur weiteren  Bearbeitung an Herrn Dr. Martens weiter. Er ist  heute aus dem  Urlaub in Kroatien zurückgekehrt. Er war  ja einst  Abteilungsleiter beim BKM.
    Herr Kämpfert,  unser  Mitstreiter, hat sich seit vielen Jahren mit  den Danziger Paramenten beschäftigt.
    Der  Petitionsausschuss des  Bundestages  hat von uns einen Antrag zur Umsetzung erhalten,  damit deutsches Kulturgut nicht mehr so leicht weggegeben werden  kann. Erinnern Sie sich  an  die Landkarte von Waldseemüller, auf der erstmals der  Begriff "Amerika"  genannt wurde? Sie liegt  jetzt in Washington, der  damalige Eigentümer, ich  glaube  es  war ein Adliger in  BW,  konnte sie  ausführen und  verkaufen.  Russland,  Polen  und andere Länder haben solchen  Aktionen einen Riegel  vorgeschoben!
    Zur  weiteren Informations  hänge  ich  Ihnen  das  Programm  der Fachtatung  des  Forum Gedanum, Lübeck 20.-22.10.2023, an.
    Mit  freundlichen landsmannschaftlichen Grüßen
    Reinhard  M. W.  Hanke
    www.westpreussen-berlin.de

Antwort Martens vom 10.10.:

  • Sehr geehrte Frau Ziegler-Raschdorf,
    auf Ihre Zeilen vom 8. Oktober an Herrn Hanke teilte er Ihnen mit, daß er mich über den Inhalt informieren wolle. Deshalb erlaube ich mir, Ihnen zu antworten. Zunächst aber eine Korrektur: Ich war weder im BMI noch im BKM Abteilungsleiter, vielmehr war ich bis 2004 als Referatsleiter zuständig für die vom Bund nach § 96 BVFG institutionell geförderten Landesmuseen.
    Mir ist Ihr erster Satz in Ihrer Antwort an Herrn Hanke nicht recht verständlich: Die EKD hat die Danziger Paramente bisher nicht nach Danzig abgegeben, sondern nur ihre Absicht bekundet, es zu tun, sobald bestimmte Anforderungen erfüllt sind. Von berufener Seite - Sie meinen sicher Politik und Vertriebenenverbände - sind meines Wissens keine Verhandlungen mit der EKD mit Bezug auf die Danziger Paramente geführt worden. Dieses Faktum ist sehr bedauerlich!
    Entsprechende Initiativen sind allein von engagierten und zugleich kenntnisreichen Privatpersonen, denen die Bewahrung des ostdeutschen Kulturerbes, und zwar in Deutschland, am Herzen liegt, ergriffen worden. Dazu gehören die Petition, die Sie offenbar kritisieren, und ein umfangreicher Schriftwechsel mit der Leitung der EKD in Hannover. Sie können diese Korrespondenz auf der Websitewww.ostdeutsche-museen.de unter dem Button Paramente Marienkirche nachverfolgen.
    Nach wie vor hoffe ich, daß das Eintreten von engagierten, geschichtsbewußten Deutschen zur Bewahrung ostdeutschen Kulturgutes die Verantwortlichen in der EKD – diese ist Rechtsnachfolgerin aller evangelischen Kirchen östlich von Oder und Neiße nach dem zweiten Weltkrieg geworden – zum Einlenken hinsichtlich der Danziger Paramente bewegen wird. Es müßte ein Anliegen aller Deutschen sein, daß die vor der Vernichtung durch die Rote Armee Ende 1944 vom letzten evangelischen Pastor an der Danziger Marienkirche, Oberkonsistorialrat Dr. Gerhard Gülzow, geretteten Danziger liturgischen Gewänder an ihrem langjährigen Standort im Lübecker St. Annen-Museum verbleiben.
    Mit freundlichen Grüßen
    Jürgen Martens

Frau Raschdorf-Ziegler hat auf dieses Schreiben nicht reagiert!

Stellungsnahmen engagierter Freunde des Danziger Paramentenschatzes.
Sie erreichten die LM Westpreußen, Berlin, nach der Veröffentlichung ihrer Presseerklärung ab dem 27. Februar 2023.

  • VIELEN DANK UND GRUSS, H.
     
  • Raus aus der Kirche. K.
     
  • Sehr geehrter, lieber Herr Hanke,
    vielen Dank für Ihr engagiertes Eingreifen in dieser aufwühlenden, unfassbaren Angelegenheit!
    Mit herzlichen Grüßen P.
  • Es muss hier von allen politischen Seiten die Frage gestellt werden, ob diese deutschen kulturellen und christlichen Wertgegenstände nicht im Austausch gegen die 700 Stück der in Schlesien ausgelagerten Kulturstücke der Oberlausitzischen Gesellschaft Görlitz gewechselt werden können ? Warum diese pflaumenweiche Art der ev. Kirche, nur zu geben und nicht auszugleichen??
    Freundl. Gruss  W. L
     
  • Wir sind ausser uns   S. S.
     
  • Lieber Herr Hanke,
    würde der Vorfall in Sachsen stattfinden, würde man sich strafbar machen. Nach meiner Auffassung sind die rechtlichen Regelungen in allen Bundesländern etwa gleich.
    Mit freundlichen Grüßen F. Z.
     
  • Sehr geehrter Herr Hanke!
    Vielen Dank für Ihre Nachricht von heute, die die empörende Mitteilung enthielt, daß die „Evangelische Kirche Deutschlands“ den in Lübeck verwahrten Teil des Danziger Paramentenschatzes nach Polen ausliefern wird.
    Ich werde gegenüber der EKD schriftlichen Protest einlegen und bitte Sie, mir eine Anschrift, an die ich schreiben kann, zu benennen.
    Im Juli 2022 haben meine Frau, die über ihre Mutter Danziger Herkunft ist, und ich im Lübecker Annenmuseum noch mit großer Freude die dort ausgestellten Teile des Danziger Paramentenschatzes betrachtet. Das wird nun aufgrund der Entscheidung der „evangelischen Kirche Deutschlands“ nicht mehr möglich sein.
    Entgegen der Mitteilung der Landsmannschaft waren nicht alle Teile eingelagert. Vielmehr wurden, wie im Annenmuseum zu lesen war, aus konservatorischen Gründen im Wechsel immer nur Teile des Schatzes gezeigt. Es war im Juli 2022 auch eine Veröffentlichung des Museums zum Paramentenschatz zu erwerben. Natürlich konnten wir nicht ahnen, daß wir zu den letzten gehörten, die die Paramente noch sehen konnten.

    Das schändliche Verhalten der „evangelischen Kirche“ reiht sich dem schändlichen Verhalten der „deutschen“ katholischen Bischöfe an, die 2001/2002 die im Bischöflichen Zentralarchiv verwahrten ostdeutschen Kirchenbücher an Polen auszuliefern. Das geschah aufgrund einer Vereinbarung mit der polnischen Bischofskonferenz, die man klammheimlich vorbereitet hatte und mit der man erst, nachdem der üble Kardinal Lehmann im September 2001 mit Kardinal Glemp, einem ausgesprochenen Deutschenhasser, den Vertrag in Warschau unterzeichnet hatte, an die Öffentlichkeit ging. Die Auslieferung erfolgte am 17. Juni 2002.
    Ich habe damals alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den Verband deutscher Archivare zum Handeln zu bewegen. Es war vergeblich. Das Bestreben, es sich mit den Bischöfen und mit Polen nicht zu verderben, war stärker. Da mir der damalige Vorsitzende dieses Berufsverbandes überdies noch drohte, trat ich nach über 20jähriger Mitgliedschaft im Verband deutscher Archivare aus dem Verein aus.
    Ich war dann der einzige deutsche Archivar, der – und zwar mit einem Aufsatz in der „Kulturpolitischen Korrespondenz“ des Ostdeutschen Kulturrates – fachlich gegen die Auslieferung Stellung nahm. Natürlich änderte das an der Sache nichts mehr. Rudolf Benl: Man verliert, was man verloren gibt. „Rückgabe“ ostdeutscher Kirchenbücher aus dem Bischöflichen Zentralarchiv Regensburg an polnische Bistumsarchive. In: Kulturpolitische Korrespondenz. Berichte. Meinungen. Dokumente Nr. 1163 (20. Februar 2003), S. 2–5, Nr.1164 (10. März 2003), S. 2–4.
    Zuvor schon hatte der Bremer Senat die nach Westen geretteten Bücherschätze der Danziger Naturforschenden Gesellschaft, die der Freien Stadt Bremen gar nicht gehörten, an Polen ausgeliefert. Vgl. dazu Gilbert H. Gornig: Das rechtliche Schicksal der Danziger Kulturgüter seit 1939/45 am Beispiel der Naturforschenden Gesellschaft zu Danzig. Ein Rechtsgutachten (Mittel- und Osteuropawissenschaften. Reihe Recht, 1), Köln (Verlag Wissenschaft und Politik) 1999.
    Ich empfehle, über einen Juristen gegen die Auslieferung eine einstweilige Verfügung zu bewirken. Sollte Professor Gornig, der sich damals zu den Büchern der Danziger Naturforschenden Gesellschaft geäußert hat, noch lebt, könnte man an ihn herantreten.
    Mit freundlichen Grüßen R. B.
     
