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Mit einer Petition auf dem Internetportal https://www.openpetition.de- betitelt Verbleib des 1944 geretteten Danziger Paramentenschatzes im Lübecker St. Annen-Museum - soll verhindert werden, daß die EKD treuhänderisch in ihrem Eigentum befindliches deutsches Kulturgut aus den untergegangenen evangelischen Gemeinden der historischen deutschen Ostprovinzen an Polen ohne Gegenleistung verschenkt. Die Forderung lautet: Die Paramente sollen im Lübecker St. Annen- Museum dauerhaft verbleiben.

 Um Unterstützung dieser Petition wird herzlich gebeten.

Paramente aus der Marienkirche zu Danzig

Oberkonsistorialrat Dr. Gerhard Gülzow, der letzte evangelische Pfarrer an St. Marien zu Danzig, rettete Ende 1944 mit einigen getreuen Gemeindemitgliedern die unermeßlich wertvollen mittelalterlichen liturgischen Textilien seiner Kirche vor der drohenden Vernichtung durch die herannahende Rote Armee.
289 Teile wursubstratoriumden auf dem Weg nach Bayern zunächst in Thüringen bewahrt. Dort verblieben 183 Paramententeile, die 1961 von der DDR- Regierung an die Volksrepublik Polen überstellt wurden. Seitdem werden sie im Nationalmuseum Danzig gezeigt.
106 Teile der Paramente aus Danzig konnte Dr. Gülzow auf abenteuerlichem Wege nach Lübeck holen und  zunächst in seinem Pfarrhaus in der Lübecker Luther-Kirche zusammenführen. Eigentümerin der Paramente war nach dem Untergang der evangelischen Gemeinden in den historischen deutschen Regionen östlich von Oder und Neiße die UEK in der Evangelischen Kirche Deutschlands.
Ab 1964 fanden die Paramente im Westwerk der Marienkirche zu Lübeck Platz und konnten hier von etwa 7.000 Besuchern jährlich bestaunt werden. Der Präsentationort gefährdete den textilen Bestand zunehmend. Er war nicht sachgerecht. Über einen Vertrag zwischen der Evangelischen Kirche und der Hansestadt Lübeck gelangten die Paramente in das Lübecker St. Annen-Museum und wurden ab 1990 in einer stiftungsseits finanzierten Klimakammer den ICOM-Vorgaben entsprechend präsentiert.
Bei nach 2010 erfolgten Lübeckbesuchen konnte ich irritiert feststellen, daß die Paramente sich nicht mehr im Ausstellungsbereich des Museums  befanden.
Zwischen dem 5. bis 7. Oktober 2018 veranstalteten das Kulturwerk Danzig und die Danziger Naturforschende Gesellschaft ihr XXXIX. Forum Gedanum in Lübeck. Ein wichtiger Themenkomplex waren die Paramente aus der Danziger Marienkirche. Meine Fragen, wo sich die Danziger Paramentenschätze nunmehr befänden, wurden nicht eindeutig beantwortet. Dies veranlaßte mich am 15. Oktober 2018 zu einer Anfrage bei dem damaligen Ratsvorsitzenden der EKD, Herrn Bischof Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strom. Unter dem Datum 6. November 2018 erteilte mir OKR Dr. Philipps im Auftrag des Bischofs eine Antwort, in der es u. a. hieß, eine Rückführung des Lübecker Teils der Paramente nach Polen sei nicht vorgesehen. Diese Formulierung schloß allerdings eine spätere Rückführung nicht konsequent aus. Das habe ich Herrn Dr.  Philipps in meiner Replik vom 12.11.2018 zu verstehen gegeben.
In einer sehenswerten Exposition zeigte das St. Annen-Museum ab 19. Januar 2019 seine einmaligen Paramentenschätze, darunter jene, die Pastor Gülzow aus Danzig retten konnte.
Unbegreiflich waren im Dezember 2022 Informationen, die mich aus Lübeck erreichten. In den Lübecker Nachrichten war am 14. Dezember zu lesen,  daß die Danziger Paramente nach Polen überstellt werden sollten. Konkreter wurde dann die Pressemitteilung der EKD vom 9. Dezember 2022. Dort hieß es: Ausdruck deutsch- polnischer Freundschaft: Spätmittelalterliche Textilien sollen von Lübeck zurück zur Marienkirche Gdansk gebracht werden. Ob die Lübecker Paramente tatsächlich in die Danziger Marienkirche zurückkehren werden - wie die Pressemitteilung betont - oder ob nicht das Danziger Nationalmuseum als Bewahrungsort dienen wird, wie es bereits für die 1961 aus der DDR nach Polen gelangten Teile geschehen ist, sei dahingestellt.

Es folgen die Presseerklärungen der EKD vom 9. Dezember 2022 und  der Landsmannschaft Westpreußenn e. V. Berlin vom 27. Februar 2023 sowie die Stellungnahmen von Danzigern, Westpreußen und Freunden des Danziger Paramentenschatzes:

AUFLISTUNG DES INHALTS UND DER STELLUNGNAHMEN

  • Pressemitteilung der EKD vom 09.12.2022
  • Pressemitteilung der LM Westpreußen Berlin vom 27.02.2023
  • Pressemitteilung der LM Westpreußen Berlin vom 28.03.2023
  • Schreiben an Bischof Heinrich Bedford-Strohm, EKD, vom 18.10.2022 (Martens)
  • Schreiben an Dr. Philipps, EKD, vom 12.11.2022 (Martens)
  • 1. Schreiben an Frau Präses Kurschus,EKD, vom 27.12.2022 /Martens)
  • Emailschreiben an EKD vom 12.01.2023 (Prof. Dr. Gornig)
  • Schreiben OKR Dr. Evang, EKD, vom 24.01.2023
  • Emailschreiben an Dr. Evang, EKD, vom 25.91,2023 (M. Lietzow)
  • Schreiben an Dr. Evang, EKD, vom 02.02.2023 (H.-J. Kämpfert mit Anhang)
  • 2. Schreiben an Frau Präses Kurschus, EKD, vom 02.02.2023 (Martens)
  • Schreiben an BK Olaf Scholz vom 13.02.2023 (Hanke/Kämpfert/Martens)
  • Schreiben an Präses Kurschus, EKD,  vom 03.04.2023 (R. Benl)
  • Bericht in Lübecker Nachrichten vom 5./6.02.2023 (Autor Peter Intelmann)
  • Bericht in Preußische Allgemeine vom 17.03.2023 (Autor Fedor M. Mrozek)
  • Email-Stellungnahmen engagierter Freunde des Danziger Paramentenschatzes

Pressemitteilung der EKD vom 9. Dezember 2022

"Danziger Paramentenschatz" kehrt zurück

Ausdruck deutsch-polnischer Freundschaft: Spätmittelalterliche Textilien sollen von Lübeck zurück zur Marienkirche Gdansk gebracht werden

Die Union Evangelischer Kirchen in der Evangelischen Kirche in Deutschland (UEK) und die Marienkirche Gdansk haben sich darauf verständigt, in den kommenden Jahren das Eigentum an dem sogenannten "Danziger Paramentenschatz" von der UEK auf die Marienkirche Gdansk zu übertragen und die Paramente an ihren Herkunftsort zurückkehren zu lassen. Eine entsprechende Absichtserklärung haben beide Seiten am Donnerstagabend (8.12.2022) im Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover unterzeichnet. Die aus der Marienkirche Gdansk stammenden spätmittelalterlichen liturgischen Textilien waren am Ende des Zweiten Weltkriegs von Mitgliedern der damals evangelischen Marienkirchengemeinde zum Schutz vor Kriegsschäden auf die Flucht mitgenommen worden und zu großen Teilen nach Westdeutschland gelangt. Hier wurden sie zunächst in der Marienkirche Lübeck zusammengeführt und von der Evangelischen Kirche der Union (EKU; heute: UEK), als Rechtsnachfolgerin der untergegangenen Evangelischen Marienkirchengemeinde Danzig dauerhaft an das St. Annen-Museum Lübeck ausgeliehen. Ein kleiner Bestand wird im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg aufbewahrt. Einzelne Paramente sollen als Leihgaben der Marienkirche Gdansk auch künftig in Lübeck und Nürnberg ausgestellt werden.

"Stadt und Erzbistum Gdansk freuen sich sehr, dass nach dem Dreifaltigkeitsaltar, der seit 2020 nach über siebzig Berliner Jahren wieder in der Marienkirche Gdansk steht, demnächst auch der Paramentenschatz nach Hause kommt", sagte der Erzbischof Tadeusz Wojda bei der Unterzeichnung des Letter of Intent im Kirchenamt der EKD. Der UEK-Vorsitzende Kirchenpräsident Volker Jung hob den Geist der ökumenischen und der polnisch-deutschen Freundschaft hervor, in dem die Danziger Partner die Initiativen der UEK schon beim Dreifaltigkeitsaltar und nun bei den Paramenten aufgenommen hätten. Als Pfarrer der Marienkirche Gdansk erinnerte Prälat Ireneusz Bradtke an die katholisch-evangelische Vergangenheit der Marienkirche Gdansk und an die daraus folgende gemeinsame Verantwortung. Die Ratsvorsitzende der EKD, Präses Annette Kurschus, die in der EKD für die deutsch-polnischen Beziehungen zuständig ist, und Auslandsbischöfin Petra Bosse-Huber, die als Vizepäsidentin des Kirchenamtes der EKD den Amtsbereich der UEK leitet, erhoffen sich positive Wirkungen des Vorhabens auf die zwischenkirchlichen und zwischenstaatlichen Beziehungen. Als Generalkonsulin der Bundesrepublik Deutschland in Gdansk lobte Cornelia Pieper die Vereinbarung: "Das ist ein großartiges Beispiel für zivilgesellschaftliche Initiativen, die die deutsch-polnische Freundschaft voranbringen und vertiefen."

Hannover, 9. Dezember 2022
Pressestelle der EKD
Carsten Splitt

Die Absicht der EKD, den Lübecker Paramentenschatz nach Danzig abzugeben, kritisiert die Landsmannschaft Westpreußen e.V. Berlin in nachstehender Presseerklärung:

LW

Pressemitteilung    27. Februar 2023

Evangelische Kirche Deutschlands vergibt deutsches Kulturgut

Unter größter Lebensgefahr rettete der letzte evangelische Pastor an St. Marien in Danzig, Oberkonsistorialrat Dr. Gerhard Gülzow, mit einigen Getreuen rund 286 unermesslich wertvolle liturgische Textilien (bekannt als Danziger Paramentenschatz) Ende 1944 vor der anstürmenden Roten Armee. Auf verschlungenen Pfaden gelangten sie teils nach Bayern und teils nach Thüringen.
1961 übergab die DDR-Regierung den Thüringer Teil der Paramente – 183 Stücke – an Polen. Sie werden heute im Danziger Nationalmuseum verwahrt.
Der Danziger Pastor Gülzow konnte nach dem Zweiten Weltkrieg insgesamt 103 Paramententeile in Lübeck zusammenführen. Zunächst bewahrt in seinem Pfarrhaus an der Lübecker Lutherkirche – hier war er nach Flucht und Vertreibung Pfarrer –, waren die Paramente von 1964 bis 1990 für die Öffentlichkeit in St. Marien zu Lübeck zugänglich. Da die Mariengemeinde in Danzig als Eigentümerin der Sammlung nicht mehr existierte, ging sie in den Besitz der Evangelischen Kirche der Union (EKU) mit Sitz in Berlin über. Es zeigte sich bald, dass St. Marien zu Lübeck nicht der geeignete Ort zur Bewahrung der Danziger Paramente war. Deshalb schloss die EKU als Eigentümerin der Sammlung einen Vertrag mit der Stadt Lübeck, die eine Überführung in das St. Annen-Museum ermöglichte. In einer eigens gefertigten Paramentenkammer wurden die liturgischen Gewänder ab 1990 dort gezeigt. Spätestens ab diesem Zeitpunkt erhob Polen Ansprüche auf Überführung der Paramente nach Danzig. Ob ein Zusammenhang mit diesen sog. „Rückforderungsansprüchen“ und der Schließung der Paramentenkammer nach wenigen Jahren der öffentlichen Zugänglichkeit im St. Annen-Museum besteht, kann hier nicht nachgegangen werden. Jedenfalls wurden die Paramente im Museumsmagazin eingelagert und fachmännisch betreut.
Auf einer Tagung des Kulturwerks Danzig und der Danziger Naturforschenden Gesellschaft im Oktober 2018 wurde intensiv die Frage diskutiert, was künftig angesichts der polnischen Ansprüche mit den Danziger Paramenten geschehe. Die EKD, Rechtsnachfolgerin der EKU, hatte in einem Schreiben erklärt, dass eine Rückführung des Lübecker Teils der Paramente nach Polen nicht vorgesehen sei. Fast zeitgleich wurden in der am 18.01.2019 eröffneten großartigen Präsentation Teile der Danziger Paramente im St. Annen-Museum wiederum gezeigt.
Dann überraschte die Leitung der EKD mit ihrer Presseerklärung vom 9. Dezember 2022 die interessierte Öffentlichkeit mit folgender Ankündigung: "Stadt und Erzbistum Gdañsk freuen sich sehr, dass […] demnächst auch der Paramentenschatz [aus Lübeck, Zusatz] nach Hause kommt", sagte der Erzbischof Tadeusz Wojda bei der Unterzeichnung des Letter of Intent im Kirchenamt der EKD. […] Die Unterzeichnung der Vereinbarung fand am 8. Dezember 2022 statt.
Der Baubeginn der Danziger Marienkirche geht auf das Jahr 1343 zurück, die Fertigstellung erfolgte 1503. Mit der Reformation 1525 wurde die Marienkirche evangelisch, und diente den deutschen evangelischen Christen in Danzig bis zur Flucht und Vertreibung 1944/45 als Gotteshaus.
Unverständlich ist, dass die EKD ohne polnische Gegenleistung die Danziger Paramenten-Sammlung aus der Obhut des St. Annen-Museums – dort wurden die liturgischen Textilien mit öffentlichen Steuergeldern über Jahrzehnte konservatorisch betreut und somit bewahrt – entfernen will und als Geschenk an das katholische Erzbistum Gdañsk abgibt.
Bisher haben nur wenige Privatpersonen sich mit kritischen Eingaben an die Leitung der EKD gegen deren Absicht gewandt, dieses unschätzbar wertvolle deutsche Kulturgut aus Danzig, über Jahrhunderte von der evangelischen Danziger Marienkirchengemeinde getreulich bewahrt und schließlich am Ende des zweiten Weltkriegs von Pastor Gülzow in den Westen gerettet, abzugeben.
Alle Deutschen, denen die deutsche Geschichte – auch die Geschichte der historischen Reichsgebiete östlich von Oder und Neiße – etwas bedeuten, sind aufgefordert, gegen die Absicht der EKD mit Eingaben zu protestieren. Die Verbände der Vertriebenen und ihre Kultureinrichtungen müssen mit allem Nachdruck den Erhalt des deutschen Kulturguts für uns Deutsche fordern und durchsetzen.
Letztendlich muss die bundesdeutsche Politik die gesetzlichen Rahmenbedingungen schaffen, dass solche Transfers von deutschem Kulturgut ins Ausland nicht mehr möglich sind. Parteien, Bundes- und Landes-regierungen müssen hierzu alles Nötige schnellstens in die Wege leiten. 