  • Sehr geehrter Herr Hanke,
    das ist ja unglaublich. Mich informierte vor wenigen Minuten bereits Herr Dr. B. über Ihr Schreiben.
    Er will ein Protestschreiben an die EKD verfassen und ich habe ihn gebeten, wenn er es will, auch meinen Namen darunter zu setzen.
    Auch habe ich schon alles an unsere Hauszeitschrift "Preussische Mitteilungen" weitergeleitet und den Herausgeber Dr. Enno Eimers gebeten, darüber zu berichten.
    Vielleicht würde es sich auch empfehlen, Ihr Schreiben auch an die "Junge Freiheit" z. Hd. Herrn Mattias Bäkermann zu richten. Herr Bäkermann ist erstens der Geschichtsredakteur der JF und zweitens von westpreußischer Herkunft. Da könnte man etwas Massenwirksames tun. Falls Sie es nicht selbst tun möchten, dann geben Sie mir grünes Licht. Ich kann eigentlich mit Herrn Bäkermann ganz gut.
    Mit traurigen Grüßen J. Sch
     
  • Sehr geehrter Herr Hanke,
    mein Schwager Gustav Graf K. übersandte mir Ihre Pressemitteilung zu EKD Danziger Paramente. Ich bin z. Zt. Vorstandsvorsitzender der Ost- u. Westpreußenstiftung in Bayern e.V. und interessiere mich selbstverständlich für die Belange Danzigs und wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mich künftig in Ihren Verteilerkreis aufnehmen würden.
    Ihre Pressemitteilung wird auf der bevorstehenden Mitgliederversammlung Thema sein.
    Mit freundlichem Gruss
    Ch. L.
     
  • Mail des  Bundesvorsitzenden Marcel Pauls, Bund der Danziger, vom 28.02.2023
    Sehr geehrter, lieber Herr Hanke,
    vielen Dank für Ihr engagiertes Eingreifen in dieser aufwühlenden,
    unfassbaren Angelegenheit!
    Mit herzlichen Grüßen
    Marcel Pauls
     
  • Lieber Friedrich,
    wir arbeiten weiter am Problem. Interessant: Frau Kurschus war letzten Sonntag bei Anne Will und erzählte von ihrer kürzlichen Reise nach Polen. Da ergibt der Vertrag vom 8.12.22 Sinn, auch die Ehrendoktorwürde 2019 der Uni Münster!
    Ich bin der Meinung, dass die Danziger Paramente regional zwar ein Problem der entsprechenden LMen sind, aber die Frage der Aus- bzw- "Rückführung von deutschem Kulturgut ein gesamtdeutsches Problem ist und daher auf höchster Ebene behandelt werden muss.
    Putin hat da im HInblick auf den Schliemann-Troja-Schatz ganz anders gehandelt: der darf Russland nicht mehr verlassen....!
    Beste Grüße H. [08.03.2023]
     
  • Am Mi., 8. März 2023 um 20:29 Uhr schrieb Fr. Z.:

    Lieber Reinhard,
    die Antwort [der EKD v. 07.03.2023] ist im höchsten Maße unbefriedigend. Der Ablauf Vorbereitungen innerhalb der Kirche ist für mich völlig uninteressant. Mich interessiert ausschließlich die Frage, ob die Rückführung rechtlich zulässig ist. Wegen einer Reihe persönlicher und ehrenamtlicher Probleme, die gerade in den letzten Tagen extrem zugenommen haben, kann ich diese Frage nicht erklären. Das sollten die Westpreußen und Danziger selbst tun.
    Mit freundlichen Grüßen
    Fri. Z.
     
  • Antwort EKD vom 07.03.2023 an Fr. Z. 

    Sehr geehrter Herr Z.
    Ihre E-Mail hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) erreicht. Gern antworten wir im Auftrag der von Ihnen angeschriebenen EKD-Ratsvorsitzenden, Präses Dr. h.c. Annette Kurschus, zugleich bitten wir um Verständnis, dass sie die vielen an sie gerichteten Schreiben sehr wohl wahrnimmt, jedoch nicht jeweils einzeln antworten kann. 
    Nach der am 8. Dezember 2022 erfolgten Unterzeichnung eines sog. "Letter of Intent" zur Übertragung der Eigentumsrechte an den derzeit in Lübeck und Nürnberg aufbewahrten Stücken des Danziger Paramentenschatzes an die Marienkirche Danzig und ihre Rückkehr dorthin haben uns einige Schreiben erreicht. Gern möchten wir das Vorhaben in seinen größeren Zusammenhängen verständlich machen.
    Die UEK ist Rechtsnachfolgerin der ehemaligen, mit Ende des 2. Weltkriegs untergegangenen, zur Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union gehörenden deutschen evangelischen Kirchengemeinden im heutigen Polen. Als solche ist die UEK Eigentümerin einer Vielzahl von kirchlichen Gegenständen, die bis zum Ende des 2. Weltkriegs, zumeist auf der Flucht durch Mitglieder dieser Gemeinden, nach Westen mitgenommen wurden, um sie vor Verlust oder Zerstörung zu bewahren. Diese Objekte sind schon zu Zeiten der früheren EKU – heute UEK – sorgfältig erfasst und in regulären Verfahren ausgeliehen worden. Für die Feier des Gottesdienstes bestimmte Gegenstände sind zumeist an Kirchengemeinden in ganz Deutschland ausgeliehen und dort weiter in gottesdienstlichem Gebrauch. Andere Gegenstände sind an Museen ausgeliehen worden, in denen sie sachgerecht aufbewahrt und ausgestellt werden können.
    Ein herausragendes Beispiel für beide Umgangsweisen ist der Dreifaltigkeitsaltar der Georgsbruderschaft aus der Marienkirche Danzig, dessen Retabel und Predella in den Kriegsjahren nach Berlin gelangt waren. Über Jahrzehnte war die Predella an die St. Johanniskirche Berlin-Moabit, das Retabel an die Gemäldegalerie Berlin ausgeliehen. Dieser Altar ist im Jahr 2020 in die Marienkirche Danzig, seinen angestammten Ort, zurückgekehrt. Auf Initiative der UEK und vorbereitet durch hochrangige persönliche Begegnungen zwischen Vertretern unserer Kirchen hatten die UEK und die Marienkirche Danzig in Verbindung mit dem Bistum Danzig einen Schenkungsvertrag geschlossen. Anlässlich der zweisprachigen ökumenischen Vesper zur Rückkehr des Altars, die pandemiebedingt erst verspätet in der Marienkirche Danzig stattfinden konnte, und eines damit zeitlich verbundenen öffentlichen Symposiums zu Fragen der Kulturgüterrückführung zwischen Polen und Deutschland im Juni 2022 in Danzig wurde – wiederum auf Initiative der UEK – in Aussicht genommen, einen Letter of Intent aufzusetzen, in dem die künftige Rückkehr der im Eigentum der UEK befindlichen Stücke des Danziger Paramentenschatzes an ihren historischen Ort, die Marienkirche Danzig, vereinbart werden sollte. Dieser Letter of Intent wurde in intensiven Gesprächen nicht nur zwischen der UEK und der Marienkirche Danzig sowie dem Bistum Danzig-Oliwa, sondern auch mit dem St. Annen-Museum Lübeck und dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg vorbereitet und ausgearbeitet.
    Der Letter of Intent über die Rückkehr des Danziger Paramentenschatzes nach Gdańsk ist am 8. Dezember 2022 in Hannover unterzeichnet worden, für die UEK von dem Vorsitzenden der Vollkonferenz und des Präsidiums, Kirchenpräsident Dr. Dr. h.c. Jung, und der Leiterin des Amtsbereichs der UEK im Kirchenamt der EKD, Bischöfin Bosse-Huber, für die Marienkirche Danzig von Prälat Bradtke und für das Bistum Danzig von Bischof Wojda. Er dokumentiert die beiderseitige Absicht, (1) dass die im Eigentum der UEK befindlichen Stücke des Danziger Paramentenschatzes in absehbarer Zeit durch einen Schenkungsvertrag in das Eigentum der Marienkirche Danzig übertragen werden und dorthin zurückkehren sollen, (2) dass die Marienkirche Danzig Voraussetzungen für eine konservatorisch sachgerechte Aufbewahrung und Ausstellung der Paramente schafft, (3) dass in Lübeck und ggf. auch in Nürnberg auch künftig einzelne Paramente des Danziger Paramentenschatzes ausgestellt werden und (4) dass ein Fachbeirat, in dem beide Seiten vertreten sind, die Umsetzung des Vorhabens begleitet. 
    Der Letter of Intent schließt mit den Worten: „Die UEK und die Marienkirche Gdańsk betrachten die erfolgte Rückkehr des Dreifaltigkeitsaltars und die beabsichtigte Rückkehr der Paramente zur Marienkirche Gdańsk und ebenso die dauerhafte Präsenz einzelner Danziger Paramente in Lübeck (und Nürnberg) als Ausdruck ökumenischer Verbundenheit zwischen evangelischer und römisch-katholischer Kirche, als Ausdruck der Versöhnung zwischen Deutschland und Polen und als Ausdruck der besonderen Verbundenheit der Städte Lübeck und Gdańsk.“
    Die UEK und die EKD standen und stehen mit der Direktorin des St. Annen-Museums, Frau Dr. Täube, sowie mit dem ehemaligen und dem jetzigen Leiter der Lübecker Museen, den Herren Professor Wisskirchen und Dr. von Stockhausen, in engem und einvernehmlichem Austausch. Die dauerhafte Ausstellung von einzelnen Danziger Paramenten in Lübeck wahrt den jetzigen Status. Sie soll dazu beitragen, die Erinnerung an die entsagungsvolle Rettung der Danziger Paramente durch Mitglieder der evangelischen Marienkirchengemeinde zu bewahren und die zwischen Lübeck und Danzig bestehende kulturelle Brücke zu stärken.
    Wir danken Ihnen für Ihren Hinweis auf die Rechtslage. Selbstverständlich wurde der ganze Vorgang auch rechtlich geprüft. Wir können keinen Verstoß gegen geltendes Recht erkennen.
    Mit freundlichen Grüßen und guten Wünschen
    i.A. T. Brand
    Mitarbeiter im Team Info-Service der evangelischen Kirche
     