Reinhard M. W. Hanke, Berlin / Hans-Jürgen Kämpfert, Lübeck / Dr. Jürgen Martens, Königswinter

 
Landsmannschaft Westpreußen e.V. Berlin
www.westpreussen-berlin.de, danzig.westpreussen.berlin@gmail.com
Brandenburgische Straße 24 Steglitz, 12267 Berlin, Ruf: 030-257 97 533
 

LW

 

Pressemitteilung    28. März 2023

Petition gegen EKD-Beschluß zur Fortgabe der Danziger Paramente ins Ausland

Die Presseerklärung der Landsmannschaft Westpreußen e.V. Berlin vom 27. Februar 2023 wurde von der evangelischen Kirchenleitung vollständig ignoriert. Auch die Verbände sowie die Politik reagierten bisher nicht (Stand: 28.03.2023).
Dafür haben zahlreiche Privatpersonen, auch im Namen von Gruppierungen, in denen sie tätig sind, ihr vollständiges Unverständnis zum Letter of Intend (zu deutsch: Absichtserklärung) der Spitze der EKD in ihrer Presseerklärung vom 9. Dezember 2022 geäußert. Verbittert zeigten sie sich gegenüber dem schamlosen Umgang der EKD mit deutschem Kulturgut aus dem historischen deutschen Osten. Dem Erzbistum Danzig will die EKD die einmaligen geistlichen Textilien, den Danziger Paramentenschatz, übergeben. Die Paramente wurden Ende 1944 von dem letzten evangelischen Pastor an St. Marien zu Danzig, Oberkonsistorialrat Dr. Gerhard Gülzow – alten Lübeckern noch als Pborkopp-restle_danzigerparamentastor an der Lutherkirche vertraut - unter Lebensgefahr nach Thüringen gerettet. 186 Teile dieser Paramente übergab 1961 die damalige DDR-Regierung an Polen. 103 Paramente konnte Pastor Gülzow in Lübeck zusammenführen; sie befinden sich seit vielen Jahren im Lübecker St. Annen-Museum – konservatorisch behandelt mit Mitteln des deutschen Steuerzahlers – und werden dort der Öffentlichkeit präsentiert. Die Paramente sollen nunmehr in die Danziger Marienkirche überführt werden; die EKD spricht fälschlicherweise von „Rückführung“. Bemerkenswert an dem kirchlichen Umgang mit deutschem Kulturgut ist überdies, daß ein Bewahrungsort für die Paramente in Danziger Marienkirche nicht vorhanden ist, sondern erst geschaffen werden muß.
Auch wenn die EKD Eigentümerin des Kirchengutes der 1944/45 untergegangenen evangelischen Gemeinden ist, so bewahrt sie dieses Eigentum nur treuhänderisch. Bei einer Schenkung oder Veräußerung ist das entsprechende Einverständnis der einstigen Gemeindemitglieder einzuholen. Dieses Einverständnis wurde der EKD zu keinem Zeitpunkt von den einstigen evangelischen Gläubigen der Marienkirche zu Danzig erteilt; sie handelt auch in diesem Fall verantwortungslos.
Freunde des Danziger Paramentenschatzes setzen sich für seinen Verbleib im Lübecker St. Annen-Museum ein. Sie haben eine offene Petition an die EKD unter dem Link

https://www.openpetition.de/petition/online/verbleib-des-1944-geretteten-danziger-paramentenschatzes-im- luebecker-st-annen-museum

initiiert.

Eine vollständige Dokumentation zu den Danziger Paramenten ist auf der Website

https://www.ostdeutsche-museen.de

unter Paramente Marienkirche wiedergegeben.


Unterstützen Sie diese Initiative mit Ihrer Unterschrift!

 

Reinhard M. W. Hanke, Berlin / Hans-Jürgen Kämpfert, Lübeck /
Dr. Jürgen Martens, Königswinter 

Landsmannschaft Westpreußen e.V. Berlin

www.westpreussen-berlin.de, danzig.westpreussen.berlin@gmail.com

Brandenburgische Straße 24 Steglitz, 12267 Berlin, Ruf: 030-257 97 533

Abbildung aus: B. Borkopp-Restle, Der Schatz der Marienkirche zu Danzig, S. 103

Brandenburgische Straße 24 Steglitz, 12267 Berlin, Ruf: 030-257 97 533

Abbildung aus: B. Borkopp-Restle, Der Schatz der Marienkirche zu Danzig, S. 103

[Anschreiben vom 18. Oktober 2018 - Jürgen Martens]

Sehr geehrter Herr Bischof Bedford-Strohm,

zwischen dem 5. bis 7. Oktober 2018 veranstalteten das Kulturwerk Danzig und die Danziger Naturforschende Gesellschaft ihr XXXIX. Forum Gedanum in Lübeck. Ein wichtiger Themenkomplex waren die Paramente aus der Danziger Marienkirche.

Große Teile der Danziger Paramente rettete der letzte evangelische Pfarrer an der Marienkirche zu Danzig, Oberkonsistorialrat Dr. Gerhard M. Gülzow, nach Lübeck. Die Paramente befanden sich seit ihrer Überführung nach Lübeck im Eigentum der UEK, heute im Eigentum der EKD.
Der Öffentlichkeit waren die Paramente zunächst ab 1964 in der Lübecker Marienkirche zugänglich, allerdings ohne den für diese außerordentlich wertvollen Textilien notwendigen Schutz. Wohl über einen unbefristeten, jederzeit kündbaren Übereignungs- und Leihvertrag mit der Hansestadt Lübeck wurden die Paramente später in das Lübecker St. Annen-Museum überführt. In einer modernsten Ansprüchen genügenden Klimakammer war der Paramentenschatz aus Danzig für Museumsbesucher zugänglich. Das war bis etwa 2000 möglich; seither ist der Ort, an dem die Klimakammer sich befand, eine Baustelle, und die Paramente sind der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich. Das steht übrigens im Widerspruch zur Internetangabe des Museums, wonach zu den Highlights der Sammlung […] der einzigartige Passionsaltar von Hans Memling und der Danziger Paramentenschatz [Hervorhebung J. M.] gehören.
Einigen Mitgliedern des Kulturwerks Danzig wurde es vor einiger Zeit seitens des St. Annen-Museums ermöglicht, Zugang zu dem Paramentenschatz zu erhalten. Allerdings wurden ihnen nur zwei Caseln gezeigt, der restliche Teil der Sammlung bedauerlicherweise nicht.
Meine Fragen an Sie als Ratsvorsitzenden der EKD, der Eigentümerin des Danziger Paramentenschatzes, lauten:

  • Befindet sich der Paramentenschatz aus Danzig noch im Bestand des St. Annen-Museums, oder ist er – ohne die Öffentlichkeit zu informieren – inzwischen an Polen übergeben worden? (Meine entsprechenden Fragen während des XXXIX. Forum Gedanum blieben unbeantwortet.)
  • Wenn, wie ich hoffe, die Paramente sich noch in Lübeck befinden, frage ich Sie, was die EKD unternimmt, um den Kirchenschatz mit Danziger Herkunft der Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen? Es ist dem Liebhaber sakraler Kunst nicht zu vermitteln, daß die Danziger Paramente seit nunmehr fast 20 Jahren nicht mehr gezeigt werden, obwohl das Museum über eine modernsten Ansprüchen genügende Präsentationsmöglichkeit (Klimakammer mit elek-tronischer Beleuchtungssteuerung) verfügt. Diese bedeutende mittelalterliche Sakralkunstsammlung aus dem Kulturraum des historischen deutschen Ostens (an dieser Stelle ist an den Staat des Deutschen Ordens in Preußen zu erinnern, aus dessen Zeit die ältesten Stücke der Sammlung stammen) nur im Museumsmagazin zu verwahren, kann und darf nicht die Lösung sein.
  • Welche vertraglichen Vereinbarungen bestehen zwischen dem Eigentümer und dem Leihnehmer, um letzteren (also Lübeck und dessen St. Annen-Museum) zu veranlassen, möglichst kurzfristig den Paramentenschatz aus Danzig wieder öffentlich zu präsentieren? Sollte das nicht möglich sein, wäre dann nicht zu überlegen, diesen Sakralschatz beispielsweise dem Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg leihweise zu überlassen? Wenigstens könnte dieser Ansatz ein Druckmittel gegenüber der Hansestadt Lübeck darstellen.

Für eine Beantwortung meiner Fragen wäre ich Ihnen sehr verbunden.

Mein Schreiben geht in Kopie an das Kulturwerk Danzig, die Danziger Naturforschende Gesellschaft und an die Landsmannschaft Westpreußen e. V. – Landesgruppe Berlin.

Mit freundlichen Grüßen
gez. Dr. Jürgen Martens

[Anschreiben vom 12. November 2018 - Jürgen Martens]

Sehr geehrter Herr Dr. Philipps,

haben Sie herzlichen Dank für Ihr Schreiben vom 6. November d. J. Es wurde nicht nur von mir, sondern auch von meinen Danziger Freunden mit Genugtuung aufgenommen. Das gilt vor allem für Ihre Hinweise auf eine Wiederpräsentation des Danziger Paramentenschatzes im Lübecker Sankt-Annen-Museum ab dem 18. Januar 2019 verbunden mit einem Katalog.
Ein „Wermutstropfen“ in Ihrem Schreiben bleibt, wenn Sie festhalten, daß eine
Rückführung des Lübecker Teils der Paramente nach Polen […] nicht vorgesehen sei. Eine eindeutigere Formulierung wäre wünschenswert in dem Sinne gewesen, daß die UEK als Eigentümerin der Paramente eine Rückführung vollkommen ausschließt. Ich möchte Sie sehr herzlich bitten, dieses Ansinnen Herrn Bischof Bedford-Strohm nahezubringen.
Grundsätzlich habe ich bei Rückführungsfragen deutschen Kulturgutes immer das ungute Gefühl, daß wir Deutsche zu viel des Guten tun. Erinnern möchte ich an die Rückgabe der katholischen Kirchenbücher aus Westpreußen an die polnische Kirche. Sie waren im Zentralarchiv der katholischen Kirche in Regensburg ohne Frage gut und sicher verwahrt. Zusagen, die der Vatikan gegenüber Kardinal Lehmann damals im Zusammenhang mit der Rückgabe gab, wurden überdies nicht eingehalten. Erinnern möchte ich auch an die unverständliche Rückgabe der Bibliothek der Naturforschenden Gesellschaft in Danzig seitens des Landes Bremen mit der Begründung, es handele sich ohnehin um polnische Literatur, die man hier nicht lesen könne. Diese Begründung wurde ohne Sachkenntnis gegeben, denn es handelte sich in der Tat um ältere deutschsprachige wissenschaftliche Literatur.

Nochmals Dank für Ihr Antwortschreiben und
mit freundlichen Grüßen

gez. Dr. Jürgen Martens

[Anschreiben vom 27.12.2022 - Jürgen Martens]

Sehr geehrte Frau Präses Kurschus,

am 14. Dezember 2022 erschien in den Lübecker Nachrichten eine Kurznotiz des Inhalts, die EKD beabsichtige, den im Eigentum der EKD (früher der UEK) befindlichen und im Lübecker St. Annen-Museum wohlbehüteten Paramentenschatz aus der Danziger Marienkirche dorthin zurückzugeben. Mich befiel ungläubiges Staunen, ich wollte nicht begreifen, daß die evangelische Kirche derart leichtfertig und unbesonnen handeln würde. Als ich dann in der Pressemitteilung der EKD vom 09.12.2022 las, daß in Ihrem Kirchenamt am 08.12. eine Absichtserklärung über die Rückführung von aus der Marienkirche Gdansk stammenden spätmittelalterlichen liturgischen Textilien nach Gdansk unterzeichnet wurde, machte mich die Lektüre fassungslos; ich war entsetzt und wütend über das Verhalten der Oberen meiner evangelischen Kirche, deren Mitglied ich seit 83 Jahren bin. Als Konsequenz stellt sich mir die Frage, ob ich es noch mit meinem Gewissen vereinbaren kann, dieser Kirche anzugehören.
In der Pressemitteilung findet sich kein Hinweis darauf, daß es Oberkonsistorialrat Dr. Gerhard Gülzow unter Lebensgefahr mit einigen ihm vertrauten Gemeindemitgliedern seiner evangelischen Gemeinde der Marienkirche zu Danzig Ende 1944 gelungen war, die unvorstellbar wertvollen Paramente seiner Kirche vor der drohenden Vernichtung durch die herannahende Rote Armee zu bewahren.
In absoluter Verkennung der historischen Situation spricht Ihre Pressemitteilung nur von Gdansk oder dem Paramentenschatz der Marienkirche Gdansk. Den deutschen Namen Danzig der einstigen deutschen Metropole an der Ostsee verwenden Sie geflissentlich nicht. Ist es diese Art von Anbiederung, die Sie mit Ihrem Amt als Beauftragte der EKD mit der polnischen Kirche verbinden? Was ist im übrigen damit gemeint? Schließen Sie damit auch die Obhut für die evangelischen Christen augsburgischer Konfession in Polen ein? Bei meinen zahlreichen Besuchen etwa im masurischen Lötzen habe ich nichts davon spüren können, daß die offizielle Spitze der EKD sich um diese Christenmenschen je gekümmert hätte.
Wenn ich in der Pressemitteilung zur Kenntnis nehme, die liturgischen Gewänder seien von Mitgliedern der damals evangelischen Marienkirchengemeinde […] auf die Flucht mitgenommen worden und zu großen Teilen nach Westdeutschland gelangt, bin ich wiederum fassungslos über die hier offenbar werdende Ignoranz. Darf ich den Ausdruck mitgenommen so interpretieren, als sei damit ein Unrechtsakt verbunden, den es nunmehr mit der Unterzeichnung der Absichtserklärung zu heilen gelte? Die Behauptung schließlich, der Paramentenschatz sei zu großen Teilen nach Westdeutschland gelangt, ist schlichtweg falsch. Der größte Teil des Schatzes (183 Teile) verblieben in Thüringen – die DDR-Führung hat sie seinerzeit an Polen überstellt –, 106 Teilstücke konnte Dr. Gülzow in seinem Pfarrhaus an der Lübecker Lutherkirche wieder vereinen. Zu weiteren Einzelheiten verweise ich auf meine beigefügte Eingabe an Herrn Bischof Bedford-Strom vom 18. Oktober 2018, ebenso auf den informativen Beitrag von Albrecht Philipps Zur Geschichte des Danziger Paramentenschatzes seit 1944 (in: Birgitt Borkopp-Restle, Der Schatz der Marienkirche zu Danzig. Liturgische Gewänder und textile Objekte aus dem späten Mittelalter, Affalterbach 2019, pp. 22-24).