  • Schreiben Fr. Z. an die Ratsvorsitzende der EK vom 27.02.2023: 

    Sehr geehrte Frau Bischöfin Kurschus,
    von einem Bekannten habe ich erfahren, dass der von Konsistorialrat Gülzow gerettete Danziger Paramentenschatz nach Polen verbracht werden soll.
    Nach meiner Auffassung verstößt dies gegen die gesetzlichen Bestimmungen über den Export von Kulturgütern in das Ausland.
    Ich selbst muss gestehen, dass ich selbst vor etwa 20 Jahren bei der Verbringung von deutschen Kulturgütern nach Polen mitgewirkt und die „Täter“ ermutigt habe. Erst später wurde ich auf die entgegenstehenden gesetzlichen Regelungen aufmerksam. Als meine Bekannten, nachdem sie auf diese gesetzlichen Regelungen hingewiesen worden waren, sich bei dem polnischen Museum erkundigten, ob es möglich ist, die Exponate für eine Ausstellung in Deutschland auszuleihen, mussten sie feststellen, dass die Exponate nicht mehr auffindbar waren.
    Ich selbst bin ausgesprochen polophil und hatte während meiner Berufstätigkeit auch die finanzielle Möglichkeit, die deutsch-polnischen Beziehungen erheblich finanziell zu fördern. Jetzt muss ich allerdings bekennen, dass sich das polnisch-deutsche Verhältnis seit der Regierungsübernahme durch die PIS grundlegend verschlechtert hat und diese Verschlechterung bei allen direkten Kontakten in Polen zu spüren ist. Mit einer gewissen Verzögerung nehme ich auch eine Verschlechterung der Einstellung der polnischen Geistlichkeit zu Deutschland wahr.
    Mit freundlichen Grüßen
    Fr. Z.
     
  • G. Sch. an R. Hanke mit Anhang v. 10.03.2023:

    Sehr geehrter Herr Hanke,
    Sehr geehrter Herr Kämpfert,
    anbei sende ich Ihnen mein am 02.03.23 an die Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche versandtes Schreiben zur Kenntnis zu, damit Sie sehen, dass auch ich (aus der mittleren Generation/meine Mutter ist aus Marienwerder) aufgrund Ihres Aufrufes aktiv wurde. Bleibt abzuwarten, ob es überhaupt eine Rückmeldung des RV-Büros gibt. Ich bin gerne bereit, dort weiter nachzuhaken.
    Mit freundlichen Grüßen
    G. Sch. aus Hamburg 
     
  • Ursprüngliche Nachricht v. 02.03.2023:

    "Vergabe des Danziger Paramentenschatz"

    Sehr geehrte Frau Kurschus, Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche,
    ich bin zutiefst betroffen und auch empört darüber, dass man obigen "Schatz" Polen aushändigt in der Hoffnung, damit zur deutsch-polnischen Freundschaft beizutragen. Ich bin sicher, dass Sie es in bester Absicht tun, muss aber darauf hinweisen, dass es eigentlich allein das Recht der Danziger bzw. West-/ Ostpreußen wäre, darüber zu entscheiden.
    Seit gut 70 Jahren können die Ost- und Westpreußen sich den Mund fusselig reden und die Finger wundschreiben, aber man will sie einfach nicht beachten. So lange schon stellt man die Vertriebenen und ihre Nachfahren kalt, um es Polen (und vermutlich auch einigen anderen) im Namen Deutschlands recht zu machen. Obwohl viele Vertriebene und deren Verbände frühzeitig bekundeten, auf jede Form von Rache und Vergeltung zu verzichten und uneigennützig Hilfe und Verbindungen in die Gebiete ihrer Heimat aufbauten, ist das Resüme, dass Polen nur nimmt und nicht gibt. Ich verstehe nicht, warum sich die evangelische Kirche und viele Deutsche so sehr von Polen und polnischen Klerikern in die Schuldnerecke drängen lassen.
    Erkennen Sie denn gar nicht, dass Ost- und Westpreußen, Pommern und Schlesien in Wirklichkeit das Kainsmal auf Polens Stirn sind?
    Viele Jahrhunderte der Geschichte Danzigs, Ost- und Westpreußens legen ausführlich Zeugnis über polnische Intentionen ab. Nach dem 1. und 2. Weltkrieg verstanden die Polen es dann besonders perfide, uns um unser komplettes Heimatland (eine ganz besondere Kulturlandschaft und außerdem das erste protestantische Land der Welt!) zu betrügen... und ihr katholischer Klerus spielte dabei stets eine ganz besondere Rolle! 
    Bitte lassen Sie sich nicht täuschen: Die Polen bereuen nichts, sie spielen nur mit Worten und der Unwissenheit der Allgemeinheit, um ihr Verbrechen zu rechtfertigen und zu vertuschen. In Wirklichkeit tun sie seit 70 Jahren alles, um das gestohlene Land mit allem was darauf ist, zu behalten. Ich frage mich inzwischen ernsthaft, ob der polnische Klerus überhaupt an das, was in der Bibel steht, glaubt. Wäre es so, dann müssten sie sich doch davor fürchten, was sie nach all den Todsünden, die sie aus reiner Habgier und Eitelkeit an uns begehen, erwartet.
    Bin ich wirklich in der Kirche Martin Luthers? War er nicht der Mann, von dem die kernigen Zitate stammen: "Eine Lüge ist wie ein Schneeball: Je länger man sie wälzt, desto größer wird sie" oder "Tu's Maul auf!" Er hat sich mutig gegen einen Betrug, durchgeführt im Namen der christlichen Kirche, zur Wehr gesetzt. 
    Nun, im polnische Klerus haben wir die Scheinheiligkeiten in Person. Also lassen Sie sich bitte nicht täuschen und ignorieren Sie die echten Kinder des Landes nicht.
    Mit freundlichen Grüßen
    G. Sch.
     
  • [Schriftwechsel mit der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Österreich]:

    Lieber Herr Travnicek,
    ganz herzlichen  Dank für  diese Unterstützung!
    Beste  Grüße
    Ihr Reinhard  M. W. Hanke

    Am Di., 28. Febr. 2023 schrieb Herr Travnicek:

    Sehr geehrter Herr Hanke,
    Lieber Landsmann,
    gleich im heutigen Pressedienst verweise ich auf Ihre geschätzte Mitteilung und wünsche viel Erfolg für diese – völlig berechtigte – Aktion!
    Mit freundlichen Grüßen
    Fritz Travnicek
    Sudetendeutsche Landsmannschaft in Österreich (SLÖ)
     
  • Am 28.02.2923 schreibt Herbert Ploetz, Bonn

    Lieber Herr Hanke,
    meinen Dank für Ihre Pressemitteilung zu der schändlichen Absicht der EKD hinsichtlich des Danziger Erbes, die mich gerade erreichte. Habe sie einem befreundeten MdB weitergeleitet. Bin gerne zu weiterer Mitarbeit bereit. Ein Ururgroßvater war in den 1860er Jahren als "königlich preußischer Corvetten=Capitain Commandant des Marine=Depots Danzig", so die damalige Bezeichnung. Sein Bild hat mich durch 40 Dienstjahre begleitet.
    Ich benutze diese Gelegenheit auch gerne, um Ihnen für die regelmäßige Unterrichtung zu danken. Leider verhindert die Entfernung von Bonn zu meiner Geburtsstadt eine aktive Teilnahme.
    Ihrem Einsatz wünsche ich weiterhin Erfolg und verbleibe
    mit den besten Grüßen
    H. Ploetz
     
  • Der Sudendeutsche Pressedienst - Österreich -verweist in seiner AprilausgabeMonat der Museums- Eröffnungen auch auf die Danziger Paramente und die Unterstützung der Openpetition-Aktion; bitte nachstehenden Link anklicken: Sudetendeutscher Pressedienst - Österreich
     
  • Schriftwechsel R. Hanke mit St. Samerski 04.03.2023

    Lieber  Herr Dr. Samerski,
    vielen Dank  für  Ihre  Mitteilung.  Wir sind sehr gespannt auf diese Ihre Planung.
    Ich habe  heute  an Sie  gedacht,  mich  gefragt,  warum  wir  Sie  nicht zu  einem  Vortrag gewinnen  können.
    Über den  SLÖ  bekomme  ich  öfters  Informationen  über Ihr  großes  Engagement im Süden Deutschlands!
    Bitte  Informieren Sie  uns  über  Ihre  weiteren  Planungen   zum  Grundsatzproblem des  deutschen  Kulturgutes, Herr  Dr. Martens  sammelt  alles  auf  seinen  Seiten  "Ostdeutsche  Museen".
    Beste  Grüße
    Hk

    Lieber Herr Hanke,
    ich hatte das schon gehört! Sehr herzlichen Dank für die Stellungnahme. Es berührt ja eine grundsätzliche Frage, die offensichtlich im Moment ganz akut ist - vor allem als "Nacht- und Nebel-Aktion". Ich plane hier eine hochrangige Podiumsdiskussion, damit das Thema in die Öffentlichkeit kommt und Kulturgut nicht einfach "verschwindet".
    Ich hatte im Oktober in Danzig schon eine vage Zukunftsvision gehört, aber nicht damit gerechnet, dass alles schon im Dez. über den Tisch geht!
    Herzliche Grüße und beste Wünsche
    Ihr
    Stefan Samerski
     
  • 03.04.2023 Friedrich Zempel an Reinhard Hanke:

    Habe den Aufruf zur Petition an ca. 150 Leute weitergleitet.
    Mit freundlichen Grüßen
    Friedrich Zempel

    Antwort R. Hanke an Fr. Zempelvom 04.04.2023:

    Lieber Friedrich,
    hoffentlich nützt das  etwas! Vielen Dank. Auf  jeden  Fall  ist es  sehr  interessant  - und aufschlussreich  - die  Zustimmungen zur Petition  zu verfolgen!  Unsere  Dachverbände  schweigen. Die CDU/CSU- Bundestagsfraktion hat  mir durch den mir  seit langem bekannten  Mitarbeiter  Sven Oole  des Vorsitzenden der Vertriebenengruppe,  Herrn  de Vries, mitteilen lassen,  dass  sie  keine Veranlassung  sieht, eine  Stellungnahme  abzugeben, solange  nicht die Vertriebenenverbände selbst Stellung beziehen  ....Von
    einer Gesetzesinitiative  ganz  zu schweigen. Ein Skandal! [...]
    Beste  Grüße
    Hk

    Schreiben Fr. Zempel an R. Hanke vom 04.04.2023:

    Lieber Reinhard,
    ich hatte bereits im Namen meines Vereins gegenüber der EKD protestiert. Willst Du einen Artikel für unsere Internetseite schreiben?
    Mit freundlichen Grüßen
    Friedrich Zempel

    Antwort R. Hanke an Fr. Zempel vom 04.04.2023

    Lieber  Friedrich,
    Eure Leitseiten sprechen für  sich  selbst,  Einen  Hinweis  kann ich  geben,  für  einen  Artikel  fehlt  mir die  Zeit! Aber über  Paramente bzw.  die Sicherung  deutschen Kulturgutes  vor dem  Weggehen ins  Ausland -  eine  Gesetzesinitiative  muss her  -  habe ich  nichts gefunden.
    Den  Protest  Deines  "Vereins"  bei der  EKD haben  wir erhalten? Mir  fehlt  - am  AWR - 834  arbeitend  u. a. m.  -  die Zeit zu prüfen. Eure Stellungnahme  müsste  dann auf den  Seiten "Ostdeutsche  Museen"  von  Dr.  Martens stehen!
    Beste  Grüße.
    Hk