Am 5. – 7. Oktober 2018 veranstalteten das Kulturwerk Danzig und die Danziger Naturforschende Gesellschaft in Lübeck eine Tagung, die ganz wesentlich dem Thema Paramentenschatz der Danziger Marienkirche gewidmet war. Zuvor hatte ich beobachtet, daß der Paramentenschatz aus Danzig nicht mehr im Lübecker St. Annen-Museum gezeigt wurde. Die auf der Tagung offenbleibende Frage, was mit dem Paramentenschatz geschehen sei bzw. geschehen werde, veranlaßten mich zu meiner Anfrage bei Herrn Bischof Bedford-Strom vom 18. Oktober 2018. In der Antwort, die Herr OKR Dr. Albrecht Philipps mir am 6. November 2018 erteilte, hieß es lapidar, eine Rückführung des Lübecker Teils der Paramente nach Polen sei nicht vorgesehen. Diese Formulierung schloß allerdings eine spätere Rückführung nicht konsequent aus. Das habe ich Herrn Philipps in meiner Replik vom 12.11.2018 mitgeteilt (s. beigefügte Anlage).
Das St. Annen-Museum mit seiner kenntnisreichen Direktorin Dr. Dagmar Täube organisierte ab 19. Januar 2019 eine sehenswerte Ausstellung mit ausgesuchten wunderschönen Beispielen aus dem Danziger Paramentenschatz.
Sollen nunmehr alle Mühen der Involvierten wie auch die hohen finanziellen Mittel vergeblich gewesen sein? Ich vermag das gedanklich nicht zu realisieren. Zudem empfinde ich es als Vertrauensbruch, wenn mir Ihr Vorgänger im Amt mitteilen läßt, eine Rückgabe sei nicht beabsichtigt, und fünf Jahre später ist diese Aussage nur noch Makulatur.

Nachstehend gebe ich Ihnen den Inhalt des Kulturparagraphen 96 aus dem Bundesvertriebenengesetz zur Kenntnis. In meiner gesamten beruflichen und wissenschaftlichen Tätigkeit habe ich mich ihm verpflichtet gefühlt:

Gesetz über die Angelegenheiten der Vertriebenen und Flüchtlinge (Bundesvertriebenengesetz - BVFG)

§ 96 Pflege des Kulturgutes der Vertriebenen und Flüchtlinge und Förderung der wissenschaftlichen Forschung

Bund und Länder haben entsprechend ihrer durch das Grundgesetz gegebenen Zuständigkeit das Kulturgut der Vertreibungsgebiete in dem Bewusstsein der Vertriebenen und Flüchtlinge, des gesamten deutschen Volkes und des Auslandes zu erhalten, Archive, Museen und Bibliotheken zu sichern, zu ergänzen und auszuwerten sowie Einrichtungen des Kunstschaffens und der Ausbildung sicherzustellen und zu fördern. Sie haben Wissenschaft und Forschung bei der Erfüllung der Aufgaben, die sich aus der Vertreibung und der Eingliederung der Vertriebenen und Flüchtlinge ergeben, sowie die Weiterentwicklung der Kulturleistungen der Vertriebenen und Flüchtlinge zu fördern. Die Bundesregierung berichtet jährlich dem Bundestag über das von ihr Veranlasste.

Nimmt man die Verpflichtung, die sich aus diesem Gesetz auch für die EKD ergibt, ernst, dann begeht die offizielle Kirche mit dem Plan einer Rückführung m. E. einen Verfassungsbruch, der sich aus Art. 14, 2 GG ableiten läßt. Der Wortlaut der Verfassung lautet: Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. Die Rücküberstellung der in Lübeck bewahrten Danziger Paramententeile nach Polen dient keineswegs dem Wohle der evangelischen Danziger Christen noch dem der deutschen Bevölkerung insgesamt.
Ein ganz persönliches Wort an Sie - ich möchte es auch als Neujahrswunsch an meine evangelische Kirche verstanden wissen: Bitte üben Sie als offizielle Kirche die Ihnen obliegenden seelsorgerischen Aufgaben viel ernsthafter aus, als es bisher in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, und vermeiden Sie – wo es sich umgehen läßt – ein politisches Agieren. Sonst, fürchte ich, wird es eine machtvolle evangelische Kirche in absehbarer Zeit nicht mehr geben.
Ich fordere Sie auf, die Absichtserklärung vom 8. Dezember 2022 nicht zu realisieren. Vielmehr sollten Sie nach einer einvernehmlichen Lösung mit Ihren polnischen Mitunterzeichnern suchen, die die deutsche Interessenlage und deutsche Befindlichkeiten im Auge hat.

Abdrucke dieses Briefes gehen u. a. an Herrn OStD Hans-Jürgen Kämpfert, an das Präsidium des BDV, an Museumsdirektorin Dr. Dagmar Täube und an Reinhard Hanke, Sachwalter der Westpreußen in Berlin.

Mit freundlichen Grüßen
gez. Dr. Jürgen Martens

Email-Anschreiben Prof. Dr. G. Gornig an EKD vom 12.01.2023

uek@ekd.de

Betreff: liturgische Gewänder

Sehr geehrte Damen und Herren,

aus der Presse habe ich erfahren, dass etwa 100 mit feinsten Stickereien verzierte liturgische Gewänder von Lübeck nach Danzig zurückkehren sollen. Darauf hätten sich laut der Kulturstiftung der Hansestadt Lübeck die Union Evangelischer Kirchen in der EKD und die Marienkirche Danzig geeinigt.
Es handelt sich um kostbare Paramente, die um 1945 größtenteils von Flüchtlingen unter Lebensgefahr aus Danzig in den Westen gebracht und in Lübeck gesammelt und aufbewahrt wurden.
Es werden also Kulturgüter nicht beim Volk belassen, zu dem es gehört, sondern dem Boden zurückgegeben, auf dem nun ein anderes Volk lebt. Die Bundesregierung hat eben nach Nigeria Kulturgut aus Benin zurückgegeben, da dieses zum Volk gehört (obwohl Nigeria die Statuen wohl bald wieder verkaufen wird). S i e  gehen den entgegengesetzten Weg. Wir kommen ja gerne den Forderungen nach zum Schaden unseres eigenen Staates und unseres Volkes, wenn wir nur damit Forderungen anderer nachkommen können. Das wird weiter gehen und bald wird Polen zum Land auch noch alles bewegliche Gut fordern, das sich ehemals in diesem Land befand und weiter ohne einen Anspruch zu haben, Reparationsforderungen erheben. Polen hält ferner deutsches Kulturgut zurück, das in seine Hände gefallen ist, obwohl es im Völkerrecht keine restitution in kind gibt, also Anspruch auf Ersatz durch fremdes Kulturgut als Entschädigung. Kultur gehört zum Volk und nicht zum Boden, das sagt schon der gesunde Menschenverstand!
Mir ist auch bekannt, dass in Lübeck vor etwa drei Jahren ein besonders schöner Remter des St. Annen-Museums als "Paramentenkammer" eingerichtet worden ist; er wäre nun überflüssig.
Mir ist ein solches Verhalten rätselhaft und wieder einmal Ausdruck typisch deutschen Verhaltens, über das in Polen nur gelächelt, wenn nicht gelacht wird. "Du hast die deutschen an der Gurgel oder sie küssen dir die Füße". Sie machen letzteres zum Schaden unseres Volkes.

Mit freundlichen Grüßen und Ausdruck völligen Unverständnisses
Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Gilbert Gornig

[Schreiben OKR Dr. Martin Evang vom 24.01.2023]

Das Original des Schreibens: bitte hier anklicken evang_martens_240123

 

Union Evangelischer Kirchen in der Evangelischen Kirche in Deutschland

Amtsbereich der UEK im Kirchenamt der EKD 
Postfach 21 02 20 30402 Hannover

24.01.2023 

Herrn 
Dr. Jürgen Martens 
Am Härenberg 14 
53639 Königswinter 

 

Danziger Paramentenschatz 


Sehr geehrter Herr Dr. Martens,

nach der am 8. Dezember 2022 erfolgten Unterzeichnung des Letter of  Intent zur Übertragung der Eigentumsrechte an den derzeit in Lübeck  und Nürnberg aufbewahrten Stücken des Danziger Paramentenschatzes an die Marienkirche Danzig und ihre Rückkehr dorthin haben uns in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und in der Union Evangelischer Kirchen in der EKD (UEK) einige Schreiben erreicht, in denen dieses  Vorhaben kritisch kommentiert oder gar missbilligt wird. Ich möchte versuchen, das Vorhaben in seinen größeren Zusammenhängen verständlich zu machen. 
Die UEK ist Rechtsnachfolgerin der ehemaligen, mit Ende des 2. Weltkriegs untergegangenen, zur Evangelischen Kirche der Altpreußischen  Union gehörenden deutschen evangelischen Kirchengemeinden im heutigen Polen. Als solche ist die UEK Eigentümerin einer Vielzahl von kirchlichen Gegenständen, die bis zum Ende des 2. Weltkriegs, zumeist auf derFlucht durch Mitglieder dieser Gemeinden, nach Westen mitgenommen wurden, um sie vor Verlust oder Zerstörung zu bewahren. Diese Objekte sind schon zu Zeiten der früheren EKU – heute UEK – sorgfältig erfasst und in regulären Verfahren ausgeliehen worden. Für die Feier des Gottesdienstes bestimmte Gegenstände sind zumeist an Kirchengemeinden in ganz Deutschland ausgeliehen und dort weiter in gottesdienstlichemGebrauch. Andere Gegenstände sind an Museen ausgeliehen worden, indenen sie sachgerecht aufbewahrt und ausgestellt werden können.
Ein herausragendes Beispiel für beide Umgangsweisen ist der Dreifaltigkeitsaltar der Georgsbruderschaft aus der Marienkirche Danzig, dessen Retabel und Predella in den Kriegsjahren nach Berlin gelangt waren.
Über  Jahrzehnte  war  die  Predella  an  die  St.  Johanniskirche  Berlin-Moabit, das Retabel an die Gemäldegalerie Berlin ausgeliehen. Dieser Altar ist im Jahre 2020 in die Marienkirche Danzig, seinen angestammten Ort, zurückgekehrt. Auf Initiative der UEK und vorbereitet durch hochrangige persönlichen Begegnungen zwischen Vertretern unserer Kirchen hatten die UEK und die Marienkirche Danzig in Verbindung mit dem Bistum Danzig einen Schenkungsvertrag geschlossen.
Anlässlich der zweisprachigen ökumenischen Vesper zur Rückkehr des Altars, die pandemiebedingt erst verspätet in der Marienkirche Danzig stattfinden konnte, und eines damit zeitlich verbundenen öffentlichen Symposiums zu Fragen der Kulturgüterrückführung zwischen Polen und Deutschland im Juni 2022 in Danzig wurde – wiederum auf Initiative der UEK – in Aussicht genommen, einen Letter of Intent aufzusetzen, in dem die künftige Rückkehr der im Eigentum der UEK befindlichen Stücke des Danziger Paramentenschatzes an ihren historischen Ort, die Marienkirche Danzig, vereinbart werden sollte. Dieser Letter of Intent wurde in intensiven Gesprächen nicht nur zwischen der UEK und der Marienkirche Danzig sowie dem Bistum Danzig-Oliwa, sondern auch mit dem St. Annen-Museum Lübeck und dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg vorbereitet und ausgearbeitet.
Der Letter of Intent über die Rückkehr des Danziger Paramentenschatzes nach Gdañsk ist am 8. Dezember 2022 in Hannover unterzeichnet worden, für die UEK von dem Vorsitzenden der Vollkonferenz und des Präsidiums, Kirchenpräsident Dr. Dr. h.c. Jung, und der Leiterin des Amtsbereichs der UEK im Kirchensamt der EKD, Bischöfin Bosse-Huber, für die Marienkirche Danzig von Prälat Bradtke und für das Bistum Danzig von Bischof Wojda. Er dokumentiert die beiderseitige Absicht, (1) dass die im Eigentum der UEK befindlichen Stücke des Danziger Paramentenschatzes in absehbarerZeit durch einen Schenkungsvertrag in das Eigentum der Marienkirche Danzig übertragen werden und dorthin zurückkehren sollen, (2) dass die Marienkirche Danzig Voraussetzungen für eine konservatorisch sachgerechte Aufbewahrung und Ausstellung der Paramente schafft, (3) dass in Lübeck und ggfs. auch in Nürnberg auch künftig einzelne Paramente des Danziger Paramentenschatzes ausgestellt werden und (4) dass ein Fachbeirat, in dem beide Seiten vertreten sind, die Umsetzung des Vorhabens begleitet.
Der Letter of Intent schließt mit den Worten: „Die UEK und die Marienkirche Gdañsk betrachten die erfolgte Rückkehr des Dreifaltigkeitsaltars und die beabsichtigte Rückkehr der Paramente zur Marienkirche Gdañsk und ebenso die dauerhafte Präsenz einzelner Danziger Paramente in Lübeck (und Nürnberg) als Ausdruck ökumenischer Verbundenheit zwischen evangelischer und römisch-katholischer Kirche, als Ausdruck der Versöhnung zwischen Deutschland und Polen und als Ausdruck der besonderen Verbundenheit der Städte Lübeck und Gdañsk.“
Ich darf hinzufügen, dass wir mit der Direktorin des St. Annen-Museums, Frau Dr. Täube, sowie mit dem ehemaligen und dem jetzigen Leiter der Lübecker Museen, den Herren Professor Wisskirchen und Dr. von Stockhausen, in engem und einvernehmlichem Austausch standen und stehen. Die dauerhafte Ausstellung von einzelnen Danziger Paramenten in Lübeck wahrt den jetzigen Status. Sie soll dazu beitragen, die Erinnerung an die entsagungsvolle Rettung der Danziger Paramente durch Mitglieder der evangelischen Marienkirchengemeinde Danzig zu bewahren und die zwischen Lübeck und Danzig bestehende kulturelle Brücke zu stärken.
Ich hoffe, dass ich mit diesen Ausführungen das Vorhaben näher erläutern konnte, und bitte Sie herzlich, es verständnisvoll zu respektieren.
Dieses Schreiben ist mit der Ratsvorsitzenden der EKD, Präses Dr. h. c. Kurschus, dem Vorsitzenden von Vollkonferenz und Präsidium der UEK, Kirchenpräsident Dr. Dr. h. c. Jung, und der Leiterin des Amtsbereichs der UEK im Kirchenamt der EKD, Bischöfin Bosse-Huber, abgestimmt.