  • KOMMENTARE VON UNTERSTÜTZERN BEI IHREN UNTERSCHRIFTEN AUF OPENPETITION

  • Max Manke:
    Verbleib des Paramentschatzes in Deutschland ist eine Anerkennung und Ehrung der Leistung der Personen, die unter persönlichen Opfern diese Sammlung gerettet haben.
  • Heidemarie Schaller:
    Auch wir als Deutsche haben Rechte und Anspruch auf Kulturgüter, als Nachgeborene sind wir und unsere Vorfahren die "Prügelknaben", gut um zu helfen, aber selbst keine Ansprüche geltend machen!
  • Nicht öffentlich:
    Es handelt sich hierbei um deutsches Kulturgut mit Background zur damaligen deutschen Bevölkerung. Kulturgüter wie diese sind ein wichtiger Teil der Erinnerungskultur der vertriebenen bzw. umgesiedelten ehemaligen deutschen Bevölkerung und müssen somit in Deutschland verblieben - zumal KEIN Bezug zur heutigen polnischen Bevölkerung besteht!
  • Nicht öffentlich:
    Weil es deutsches Kulturgut ist.
  • Ulrich Dittmann:
    Deutsche Kulturgüter gehören nach Deutschland
  • Eckhard Ochmann:
    Es konnten nur wenige Kirchenschätze auf der Flucht aus ehemals deutschen Landesteilen gerettet werden. Wenn es nun einen Gegenstand gibt, der bis heute in Deutschland gezeigt werden kann, so sollte er weiter in Lübeck verbleiben, als Erinnerungsstück an einen einstmals größeren deutschen Kulturkreis.
  • Thomas Hartmann:
    Schutz deutscher Anliegen
  • Nicht öffentlich:
    Diese Kulturschätze sind im Rahmen des protestantischen Glaubens in einer Protestantischen Kirche geschaffen worden und zusammen mit den Vertriebenen Gläubigen in den Westen gewandert. Hier erfahren diese Schätze eine glaubwürdige Anerkennung und sie gehören zu unserer protestantischen, deutschen Kultur.
  • Laura Fischer:
    Meine Eltern sind Vertriebene aus den Ostgebieten und mit ihnen ging ihre Kultur mit der Flucht in den Westen. Hier ist das adäquate Andenken gesichert.
  • Eberhard Brede:
    Es musss verhindert werden das deutsche Kulturgüter ins Ausland überstellt werden.
  • Frank Birke:
    Weil ich möchte, daß deutsche Kunst in deutschen Händen bleibt.
  • Michael Hornung:
    Deutsches Kulturgut muss in Deutschland bleiben.
  • Andreas Heiser:
    Originale deutsche Kunstwerke dürfen nicht in die Hände einer Kaczinski-Regierung gelangen
  • Nicht öffentlich:
    Zum Schutze der Kulturgüter...
  • Kirstin Storch:
    Es geht um unsere Geschichte, unsere Ahnen !!!
  • Nicht öffentlich:
    Erhalt des deutschen Kulturgutes
  • Brigitte Stramm:
    Der Paramentenschatz ist deutsches Kulturgut, darf daher nicht nach Danzig gehen. Lübeck hat die Patenschaft für Danzig, dort ist die Sammlung gut aufgehoben. Polen möchte neben den Gebieten, die sie sich einverleibt haben, jetzt auch noch unser Kulturgut haben. Meine Familie mit Danziger Wurzeln ist entsetzt. Der Verlust der Heimat ist nach wie vor ein Stachel, der schmerzt. Das wenige erhaltene Kulturgut der Deutschen aus den Ostgebieten soll und muss in Deutschland verbleiben.
  • Dr. Wolfgang Pospischil:
    Kulturgüter sind keine Handelsware. Der Paramentenschatz sollte dort weiterhin einen würdigen Platz erhalten, wo er unter persönlichem Einsatz von Geflüchteten und Vertriebenen als markantes Beispiel
    Danziger Geschichte für alle sichtbar und erlebbar bleiben wird.
  • Ulf Püstow:
    Weil deutsches Kulturgut, dass während des Krieges gerettet werden konnte, das deutsche Staatsgebiet nicht dauerhaft verlassen darf.
  • Heinz Meyer:
    weil ich in westpreußen geboren bin
  • Dieter Pomierski:
    Deutsches Kulturgut erhalten und achten
  • Nicht öffentlich:
    Frage der Gerechtigkeit
  • Nicht öffentlich:
    Aus den in der Begründung der Petition genannten Gründen.
  • Dr. Dr. Ehrenfried Mathiak:
    Wer die Weggabe geretteter ostdeutscher Kulturgüter betreibt, gleichzeitig aber die Vertreibung und Enteignung der Deutschen aus Danzig nicht verurteilt und nicht für Wiedergutmachung durch den Vertreiberstaat eintritt, ist scheinheilig und fällt den Vertriebenen und ihren Anliegen in den Rücken.
  • Nicht öffentlich:
    Ich sehe keine Notwendigkeit, unsere wenigen geretteten Kulturgüter, die wir verehren, ins Ausland zu schenken. Wir Heimatvertriebenen bekommen von dort nichts von dem, was uns gehört.
  • Nicht öffentlich:
    Es handelt sich um deutsche Kulturgüter. Warum sollten diese an Polen verschenkt werden?
  • Babette v. Sass:
    Gerettetes deutsches Kulturgut muss in Deutschland bleiben. Bewahrung deutscher Geschichte.
  • Jürgen Hermes:
    Deutsches Kulturgut bleibt in Deutschland. Wir haben unsere Identität zusammen mit der Erinnerung an unsere verlorenen Gebiete zu schützen.
  • Rainer-Hannes Reimers:
    Weil der arrogante und geschichtsvergessene Umgang von Amtskirchenfunktionären mit ostdeutschem Kulturgut des Widerspruchs bedarf.
  • Nicht öffentlich:
    Westpreußen ist ein unveräußerlicher Teil deutscher Geschichte und ein Verschenken des Schatzes geschichtsvergessen und unpatriotisch.
  • Dietrich Sperber:
    Das sollte nicht in fremde Hände gehen! Es gibt doch nur noch wenige Zeugnisse dieser Kultur! Es hat doch eher eine Beziehung zu den Menschen (Erben), als zum Ort!
  • Sandra Koch:
    der Schatz soll in deutscher Obhut bleiben und der Bevölkerung zugänglich bleiben, zu sehen sein in Deutschland und nicht so weit weg in Polen
  • Gerhard Trucewitz:
    Um deutsches Kulturgut im eigenen Lande zu behalten
  • Nicht öffentlich:
    Grund: bei dieser Aktion - geplante "RÜckgabe" der Paramente - sind m.E. die Maßstäbe von geschichtlicher Wahrheit,Recht und Völkerrecht total verrutscht. Hier werden die Opfer einmal mehr beraubt - doppelt verwerflich angesichts des Erstversuches 1944, diesem Raub zu entgehen - und die Täter einmal mehr begünstigt,egal in welcher Rechtsnachfolge und in welchem Bereich und in welchem zeitlichen Abstand;doch nunmehr auch mit dem "Segen" der EKD. Irgendwelche abmildernde Bekenntnisse auf der Gegenseite, auf denen man eine Versöhnung auf der Basis von Wahrheit aufbauen könnte, sind nicht erkennbar, im Gegenteil. Das sehe ich weder als Beitrag zum Frieden, noch zur Versöhnung, und es macht diese ganze Aktion zu einem durch und durch schwer nachvollziehbaren Vorhaben. Es basiert auf Unwahrheit und ist somit nicht christlich und daher m. E. nicht gutzuheißen. Eine Alternative wäre, ein Duplikat des Paramentenschatzes herzustellen - das ist heutzutage kein Problem -, dieses Duplikat in Danzig auszustellen und dort in polnischer, deutscher, russischer und mindestens noch in litauischer und englischer Sprache zu erklären, WARUM das Original in Lübeck ist. Diese Erklärung müßte freilich historisch korrekt und ungeklittert sein. Dieser Vertrauensvorschuß könnte das Potenzial haben, eingewohnte Positionen zu hinterfragen und geistige Kapazitäten freizusetzen für eine gegenseitige Einsicht, die enthält: a.) aus der Geschichte gezogene Lehren inklusive der Anerkennung der zutiefst menschlichen Anfälligkeit für unreflektierte Verführbarkeit, unabhängig von der nationalen Zugehörigkeit, b.) die Notwendigkeit des Mutes, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen zur Verwirklichung christlicher Werte im Diesseits. Und in Folge, vielleicht, die Entwicklung eines Gemeinsam im Geiste von Vergebung, begleitet durch den praktischen Willen und Tat zur aktiven Geschichtserforschung. Das Ziel wäre - bilateral- eine Verständigung mit Polen, die diesen Namen verdient. Wenn das gelänge, angesichts dieser gewaltigen Geschichte aus Krieg und Frieden, ließe sich daraus eine universell nutzbare "Blaupause" für andere Konfliktherde entwickeln. Dieser großen, christlichen Aufgabe sollten sich die EKD und die polnische Kirche annehmen. Sie hätte wahrlich ein christliches Herkulesformat. Für diese Aufgabe wäre die "Rückgabe" des Paramentenschatzes kontraproduktiv, weil sie ein einseitig und historisch unvollständiges Narrativ bedient, das wegen dieser Mängel keine Kraft zu einem dauerhaften Frieden hat.