Mit freundlichen Grüßen
- im Auftrag –
[Unterschrift]
Dr. Martin Evang

[Email-Anschreiben Manfred Lietzow vom 25.01.2023]

Email von Manfred Lietzow an Dr. Martin Evang, EKD, vom 25.01.2023

Gesendet: Mittwoch, 25. Januar 2023 um 18:18 Uhr
Von: "Manfred Lietzow"
Manfred_Lietzow@gmx.de
An: "Evang, Martin" <Martin.Evang@ekd.de>

Betreff: Aw: Danziger Paramentenschatz

Sehr geehrter Herr Dr. Evang,

vielen Dank für die Zusendung der recht umfangreichen Stellungnahme der UEK zur Übergabe der "Danziger Paramente" an Polen. Es ist sicher richtig, im Rahmen christlicher Versöhnung in einem guten Verhältnis auch mit unserem stets schwierigen Nachbarn Polen zu leben, jedoch kann es nicht sein, dass Millionenwerte deutschen Kulturgutes, wie die "Danziger Paramente" ohne Gegenleistung an einen Staat zu geben, der sich bis heute weigert, seine Beutekunstan Deutschland zurückzugeben. Wenn immer von "Rückgabe" der "Danziger Paramente" bei der UEK gesprochen wird, ist dies ein falscher Begriff; denn ich kann nicht zurück-geben, was mir, in diesem Fall der Ev. Kirche in Deutschland, gehört! Ich möchte dabei an die "Berlinka" (Berliner Sammlung) erinnern, die sich immer noch in Krakau in der Jagiellonischen Bibliothek befindet. Gegen Endes des II. Weltkrieges wurden die Bestände des Preußischen Staatsarchivs zum Schutz vor Bombenschäden in das Benediktiner-Kloster Grüssau/Niederschlesien sowie Schloss Fürstenstein ausgelagert und nach der Besetzung durch die Sowjets und Polen über Breslau nach Krakau verschickt. Darunter befinden sich 300.000 Bände aus wertvollen mittelalterlichen Handschriften, Autographen von Luther und Goethe, Schillers Doktorarbeit, allein 9000 Briefe aus der Sammlung Varnhagen von Ense. Hinzu kommt eine umfangreiche Musikaliensammlung mit Originalpartituren von Bach, Beethoven und Mozart. Auch eine Handschrift des Deutschlandliedes aus dem Nachlass Hoffmann v. Fallersleben befindet sich dort! Bis heute verweigert Polen die Herausgabe dieser Beutestücke. Das ist ein eklatanter Verstoß gegen die Haager Landkriegsordnung von 1907, die noch heute als gültiges Völkerrecht ist und eine Wegnahme von Kulturgütern verbietet. Also mit welchem Recht verschenkt die UEK kirchliches deutsches Kulturgut, die "Danziger Paramente", an Polen ohne vorherige Verhandlungen über die Rückgabe der Beutekunst? Das kann nicht in unserem nationalen Interesse liegen und zeigt nur die Geschichtslosigkeit und mangelnden historischen Kenntnisse über die deutschen Ostgebiete als Ausdruck des heutigen Zeitgeistes. Die Generation der Flüchtlinge, Vertriebenen und Zeitzeugen wird leider immer weniger und die heutige Generation, besonders der von Grünen dominierten EKD, sind nur sehr einseitig von deutscher Schuld und vorauseilendem Gehorsam geprägt! Was würde wohl der letzte Marienpastor von Danzig, Pastor Dr. Gülzow, dazu sagen, würde er noch leben und hören, wie seine unter großen Mühen nach Lübeck gerettete Restsammlung von 108 Danziger Paramenten an Polen verschenkt werden. Er würde sicher weinen und seine eigene Ev. Kirche nicht mehr verstehen! Was nützt es, wenn einige Paramente im Lübecker St. Annen-Museum als "Leihgabe" verbleiben, obwohl sie deutsches Kirchengut sind. Als gebürtiger Lübecker und Sohn eines in der Danziger Niederung geborenen Vaters werden Sie sicher verstehen können, dass ich neben vielen Danziger Flüchtlingen für die Auslieferung der Danziger Paramente an Polen kein Verständnis habe und schwer enttäuscht bin von der Entscheidung der UEK/EKD! Den Landsmannschaften erweisen Sie einen Bärendienst mit der Paramenten-Verschenkung und glauben Sie mir bitte, sie werden weiter für den Verbeib in Deutschland kämpfen!

Mit christlichen preußischen u. hanseatischen Grüßen
Manfred Lietzow
Landes-OMV S-H Ehrenvors. u. Kreis-OMV OH Vorsitzende

[Schreiben von H.-J. Kämpfert an OKR Dr. Evang, UEK]

Stockelsdorf, den 2. 2.2023

An die
Union Evangelischer Kirchen
Hannover

Sehr geehrter Herr Dr. Evang!

Für Ihren ausführlichen Bericht über die Initiativen der EKD bei der Verschenkung wertvollsten ostdeutschen Kulturgutes an Polen, und zwar wertvoll in kultureller und ökonomischer Hinsicht, bedanke ich mich. Ich habe ihn aufmerksam gelesen. Doch werden Sie schon an meinem ersten Satz gemerkt haben, dass meine Einstellung damit nicht getroffen ist.

Haben Sie denn gar nicht mit den Betroffenen gesprochen?
Haben Sie denn gar nicht mit den Vertriebenen gesprochen? Auch nicht mit den Danzigern, die sich Jahrzehnte lang für den Erhalt der Paramente als herausragendes Beispiel ostdeutschen Kulturgutes eingesetzt haben? Haben Sie auch keinen Kontakt mit staatlichen Stellen gesucht?

Auf die Aufzählung von Kulturgütern, die gegenseitig nicht zurückgegeben wurden, will ich mich hier nicht einlassen, sie sind größtenteis bekannt. Aber die Anmerkung, dass die millionenschwere Verschenkung ein Ausdruck gegenseitiger ökumenischer Verbundenheit sei, ist doch wenig oder gar nicht überzeugend. Die deutschen und die polnischen Menschen brauchen ein solches Zeichen gar nicht mehr, sie leben doch diese Verbundenheit. Die polnische Politik aber werden Sie damit nicht überzeugen können, denn sie fordert eine billionenschwere Entschädigung, so als ob es eine Vertreibung mit all ihren überaus bitteren Folgen gar nicht gegeben hätte.
Und dass die dauerhafte Ausstellung in Lübeck den jetzigen Status wahrt, können Sie doch selber kaum glauben, wenn Sie die Eigentumsverhältnisse berücksichtigen.
Gewundert habe ich mich auch darüber, dass Sie mein kurzes Schreiben an Frau Dr. Täube offenbar kennen. Da mir nicht klar ist, ob Sie mein Schreiben an die UEK überhaupt haben zur Kenntnis nehmen können, erlaube ich mir, es hier noch einmal anzuhängen.
Aber all' diese Einzelfragen sind nicht mein Hauptanliegen, es geht doch um Entscheidenderes, es geht doch um eine Identitätsfrage der ostdeutchen Vertriebenen und wie mit ihren wenigen materiellen Erinnerungen umgegangen wird.
Ich hoffe, Sie und die Beteiligten an diesem "Deal" noch zu einem neuerlichen Nachdenken über diese Schenkung bewegen zu können, vielleicht sogar über ein gemeinsames Nachdenken über eine bessere Lösung. Ich fände es besser, wenn sich die evangelischen Gläubigen nicht über ihre Kirche grämen oder gar schämen müßten.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Hans-Jürgen Kämpfert

[Anlage zum Schreiben Kämpfert vom 02.02.2023]

Über die Paramente aus der St. Marienkirche zu Danzig 

 

Die Oberpfarrkirche von St. Marien zu Danzig, deren Grundstein im Jahre 1343 gelegt worden war, besaß zu Beginn des 16. Jahrhunderts einen derart reichhaltigen und kostbaren Paramentenschatz, wie kaum eine andere Kirche in Deutschland. Das mag darin begründet sein, dass Danzig damals zu den größten und reichsten Städten Europas gehörte mit Handelsbeziehungen, die über Europa hinaus reichten. An St. Marien in Danzig, 1945 die fünftgrößte Kirche der Welt, wirkten um 1500 123 Pfarrer und Kapläne am Hochaltar und an den 46 Altären der Patrizierfamilien, Bruderschaften und Zünfte. Zu deren liturgischem Altardienst gehörten die Paramente: Priestergewänder (Chormantel, Kasel, Dalmatika, Stola, Cingulum, Sudarium usw.), aber auch Altarbekleidungen und Silbergeräte. Durch die Kreuzzüge und die weitreichenden Danziger wirtschaftlichen und politischen Verbindungen gelangten wertvollste Gewebe, Brokate und Seidenstoffe, aus dem Vorderen Orient, aus Venedig und Lucca, und Stickereien aus Deutschland und England nach Danzig, wo sie – meist - von den Patriziern gestiftet, für die Verwendung im Gottesdienst hergerichtet und geweiht wurden.
Als Danzig im Jahre 1557 nach langen Bemühungen die Religionsfreiheit zur Ausübung der evangelischen Religion erreicht hatte, wurden die für die römische Messe nötigen Gewänder und Silbergeräte immer weniger verwendet und mit der Zeit überflüssig. Um sie vor Dieben und Plünderungen vor allem während der Glaubenskämpfe und kriegerischen Auseinandersetzungen zu schützen, haben weitsichtige Gemeindemitglieder sie in Altären und Schränken versteckt und in Wandnischen und Seitenkapellen eingemauert. Schon 1552 hatte der Frauenburger Domherr Martin Cromer auf 23 Folioseiten ein Inventar der damaligen Paramente und Silbergeräte angelegt, und 1569 hatte der Protonotar Melchisedek Laubendorn ausgewählte Stücke ausführlich beschrieben. Danach gerieten sie über Jahrhunderte in Vergessenheit. Die Oberpfarrkirche St. Marien zu Danzig wurde zur größten evangelischen Kirche der Welt.

Erst ab 1791 und bis 1937 wurden durch Zufall, bei Bauarbeiten und durch systematisches Suchen des Küsters  A. Hinz (zwischen 1861 und 1864) die wertvollen verborgenen Schätze wiederentdeckt.
Die Wertschätzung dieser wohl einmaligen Kunstschätze von etwa 1000 Stücken kann zu dieser Zeit nicht groß gewesen sein: Zahlreiche Stücke wurden an Privatsammler verkauft, das Berliner Kunstgewerbemuseum erhielt 1875 aus Danzig 250 Stücke und später noch einige, auch das Germanische National-Museum in Nürnberg besitzt einige Stücke in seiner Gewebesammlung, andere gingen nach Krefeld, Brandenburg, Halberstdt, Brüssel, Wien, London und Stralsund. Der rheinische Kanonikus Franz Bock hat die Danziger Bestände zwar wissenschaftlich bekannt gemacht, entnahm ihnen aber auch Gewänder und einzelne Teile von Geweben und Stickereien zur Vervollständigung seiner eigenen Sammlung. In Danzig wurde er deshalb als „Scheren-Bock“ bezeichnet, manche dieser Fragmente wurden später an das „Viktoria-and-Albert-Museum“ nach London verkauft, wo sie noch heute zu sehen sein sollen. Der „ausgeschnittene“ Chormantel aus chinesischem Seidenbrokat aus dem 14. Jahrhundert befindet sich heute noch in der Lübecker Sammlung.
Erst ein Gutachten des Generalkonservators der Kunstdenkmäler des preußischen Staates, Ferdinand von Quast, aus dem Jahre 1873 konnte den Ausverkauf der Paramente verhindern. Eine erste Beschreibung lieferte der Küster A. Hinz 1870 in zwei Bänden. Im Jahre 1929 wurde dann eine Gesamtausstellung der Paramente im Danziger Stadtmuseum in der Fleischergasse gezeigt, die aber nicht mehr alle der von Hinz erwähnten Teile enthielt. Prof. Dr. Mannowsky, Direktor des Danziger Stadtmuseums, hat 1938 in seinem unten genannten Werk 541 Einzelstücke beschrieben. Sie wurden in der Schatzkammer von St. Marien, der Barbarakapelle, der südwestlichsten Seitenkapelle im südlichen Querschiff, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ab 1937 wurden die wichtigsten Stücke im Danziger Stadtmuseum gezeigt.
Als Ende 1944 die Kriegshandlungen des Zweiten Weltkrieges näher an Danzig heranrückten, machte man sich Sorgen über den Erhalt dieser einmaligen, kostbaren Schätze. Der Pfarrer von St. Marien, Oberkonsistorialrat D. Gerhard Gülzow (*1904 in Liepgarten/Ueckermünde, +1980 in Lübeck), schreibt, dass gemeinsam mit der Gemeinde und den Kirchenältesten, die auch Denkmalpfleger waren (Prof. W. Drost und Oberbaurat E. Volmar), eine Auslagerung nach Thüringen und Bayern erfolgte. In einem Brief aus dem Jahre 1993 schreibt Prof. Dr. Pieper, der sich „als Freund des verstorbenen Pastors Gülzow“ bezeichnet: „Als diese Gemeinde vor der anrückenden russischen Armee flüchtete, hat ihr Leiter, Pastor Gülzow, den vertrauenswürdigsten Familien je eines der wertvollen alten Paramente mitgegeben und einen Rest selbst mitgenommen. Pastor Gülzow hat in der Lübecker Schwesterkirche Aufnahme gefunden, er wurde Pastor an der Luther-Kirche. Von dort aus hat er Verbindung zu seinen verstreuten Gemeindemitgliedern aufgenommen und die Paramente wieder eingesammelt. Erstaunlicher Weise sind auf dem langen Fluchtweg kaum Verluste entstanden.“
Man kann wohl davon ausgehen, dass beide Wege für die Erhaltung der Paramente in dieser von größter Unsicherheit gekennzeichneten Zeit eingeschlagen worden sind.
Die Paramente aus Thüringen konnten nach 1945 nicht alle nach Lübeck, dem „Zufluchtsort der Danziger Kirchenleitung“, überführt werden. Ein großer Teil wurde von Ostberlin im Oktober 1961 dem inzwischen polnisch gewordenen Danzig übergeben, so dass dort heute 183 Stücke aufbewahrt werden. Im Jahre 1958 gab es aus Anlass der Eröffnung des Theodor-Heuss-Baues im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg eine Ausstellung der Paramente, in deren Katalog alle 103 Stücke der Lübecker Sammlung aufgeführt und beschrieben werden. Zusätzlich befinden sich einige Stücke in Nürnberg.

Die Paramente wurden seit April 1964 in mit erheblichem Aufwand besonders hergerichteten, übereinander liegenden Räumen im Westwerk der Lübecker Marienkirche zwischen den beiden Türmen zur Besichtigung ausgestellt. Ebenfalls gezeigt wurden Altargeräte aus Silber, wie z. B. Kelche als Trinkgefäße, die aus den beiden evangelischen Kirchen in Thorn
gerettet wurden. Pastor H. Brauer, Lübeck, berichtet aus den Rechnungsbüchern, dass etwa 7000 Besucher im Jahr von den wunderbaren Exponaten angezogen wurden. Frau Erika Sellin (Sekretärin der Gemeinschaft Evangelischer aus Danzig- Westpreußen) war für die Beaufsichtigung und die Kasse zuständig. Da die Mariengemeinde in Danzig als Eigentümerin der Sammlung nicht mehr existierte, ging sie in den Besitz der Evangelischen Kirche der Union (EKU) mit Sitz in Berlin über. Der Örtliche Beauftragte der EKU in Lübeck war seitdem 1. 4. 1979 als Nachfolger von Oberkonsistorialrat Gülzow der Lübecker Pastor Martin Hesekiel (*1912 in Posen, +2003 in Lübeck), der vor dem Kriege in Danzig und Neuenburg a. d. Weichsel tätig war.
Pastor Gülzow berichtet über die Paramente: „Außer dem chinesischen Chormantel aus dem 14. Jahrhundert befinden sich in der gezeigten Ausstellung als Prachtstücke der Sammlung einige Chormäntel und Dalmatiken, die aus Mesopotamien oder Ägypten stammen. Wahrscheinlich sind diese Stoffe als Beutegut aus einem der Kreuzzüge nach dem Westen gekommen und hier zu Meßgewändern verarbeitet worden. Auf den prunkvollen Stücken, die reich mit Tiermotiven, Lotosblüten und Blattornamenten gearbeitet sind, befinden sich breite Schriftborten mit Votivinschriften in runder Naskhi-Schrift1 .
Vielleicht handelt es sich um Stücke aus Teppichen für die Krönung eines Mamelucken-Sultans….
Am stärksten sind italienische Brokate, namentlich aus Lucca, aber auch aus Florenz und Venedig, vertreten. Oft lustig anzusehen sind die Motive der kunstvollen Darstellungen. Adler und Falken, Elefanten und Affen, Gazellen, Leoparden und Antilopen, Löwen Schwäne und Fische, Jagd- und Liebesszenen, Schiffe und Bäume, Blüten, Blätter und Ranken sind in immer wechselnder Stellung und Reichhaltigkeit kunstvoll zu herrlichen Mustern zusammengefügt. Unverkennbar beweisen die Motive den starken Einfluß, den die Kunst Chinas und Vorderasiens auf die italienische Brokatweberei in ihrer Blütezeit ausgeübt hat. Das geht soweit, daß man in Lucca pseudoislamische Schriftzeichen einweben und Panther, Khilin2    und Fonghoang3 
abbilden konnte….
Herrliche Kostbarkeiten unserer Sammlung sind schließlich die feinen, bunten Stickereien (…mit überwiegend christlichen Motiven…) auf Antependien und Altartüchern, die dem norddeutschen Raum von Lübeck bis Danzig und auch Schweden entstammen….Ergänzt wird die Sammlung durch eine größere Anzahl von Reliquienkästchen, Kelchtüchern, prunkreichen Sargdecken und Altarbehängen, Sudarien, Manipeln und Humerales sowie anderen gottesdienstlichen Utensilien.“
Vier verschiedene Farbpostkarten ausgewählter Stücke sind 1983 entstanden, von denen noch heute eine im St. Annen-Museum erworben werden kann.
Im Jahre 1990 mussten die Paramente die Lübecker Marienkirche verlassen. In diesem Zusammenhang wurde von Polen wieder das Verlangen laut, die Gewänder nach Danzig zu geben und dieses auch von einigen Personen unterstützt (z .B. von dem gebürtigen Danziger Hans Lothar Fauth, CDU-Mitglied der Lübecker Bürgerschaft).
Pastor Hesekiel wandte sich in einem Brief vom 27. Sept. 1990 an die Lübecker Nachrichten gegen Berichte, der Lübecker Bürgermeister Bouteiller habe die Übergabe der Paramente nach Danzig in Aussicht gestellt.
Auch Prof. Dr. Pieper schrieb am 10. 9. 93: „Wenn man die Paramente heute von polnischer Seite reklamiert, dann bedeutet diese Forderung, dass die Flüchtlinge nicht nur ihre Heimat und ihren Besitz aufgeben mussten, sondern nun auch noch das mühsam bewahrte Fluchtgepäck abgeben sollen. Dafür kann man keine Zustimmung erwarten,“
Zum 75. Geburtstag, am Sonntag, dem 23. September 1990, des besonders für seine mittelalterlichen und frühneuzeitlichen  Kunstschätze bekannten Lübecker St.-Annen-Museums wurde unter wohlwollender Begleitung der Presse eine Schatzkammer eingerichtet, in der Licht, Temperatur und Luftfeuchtigkeit den wertvollen Ausstellungsstücken in den Vitrinen entsprechend geregelt werden konnten. Hier wurden nun auch „die besterhaltensten und prunkvollsten Kostbarkeiten des aus Danzig stammenden Paramentenschatzes“ gezeigt gemeinsam mit weiteren kirchlichen Geräten aus Gold oder Silber aus dem Lübecker Bestand und „machen diesen Teil des St.-Annen-Museums zum Höhepunkt der mittelalterlichen Abteilung.“ In dem Zeitungsartikel vom 22. 9. 1990 heißt es auch: „Denn obgleich die Paramente im St.-Annen-Museum verbleiben sollen, fordert die polnische Kirche auch heute immer noch die Rückgabe dieser im Krieg nach Lübeck gebrachten Kirchenschätze.“ Die Sammlungen wurden als eine der wertvollsten Paramentensammlungen Europas bezeichnet.
Dementsprechend groß war auch die Freude und die Anerkennung der Museumsleitung und der Mitarbeiter, zumal aus dem ehemals auch reichen Schatz der Lübecker Kirchen nur wenige Paramente erhalten geblieben sind. Die Evangelische Kirche der Union als Eigentümerin der Danziger Paramente hatte zuvor einen entsprechenden Vertrag mit der Hansestadt Lübeck als Eigentümerin des St. Annen-Museums geschlossen.
Als die EKU im Jahre 2003  aufgelöst und in die Evangelische Kirche Deutschlands überführt wurde, gingen auch die Paramente in das Eigentum der EKD über, der sie heute noch gehören. Die Paramentenkammer im St. Annen-Museum wurde vor einigen Jahren wegen Bauarbeiten aufgelöst und die Paramente wurden im Magazin eingelagert. Sie sind bis heute der Öffentlichkeit nicht zugänglich. In der Schweiz soll von zwei Wissenschaftlerinnen eine Publikation über die Danziger Paramente in Vorbereitung sein. [Ergänzung: Die Publikation ist inzwischen erschienen unter dem Titel Birgitt Borkopp-Restle, Der Schatz der Marienkirche zu Danzig. Liturgische Gewänder und textile Objekte aus dem späten Mittelalter. Affalterbach 2019 - hinzugefügt: J. M.]
Diese Sammlung kostbarer Danziger Paramente ist nicht nur ein heute noch sichtbares Beispiel für die Pracht und Feierlichkeit der gottesdienstlichen Handlungen der damaligen Zeit und die Lebenswelt unserer Vorfahren, sondern ebenso ein Beleg für die erstaunlich hohe Kunst im Bereich der Weberei und der Stickerei vergangener Jahrhunderte. Vor allem aber steht sie für das reiche kulturelle Erbe, das Danzig und der damalige deutsche Nordosten hinterlassen haben und das als Teil der gesamten deutschen Geschichte und Kultur zu bewahren, Pflicht sein sollte.

Nachtrag 2019

Nach Schließung der Paramentenkammer und jahrelanger Einlagerung der kostbaren Paramente in ein Magazin im Museum, so dass sie praktisch unzugänglich waren, erfolgte am 18. Januar 2019 in einem würdigen Festakt, dem auch vertriebene Danziger beiwohnten, die Wiedereröffnung einer „Paramentenkammer“. In einem der schönsten Remter des St. Annen-Museums befinden sich jetzt fünf vorschriftsmäßig temperierte und belüftete Vitrinen, in denen wechselweise ausgewählte Danziger Paramente präsentiert werden. In einer weiteren gleichartigen Vitrine wird die Dalmatica des Lübecker Bischofs Hinrich II. Bocholt aus dem einst umfangreichen Lübecker Paramentenschatz gezeigt. Der Raum gewinnt durch zwei große, farbig strahlende Glasmalereien, die ähnlich wie Fenster wirken, und zwei kostbare alte Altäre, die dem Raum eine besondere Atmosphäre verleihen.. Dieses außergewöhnlich wertvolle, eindrucksvolle mittelalterliche Ensemble ist nun in die Dauerausstellung des St. Annen-Museums integriert.

Benutzte Literatur aus meiner Sammlung

Gerhard Gülzow: Aus dem mittelalterlichen Paramentenschatz von St. Marien-Danzig jetzt in St.Marien-Lübeck. O. J., o. O.
Kirchenbrief der Gemeinschaft Evangelischer aus Danzig-Westpreußen Nr. 39.
März 1957, S. 2
Gerhard Gülzow: Die Danziger Marienkirche und ihre Kunstschätze. Text zu einer Diaserie mit 69 Bildern von Renate Kückbusch. O. Jahr.
Aus dem Danziger Paramentenschatz und dem Schatz der Schwarzhäupter zu Riga. Ausstellungskatalog des Germanischen National-Museums, Nürnberg 1958.
Willi Drost: Die Marienkirche in Danzig und ihre Kunstschätze. W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1963

Maria Zelewska: Messgewand aus der Danziger Werkstatt der Brigittinnen. Nationalmuseum in Gdansk. Gdansk 1989.
Lübecker Nachrichten vom 1.6.1990,  20.9.1990, 22.9,1990, 4. September 1993
Martin Hesekiel: Brief vom 27. Sept. 1990 an die Lübecker Nachrichten
Der Danziger Paramentenschatz im St. Annen-Museum. Museum für Kunst und
Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck. O. Jahr, o. Autor.

Brigitte Heise und Hildegard Vogeler: Form und Funktion liturgischer Gewänder und Kirchengeräte. Museum für Kunst und Kulturgesch. der Hansestadt Lübeck, 1990.
Prof. em. Dr. Ing. Dr. Ing. E. h. Klaus Pieper: Brief vom 10.9.93 an den Vorstand der St.Marien-Gemeinde Lübeck, das St. Annen-Museum Lübeck, und das Germanische
Nationalmuseum Nürnberg.
Birgitt Borkopp-Restle und Barbara Schellewald: Ein Ornat für den Lübecker Dom. Hinrich II. Bocholt – Inszenierung im Leben und nach dem Tode. In: Zeitschrift für Lübeckische Geschichte, Band 91 (2011), S. 9 – 27.

Ferner:

Aus dem Danziger Paramentenschatz und dem Schatz der Schwarzhäupter zu Riga. Ausstellungskatalog des Germanischen National-Museums. Nürnberg 1958.
Der Danziger Paramentenschatz im St. Annen-Museum. Museum für Kunst und   Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck. O. Jahr, o. Autor.
Kirchenbrief der Gemeinschaft Evangelischer aus Danzig-Westpreußen.
Nr. 39, März 1957, S. 2
Lübecker Nachrichten vom 1. 6. 1990, 20.9. 1990, 4. 9. 1993.

Weitere Literatur

Martin Cromer: Ratio proventum et suppellectilis ecclesasticae in civitate et suburbiis Gedanense. 1552, Stadtarchiv Danzig.
Franz Bock: Geschichte der liturgischen Gewänder des Mittelalters. Band 1 – 3. Bonn 1859 – 1871.
A. Hinz: Die Schatzkammer der Marienkirche. 2 Bände, Danzig 1870.
Walter Mannowsky:
Der Danziger Paramentenschatz. Kirchliche Gewänder und Stickereien aus der Marienkirche. Band 1 – 5,
Berlin 1931 – 1938
Karen Stolleis: Messgewänder aus deutschen Kirchenschätzen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. 140 Text- und 56 Farbseiten. Schnell & Steiner, Regensburg 2001. 

Auch ist inzwischen erschienen:

Birgitt Borkopp-Restle: Der Schatz der Marienkirche zu Danzig. Liturhgische Gewänder und textile Objekte aus dem späten Mittelalter. Didymos-Verlag, 2021. 384 Seiten mit 190 farbigen Abbildungen und 144 Graphiken. Gebunden EUR 48,--.