  • Sören Radtke:
    Fremde Museen sind bereits genug mit deutschen Kulturgüter gefüllt.
  • Rufus Meyer:
    Damit solch ehrwürdigen Sachen nicht in private Hände gelangen und für jeden einsehbar bleiben
  • Norman Girod:
    Kulturschätze sollen keiner Staatlichkeit unterliegen, sondern allen Menschen auf gleiche Weise dienen und zur Freude gereichen.
  • André Gottschalk:
    Es handelt sich um deutsches Kulturgut und ist eine Erinnerung deutscher Lebenswirklichkeiten in den ehemaligen deutschen Ostgebieten
  • Marcel Milde:
    Unser Kulturgut sollte in Deutschland verbleiben
  • Patrick Klinnert:
    Deutsche Kulturgüter müssen in deutscher Hand bleiben.
  • Arno Kunath:
    Die Kirchenschätze müssen in Deutschland erhalten und gesichert bleiben.
  • Anna-Maria Fischer:
    Ein bisschen was gegen die Selbstaufgabe tun....
  • Erich Ameseder:
    Deutsches Kulturgut muss auf deutschen Boden bleiben!
  • Marion Gehlhaar:
    Erhaltung der Kirchlich-Preussischen Geschichte !!
  • Hubert Rogelböck:
    altes Kulturgut egal welcher Art verschenkt man nicht ins Ausland. Es soll im eigenen Land bleiben. Man weiß ja nie was mit dem verschenkten Dingen geschieht
  • Hubertus v. Below:
    Es geht um eine echte Annäherung mit den Polen, die viel europäischer sind als wir zumindest im christlichen Sinne. Gegenseitige unrealistische Forderungen oder EU Bevormundungen bringen uns als Europa mit lauter eigenen Identitäten nicht weiter.
  • Nicht öffentlich:
    Meines Erachtens ist es ein Teil des historischen deutschen Kulturgutes und sollte aus diesem Grunde auch im St. Annen Museum verbleiben.
  • Gabriele Schwarze:
    Meine Familie ist aus Westpreußen. Unsere Heimat und Kultur mussten wir zurücklassen. Nicht auch noch unsere geretteten Kulturgüter weggeben!
  • Ricarda Martens:
    Hier geht es um den Erhalt eines unermesslichen Schatzes, für den sich Lübeck und das St. Annen-Museum insbesondere seit 1945 bemühen. Hier wurde ja kein Kulturraub begangen, wie z.B. in Ägypten, sondern es wurde Kultur gerettet. Insofern hat Deutschland hiermit auch jedes Recht, diese Kulturgüter mit allen Konsequenzen auszustellen, und zu schützen und sie auch sein Eigen zu nennen- . 
  • Nicht öffentlich:
    Ich bin selbst das Kind vertriebener Deutscher.
  • Nicht öffeentlich:
    Ich bin selbst betroffen.
  • Jürgen Zauner:
    Deutsches Kulturgut sollte auch in Deutschland verbleiben. Polen gibt im Krieg ausgelagertes deutsches Kulturgut auch nicht zurück!!
  • Rosmarie Hummel:
    Auch Juden haben bei Vertreibungen seit Jahrhunderten aus Synagogen Gegenstände/Kirchenschätze gerettet und dann an ihren neuen Lebensorten behalten. Die Schätze sind also mit ihnen gezogen.
  • Kreisgemeinschaft Johannisburg e. V.:
    ein solcher fall von veruntreuung ist rechtswidrig und nicht hinnehmbar, die ekd ist nicht rechtlicher eigentümer, ebenso wenig wie die kirche in danzig
  • Mirko Caspary:
    ja und das sofort
  • Bernd Jordan:
    Deutsches Kulturgut muss auch in Deutschland verbleiben, um nachfolgenden Generationen darüber Auskunft geben zu können.
    Etwas, was von Deutschen geschaffen wurde, kann nicht als "Rückgabe" an die polnische Bevölkerung deklariert werden.
  • Andreas Gast:
    Die Kunstschätze sind deutsche Kulturgüter.
  • Nicht öffentlich:
    Als Lübeckerin und Tochter eines überlebenden Vertriebenen unterstütze ich diese Petition dringend. Für diese bedeutsamen, kostbaren Stücke aus unserer Vergangenheit gibt es keinen besseren, richtigeren Platz als hier in Norddeutschland. Sie sind wie wir seit langem hier zu Hause. Auch an die EKD: Helfen Sie, unser historisches Erbe zu hüten.
  • Nicht öffentlich:
    Es handelt sich um deutsches Kulturgut. Die evangel. Kirche handelt verantwortungslos
  • Michael Mühmel:
    Ich bin gegen eine Aufgabe deutschen Kulturgutes ohne angemessene Präsentation und Dokumentation in Danzig, lediglich eine Dauerleihgabe ist vorstellbar.
  • Peter Schulze:
    Die Leitung der EKD ist eine zumutung für Christen. Kein historisches oder kulturelles Verständnis für unser Volk ist von diesen schändlichen Menschen zu erwarten.
  • Tobias Thieme:
    Kulturverständnis
  • Hubertus-Jörg Riedlinger:
    Die Bewahrung der deutschen Kultur, insbesondere der ehemaligen Ostgebiete ist mir wichtig.
  • Friedhelm Schülke:
    Warum will sich die EKD eigenmächtig über den Willen der Betroffenen hinwegsetzen? Ist das christlich? Was hält die EKD von einem offenen Dialog, der diesen Namen verdient?
  • Inge Barfels:
    Ich schließe mich den Ausführungen von Herrn Schülke an.
  • Manfred Schukat:
    Weil eine Verbringung dieses Kulturgutes nach Polen nicht im Sinne derer ist, die es unter Einsatz ihres Lebens in de Westen gerettet haben.
  • Stefan Barth:
    Weil es unser Kulturgut ist.
  • Paul Heinze:
    Der Paramentenschatz aus Danzig ist genauso vertrieben worden wie wir seinerzeit 1945 aus Westpreußen. Die Paramente gehören in den Besitz der Evangelichen Kirche Deutschlands, dort wo die Evanglischen aus Danzig jetzt leben. Das heutige Gdansk hat keine Beziehung zu diesen Paramenten, somit ist ein Verbleib im Lübecker St. Annen-Museum eine christlich moraliche Pflicht für die Evangeliche Kirche in Deutschland. In Gdansk werden diese Paramente höchstwarscheinlich wenn überhaupt im Archiv eingelagert . Für mich ist es deshalb so wichtig, dass diese Paramente in Deutschland verbleiben.
  • Andreas Schaaf-Fiege:
    Deutsches Kulturgut muss in Deutschland bleiben
  • Klaus Downar:
    es sind genug rechte aufgegeben und dem verzicht zugeordnet worden, man soll endlich auch besitzstand anerkennen und wichtige kulturgüter einer erneuten rettung unterstellen.
  • Nicht öffentlich:
    Deutsches Kulturgut gehört in deutsche Kultureinrichtungen und nicht ins Ausland. Dort kann man auch gar nichts damit anfangen.
  • Bruno Gübitz:
    Kirchengut darf nicht an die falschen Adressaten übergeben werden
  • Hartmut Roth:
    Weil ich nicht will, dass deutsches Kulturgut in polnische Hände gerät.
  • Henry Nitzsche:
    Deutsches Kulturgut sollte nicht in fremde Hände gehen
  • Klaus-Peter Börner:
    Ich möchte, dass gerettetes deutsches Kulturgut in deutschem Besitz bleibt
  • Konrad Wutscher:
    Verhinderung der Rückgabe