H.-J. Kämpfert, 10. Juli 2017
Ergänzt: 2. 10. 1

Anmerkungen:
 1Anmerkung Kämpfert: Auch Naschi = Nas-chi: Hauptschrift für das Schreiben des Korans, ab etwa 1000 dominierende arabische Schriftart.
 2Anm. Kä.: Auch Qilin: Mythisches, einhornähnliches Tier aus Ostasien)
 3Anm.: Kä.: mythischer, einem Phönix ähnlicher Vogel aus China

[Anschreiben vom 2. Februar 2023 - Jürgen Martens]

Vorsitzende des Rates der EKD
Frau Präses Dr. h.c. Annette Kurschus
Herrenhäuser Straße 12
30419 Hannover

Danziger Paramentenschatz in Lübeck
Bezüge:
Mein Schreiben vom 27.12.2022
Schreiben OKR Dr. Evang vom 24.01.2023

Sehr geehrte Frau Präses Dr. Kurschus,

Sie hatten Herrn OKR Dr. Evang beauftragt, mein an Sie gerichtetes kritisches Schreiben vom 27. Dezember 2022 zu beantworten. Für die mit der Antwort verknüpften Mühen danke ich verbindlich. Allerdings können mich die inhaltlichen Aussagen nicht zufriedenstellen. Befremdlich ist für mich u. a., daß Ihre Pressemitteilung vom 9. Dezember 2022 über die Unterzeichnung des Deals mit dem Erzbistum Danzig elfmal den polnischen Namen Gdañsk benutzt statt den deutschen Namen Danzig. Befremdlich deswegen, weil das Auswärtige Amt empfiehlt, in offiziellen Verlautbarungen neben der jetzigen Namensgebung auch den deutschen Ortsnamen zu verwenden – das gilt uneingeschränkt auch für die EKD.
Ihr sog. Letter of Intent (Absichtserklärung) vom 8. Dezember 2022 betont die Freude von Stadt und Erzbistum Gdañsk, daß demnächst auch der Paramentenschatz nach Hause kommt, und verweist auf die Initiative der UEK bei der Rückgabe des Dreifaltigkeitsaltars der Georgsbruderschaft aus der Danziger Marienkirche im Geist der ökumenischen und der polnisch-deutschen Freundschaft. In der Tat: eine lobenswerte Aussage, zu der ich mich uneingeschränkt bekenne.
Doch müssen deshalb die Lübecker Paramente nach Danzig verschenkt werden, ohne daß das katholische Erzbistum Danzig eine Gegenleistung erbringt? Und dies zu einem Zeitpunkt, zu dem der polnische Staat Reparationsforderung an den Rechtsnachfolger des Deutschen Reiches, an die Bundesrepublik Deutschland, in Höhe von 1,3 Billionen Euro stellt? Dabei wird polnischer-, aber auch deutscherseits außer acht gelassen, daß Deutschland mit den Annexionen von Pommern, Westpreußen mit Danzig, Ostbrandenburg, Schlesien und südliches Ostpreußen durch Polen bereits Kompensationsleistungen einschließlich der damit verbundenen privaten und staatlichen Infrastrruktur- und Vermögensverluste erbracht hat, die die polnischen Forderungen um weit mehr als das Doppelte übertreffen.
Meine Frage nach der Vereinbarkeit des in der Absichtserklärung angekündigten grundlosen Verschenkens von deutschem Kulturgut erfährt keine Antwort auf die in § 96 Bundesvertriebenengesetz (BVFG) formulierte Verpflichtung von Bund, Ländern und Gemeinden – sie gilt auch für das Eigentum, das die UEK als Rechtsnachfolgerin von den untergegangenen evangelischen Gemeinden in den historischen deutschen Ostprovinzen einschließlich Westpreußens mit Danzig übernommen hat - entsprechend ihrer durch das Grundgesetz gegebenen Zuständigkeit das Kulturgut der Vertreibungsgebiete in dem Bewußtsein der Vertriebenen und Flüchtlinge, des gesamten deutschen Volkes und des Auslandes zu erhalten. Auch meine Frage nach der Vereinbarkeit von Artikel 14, 2 GG mit Ihrer Schenkungsabsicht bleibt unbeantwortet. § 96 BVFG fordert von staatlichen Stellen – die beiden Kirchen sind eingeschlossen – den Erhalt des deutschen Kulturgutes. Das betrifft auch Danzig.
Gestatten Sie mir an dieser Stelle einen knappen historischen Rückblick: Spätestens seit der Inbesitznahme Pommerellens und seiner Hauptstadt Danzig durch den Deutschen Orden 1308/09 entwickelte sich die Stadt endgültig zu einem Kernpunkt deutscher Siedlung und Tätigkeit an der Ostsee. Unabhängig von der jeweiligen politischen Zugehörigkeit Danzigs war diese Stadt bis 1945 zu etwa 97 Prozent von Deutschen bewohnt und somit deutsch geprägt. Erst das Kriegsende 1945 brachte mit Flucht und Vertreibung einen vollständigen Bevölkerungsaustausch. Wenn Sie nunmehr beabsichtigen, die unermeßlich wertvollen Paramente nach Danzig zu verschenken, so ist dies ein Unrechtsakt, denn Sie geben deutsches Kulturgut aus der Hand, das zu schützen und zu bewahren unser gemeinsames Anliegen ist. Sie und die UEK in der EKD sind m. E. zu dem Schenkungsakt nicht berechtigt. Nicht unerwähnt bleiben darf, daß die Danziger Marienkirche (Baubeginn 1343) 1502 fertiggestellt wurde. 1525 begann die Reformation in Danzig, und der letzte katholische Pfarrer war bis 1525 Alexander Svenichen. Seitdem predigten in St. Marien bis zum Kriegsende 1945 nur evangelische Geistliche, als letzter Pfarrer Dr. Gerhard Gülzow; St. Marien war für mehr als 400 Jahre eine evangelische Kirche. Somit war es die evangelische St. Marien-Gemeinde, die die mittelalterlichen liturgischen Gewänder über mehr als 400 Jahr hegte und pflegte. Ob in der evangelischen Zeit der liturgische Schatz vergrößert wurde, darüber könnte die Lektüre von Walter Mannowskys fünfbändige Publikation Der Danziger Paramentenschatz. Kirchliche Gewänder und Stickereien aus der Marienkirche (Berlin 1931–1938) Auskunft geben. Auch Birgitt Borkopp-Restle ließe sich als Fachfrau zur Klärung dieser Frage heranziehen. Für mich ist das Verschenken der Paramente ein Kotau der EKD vor dem Erzbistum Danzig; rational läßt sich der gesamte Vorgang nicht begründen.Ist von Ihnen geklärt worden, wo die Paramente in Danzig sinnvollerweise konservatorisch verwahrt werden sollen? Die Danziger Marienkirche ist als Bewahrungsort mit öffentlicher Zugänglichkeit ebensowenig geeignet wie einst die Lübecker Marienkirche mit der Präsentation zunächst im Nordturm und dann im Westwerk (heute Standort der Großen Orgel). Als sinnvolle Alternative kommt nur das Danziger Nationalmuseum in Frage. Dieses beherbergt bereits 186 Teile – 1964 von der damaligen DDR-Regierung an Polen gegeben – der rd. 290 Paramentenstücke, die von Pastor Dr. Gerhard Gülzow mit einigen Getreuen seiner evangelischen Gemeinde vor der Vernichtung Ende 1944 gerettet werden konnten. Sie befinden sich demnach nicht in der Marienkirche zu Danzig, wie Ihre Absichtserklärung suggeriert! Ein Verbleib des Lübecker Teils der Paramente im St. Annen-Museum wäre somit mehr als gerechtfertigt. Gleiches gilt auch für den Teil der Paramente, die im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg bewahrt werden. In diesem Fall wäre noch abzuklären, ob dieser Part überhaupt mit der Rettungsaktion von Pastor Gülzow in Verbindung steht. Möglicherweise ist dieser Paramententeil bereits zu einem viel früheren Zeitpunkt in das Museum gelangt.
Weitere Fragen stellen sich: Wenn meine Informationen zutreffen, haben Mäzene bei der Finanzierung benötigter Ausstellungsvitrinen für das St. Annen-Museum mitgewirkt. Träfe das zu, wäre das nicht eine Brüskierung, die dazu führen würde, künftig von einem derartigen Engagement Abstand zu nehmen?
Ich bin der festen Überzeugung, daß statt der geplanten Paramentenschenkung nach Danzig auch eine andere Verfahrensweise als Ausdruck ökumenischer und polnisch-deutscher Freundschaft möglich ist. Man könnte einen regelmäßigen Austausch der in Danzig und in Lübeck vorhandenen liturgischen Objekte vereinbaren. Auf diese Weise bliebe im St. Annen-Museum der wertvolle Paramentenschatz bewahrt. Damit würde das Museum für seine jahrelangen Mühen zur Bewahrung der textilen Kleinodien honoriert und nicht gleichsam mit der Abgabe deutschen Kulturgutes in das heutige polnische Danzig „bestraft“ werden.
Der Letter of Intent der EKD vom 8. Dezember 2022 macht mich fassungslos (ich hatte das bereits in meinem Schreiben vom 27. Dezember 2022 formuliert); ich war entsetzt und wütend über das Verhalten der Leitung meiner evangelischen Kirche, deren Mitglied ich seit 83 Jahren bin.
Dieses absolute Unverständnis gegenüber Ihrem Verhalten wird gesteigert in Erinnerung an die Großtat von Pastor Dr. Gerhard Gülzow, der unter Lebensgefahr die Paramente aus seiner Danziger Marienkirche rettete, oder an den Lübecker Pfarrer Karl Friedrich Stellbrink. Er wurde am 10. November 1943 zusammen mit seinen katholischen Amtsbrüdern Johannes Prassek, Eduard Müller und Hermann Lange in Hamburg hingerichtet, weil sie öffentlich die Unrechtstaten der Nationalsozialisten kritisiert hatten. Die Hinrichtung von Karl Friedrich Stellbrink geht mir besonders deshalb nahe, weil er mich am 27. August 1939 in der Lübecker Lutherkirche, in der später Dr. Gerhard Gülzow das Pfarramt ausübte, getauft hatte.
Sowohl Pastor Gülzow als auch Pastor Stellbrink hätten als evangelische Geistliche den Maßnahmen ihrer Kirche, die in der Absichtserklärung zum Ausdruck kommt, mit Sicherheit kein Verständnis entgegengebracht.
Als Konsequenz stellt sich mir die Frage, ob ich es noch mit meinem Gewissen vereinbaren kann, dieser Kirche anzugehören.
Ich bitte Sie und fordere Sie zugleich auf, überdenken Sie Ihre kirchliche Absicht der Rückgabe und lassen Sie dies nicht Realität werden.

Mit freundlichen Grüßen
gez.
Jürgen Martens

Auf diese Eingabe an Frau  Präses Kurschus hat die Leitung der EKD bisher (Datum 10.02.2023) nicht reagiert.

Schreiben Hans-Jürgen Kämpfert/Jürgen Martens v. 13.02.2023

13. Februar 2023

An den
Bundeskanzler der
Bundesrepublik Deutschland
Herrn Olaf Scholz
Bundeskanzleramt
Willy-Brandt-Strasse 1
10557 Berlin

 


Danziger Paramente
Anlagen



Sehr geehrter Herr Bundeskanzler Scholz,

in einer Presseerklärung vom 9. Dezember 2022 hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) bekanntgegeben, dass die Union Evangelischer Kirchen (UEK) in der Evangelischen Kirche in Deutschland in einer Absichtserklärung vom 8. Dezember 2022 mit der Marienkirche Gdañsk eine Vereinbarung getroffen hat, in den kommenden Jahren deutsches Kulturgut aus den Vertreibungsgebieten – es handelt sich hier um unermeßlich wertvolle liturgische Gewänder aus der bis 1945 evangelischen Danziger Marienkirche - nach Danzig zu geben. 103 Stücke dieses mittelalterlichen Paramentenschatzes, die mit weiteren Teilen Ende 1944 in den Westen gelangten, befinden sich heute im Lübecker St. Annen-Museum und werden dort präsentiert.
Die Unterzeichner des Schreibens befinden sich mit weiteren Persönlichkeiten im schriftlichen kritischen Austausch mit der Leitung der EKD. Sie handeln auf der Grundlage von § 96 des Bundesvertriebenengesetzes (BVFG), der Bund und Länder verpflichtet, entsprechend ihrer durch das Grundgesetz gegebenen Zuständigkeit das Kulturgut der Vertreibungsgebiete in dem Bewusstsein der Vertriebenen und Flüchtlinge, des gesamten deutschen Volkes und des Auslandes zu erhalten. In diesem konkreten Fall soll verhindert werden, dass diese Paramente – als Teile deutschen Kulturerbes aus dem historischen östlichen Deutschland - nach Polen gegeben werden.
Wir bitten Sie eindringlich um Unterstützung unserer Bemühungen gegenüber der EKD, die Paramente nicht aus Deutschland abzugeben - dafür fehlt zudem die Rechtsgrundlage -, sondern sie in unserem Lande zu bewahren und sie weiterhin im St. Annen-Museum zu Lübeck der Öffentlichkeit zu zeigen. Dieses Museum gewährleistet höchsten ICOMOS-Standard für die Bewahrung und Pflege wertvoller Exponate. In der Danziger Marienkirche ist das nicht der Fall.
Einzelheiten entnehmen Sie bitte den beigefügten Unterlagen.

Mit freundlichen Grüßen
gez. H-J. Kämpfert / J. Martens

Schreiben StArchDir a. D.  Dr. Rudolf Benl vom 04.03.2023

An die
EKD - Evangelische Kirche in Deutschland
z. Hd. der Praeses, Frau Dr. Annette Kurschus
Herrenhäuser Straße 12
30419 Hannover

Sehr geehrte Frau Dr. Kurschus!
Mit Bestürzung und Empörung habe ich vor wenigen Tagen erfahren, daß die Spitze der EKD, in erster Linie durch Sie vertreten, beabsichtigt, den in Lübeck verwahrten Teil des Danziger Paramentenschatz in das heutige Polen auszuliefern.
Noch im Juli 2022 standen meine Frau, die über ihre Mutter Danziger Herkunft ist – meine Schwiegermutter ist 1935 von Danziger Eltern in Danzig geboren –, und ich im Lübecker Annenmuseum bewundernd vor den ausgestellten Teilen des Paramentenschatzes, nicht ahnend, daß wir nach dem Willen der Spitze der EKD zu den letzten gehören sollten, die diese liturgischen Schätze, die zum deutschen Kulturgut gehören, sähen.
Wenn Erzbischof Wojda davon spricht, daß der Paramentenschatz „nach Hause“ kommt, so spricht er die Unwahrheit. Die Paramente sind bei denen „zu Hause“, für die sie geschaffen worden sind und die sie jahrhundertelang bewahrt haben: bei den Danzigern. Die Danziger, die nach 1945 vertrieben wurden, konnten und können nicht „nach Hause“ gehen. Sie mußten einem erobernden Volk ihre Heimat, ihr gesamtes Eigentum, ihr Kulturgut, soweit sie es nicht retten konnten – und das war wenig – überlassen. Nun soll ihnen und damit dem ganzen deutschen Volk auch noch ein wichtiger Teil des wenigen, was nicht in zugreifenden fremden Händen zurückgelassen werden mußte, genommen werden.
Wenn man Erzbischof Wojda die Paramente zusammen mit der Rückgabe der 380.000 vertriebenen Danziger anböte, wäre er darüber wahrscheinlich nicht begeistert.
Ich halte das Vorhaben der EKD-Spitze für empörend und denen gegenüber, denen so viel gewaltsam genommen worden ist, geradezu zynisch, zumindest herzlos. Andererseits scheint mir dem Erzbischof Wojda und vielen seiner Landsleute, auch solchen, die im geistlichen Stande stehen, das nach christlichem Verständnis erforderliche Unrechtsbewußtsein zu fehlen.
Zu diesem traurigen Kapitel der Geschichte, auch der Kirchengeschichte verweise ich auf die Veröffentlichung von Professor Georg W. Strobel, der Professor an der Technischen Hochschule Darmstadt war und vor allem zur Geschichte der Arbeiterbewegung in Ostmitteleuropa forschte und veröffentlichte: Chauvinismus und Verstrickung. Die Haltung der katholischen Kirche Polens gegenüber Deutschen und Deutschland, insbesondere nach 1945. In seiner Haltung gegenüber allem Deutschen ging der polnische Episkopat immer mit der kommunistischen Staatsführung konform. Nach dem Ende der Marxistenherrschaft in Polen hat sich an dieser Haltung aber offensichtlich nichts geändert.

Wenn Erzbischof Wojda und sein Diözesanklerus sich nun von den seinerzeit Beraubten noch einen wertvollen Teil des diesen verbliebenen kleinen Restes „schenken“ läßt, so wirft solches zumindest ein seltsames Licht auf den hohen Prälaten. Ich schreibe dies übrigens als praktizierender Katholik.
Offenbar empfindet im heutigen Danzig und in dessen weiter Umgebung niemand das völlig Unangemessene dieser Forderung und der weiteren nicht enden wollenden Forderungen des polnischen Staates und der polnischen Öffentlichkeit einschließlich seiner „patriotischen“ (wohl eher chauvinistischen) Kirche gegenüber den einstmals davongejagten Deutschen und dem wenigen, was diese an 800 Jahre deutscher Geschichte und Kultur erinnerndem Kulturgut für sich und das ganze deutsche Volk bewahrt haben. Eine solche Fühllosigkeit ist bestürzend und gibt zu denken. Ich erinnere an die von seiten des polnischen Staates erst vor wenigen Monaten wieder erhobenen Forderungen, zu denen auch die Forderung auf deutsches Kulturgut, das bei einem ostwärts führenden Transport die Waggons zahlreicher Eisenbahnzüge füllen würde.
Als meine Schwiegermutter und ihre Mutter, katholische Danziger, 1949 das polnische Lager Potulitz bei Bromberg, wo meine Schwiegermutter, damals ein zwölfjähriges Mädchen, von 1947 bis 1949, ihre Mutter von 1945 bis 1949 hatte leben müssen, und – ebenfalls in Waggons – westwärts bis Frankfurt/Oder verfrachtet wurden, konnten sie nur das mitnehmen, was sie am Leibe trugen.
Ich bitte Sie und die Spitze der EKD, von dem geradezu zynischen, überdies gegen den § 96 des Bundesvertriebenengesetzes verstoßenden Vorhaben, den in Lübeck verwahrten Teil des Danziger Paramentenschatz in das heutige Danzig auszuliefern, abzustehen. Wenn dies geschähe, würde sich die EKD in eine Reihe stellen mit dem SED-Regime unter Ulbricht, das 1962 – vielleicht unter starkem polnischem Druck – die andere Hälfte des Paramentenschatzes ausgeliefert hat. Will die EKD heute freiwillig etwas tun, was das kommunistische Regime der DDR vielleicht nur gezwungen getan hat?
Von „deutsch-polnischer Freundschaft“ kann nur die Rede sein, wenn beide Seiten, endlich auch die polnische, auf der Grundlage von Recht und Wahrheit miteinander umgehen, auf der Grundlage von Recht von Wahrheit die Vergangenheit betrachten und werten und auf der Grundlage von Recht und Wahrheit die Gegenwart gestalten.

Solange für Polen, auch für Episkopat und Klerus der polnischen Kirche – die immer mehr polnisch als katholisch war – die Aussage des 2000 verstorbenen exilpolnischen Publizisten Jerzy Giedroyæ gilt „Die moderne Geschichte Polens besteht in großem Maße aus Mythomanie oder patriotischer Verlogenheit“, ist ein Wandel im polnischen Verhalten allerdings leider recht unwahrscheinlich. Als Historiker, der jahrzehntelang auf dem Gebiet der ostdeutschen Geschichte – und zwar der Geschichte Pommerns – geforscht und veröffentlicht hat, kenne ich die polnische „Geschichtsdeutung“. Sie ist auf weite Strecken hin der Aufhellung durch das Licht der Wahrheit und der Wahrheitsliebe bedürftig. Dazu sollte endlich ein Aufbruch erfolgen. Das Verhalten der EKD-Spitze wird dazu aber nicht ermutigen.
Freundschaft kann nicht auf der Grundlage einer Konstellation entstehen, bei der der eine dem anderen Anweisungen gibt, der andere diese mit Bücklingen oder gar kriechend entgegennimmt und sie eilfertig vollzieht, bei der der eine die Hand aufhält und der andere sie füllt. Das Entstehen einer Freundschaft würde also durch Ihr Vorhaben keineswegs befördert, sondern, indem bisherige Verhaltensweisen sich für die polnische Seite wieder einmal als erfolgreich erweisen würden, verhindert.
Abschließend bitte ich Sie und die Spitze der EKD noch einmal, von dem unheilvollen, in aller Heimlichkeit und ohne Hinzuziehung der wirklich Betroffenen vorbereiteten Vorhaben abzustehen. Der Danziger Paramentenschatz ist nicht das Eigentum weniger an der Spitze der EKD stehender Personen.

Mit freundlichen Grüßen
gez. R. Benl

PRESSEBERICHTE

Am 5./6. Februar 2023 brachten die Lübecker Nachrichten in ihrer Wochenendausgabe folgenden Beitrag zum im Lübecker St. Annen-Museum bewahrten deutschen Kulturgut aus Danzig, dem Paramentenschatz aus der Danziger Marienkirche

danzigerparamente_ln_040223

Beitrag in Preußische Allgemeine vom 17. März 2023 unter dem Titel:

Danziger Paramentenschatz

Schatz zu verschenken
Die Evangelische Kirche möchte deutsches Kulturgut in polnische Hände geben

Der vollständige Text ist einsehbar durch Anklicken des folgenden Links: (PDF-Datei)

20230317_Danzig_Paramente_PAZ_Fedor-M-MROZEK
 

Stellungsnahmen engagierter Freunde des Danziger Paramentenschatzes.
Sie erreichten die LM Westpreußen, Berlin, nach der Veröffentlichung ihrer Presseerklärung ab dem 27. Februar 2023.

  • VIELEN DANK UND GRUSS, H.
     
  • Raus aus der Kirche. K.
     
  • Sehr geehrter, lieber Herr Hanke,
    vielen Dank für Ihr engagiertes Eingreifen in dieser aufwühlenden, unfassbaren Angelegenheit!
    Mit herzlichen Grüßen P.
  • Es muss hier von allen politischen Seiten die Frage gestellt werden, ob diese deutschen kulturellen und christlichen Wertgegenstände nicht im Austausch gegen die 700 Stück der in Schlesien ausgelagerten Kulturstücke der Oberlausitzischen Gesellschaft Görlitz gewechselt werden können ? Warum diese pflaumenweiche Art der ev. Kirche, nur zu geben und nicht auszugleichen??
    Freundl. Gruss  W. L
     
  • Wir sind ausser uns   S. S.
     
  • Lieber Herr Hanke,
    würde der Vorfall in Sachsen stattfinden, würde man sich strafbar machen. Nach meiner Auffassung sind die rechtlichen Regelungen in allen Bundesländern etwa gleich.
    Mit freundlichen Grüßen F. Z.
     
  • Sehr geehrter Herr Hanke!
    Vielen Dank für Ihre Nachricht von heute, die die empörende Mitteilung enthielt, daß die „Evangelische Kirche Deutschlands“ den in Lübeck verwahrten Teil des Danziger Paramentenschatzes nach Polen ausliefern wird.
    Ich werde gegenüber der EKD schriftlichen Protest einlegen und bitte Sie, mir eine Anschrift, an die ich schreiben kann, zu benennen.
    Im Juli 2022 haben meine Frau, die über ihre Mutter Danziger Herkunft ist, und ich im Lübecker Annenmuseum noch mit großer Freude die dort ausgestellten Teile des Danziger Paramentenschatzes betrachtet. Das wird nun aufgrund der Entscheidung der „evangelischen Kirche Deutschlands“ nicht mehr möglich sein.
    Entgegen der Mitteilung der Landsmannschaft waren nicht alle Teile eingelagert. Vielmehr wurden, wie im Annenmuseum zu lesen war, aus konservatorischen Gründen im Wechsel immer nur Teile des Schatzes gezeigt. Es war im Juli 2022 auch eine Veröffentlichung des Museums zum Paramentenschatz zu erwerben. Natürlich konnten wir nicht ahnen, daß wir zu den letzten gehörten, die die Paramente noch sehen konnten.

    Das schändliche Verhalten der „evangelischen Kirche“ reiht sich dem schändlichen Verhalten der „deutschen“ katholischen Bischöfe an, die 2001/2002 die im Bischöflichen Zentralarchiv verwahrten ostdeutschen Kirchenbücher an Polen auszuliefern. Das geschah aufgrund einer Vereinbarung mit der polnischen Bischofskonferenz, die man klammheimlich vorbereitet hatte und mit der man erst, nachdem der üble Kardinal Lehmann im September 2001 mit Kardinal Glemp, einem ausgesprochenen Deutschenhasser, den Vertrag in Warschau unterzeichnet hatte, an die Öffentlichkeit ging. Die Auslieferung erfolgte am 17. Juni 2002.
    Ich habe damals alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den Verband deutscher Archivare zum Handeln zu bewegen. Es war vergeblich. Das Bestreben, es sich mit den Bischöfen und mit Polen nicht zu verderben, war stärker. Da mir der damalige Vorsitzende dieses Berufsverbandes überdies noch drohte, trat ich nach über 20jähriger Mitgliedschaft im Verband deutscher Archivare aus dem Verein aus.
    Ich war dann der einzige deutsche Archivar, der – und zwar mit einem Aufsatz in der „Kulturpolitischen Korrespondenz“ des Ostdeutschen Kulturrates – fachlich gegen die Auslieferung Stellung nahm. Natürlich änderte das an der Sache nichts mehr. Rudolf Benl: Man verliert, was man verloren gibt. „Rückgabe“ ostdeutscher Kirchenbücher aus dem Bischöflichen Zentralarchiv Regensburg an polnische Bistumsarchive. In: Kulturpolitische Korrespondenz. Berichte. Meinungen. Dokumente Nr. 1163 (20. Februar 2003), S. 2–5, Nr.1164 (10. März 2003), S. 2–4.
    Zuvor schon hatte der Bremer Senat die nach Westen geretteten Bücherschätze der Danziger Naturforschenden Gesellschaft, die der Freien Stadt Bremen gar nicht gehörten, an Polen ausgeliefert. Vgl. dazu Gilbert H. Gornig: Das rechtliche Schicksal der Danziger Kulturgüter seit 1939/45 am Beispiel der Naturforschenden Gesellschaft zu Danzig. Ein Rechtsgutachten (Mittel- und Osteuropawissenschaften. Reihe Recht, 1), Köln (Verlag Wissenschaft und Politik) 1999.
    Ich empfehle, über einen Juristen gegen die Auslieferung eine einstweilige Verfügung zu bewirken. Sollte Professor Gornig, der sich damals zu den Büchern der Danziger Naturforschenden Gesellschaft geäußert hat, noch lebt, könnte man an ihn herantreten.
    Mit freundlichen Grüßen R. B.
     
  • Sehr geehrter Herr Hanke,
    das ist ja unglaublich. Mich informierte vor wenigen Minuten bereits Herr Dr. B. über Ihr Schreiben.
    Er will ein Protestschreiben an die EKD verfassen und ich habe ihn gebeten, wenn er es will, auch meinen Namen darunter zu setzen.
    Auch habe ich schon alles an unsere Hauszeitschrift "Preussische Mitteilungen" weitergeleitet und den Herausgeber Dr. Enno Eimers gebeten, darüber zu berichten.
    Vielleicht würde es sich auch empfehlen, Ihr Schreiben auch an die "Junge Freiheit" z. Hd. Herrn Mattias Bäkermann zu richten. Herr Bäkermann ist erstens der Geschichtsredakteur der JF und zweitens von westpreußischer Herkunft. Da könnte man etwas Massenwirksames tun. Falls Sie es nicht selbst tun möchten, dann geben Sie mir grünes Licht. Ich kann eigentlich mit Herrn Bäkermann ganz gut.
    Mit traurigen Grüßen J. Sch
     
  • Sehr geehrter Herr Hanke,
    mein Schwager Gustav Graf K. übersandte mir Ihre Pressemitteilung zu EKD Danziger Paramente. Ich bin z. Zt. Vorstandsvorsitzender der Ost- u. Westpreußenstiftung in Bayern e.V. und interessiere mich selbstverständlich für die Belange Danzigs und wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mich künftig in Ihren Verteilerkreis aufnehmen würden.
    Ihre Pressemitteilung wird auf der bevorstehenden Mitgliederversammlung Thema sein.
    Mit freundlichem Gruss
    Ch. L.
     
  • Mail des  Bundesvorsitzenden Marcel Pauls, Bund der Danziger, vom 28.02.2023
    Sehr geehrter, lieber Herr Hanke,
    vielen Dank für Ihr engagiertes Eingreifen in dieser aufwühlenden,
    unfassbaren Angelegenheit!
    Mit herzlichen Grüßen
    Marcel Pauls
     
  • Lieber Friedrich,
    wir arbeiten weiter am Problem. Interessant: Frau Kurschus war letzten Sonntag bei Anne Will und erzählte von ihrer kürzlichen Reise nach Polen. Da ergibt der Vertrag vom 8.12.22 Sinn, auch die Ehrendoktorwürde 2019 der Uni Münster!
    Ich bin der Meinung, dass die Danziger Paramente regional zwar ein Problem der entsprechenden LMen sind, aber die Frage der Aus- bzw- "Rückführung von deutschem Kulturgut ein gesamtdeutsches Problem ist und daher auf höchster Ebene behandelt werden muss.
    Putin hat da im HInblick auf den Schliemann-Troja-Schatz ganz anders gehandelt: der darf Russland nicht mehr verlassen....!
    Beste Grüße H. [08.03.2023]
     
  • Am Mi., 8. März 2023 um 20:29 Uhr schrieb Fr. Z.:

    Lieber Reinhard,
    die Antwort [der EKD v. 07.03.2023] ist im höchsten Maße unbefriedigend. Der Ablauf Vorbereitungen innerhalb der Kirche ist für mich völlig uninteressant. Mich interessiert ausschließlich die Frage, ob die Rückführung rechtlich zulässig ist. Wegen einer Reihe persönlicher und ehrenamtlicher Probleme, die gerade in den letzten Tagen extrem zugenommen haben, kann ich diese Frage nicht erklären. Das sollten die Westpreußen und Danziger selbst tun.
    Mit freundlichen Grüßen
    Fri. Z.
     