  • Dr. Jürgen Martens:
    Deutsches Kultrgut muß in Deutschland verbleiben vor allem, wenn die EKD nur treuhänderischer Eigentümer ist.
  • Dr. Jürgen Drenckhan:
    Ich schließe mich der Argumentation von Dr. Martens an
  • Karl Jochen Gruch:
    Klärung der grundsätzlichen Frage, ob Kulturgüter den Menschen gehören, die sie schaffen, oder dem Ort, wo sie geschaffen wurden.
  • Nicht öffentlich:
    Damit die Vertriebenen nicht auch zur Heimat noch weiteres Kulturgut verlieren
  • Nicht öffentlich:
    Die Nachkommen der vertriebenen Danziger leben heute in Deutschland. Daher soll auch deren Kulturgut in Deutschland bleiben.
  • Jochen Kiefer
    Rettung ostdeutschen Kulturgutes
  • Lothar Zenker:
    Von der Geschichte her, meine Vorfahren sind zum Teil aus den ehemaligen Ostgebieten
  • Sigrid Kaminsky:
    Bewahrung der Geschichte meiner Heimat
  • Dr. Ralph Mitlöhner:
    Als heimatvertriebene Familie aus Danzig ist die Abgabe unseres ostdeutschen Kultur- und Glaubensgutes unerträglich. Ich verwehre mich gegen dieses Vorhaben meiner evangelisch-lutherischen Kirche mit Nachdruck!
  • André Matz:
    Kulturgüter retten
  • Falk Pusch:
    Gerettete deutsche Kulturgüter, welche unter Einsatz des Lebens für uns in Sicherheit gebracht wurden, muss den nachfolgenden Generationen in unserem Land erhalten bleiben.
  • Henry Hufenreuter:
    Es handelt sich hier um deutsches Kulturgut aus Westpreußen. Niemand darf das Recht haben, dieses ins Ausland zu transferieren.
  • Sofia Keutner:
    Einige Polen sind schon Vertreibungsmoerder nach 2.Weltkrieg. Jetzt kann man Ihnen nicht auch noch dt. Kulturgut vor die Füße zum Zerschlagen schütten.
  • Dr. Wolfgang Köpp:
    Der Ausverkauf Deutschen Kulturgutes noch dazu durch die Ev. Kirche Deutschlands ist unerträglich und zeigt, daß gerade diese Kirche in letzter Zeit ihre Verantwortung gegenüber den Vertriebenen und den Werten der Ostdeutschen Länder verworfen hat.
  • Jürgen Lienig:
    Bin vertriebener Schlesier. Das Unrecht der Vertreibung bedrückt mich lebenslang.
  • Marc Müller:
    Die Bewahrung unseres deutschen Kulturgutes sollte uns allen eine Herzensangelegenheit sein.
  • Bernd Jordan:
    Deutsches Kulturgut muss auch in Deutschland verbleiben, um nachfolgenden Generationen darüber Auskunft geben zu können. Etwas, was von Deutschen geschaffen wurde, kann nicht als "Rückgabe" an die polnische Bevölkerung deklariert werden.
  • Manfred Schukat:
    Weil eine Verbringung dieses Kulturgutes nach Polen nicht im Sinne derer ist, die es unter Einsatz ihres Lebens in den Westen gerettet haben.
  • Christian-F. Maultzsch:
    Es ist ein deutsches Erbe, und gehört damit nach Deutschland. Über eine Ausleihe unter musealen Bedingungen kann man immer reden. Forschungen können auch in Lübeck vorgenommen werden.
  • Nicht öffentlich:
    Kulturgut, das unter schwierigsten Bedingungen aus den Vertreibungsgebieten gerettet wurde, sollte in Detschland verbleiben, damit es auch zukünftigen Generationen zugänglich ist, wenn die Erlebnisgeneration verstorben ist.
  • Werder/Havel:
    Es erscheint üerflüssig und sogar für die Zusammenarbeit zwischen Kulturinstitutionen in Danzig und Lübeck als kontraproduktiv, die Paramente nur an einer Stelle aufzuheben. Beide Seiten verfügen über eine ausreichende Anzahl an Paramenten.
  • Jan-Falk Jacobi
    Diese Petition ist mir wichtig, da der Danziger Paramentenschatz deutsches Kulturgut war und ist. Es gehört den Deutschen und nicht den Polen, die Großteile der deutschen Ostgebiete samt Danzig nach dem 2. Weltkrieg von den Alliierten zugesprochen bekamen. Die Polen haben, genau wie die Russen, die Amerikaner und Engländer deutsches Kulturgut nach dem 2. Weltkrieg geraubt und nur z. T. den Deutschen zurückgegeben. Ein Land ohne Kulturgüter ist ein Land ohne Geschichte! Zurückgeben kann man nur etwas, was einem nie gehört hat, also nie in dessen Eigentum stand. Der Danziger Paramentenschatz stand aber eben immer im Eigentum der Deutschen Evangelischen Kirche in Danzig bis zur Vertreibung der Deutschen. Der Paramentenschatz stand eben nie im Eigentum der Polen, nie im Eigentum der heutigen polnischen Stadt Danzig. Es ist nicht ein Zeichen der Versöhnung, sondern ein Zeichen der Schwäche, deutsches Kulturgut einem fremden Land, einer nun fremden Stadt zu überlassen.
  • Heinz Ney (GeO)
    Unter höchster Lebensgefahr gerettet, soll von den wenigen verbliebenen ostdeutschen Kulturgütern ohne Not weiter gegeben werden. Das gilt es unbedingt zu verhindern.
  • Rüdiger Jakesch:
    für Erhaltung des ostdeutschen Kulturgutes
  • Wilhelm Muck
    Unwiederbringliche Rettung deutschen Kulturgutes
  • Martin Mende:
    Bewahrung deutschen Kulturguts
  • Markus Harzer:
    Die sogenannte Rückgabe ist ein Schlag ins Gesicht der wirklichen Danziger. Und zu denen gehört es.
  • Nicht öffentlich:
    Die Vereinnahmung deutschen Kulturgutes durch Polen ist nicht akzeptabel
  • Gunnar Adolphi:
    Polen oder der polnische "katholische" Klerus war nie jemals Eigentümer des evangelischen Kirchenschatzes und dies ist eine verantwortungs- wie geschichtslose Aktion der EKD.
  • Andrea von Beaulieu:
    Die Politiker haben heute gar kein Interesse mehr an Deutscher Kultur und Deutschem Kulturgut und kein Wissen darüber. Sie lieben weder ihr / unser Land noch ihre Wähler - die deutschen Bürger. DAS DARF NICHT MEHR SO WEITERGEHEN !!!
  • Reinhard August:
    Deutsches Kulturgut muß !!! in der BRD bleiben !!! Polen hat mit diesem Kulturgut nichts zu tun, die haben schon genug von uns Deutschen bekommen.
  • Tobias Thieme:
    Kulturrettung
  • Wolfgang von Jan:
    Ich war seit 1964 mehrfach persönlich in der Marienkirche in Danzig. Bis auf wenige Originalschriften - oft kaum erkennbar - war die die letzten Jahrhunderte für deutsche evangelische Christen gewidmete Kirche nicht als Solche erkennbar. Eine irgendwie geartete Verständigungsmöglichkeit war nicht zu erkennen. Dabei hat Deutschland ja auch zum Wiederaufbau - besonders wohl der Orgel - beigetragen. Die Paramente wurden damals unter Lebensgefahr gerettet, um sie im eigenen Kulturbereich zu halten. Eine Gabe nach Polen - es ist ja keinesfalls eine Rückgabe - kann ich weder verstehen noch vor unseren Nachfahren verantworten.
  • Nicht öffentlich:
    Die Abgabe der Paramente dienen vordergründig nicht zur friedfertigen Aufarbeitung der gemeinsamen Vergangenheit zwischen Polen und Deutschland.
  • Alfred Nehrenheim:
    Kunstschatz oder Mensch, wo ist der Unterschied?
  • Gerd Birth:
    Bewegliche Kulturgüter, ganz gleich welcher Art, die uns früher legal im heutigen Sinne gehört haben, müsssen unser Eigentum bleiben. Das gleiche gilt auch für die ostpreussischen Kulturgüter Ostpreussisches Kulturgut
  • Lothar Strunk:
    Die Güter sind für mich keine Kriegsbeute und dadurch ist Deutschland rechtmäßiger Besitzer derselben.
  • Karola Fauser:
    Unsere Regierung und nun auch noch die evangelische Kirche ist in keinster Weise an unserem jahrhundertenlangen wertvollen Kulturschatz interessiert vor allem für unsere Kunstschätze aus unseren östlichen Provinzen!