  • Antwort EKD vom 07.03.2023 an Fr. Z. 

    Sehr geehrter Herr Z.
    Ihre E-Mail hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) erreicht. Gern antworten wir im Auftrag der von Ihnen angeschriebenen EKD-Ratsvorsitzenden, Präses Dr. h.c. Annette Kurschus, zugleich bitten wir um Verständnis, dass sie die vielen an sie gerichteten Schreiben sehr wohl wahrnimmt, jedoch nicht jeweils einzeln antworten kann. 
    Nach der am 8. Dezember 2022 erfolgten Unterzeichnung eines sog. "Letter of Intent" zur Übertragung der Eigentumsrechte an den derzeit in Lübeck und Nürnberg aufbewahrten Stücken des Danziger Paramentenschatzes an die Marienkirche Danzig und ihre Rückkehr dorthin haben uns einige Schreiben erreicht. Gern möchten wir das Vorhaben in seinen größeren Zusammenhängen verständlich machen.
    Die UEK ist Rechtsnachfolgerin der ehemaligen, mit Ende des 2. Weltkriegs untergegangenen, zur Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union gehörenden deutschen evangelischen Kirchengemeinden im heutigen Polen. Als solche ist die UEK Eigentümerin einer Vielzahl von kirchlichen Gegenständen, die bis zum Ende des 2. Weltkriegs, zumeist auf der Flucht durch Mitglieder dieser Gemeinden, nach Westen mitgenommen wurden, um sie vor Verlust oder Zerstörung zu bewahren. Diese Objekte sind schon zu Zeiten der früheren EKU – heute UEK – sorgfältig erfasst und in regulären Verfahren ausgeliehen worden. Für die Feier des Gottesdienstes bestimmte Gegenstände sind zumeist an Kirchengemeinden in ganz Deutschland ausgeliehen und dort weiter in gottesdienstlichem Gebrauch. Andere Gegenstände sind an Museen ausgeliehen worden, in denen sie sachgerecht aufbewahrt und ausgestellt werden können.
    Ein herausragendes Beispiel für beide Umgangsweisen ist der Dreifaltigkeitsaltar der Georgsbruderschaft aus der Marienkirche Danzig, dessen Retabel und Predella in den Kriegsjahren nach Berlin gelangt waren. Über Jahrzehnte war die Predella an die St. Johanniskirche Berlin-Moabit, das Retabel an die Gemäldegalerie Berlin ausgeliehen. Dieser Altar ist im Jahr 2020 in die Marienkirche Danzig, seinen angestammten Ort, zurückgekehrt. Auf Initiative der UEK und vorbereitet durch hochrangige persönliche Begegnungen zwischen Vertretern unserer Kirchen hatten die UEK und die Marienkirche Danzig in Verbindung mit dem Bistum Danzig einen Schenkungsvertrag geschlossen. Anlässlich der zweisprachigen ökumenischen Vesper zur Rückkehr des Altars, die pandemiebedingt erst verspätet in der Marienkirche Danzig stattfinden konnte, und eines damit zeitlich verbundenen öffentlichen Symposiums zu Fragen der Kulturgüterrückführung zwischen Polen und Deutschland im Juni 2022 in Danzig wurde – wiederum auf Initiative der UEK – in Aussicht genommen, einen Letter of Intent aufzusetzen, in dem die künftige Rückkehr der im Eigentum der UEK befindlichen Stücke des Danziger Paramentenschatzes an ihren historischen Ort, die Marienkirche Danzig, vereinbart werden sollte. Dieser Letter of Intent wurde in intensiven Gesprächen nicht nur zwischen der UEK und der Marienkirche Danzig sowie dem Bistum Danzig-Oliwa, sondern auch mit dem St. Annen-Museum Lübeck und dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg vorbereitet und ausgearbeitet.
    Der Letter of Intent über die Rückkehr des Danziger Paramentenschatzes nach Gdañsk ist am 8. Dezember 2022 in Hannover unterzeichnet worden, für die UEK von dem Vorsitzenden der Vollkonferenz und des Präsidiums, Kirchenpräsident Dr. Dr. h.c. Jung, und der Leiterin des Amtsbereichs der UEK im Kirchenamt der EKD, Bischöfin Bosse-Huber, für die Marienkirche Danzig von Prälat Bradtke und für das Bistum Danzig von Bischof Wojda. Er dokumentiert die beiderseitige Absicht, (1) dass die im Eigentum der UEK befindlichen Stücke des Danziger Paramentenschatzes in absehbarer Zeit durch einen Schenkungsvertrag in das Eigentum der Marienkirche Danzig übertragen werden und dorthin zurückkehren sollen, (2) dass die Marienkirche Danzig Voraussetzungen für eine konservatorisch sachgerechte Aufbewahrung und Ausstellung der Paramente schafft, (3) dass in Lübeck und ggf. auch in Nürnberg auch künftig einzelne Paramente des Danziger Paramentenschatzes ausgestellt werden und (4) dass ein Fachbeirat, in dem beide Seiten vertreten sind, die Umsetzung des Vorhabens begleitet. 
    Der Letter of Intent schließt mit den Worten: „Die UEK und die Marienkirche Gdañsk betrachten die erfolgte Rückkehr des Dreifaltigkeitsaltars und die beabsichtigte Rückkehr der Paramente zur Marienkirche Gdañsk und ebenso die dauerhafte Präsenz einzelner Danziger Paramente in Lübeck (und Nürnberg) als Ausdruck ökumenischer Verbundenheit zwischen evangelischer und römisch-katholischer Kirche, als Ausdruck der Versöhnung zwischen Deutschland und Polen und als Ausdruck der besonderen Verbundenheit der Städte Lübeck und Gdañsk.“
    Die UEK und die EKD standen und stehen mit der Direktorin des St. Annen-Museums, Frau Dr. Täube, sowie mit dem ehemaligen und dem jetzigen Leiter der Lübecker Museen, den Herren Professor Wisskirchen und Dr. von Stockhausen, in engem und einvernehmlichem Austausch. Die dauerhafte Ausstellung von einzelnen Danziger Paramenten in Lübeck wahrt den jetzigen Status. Sie soll dazu beitragen, die Erinnerung an die entsagungsvolle Rettung der Danziger Paramente durch Mitglieder der evangelischen Marienkirchengemeinde zu bewahren und die zwischen Lübeck und Danzig bestehende kulturelle Brücke zu stärken.
    Wir danken Ihnen für Ihren Hinweis auf die Rechtslage. Selbstverständlich wurde der ganze Vorgang auch rechtlich geprüft. Wir können keinen Verstoß gegen geltendes Recht erkennen.
    Mit freundlichen Grüßen und guten Wünschen
    i.A. T. Brand
    Mitarbeiter im Team Info-Service der evangelischen Kirche

     
  • Schreiben Fr. Z. an die Ratsvorsitzende der EK vom 27.02.2023: 

    Sehr geehrte Frau Bischöfin Kurschus,
    von einem Bekannten habe ich erfahren, dass der von Konsistorialrat Gülzow gerettete Danziger Paramentenschatz nach Polen verbracht werden soll.
    Nach meiner Auffassung verstößt dies gegen die gesetzlichen Bestimmungen über den Export von Kulturgütern in das Ausland.
    Ich selbst muss gestehen, dass ich selbst vor etwa 20 Jahren bei der Verbringung von deutschen Kulturgütern nach Polen mitgewirkt und die „Täter“ ermutigt habe. Erst später wurde ich auf die entgegenstehenden gesetzlichen Regelungen aufmerksam. Als meine Bekannten, nachdem sie auf diese gesetzlichen Regelungen hingewiesen worden waren, sich bei dem polnischen Museum erkundigten, ob es möglich ist, die Exponate für eine Ausstellung in Deutschland auszuleihen, mussten sie feststellen, dass die Exponate nicht mehr auffindbar waren.
    Ich selbst bin ausgesprochen polophil und hatte während meiner Berufstätigkeit auch die finanzielle Möglichkeit, die deutsch-polnischen Beziehungen erheblich finanziell zu fördern. Jetzt muss ich allerdings bekennen, dass sich das polnisch-deutsche Verhältnis seit der Regierungsübernahme durch die PIS grundlegend verschlechtert hat und diese Verschlechterung bei allen direkten Kontakten in Polen zu spüren ist. Mit einer gewissen Verzögerung nehme ich auch eine Verschlechterung der Einstellung der polnischen Geistlichkeit zu Deutschland wahr.
    Mit freundlichen Grüßen
    Fr. Z.
     
  • G. Sch. an R. Hanke mit Anhang v. 10.03.2023:

    Sehr geehrter Herr Hanke,
    Sehr geehrter Herr Kämpfert,
    anbei sende ich Ihnen mein am 02.03.23 an die Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche versandtes Schreiben zur Kenntnis zu, damit Sie sehen, dass auch ich (aus der mittleren Generation/meine Mutter ist aus Marienwerder) aufgrund Ihres Aufrufes aktiv wurde. Bleibt abzuwarten, ob es überhaupt eine Rückmeldung des RV-Büros gibt. Ich bin gerne bereit, dort weiter nachzuhaken.
    Mit freundlichen Grüßen
    G. Sch. aus Hamburg 
     
  • Ursprüngliche Nachricht v. 02.03.2023:

    "Vergabe des Danziger Paramentenschatz"

    Sehr geehrte Frau Kurschus, Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche,
    ich bin zutiefst betroffen und auch empört darüber, dass man obigen "Schatz" Polen aushändigt in der Hoffnung, damit zur deutsch-polnischen Freundschaft beizutragen. Ich bin sicher, dass Sie es in bester Absicht tun, muss aber darauf hinweisen, dass es eigentlich allein das Recht der Danziger bzw. West-/ Ostpreußen wäre, darüber zu entscheiden.
    Seit gut 70 Jahren können die Ost- und Westpreußen sich den Mund fusselig reden und die Finger wundschreiben, aber man will sie einfach nicht beachten. So lange schon stellt man die Vertriebenen und ihre Nachfahren kalt, um es Polen (und vermutlich auch einigen anderen) im Namen Deutschlands recht zu machen. Obwohl viele Vertriebene und deren Verbände frühzeitig bekundeten, auf jede Form von Rache und Vergeltung zu verzichten und uneigennützig Hilfe und Verbindungen in die Gebiete ihrer Heimat aufbauten, ist das Resüme, dass Polen nur nimmt und nicht gibt. Ich verstehe nicht, warum sich die evangelische Kirche und viele Deutsche so sehr von Polen und polnischen Klerikern in die Schuldnerecke drängen lassen.
    Erkennen Sie denn gar nicht, dass Ost- und Westpreußen, Pommern und Schlesien in Wirklichkeit das Kainsmal auf Polens Stirn sind?
    Viele Jahrhunderte der Geschichte Danzigs, Ost- und Westpreußens legen ausführlich Zeugnis über polnische Intentionen ab. Nach dem 1. und 2. Weltkrieg verstanden die Polen es dann besonders perfide, uns um unser komplettes Heimatland (eine ganz besondere Kulturlandschaft und außerdem das erste protestantische Land der Welt!) zu betrügen... und ihr katholischer Klerus spielte dabei stets eine ganz besondere Rolle! 
    Bitte lassen Sie sich nicht täuschen: Die Polen bereuen nichts, sie spielen nur mit Worten und der Unwissenheit der Allgemeinheit, um ihr Verbrechen zu rechtfertigen und zu vertuschen. In Wirklichkeit tun sie seit 70 Jahren alles, um das gestohlene Land mit allem was darauf ist, zu behalten. Ich frage mich inzwischen ernsthaft, ob der polnische Klerus überhaupt an das, was in der Bibel steht, glaubt. Wäre es so, dann müssten sie sich doch davor fürchten, was sie nach all den Todsünden, die sie aus reiner Habgier und Eitelkeit an uns begehen, erwartet.
    Bin ich wirklich in der Kirche Martin Luthers? War er nicht der Mann, von dem die kernigen Zitate stammen: "Eine Lüge ist wie ein Schneeball: Je länger man sie wälzt, desto größer wird sie" oder "Tu's Maul auf!" Er hat sich mutig gegen einen Betrug, durchgeführt im Namen der christlichen Kirche, zur Wehr gesetzt. 
    Nun, im polnische Klerus haben wir die Scheinheiligkeiten in Person. Also lassen Sie sich bitte nicht täuschen und ignorieren Sie die echten Kinder des Landes nicht.
    Mit freundlichen Grüßen
    G. Sch.
     
  • [Schriftwechsel mit der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Österreich]:

    Lieber Herr Travnicek,
    ganz herzlichen  Dank für  diese Unterstützung!
    Beste  Grüße
    Ihr Reinhard  M. W. Hanke

    Am Di., 28. Feb. 2023 schrieb Herr Travnicek:

    Sehr geehrter Herr Hanke,
    Lieber Landsmann,
    gleich im heutigen Pressedienst verweise ich auf Ihre geschätzte Mitteilung und wünsche viel Erfolg für diese – völlig berechtigte – Aktion!
    Mit freundlichen Grüßen
    Fritz Travnicek
    Sudetendeutsche Landsmannschaft in Österreich (SLÖ)
     
  • 30.03.2023

    Prof. Dr. Wyrwol:l
    Eine völlig unkoordinierte "Rückgabe" deutschen Kulturgutes an neue Besitzer, die mit diesem Erbe zuvor nie etwas zu tun hatten und zudem bisher keine Anstalten unternommen haben, dieses künftig in sachgerechter Weise zu verwahren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, ist gegenüber der eigenen Geschichte unverantwortlich. Die hierin erkennbare Mentalität zur Entsorgung der eigenen Nation ist schlichtweg bestürzend. Sowohl bzgl. der Danziger Paramente als auch in anderen Bereichen des ostdeutschen Kulturerbes sollte stattdessen (wie vom Petenten zurecht angeregt) eine Möglichkeit geschaffen werden, die heute über verschiedene Staaten verteilten Zeugnisse der deutschen Geschichte als solche (zumindest soweit konservatorisch vertretbar) in einem Rotationssystem grenzübergreifend zugänglich zu machen, damit sie möglichst bald für alle daran Interessierten erlebbar werden.
     
  • 30.03.2023

    Reiner Pfesdor:f
    Deutsches Kulturgut muss in Deutschland bleiben!
     
  • 30.03.2023

    Hans-Jürgen Kämpfert:
    Einmaliges Kulturgut aus den Vertreibungsgebieten
    muß in Deutschland (Lübeck) bleiben, um die kulturhistorische Bedeutung aufzeigen und erklären zu können.
     
  • 30.03.2023:
    Herrmenegild Barth-Bienwald
    Es macht mich sehr betroffen, wie man mit deutschem Kulturgut umgeht.