  • Rudolf Böckmann:
    Alte Traditionen sollten nicht zur Disposition stehen.
  • apl. Prof. Dr. Klaus Neitmann:
    Die Paramente entstammen der deutschen evangelischen Kirchengemeinde in Danzig, sind unter größten Gefahren 1945 vom Pfarrer gerettet worden und gehören daher auf Dauer in einen deutschem und evangelischem, geistlichem und kulturellem Gut gewidmeten Aufbewahrungsort wie jetzt in Lübeck.
  • Manfred Kauss:
    Wertvolle Kulturgüter
  • Dr. Wolfgang Steffanides:
    Weil nur so Sicherheit und Anstand gewahrt sind.
  • Margot Wiese:
    Kulturgut muß erbalten bleiben
  • Konrad Schmidt:
    Dieser Paramentenschatz ist eine sehr bedeutende Hinterlassenschaft deutscher Christen aus der Hansestadt Danzig, die jahrhundertelang eine überwiegend von Deutschen bewohnte Stadt im deutschen Siedlungsgebiet an der Ostsee war. Jetzt leben dort Menschen, die aus ganz anderen Siedlungsräumen kamen und sich nicht mit diesem deutschen Erbe identifizieren können.
  • Prof. Dr. Otmar Wassermann:
    Polen hat keinerlei Anspruch auf den Paramentenschatz. Vor allen muss Polen die 700 Kisten mit Preußischem Kulturbesitz zurückgeben, die am Ende des 2. Weltkrieges in Schlesien ausgelagert waren und von den Polen geraubt wurden.
  • Gudrun Wassermann:
    Polen hat darauf keinen Anspruch, weil es sich um deutschen Kulturbesitz handelt. Außerdem sollte Polen die 700 Kisten mit preußischem Kulturbesitz zurückgeben, die im 2. Weltkrieg nach Schlesien ausgelagert wurden und von Polen geraubt und nie zurückgegeben wurden.
  • Reiner Buslaps:
    Es ist für mich wichtig, dass dieser gerettete Danziger Paramentenschatz als Kulturgut in Deutschland bleibt.
  • Michael Heimann:
    Kunstschätze wie diese unterliegen doch auch dem Ausfuhrverbot, oder ?
  • Manfred Lietzow:
    Es geht um den Verbleib der Danziger Paramente als kulturelles deutsches Erbe in Lübeck!
  • Helmut Lessing:
    Diese freiwillige Preisgabe von deutschem Kulturgut ist ein Verrat am deutschen Volk. Den Verantwortlichen Funktionären steht diese Entscheidung, unsere Wurzeln zu kappen, nicht zu. In wessen Auftrag handeln sie?
  • Ernst S. von Heydebrand:
    Die heute Gdansk genannte Stadt und ihre Kirchen haben keinerlei Beziehung zu den Paramenten.
  • Hermenegild Barth-Bienwald:
    Es macht mich sehr betroffen, wie man mit deutschem Kulturgut umgeht.
  • Prof. Dr. Thomas W. Wyrwoll:
    Eine völlig unkoordinierte "Rückgabe" deutschen Kulturgutes an neue Besitzer, die mit diesem Erbe zuvor nie etwas zu tun hatten und zudem bisher keine Anstalten unternommen haben, dieses künftig in sachgerechter Weise zu verwahren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ist gegenüber der eigenen Geschichte unverantwortlich. Die hierin erkennbare Mentalität zur Entsorgung der eigenen Nation ist schlichtweg bestürzend. Sowohl bzgl. der Danziger Paramente als auch in anderen Bereichen des ostdeutschen Kulturerbes sollte stattdessen (wie vom Petenten zurecht angeregt) eine Möglichkeit geschaffen werden, die heute über verschiedene Staaten verteilten Zeugnisse der deutschen Geschichte als solche (zumindest soweit konservatorisch vertretbar) in einem Rotationssystem grenzübergreifend zugänglich zu machen, damit sie möglichst bald für alle daran Interessierten erlebbar werden.
  • Reiner Pfesdorf:
    Deutsches Kulturgut muss in Deutschland bleiben!
  • Hans-Jürgen Kämpfert:
    Einmaliges Kulturgut aus den Vertreibungsgebieten muß in Deutschland (Lübeck) bleiben, um die kulturhistorische Bedeutung aufzeigen und erklären zu können.
  • Nicht öffentlich:
    In der Petition "Gegen den EKD-Beschluß zur Fortgabe der Danziger Paramente ins Ausland " steht die Erklärung!
  • Dr. Rudolf Benl:
    Das wenige, was an deutschem Kulturgut für die ostdeutschen Heimatvertriebenen und deren Nachkommen sowie für das ganze deutsche Volk hat gerettet werden können, darf nicht leichtfertig verschenkt werden. Hierbei handelt es sich nicht um eine freie Verfügungsmasse der Spitzen der EKD. Die Forderung nach weiterem ostdeutschem Kulturgut würde durch die Auslieferung des Danziger Paramentenschatzes an Polen wohl noch verstärkt werden.
  • Manfred Dosdall:
    Deutsche sollen ihre Kultur pflegen und deren Wurzeln kennen. Solche Pflege und Präsentation gehören nicht ins Ausland.
  • Prof. Dr. Joachim Zdrenka:
    Der Paramentenschatz ist im Museum allen zugänglich und muss aus diesem Grund nicht zurückgegeben werden
  • Helmut Zu Schwante:
    Keine Veruntreuung deutschen Kulturguts
  • Dr. jur. utr. Jürgen Danowski:
    Die Danziger Paramenten gehören in deutsche Obhut und sind im Lübecker St. Annen-Museum an richtiger Stelle aufbewahrt und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich.
  • Nicht öffentlich:
    Viele ostdeutsche Kulturschätze gingen bereits verloren. Auch läßt der Staat Polen leider keine Rückgabe von zum Beispiel der Stadt Görlitz gehörenden Kulturschätze zu, die im Krieg in schlesische Schlösser usw. östlich der Neiße ausgelagert wurden.
  • Matthias Funk:
    Unser Kulturgut mus in Deutschland bleiben. Aktuell sind die Polen nur noch raffgierig und fast alle geben denen nach. Das ist der falsche Ansatz. Auch Polen gehört nun mal zu Verlierern des Krieges, nicht nur Deutschland. Der Osten Deutschlands steht nur unter polnischer Verwaltung! Der Deutsche Osten hat nix zu verschenken, schon gar nicht an Polen.
  • Dr. Anja Erdmann:
    Deutsches Kulturgut ist als kulturelles Erbe unserer Nation vor einer Weggabe ins Ausland zu bewahren. So etwa sagt es das Kulturgutschutzgesetz. Leider hat ein unseliger, geschichtsvergessener Zeitgeist um sich gegriffen, der die Bewahrung deutscher Kultur und Werte als rückständig und rechts diffamiert.
  • Nicht öffentlich:
    Weil deutsches Kulturgut nach Deutschland gehört. Bekommen wir etwa unsere Kulturgüter aus Polen zurück?
  • Nicht öffentlich:
    Als Ostpreuße schließe ich mich der aus meiner Sicht begründeten Forderung zum Verbleib des 1944 geretteten Paramentenschatz aus der Danziger Marienkirche an. Der Schatz ist nicht wie vorgesehen nach Danzig "zu verschenken", hier ist nach anderen Möglichkeiten zu suchen.
  • Helmut Schönhoff:
    Gerettetes deutsches Kulturgut aus dem deutschen Osten darf nicht ins Ausland verschoben werden.
  • Nicht öffentlich:
    Es handelt sich um deutsches Kulturgut
  • Heinz Keutner:
    Was haben Polen mit dt.Kulturgut zu tun? Man hat dort schon genug gestohlen
  • Helmut Keutner:
    Deutsches Kulturgut aus dem Osten muss in BR Deutschland verbleiben, denn hier wohnen die Deutschen überwiegend
  • Ute Breitsprecher:
    Die evangelische Kirche darf nicht die Macht haben, deutsches Kulturgut in 's Ausland zu geben.
  • Otto Cramer:
    Als gebürtiger Ostpreuße finde ich es wichtig, daß die Paramente in Lübeck verbleiben.
  • Norbert Zobel:
    Verbleib des Danziger Paramentenschatzes im Lübecker St. Annen-Museum
  • Reinhard M. W. Hanke:
    Deutsches Kulturgut gehört zu meiner Identität!
  • Erkenheid Martens:
    Paramente sollen als deutsches Kulturgut in Lübeck verbleiben.